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und unter deren Augen das Vergehen fortgesetzt verübt wird, als angezeigt, dasselbe alsbald der richterlichen Kop- nition zu unterbreiten und falls der genannte Abgeordnete in der Straflhat auch fernerhin noch verharrt, zugleich seine Verhaftung zu beantragen, zu diesem Behuf aber in Gemäßheit des Artikels 31 Alnin. 1 der Reichsverfassung: Die Einholung der Genehmigung des Reichstages zur strafrechtlichen Verfolgung, und zur Verhaftung des Reichs- tagsabgeordneten Wilhelm Fritzsche" in Antrag zu bringen.

DiePolit Corresp." meldet aus Konstantinopel: Der Sultan beantwortete daö anläßlich der Regelung der Greuz- fragen an ihn gerichtete Beglückwünschungs-Telegramm des Fürsten von Montenegro in höflicher und freundschaftlicher Weise. Rustem Pascha geht demnächst nach Philippopel, um sich der internationalen Commission vorzustellen. Zwischen der Pforte und der Insel Samos droht ein Con- stict auszubrechen. Die constitutionelle Vertretung von Samos beschloß die Absetzung des Fürsten Photiades-Bey und ersuchte die Pforte um Ernennung eines neuen Für­sten. Die Pforte schrillt illdessen nicht geneigt zu sein, den Beschluß der samiotischen Nationalversammlung anzuer- kennen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 18. Februar. Heute um 11.2 Uhr trat das Staatsministerium zu einer Sitzung im Reichstags­gebäude zusammen, wahrscheinlich ist bei dieser Gelegenheit Beschluß gefaßt worden über den bevorstehenden Schluß des Landtags und dessen Modalitäten. Die Berufung des Oberpräsidenten Achenbach von DanzH nach Potsdam ist eine Thatsache, welche unfern Widerspruch gegen ander­weitige in Umlauf gesetzte Gerüchte rechtfertigt. Die Can- didatur Achenbachs war voil vornherein in den Vordergrund getreten, da er selbst seine Versetzung dringend wünschte und da ihm bei dem Austritt aus der Stellung des Handelsministers Zusagen gemacht waren in Bezug auf Berücksichtigung bei etwa eintretenden Erledigungen. Der König selbst hat sich für die Erfüllung des Wunsches des Hrn. Achenbach lebhaft interessitt. Im Anschluß an unsere Mittheilung in voriger Woche, daß im Laufe dieser Woche die Tarifreformkommission Sitzungen abhalten werde, ist zu melden, daß diese Sitzungen gestern und heute statt- gefunden haben. In der Sitzung des Bundesraths vom 15. Februar hat derselbe sich mit dem Anträge des dritten Ausschusses einverstanden erklärt, betreffend die Abäliderung des Gesetzes vom 10. Juni 1869 über die Wechselstempel­steuer. Es beträgt demnach künftig die Stempelabgabe bei einer Summe von 200 M. und weniger 10 Pf., bei einer

