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XIV. Jahrgang

Marburg, Mittwoch, 19. Februar 1879

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Sheschlietzullg und Uuterftützimgswohufitz,

Der frühere, noch in gutem Andenken stehende Präsi-

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Fälle möge das Gesetz ordnen. Aber die Heimathsgemeinde ist's allein, die zugleich erziehend und bewahrend ein­greifen kann.

Wir wisten es dem geehrten Verfasser Dank, daß er so offen und maßvoll diese schweren socialen Nothstände namhaft gemacht hat, an denen unsere liberale Gesetzgebung einen großen Theil der Schuld trägt. Ihre Beseitigung gehört in erster Reihe zu der positiven socialen Reformar­beit, welche dem Socialistengesetz ergänzend zur Seite treten muß.

r Richt das leiseste Zagen beschlich ihre Brust, welch' f Gefahren der thmre Mann bei seinen Unlernehmun- g iu bestehen habe.

Bit'ie Blauen sollen sehen, daß wir auch einen stärkc-

lers einiges Interesse geschenkt, weil er vom College eine tüchtige Bildung und sogar angenehme Manieren mitge­bracht, doch daß sie-sich soweit und ihr Herz einem so niedrigen Menschen schenken könne, das zu glauben war ihr völlig unmöglich und mit Ungeduld erwartete sie die Rückkehr der Tochter.

Jetzt endlich trat Marion in das Zimmer, mit hoch- geröthetem Antlitz und in sichtbarer Erregung.

„Was hast Du, Marion?" wandte sich Frau von Bre- velay augenblicklich zu ihr und ihr Blick ruhte dabei for­schend auf dem Gesicht der Eintretenden.

„Denke, Mama, Georg ist nicht mehr gefangen, er ist

Harte Kämpfe.

Novelle von Ludwig Habicht.

(Fortsetzung.)

in eine socialistische und communistische Masse zu ver­wandeln.

Sie Folgerung hieraus ist, daß ein ganz unbedingtes Recht auf Eheschließung mit dem menschlichen Wohl .nicht vereinbar ist. Directe Mittel der Gesetzgebung zur Ver­hinderung unheilvoller Ehen sind zwar kaum zu finden, aber es muß einerseits wieder in das allgemeine Be­wußtsein kommen, daß es Unrecht und Sünde ist, Kindern das Leben zu geben, für welche man die nothwendigsten Elternpflichten zu erfüllen nicht im Stande ist. In der Gesetzgebung über das Armenwesen muß sodann der sittliche Ernst dieser Anschauung sich ausprägen.

Der Verfasser bekämpft in dieser Hinsicht vor Allem den allgemeinen Rechtsanspruch auf Unterstützung, den das Gesetz den Hilfsbeoürftigen gewährt. Das lähmt die Kräfte des Trägen, macht ihn nur begehrlicher und trotziger untergräbt den Wohlthätigkeitssinn der Einzelnen. Der moralischen und religiösen Pflicht der Nächstenhilfe ent- soricht nicht ein Rechtsanspruch des Bedürftigen, sondern nur eine Hoffnung auf Unterstützung, auf deren Erfüllung er um so mehr rechnen darf, je würdiger er derselben ist. Die Armenpflege, wenn sie fruchtbringend sein will, muß Vorsorge gegen die Verarmung sein, und kann daher nur von der nächsten Umgebung des Hilfsbedürftigen, von den Gliedern seiner Gemeinde durchgeführt werden. Die Ge­sundheit des Staates fordert lebenskräftige Ortsgemeinden, ein gesundes Gcmeindeleben. Soll aber die Gemeinde ein zusammengehöriges Ganzes sein, eine Familie im Großen, so darf ihr das Recht nicht entzogen werden, bei Aufnahme neuer Gemeindeglieder mitzuwirken, und diese Aufnahme darf nicht lediglich von der Thatsache abhängen, daß sich Jemand, wenn auch gegen ihren Wunsch, zwei Jahre lang ohne sichtbar gewordene Unterstützung in der Gemeinde aufgehaltcn hat. Als echte Corporation kann sie das Ver­armen eines Angehörigen verhüten, als offener Unterftü- tzungswohnsitz kann sie diese erste Aufgabe der Armenpflege nicht erfüllen.