Summe von 200400 M. 20 Pf. und bei jedem Mehr von 200 M. 10 Pf. mehr bis zum Betrag von 1000 M. Von jedem Mehr von von 1000 M. beträgt die Abgabe 50 Pf. mehr, dergestalt daß jedes angesangene Tausend für voll gerechnet lvird. Der Ev. Oberkirchenrath hat auf Ersuchen des Ministers des Innern an die Consistorien . der älteren Provinzen ein Cirkular erlassen, betreffend das Gesetz vom 13. März über die Unterbringung verwahr­loster Kinder. Der Oberkirchenrath entspricht dem Ersuchen des Ministers die Pfarrgeiftlichen auf die Bedeutung des Gesetzes aufmerksam zu machen, indem er die Consistorien veranlaßt, die Geistlichen ihres Aufsichtskreises davon zu verständigen. Der Oberkirchenrath spricht die Erwartung aus, daß die Geistlichen Alles, was in ihren Kräften steht, thun und jede Gelegenheit ergreifen werden, um die heil­samen Zwecke des erwähnten Gesetzes zu fördern. In dieser Voraussetzung wird von einer besonderen Anordnung Ab stand genommen, es wird erwartet, daß die Geistlichen in der Lage sein werden, den Behörden behülflich zu sein bei der Ermittlung von Familien, welche sich zur Aufnahme verwahrloster Kinder eignen, sowie bei Ueberwachung der betreffenden Familienpflege. Insbesondere werden die aus der Zwangserziehung entlassenen Kinder denjenigen Geist­lichen empfohlen, in deren Gemeinden solche Kinder ein Unterkommen gefunden haben. Auch sollen die Geistlichen nicht unterlassen, in der Pastoralkonferenz sich über die geeigneten Mittel wachsamer Hülfsleistung zu verständigen. Der Minister des Innern Hal seinerseits durch einen Er­laß an die Oberpräsidenten das Cirkular des Oberkirchen­raths zur Kenutuiß gebracht und hervorgehoben, daß die Mitwirkung der Geistlichen für die ersprießliche Ausübung des Gesetzes vom 15. März vor. Jahres als wesentlicher Faktor anzusehen ist. Es sollen deßhalb die Behörden den Geistlichen Gelegenheit geben, ihr Interesse in der Fürsorge für die verwahrlosten Kinder zn bethätigen.

Katlowitz, 16. Febr. Die Kattowitzer Zeitung ver­öffentlicht eine Zustimmungsadresse der Mühlenbesitzer Ober­schlesiens vom 10. d. M. an den Fürsten Bismarck, in welcher auf den engen Zusammenhang der Interessen der Montanindustrie Oberschlesiens und diejenigen der Landwirth- schaft und der landwirthschaftlichen Industrie hingewiesen wird, indem der Rückgang der Montanindustrie auch alle anderen Zweige der ErwerbSthätigkeit lähmt. Durch das Darniederliegen der Montanindustrie sei die Konsumtions­fähigkeit in dem Grade vermindert worden, daß die Müh­lenbesitzer zum größten Theil ihren Betrieb auf die Hälfte reduzirt haben.In dieser Weise werden, heißt es weiter, um der Eintheilung der Staatsbürger Seitens der Gegner Ew. Durchlaucht inProducenten und Konsumenten" zu folgen, der Produzenten in deutscher Arbeit immer weniger,

Du vergißt ganz, daß Georg für unsere Sache kämpft und sein Leben für sie opfert."

Das ist nur seine Schuldigkeit", erwiederte Frau von Brevelay gleichgiltig.Doch lassen wir diese Streitfrage fallen. Ich wollte Dir nur sagen, daß es sich für Dich nicht schickt, mit einem solchen Menschen so vertraut zu verkehren. Wenn er mit Dir sprechen will, so mag er hierher kommen, meine Salons stehen ihm offen; in dieser stürmischen Zeit müssen wir solche Concessionen machen."

Mariou'S schönes Antlitz färbte sich etwas dunkler, sie sah ihrer Mutter fest in die Augen, als sie jetzt entgegnete:

Ich sagte Dir schon, daß ich Georg liebe und daß ihm mein Herz bis zum letzten Athemzuge gehören werde."

Frau von Brevelay zuckle zusammen; sie mußte die feine Hand auf die hohe Lehne deS geschnitzten Sessels stützen, um sich aufrecht zu erhalten, es war ihr, als habe ihr Jemand einen furchtbaren Schlag versetzt. Sie kannte ihre Tochter nach dieser festen, enychlossenen Erklärung war jedes weitere Einreden überflüssig. Wie jung auch Marion war, sie halte sich stets als echte Bre­tagnerin gezeigt, deren Wille nicht zu brechen, nicht einmal zu beugen war. Wenn sie einmal eine Leidenschaft ersaßt hatte dann war sie blind und rücksichtslos ihres Weges gegangen mit jenem eisernen Kopfe, der selbst beim härtesten Widerstande lieber an der Wand zerschellt, als zurückweccht. Finster und kalt wendete sich Frau Brevelay von ihrer Tochter ab und schweigend verließ sie das Zimmer. Wie viel Hoffnungen und Träume waren mit einem Schlage vernichtet! Ihr Kind war doch von dem Geist der Zeil, der Alles verwirrte mit fortgerissen worden und huloigte ihm Grund denselben republlkanischen Gmiivsätzen, die sie bisher verabscheut! Oder war es etwas anderes, wenn sie ihr Herz an den Sohn eineß Müllers verlor und ans ihrer unseligen Leidenschaft nicht einmal ein Hehl machte!

Dennoch gab die alte Dame ihre Sache nicht ganz ver­loren. Der Vater Georg's war ihr mit ganzer Seele er­geben, auf ihn mußte sie zu wirken suchen, er besaß gewiß über seinen Sohn so viel Einfluß, um ihn zur Vernunft zu bringen. Der alte Cadoudal war in seiner Jugend Bedienter bei Frau von Brevelay gewesen und hatte sich dann als Müller ganz in der Nähe des Gutes angesiedelt, und trotzdem er jetzt ein völlig freier Mann war, bewahrte er für feine gnädige Herrin eine unerschütterliche Anhäng­lichkeit. Sie konnte auf feine Treue und Ergebenheit mit Sicherheit zählen.

Trotz ihres Adelstolzcs, vielleicht gerade in Folge des­selben, verkehrte sie mit all ihren Untergebenen in ter herz­gewinnendsten Weise; sie nahm keinen Anstand, ihrenalten Freund", dm Müller, im Vorbeigehen zu besuchen und sich nach seinem Befinden zu erkundigen, und diese kluge Her­ablassung war cs, die ihr jetzt in den Tagen des furcht­baren Revolutionssturmes fo sehr zu stallen kam. Ueber- all gab es, selbst mitten unter den treuesten Royalisten, schon Abtrünnige, die ter neuen Sache znjubcltm, nur in ihrer nächsten Umgebung hatten solche Keime noch keinen Boden gefaßt. Deßhalb führte auch Frau von Brevelay am anderen Morgen ihren Beschluß ans und wanderte ohne weiteres Bedenken ganz allein dem Hause des Mül­lers zu.

Vor der Thüre faß ein junges, etwa zwölfjähriges Mäd­chen, die Tochter des alten Cadoudal. Kaum hatte die blondhaarige Kleine die gnädige Frau bemerkt, da eilte sie auf dieselbe zu und küßte ihr ehrfurchtsvoll die dargebolene Hand.

Wo ist dein Vater, Genevieve" fragte Fra» von Bre­velay freundlich und streichelte herablassend dem Kinde die zarte Wange.

Drinnen ist er ganz allein, soll ich ihn rufen?" ant-

Marburg, Donnerstag, 20. Februar 1879

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Tagesbericht.

DerReichsauzeiger" meldet die Ernennung des Unter- ecretärs Bitter zum Vorsitzenden der auf Grund deS

^«^Miftcngesetzes gebildeten Reichscommission. In dem jbtn des in Berlin erkrankten Feldmarschalls Grafen idrt i ist eine erhebliche Besserung eingetreten.

nimmt entgegen: bitten d.Blattes, ^Nnnoncen-Bureaux Dietrich & Co. in tmb Hannover; Th. in Frankfurt a.iDt.; ein & Vogler in a- M., Berlin, ia. Mn ic.; Rudolf in Berlin, Frank­furt a. M. re.

M Uh at erb

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. Di; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Duchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

ßrscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'schr Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgeoühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunst und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

marbeiters Wilhelm Fritzsche lautet int Wesentliche»:

ist u in zurückgekehrt, ohne daßfdie Aufenthaltsversagung zu- mommen wäre. Seine Eigenschaft als Mitglied des 1 ' stages und desfen Eröffnung scheinen nicht geeignet,

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«ahme statuirt, der Richter aber nicht unterscheiden wo das Gesetz nicht unterscheidet. Die Kaiserliche

der auf Gruud der bestehenden Gesetze gegen Mit- tr deS Reichstages verhängten, sie an der Ausübung

jen die Anordnung dieser Vorschrift zu schützen, da wagraph, welcher unter Nr. 1 in der Bestimmung