Die unheilvollen Wirkungen des Gesetzes über den Unterstützungswohnsitz bedürfen bekanntlich keines Beweises mehr, mit Flickwerk ist hier nicht geholfen. Es hilft über­haupt nichts als mit dem Verfasfer unserer Broschüre die Rückkehr zum früheren Gesetze zu verlangen, wonach Jeder ein klar vorliegendes Heimathsrecht besitzen muß, das nicht bloö durch einen zeitweiligen Aufenthalt sich verändert. Mit der Freizügigkeit hängt diese Forderung uicht zu­sammen; aber der Aufenthalt an einem anderen Ort allein soll den früheren Heimathsverband nicht lösen, der zugleich ein mächtiges sittliches Band ist. ES gibt Fälle, wo die Heimathsgemeinde die Last der Pflege eines lange abwesend Gewesenen nicht allein tragen kann; diese

zählen. Trotzdem besaß Standes und der Sturm Adelstolz nur erhöht, welch unausfüllbarer gleichen von diesem

war, zu befehlen, wußte sie gegen Alle liebenswürdige, ge­winnende Formen zu zeigen, die ihr alle Herzen eroberten.

Der bretagttische Adel hat ohnehin sich gegen die nie­deren Stände nicht so streng und kühl abzusondern vermocht; ein gemüthlicheres Verhältniß hat sich hier zwischen Herr und Diener entwickelt und auch Frau von Brevelay hatte stets ihren Ehrgeiz darin gesucht, diesen armen Leuten gegenüber eine Art Vorsehung zu sein und sie durch ein herablassendes Wohlwollen für immer an sich zu fesseln. Es war ihr vollkommen gelungen: nicht nur ihre Diener­schaft, auch ihre ganze Umgebung verehrte die gnädige Frau und sie konnte auf die Treue und Ergebenheit ihrer Pächter sowohl, wie der benachbarten freien Leute mit Sicherhei

Tagesbericht.

Den berliner Blättern von Montag Abend zufolge ist der seitherige Oberpräsident von Westpreußen, Achenbach, zum Oberpräsitenten der Provinz Brandenburg ernannt.

ren Schlag gegen sie ausführen können", erklärte Georg. „Schon morgen greifen wir Nantes an und in wenigen Stunden muß ich wieder bei unseren Leuten sein."

„Hast Du Deinen Vater schon gesehen?'"

„Nein, ich eilte zuerst hierher; aber jetzt will ich ihm noch einmal die Hand drücken!"

Der junge Mann stano auf. Die Stunde des Schei­dens war gekommen.

„Lebe wohl, Georg," sagte Marion leise, ich zittere und zage nicht. Die heilige Jungfrau wird Dich schützen und wir werden und Wiedersehen, wenn diese blutgierigen Re­publikaner wieder von dem Boden,Frankreichs vertilgt worden."

„Lebe wohl, Marion, ich vertraue Dir und bis zum letzten Athemzuge gehört Dir mein Herz!"

Er umarmte sie noch einmal, preßte einen heißen Kuß auf ihre Lippen und dann war er wie ein Schattenbild in der Dämmerung des Parks verschwunden.

Langsam und gesenkten Hauptes schlug Marion den Weg zum Schlosse ein.

In dem hohen gewölbten Zimmer ihres Schlosses wanderte Frau von Brevelay mit hastigen Schritten auf und ab. Auf ihrem blaffen, feingeschnittenen Antlitz zeigte sich eine gewaltige Aufregung und von Zeit zu Zeit mur­melte sie vor sich hin: „Es ist nicht möglich; meine stolze Marion! Ich hätte den frechen Burschen nicht erst anhören sollen." Die Gestalt, das Gesicht, die ganze Haltung der Sprecherin verrieth die französische Ebelsrau. Diese elasti­schen Formen, die weder Aller noch Sorgen zu verändern vermocht, diese zarten, wohlgepflegten Hände konnten nur einer Dame angehören, die sich einer allen und adeligen Abstammung rühmen durfte. Ein Hauch von Vornehm­heit war um sie gebreitet, und trotzdem sie sichtlich gewohnt

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sie all' die Vorurtheile ihres der letzten Jahre hatte ihren denn nun wußte sie erst

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Wie die „N. P. Z." aus Berlin mittheilt, ist der Ge- ueral-Feldmarschall Graf von Roon, welcher im Hotel de 9tome daselbst abgestiegen ist, seit Freitag schwer erkrankt.

Die Eisenbahnenquote-Commission hat ihren Bericht der Zolltarifkommission übergeben und die Wiedereinführung der Eisenzölle vorgeschlagen. Es heißt in dem Bericht: keine andere Maßnahmen der Gesetzgebung im Gewerbs- unb Steuerwesen werden als ausreichend erachtet, um die Vortheile auszugleichen, welche die fremde Concurrenz durch die billigeren See- und Canalfrachlen, sowie durch billigere Productionsbedingungen und durch Ausfuhrprämien voraus hat und es wird deßhalb von den Eifenproducenten eine Wiedereinführung bezw. Erhöhung der Eisenzölle gefordert und zwar von etwa G bis 10 Mark für 100 Kilo für Roheisen, 20 bis 35 Mark für Stabeisen, 20 bis 30 M. für Gußwaaren, 60 bis 80 Mark für Weißblech, 40 bis 80 Mark für Maschinen. Aber auch aus dem Gesichts- pünkte der Steuerpolitik wurde die Wiedereinführung der Eisenzölle als gerechtfertigt, ja als nothwendig bezeichnet, weil die inländische Production einen nicht unerheblichen Antheil des Gesammtwerthes ihrer Producte in der Form von directen und inbirecten Steuern an bie Staatskassen abgeben, während das zollfrei eingeführte Eisen die öffent­lichen Einkünfte um den gleichen Betrag schmälern. Dem Verlangen nach Wiedereinführung der Zölle schließen sich auch die Vertreter derjenigen Industriezweige an, bereit Aufgabe, bie weisere Verarbeitung bes Eisens zu Maschinen, Werkzeugen unb sonstigen Gebrauchsgegenstänben ist. Wir erkennen in ber gedrückten Lage bet Eisenindustrie einen der Gründe für den traurigen Zustand ihres eigenen Ge­werbes. Selbst jene, welche theilweise oder ausschließlich ausländisches Material für Gegenstände des Exports ver-

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Meint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

die Lebensbedingtutgen des Volkes gerichtet hält; allein mthält bie schärfste Kritik über jene beiden Gesetze, in m der liberalen Wirthsckastspolitik ein so ungeheurer

3atfektij fiuß auf bas Leben bes beutschen Volkes eingeräumt [280 tat ist.

’M Herr v. Marschall geht baren aus, daß auf ber Fa- krö»i i- alle Cultnr, auf ber Gemeinde jeder Staatsverband cht, unb baß uns zur Zeit vor Allem bie Kräftigung

Abschaum ber Menschheit trennte. Wie empört mußte sie sein über bie Nachricht, bie sie heute erhalten. Aber es war ja gar nicht möglich! Wohl hatte sie bemerkt, baß Marion bent Sohn des Mül­

oder n t des badischen Ministeriums de« Innern, Freiherr sÄ iü v. Marschall, hat in einer Broschüre (lieber Ehe- 6R. itjjultg und Unterstützungsw ohnsttz, Freiburg, Herder.) i k zwei moderne deutsche Socialgesetze ein Votum ab- 1 iben, welches unsres Wissens von den liberalen Zei- _____; zm mit Stillschweigen übergangen worden ist. Die Mre ist nur 12 Seiten stark und mit der Klarheit |l . Ruhe des Staatmannes geschrieben, welcher den Blick

Gliche Anführer gab seiner Truppe das Zeichen. Rings Saßt! fielen meine Kameraden unb wie durch ein Wun- ’ Web ich verschont, bie Kugeln pfiffen dicht an mei- 187»-- Ohre vorüber. Trotz meiner furchtbaren Ermattung

Ä gesunden Familienlebens, sodann aber auch bie Her- g umsichtiger, pflichttreuer, lebenskräftiger OrtSge- ben noth thut. Das Reichsgesetz vom 4. Mai 1868 läßt eine Beschränkung ber Befugnis; zur Vereheligung der wegen Mangels einer Wohnung, noch eines hiu- nben Vermögens ober Erwerbes, noch wegen erlittener afung, bösen Rufs, vorhandener ober zu befürchtender tntung, bezogener Unterstützung oder auS anderen ilichen Gründen. Also ist absolut nöthig zu einer nichts als ein männliches und ein weibliches Wesen ein Bürgermeister, ber sie für ehelich verbunden er- Es scheint nach biesem Gesetz zum Glück bes Ein- unb zum Glück ber Menschheit nur barauf anzu- ett, möglichst schnell entwachsende Population zu n, unbekümmert um ihre Subsistenzmittel. Wo bie Bebingungen fehlen, aus benen sich wenigstens cherweise ein georbnetes Familienleben entwickeln kann, erwanbelt sich bas Familieuglück für Eltern unb r in Familiennoth, bie zuletzt alle besseren Ge­irn Menschen erstickt unb bie natürliche Liebe unter Familiengliebern in ansteckend wirkenden Haß gegen menschliche Gesellschaft verkehrt. Der Berufung auf Unterstützungswohusitz-Gesetz aber, welches für Erzie- , Unterricht und Erwerbsfähigkeit ber Kinder in Fällen aus öffentlichen Mitteln sorgen läßt hält ber sser entgegen, baß dies bie Familie nicht ersetzt, schafft, wo nur Milbthätigkeit am Platze ist, unb schließlich auch ber blühendste Staat nicht fort unb weiter hilfsbedürftige Generationen Hervorrufen kann, selbst zu verarmen unb bie gesellschaftliche Verbindung

k ich augenblicklich die Gelegenheit zu benutzen. Dicht $ mir lag ein Felsen; noch eh' bie Republikaner zur '"nung kamen unb noch einmal laben konnten, hatte feine Spitze erreicht unb war bann in ber nächsten __. kcht verschwunden. Sie hielten es nicht ber Mühe 187» ben E nzelnen zu verfolgen, vielleicht glaubten Sie daß ich viel zu matt unb elenb sei unb doch in ihre ^e fallen müsse; aber ich spannte meine letzten Kräfte litt.0*,» M gewann glücklich meine Freiheit wieder. Nun sollen , sehen, baß ber Georg Cadondal noch lebt und sie sollen Achten lernen."

•athemloser Spannung hatte ihm Marion zugehört, j .«Und was willst Du nun beginnen?" fragte sie leb-

tzWir hatten uns tagelang mit den Republikanern Herum­lagen," begann Georg. „Auf den Tod erschöpft, woll- uns in einem Schlupfwinkel etwas Ruhe gönnen, gernj ^tn roir un8 plötzlich überfallen, unb eh' wir uns noch [Hi Hehr fitzen konnten, waren wir umzingelt nnb gefangen. T’Tte » schleppte uns wochenlang umher unb ließ uns halb dnr toI9crn- Endlich wollte man unferm Leben ein Ende kn! wir wurden Alle in eine Reihe gestellt und ber