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- Spezialgesetzes eilte Ausnahme zu Gunsten der tagsmitglieder herleiten, wie dies auch bereits im

Zulassung seiner strafgerichtlichen Verfolgung ver- mit einiger Ueberraschung angehört zu haben.

llS oder bei der 3. Berathung zum Gegenstände einer teruug gemacht, insbesondere vvn dem Herrn Bericht- tter der Commission irgendwie beanstandet worden

was anderes als Jakobinerthum, wenn Du den Sohn ^Müllers Edelleuten gleichstellst und von ihm das Rtnmen in eine glänzende Lage erhoffst? Bedarf es kmehr als je all unserer Anstrengungm, um diese Leute Inhalten und uns den hervorragenden Platz zu sichern, ! den uns eine glorreiche Vergangenheit und die göttliche Atzung selbst gestellt?"

.Die alte Edelfrau ging jetzt mit hastigen Schritten auf ! ab; ihr Haupt war stolz in den Racken geworfen und ivn feinen, blassen Gesicht prägte sich all der Hochmuth | den der Adel Frankreichs sich noch bis zu jener Stunde, aller Demüthigungen und Schrecknisse, zu bewahren Nit. Wenn ihre Untergebenen sie in diesem Augenblicke M hätten, sie würden ihre milde, stets so herablassende ffk nicht wieder erkannt haben.

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ibe.

. obgleich Letzterer auf die von Ebendemselben zu den Paragraphen sonst gemachten Ausstellungen näher ein* Da das in Frage stehende Vergehen sich als ein - i Letztes, d. i. als ein solches darstellt, welches in einer sichten strafbaren Thätigkeit besteht, so erscheint eS für

leit $i nborff, vom 13. Febr. d. I., betr. die straftrechtliche n ^gung und Verhaftung des Reichstagsabgeordueteu

ibe ist Mitglied des Deutschen Reichstags und am frlaf* ' Mts., dem Tage der Eröffnung deS letzteren, nach

»Gerade Du, Marion, führst eine solche Sprache, die i s fiets auf Deinen alten Atel so stolz gewesen bist?"

Funktion hindernden Maßnahmen nicht in sich. Eben- 3um ltg läßt sich sonst aus der ReichSverfassung gegen* tn- der klaren Bestimmung des qu. Gesetzes als eines

äger. . .

----- emfungs-Ordre schließt die Aufhebung der SuSpendi-

jmnn-fcaß Schreiben an den Reichstag des Staatsanwalts

A Versammlungen zu Gunsten der zum Zweck einer P tschriebeucn Wahl zum Reichstag oder zur Landesver- * tig berufenen Versammlungen eine Ausnahme macht Nonal t Nr. 3 bezüglich der auszuweifeuden Personen keinerlei

icrte Frau von Brevelay vorwurfsvoll.

fh.. Die Tochter wollte etwas erwidern, aber die alte Dame 118 1 mit steigender Erregung fort und nun kam die ganze Pe ihres Charakters zum Vorschein.

i »Bist Tu denn ebenfalls von den Anschauungen ange- f i die Dir bisher so widerwärtig gewesen? Oder ist

Harte Sümpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

r, Marion ließ sich durch die vornehme Kälte ihrer Mutter

L einschüchiern.

oho» «Mußt Du nicht selbst sagen, daß Georg ein anßer- Micher Mensch ist? Hat er sich nicht bereits zum Heer-

re 91 tr aufgeworfen und winkt ihm nicht eine große Zu- - t?«

ur Ni Stage bei der zweiten Berathung des Gesetzes von dem gh a ordneten Windthorst-Meppen hervorgehoben und aner- t worden ist, ohne daß feine Ausführung int Hause

lnses «ttr Strafverfolg ungberufenen Behörde, in beten Bezirk

burtz )ie Sozialdemokratischen Mitglieder des tonn chstags waren in der letzten Sitzung fast vollzählig hnü^- ^en6' Hasselmanu scheint das Schreiben, welches i, Hei: