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Marburg, Freitag, 14. Februar 1879

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‘ den Nationalökonomen Deutschlands eingenommen Ran kommt in der Gegenwart zu den Grundsätzen naligen deutschen Zollvereins als einer Periode östlichen Aufschwungs mehr und mehr zurück, nach­ts deutsche Reichs in seiner bisher erstrebten Annähe- " zum Princip der Handelsfreiheit sich anderen Groß­gegenüber isolirt und zahlreiche Erwerbszweige Staatsangehörigen im Rückgänge sieht. Aber auch lange Jahrhunderte, ehe man an die Gründung eines

Friedrich II ««d die neuere Geschichtsschreibung.

Ein Beitrag zur Widerlegung der Märchen über angeblichen Soldatenhandel hessischer Fürsten. Melsungen. Druck und Verlag von Wilhelm Hops. 1879.

„Heute steht der Reisende mit seinem „BLdecker" in der Hand vor des Landgrafen Denkmale auf dem Friedrichs- Platze (zu Kassel) und liest staunend, daß man solchen Mann im Steine gar noch verherrlichen konnte (Friderico 11. Patra) Dachtest Du Kasseler Bürger wohl schon jemals daran, daß der kurze Vermerk im „BLdecker" Dich in Deinen Großeltern tief herabsetze, die einst ihrem theuern Friedrich, in treuester schlichter Liebe und durchdrungen von dessen Würdigkeit weitaus vor vielen, von ihren Scherflein dies Denkmal errichteten." So schließt das 11. Capitel dieser interes­santen Broschüre, einer Ehrenrettung, die nicht bloß jedem Freunde der hessischen Geschichte, die auch jedem Wahrheit und Gerechtigkeit liebenden Gemüthe, wo eö auch verweile, bestens zu empfehlen ist. Der nicht genannte doch von Manchem errathene Verfasser der ersten Abteilung des Schriftchens verschmäht alle Rhetorik, deren sich Anwälte sonst so gern bedienen und legt seiner schlichten Ausführung nur Thal- fachen zu Grunde, die ein genaueres Studium hessischer Geschichte voraussetzen. Ueber des Landgrafen Stellung zu der damaligen Subsidienwerbung, seitens des mit Hessen seit lange verbundenen und ihm noch Millionen schulden- denden Englands, erfahren wir, daß der Landgraf gar keine Neigung hatte, England auf sein Ansuchen willfährig zu sein, daß vielmehr seine Räthe und Stände die Truppen­stellung für den amerikanischen Krieg bei dem Regenten befürworteten und durchsetzten. Wir erfahren ferner, daß die hessischen Truppen in Amerika, hessische Landeskinder verbleibend, einen reichen Sold bezogen, der es ihnen mög-

wenigstens der deutsche Markt der nationalen Produktion insoweit erhalten werde, als dies mit unseren Gesammt- interessen verträglich ist, und daß demgemäß unsere Zoll- Gesetzgebung den bewährten Grundsätzen wiederum näher trete, auf welchen die gedeihliche Wirksamkeit des Zoll- Vereins fast ein halbes Jahrhundert beruht hat, und welche in unserer Handels-Politik seit dem Jahre 1865 in wesent­lichen Theileu verlassen worden sind.

Ich vermag nicht zu erkennen, daß tatsächliche Erfolge dieser Wendung unserer Zoll-Politik zur Seite gestanden haben.

Die Vorlagen in der angedeuteten Richtung werden insoweit und sobald die Einigung der verbündeten Regie­gierungen über dieselben stattgefunden haben wird, Ihrer Beschlußuahme unterbreitet werden.

Für den diesjährigen Reichshaushalt-Etat, welcher Ihnen ungesäumt zugehen wird, haben neue Einnahme­quellen noch nicht in Aussicht genommen werden können und es. ist daher, um den Etatsabschluß bis zum 1. April zu ermöglichen, die Deckung der Bedarfszisfer durch Matri- kular-Umlagen in Ansatz zu bringen gewesen. Ich darf hoffen, daß noch während Ihrer diesjährigen Session Ihnen die Vorschläge der verbündeten Regierungen über Ersetzung der Matrikularbeiträge durch andere Einnahme- Quellen werden zugehen können.

Als einen dringlichen Gegenstand Ihrer Verhandlungen darf Ich den am 16. Dezember v. I. mit Oesterreich ab­geschlossenen Handelsvertrag bezeichnen, welcher Ihrer Ge­nehmigung bedarf.

Die Verträge, durch welche der zu Bern 1874 begrün­dete Allgemeine Postverein befestigt und im Abschlüsse seines Grundgedankens der Gesammtheit der Verkehrsländer zu­gänglich gemacht ist, werden Ihnen zur Genehmigung zu­gehen.

Ebenso wird der Gesetzentwurf gegen Verfälschung der Lebensmittel Ihrer Berathung von Neuem unterbreitet wer­den und werden die Entwürfe zur Ergänzung der Justiz­gesetze Ihrer Beschlußfassung unterliegen.

Um dem Reichstag die Möglichkeit zu gewähren, die Ehre der Mitbürger, welche dem Reichstage nicht angehören, gegen die Ausschreitungen einzelner Mitglieder zu schützen und seiner eigenen Autorität da, wo sie verkannt wird, vollen Nachdruck zu gewähren, haben die verbündeten Re­gierungen zu Ihrer Beschlußuahme einen Gesetzentwurf vorgelegt, durch dessen Annahme die verfassungsmäßigen Befugnisse des Reichstags, nach Artikel 27 seine Disciplin selbst zu regeln, eine erweiterte gesetzliche Unterlage gewin­nen würden.

Die beunruhigenden Nachrichten über den Ausbruch der Pest im Osten Europas haben Uns in die bedauerliche

Notwendigkeit gesetzt, Vorsichtsmaßregeln zu treffen, welche dem Verkehr lästig fallen. Die jüngsten Nachrichten geben der Hoffnung Raum, daß die baldige Unterdrückung der Krankheit wenigstens in Rußland den energischen Vor­kehrungen der kaiserlich russischen Behörden gelingen werde. Sobald sich dies bestätigt, wird der Grenzverkehr sofort wieder auf den den politischen Beziehungen beider be­freundeten Länder entsprechenden nachbarlichen Fuß gesetzt werden.

Die Ungewißheit, in welcher die Schlußbestimmung von Artikel V des Prager Friedens van 1866 die Zukunft der Einwohner der nördlichen Distrikte von Schleswig er­hielt, hat Mich, nachdem die Lösung dieser Frage in wieder­holten Unterhandlungen mit Dänemark nicht gelungen war, veranlaßt, mit seiner Majestät dem Kaiser von Oesterreich und König von Ungarn in Verhandlung über eine Ab­änderung jenes Artikels zu treten. Den gegenseitigen freund­schaftlichen Beziehungen beider Reiche entsprechend, ist eine Vereinbarung beider Höfe in dem gewünschten Sinne zu Stande gekommen und am 11. Januar d. I. ratificirt worden, deren Wortlaut zu Ihrer Kenntmß mitgetheilt werden wird.

Die Hoffnung auf eine baldige Beendigung des Krieges im Orient, die Ich beim Beginn der letzten ordentlichen Session aussprach, hat sich erfüllt und es ist den im vori­gen Sommer versammelten Vertretern der Großmächte gelungen, sich über Anordnungen zu verständigen, von deren Durchführung der Schutz der Christen, die Sicherung der Ruhe im türkischen Reiche und die Wahrung des Friedens der Mächte Europa's zu erwarten ist. Die durch den Berliner Vertrag bekräftigten friedlichen Beziehungen der auswärtigen Mächte zu Deutschland und unter einander zu fördern, soll auch ferner die Aufgabe sein und bleiben, in deren Dienst Ich die große Macht, welche Deutschland durch seine Einigung gewonnen hat, verwenden will, so weit sie in meine Hand gelegt ist.

Wenn mir Gott die Erfüllung dieser Aufgaben gewährt, so will Ich mit dem dankbaren Gefühl, daß Meine Re­gierung bisher eine reich gesegnete sei, auch auf die schwere Erfahrung des letzten Jahres zurückblicken.

iden oder zu mindern. Die Vorschläge, welche Ich M » Bun sgeuosseu theils gemacht habe, theils zu rJL n beabsichtige, haben zunächst den Zweck, durch Be- ■'! ing neuer (Ännahmequelleu für das Reich die einzelnen

Tagesbericht.

je Eröffnung des Reichstages durch Se. Maj. den r im Weißen Saale des königl. Schlosses erfolgte kurz vor 214 Uhr. Die Tribüne des Saales war M. Im Saale selbst hatte sich eine große Zahl Reichstagsabgeordneten, Generalen und Staatswürdeu- n versammelt. In der Diplomatenloge wohnten der und der türkische Botschafter, mehrere Gesandten viele Mitglieder der Botschaften und Gesandschaften Handlung bei. Links vom Thron stand an der Spitze Lundesraths Fürst Bismarck. Se. Maj. der Kaiser t gefolgt vom Kronprinzen und Prinzen Karl, Friedrich und Georg, den Saal und wurde beim Eintritt so­wie nach Verlesung der Thronrede mit dreimaligen ischen Hochs begrüßt. Der Kaiser verlas die Thron- mit fester lauter Stimme. Fürst Bismarck erklärte s die Session für eröffnet.

ie Thronrede hatte folgenden Wortlaut:

ehrte Herren! Indem ich Sie willkommen heiße, es Mich, auch von dieser Stelle Meinen Dank für Gnade zu wiederholen, die Mich in Gefahr be- t und von schweren Leiden geheilt hat.

H spreche zugleich Meinem Sohne, dem Kronprinzen, als Meine Anerkennung seiner Führung der Regie- eschäfte aus und danke Ihnen, geehrte Herren, für erftiitzung, welche Sie den verbündeten Regierungen t haben, um im Wege des Gesetzes einer gegen die lagen unseres staatlichen und Culturlebens gerichteten icn Einhalt zu ihun.

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., Hingen in den Stand zu setzen, daß Sie auf Fort- ' Vt ing derjenigen Steuern zu verzichten vermögen, welche tot Ihre Landesvertretungen als die am schwersten bringenden erkennen. Zugleich bin Ich der Meinung, unsere wirthschastliche Thätigkeit in ihrem gesammten

K Gedanke zur Bildung eines Zollvereins ist be- giUl von Friedrich List zuerst wissenschaftlich bearbeitet , wodurch derselbe, was die praktische Verwendbar- lkswirthschastlicher Ideen betrifft, den ersten Rang

1II «tt Zollvereins dachte, findet sich in der Geschichte nxE Grunde liegende Gedanke im Kleinen vor, was $te Probe seiner inneren Lebenskraft und VolkS- Hkcit immerhin gelten kann. Während des Jnter- im Jahre 1265 schloß Frankfurt mit den drei jj wischen Reichsstädten Wetzlar, Friedberg und Geln- " -i * */ dem Erzbisthum Mainz und den dazwischen lie-

* Gebieten der Herrn von Hanau, Eppenstein rc.

Vertrag zur Wahrung des Landfriedens. Zur 9 der entstehenden Kosten waren Zölle auf Getreide -haaren gelegt mit der ausdrücklichen Bestimmung, “ äxf sicher Wein (vinum hunnicum) höher als das '$t Gewächs zu zollen hatte. (Boehmer cod.

-d™). 134. Archiv f. Geschichte, Darmstadt B. 1 515.) Reichsstädte, wird der enragirte Freihändler äjfjj 'Jtob zu beklagen, daß es damals noch keine Doktri- M welche sie auf ihre wahren Interessen aufmerksam J * konnten! G.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Ervedition kKock'kck- Buchdruckerei) bezogen 2J Mark, durch bie Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Insertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa

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Anzeigen nimmt entgegen: bie EÄ>kdition b. Blatt«-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandl ung das elbst;

Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

t nad «igen nimmt entgegen: :s§ «rpedition d.Blatte«, ■ ge d.jlnnvncen-Bureaux , A). Dietrich L Co. in tl und Hannover; Th.

rträ« l Ein Zollverein im Mittelalter.

rid) in Frankftlrl a.M.; ienjtein & Vogler in itfurt a. M., Berlin, na, Cöln rc.; Rudolf t in Berlin, Frank­furt a. A. rc.

Die Justizkommission des Herrenhauses hat den Ent­wurf einer Schiedsmannsordnung bereits in Berathung ge- zvgen und beantragt nunmehr: „Das Herrenhaus wolle beschließen: Dem Eentwurfe einer Schiedsmannsordnung in der Fassung, wie er in dem Hause der Abgeordneten wiederum hierher gelangt ist, mit der einzigen redaktionel­len Maßnahme, daß in §. 11. Alinea 3 „die 2 bis 10" statt „2 bis 9" als die zur Anwendung zu bringens lich machte, die Angehörigen in der verarmten Heimath durch Zusendung von Millionen zu unterstützen, und daß, was besonders zu beachten ist, die englischen Substdiengelder nicht in des Landgrafen Schatulle sondern in den StaatS- seckel flössen. Bezeichnungen wie Sklavenhandel und Seelen­verkauf sind für das Thun des edlen Fürsten, der so mild, uneigennützig und wohlthätig regierte wie alle Werbung (das sog- Puffen) streng verpönte, durchaus unzutreffende Prädi­kate. Der zweite Abschnitt des Schriftchens enthält eine Reihe von Antworten, die ein anderer geschichtskundiger Verfasser einem amerikanischen Geschichtsschreiber Namens Capp, der ein Buch über den Soldatenhandel deutscher Fürsten ge­schrieben, auf dessen Verlangen ertheilt hat. Als einen britten Abschnitt erwarteten wir eine Frcimauer - Lobrede auf den Landgrafen Friedrich II. von Hessen Kassel. Da wir aber nicht im Stande sind, von derselben eine Probe zu geben, ersetzen wir diesen Mangel durch Worte des großen deutschen (schweizerischen) Historikers Johannes von Muller, gestorben zu Kassel im Jahre 1809, der unserem iBolte und unserem damaligen Fürsten ein unvergleichlich schönes Lob ertheilt hat, welches auch in unserem Schrist- chm Seite 17, ausführlicher zu lesen ist.

„Sein Land ist unserem (dem schweizerischen) ähnlicher." „fjier finb gute Leute; du wirst die Hessen lieben. Empfin- belei ist hier nicht, aber gesunder mannfefter Verstand und Redlichkeit. „Kriegerisch ist das Volk und treuen Gemüthes. Ehr ich nach Hessen kam, wußte ich kaum was eine militä­rische Nation sei. Fast alle Bau em haben gedient, auf allen Dörfern sind Männer von schönstem Wüchse, mann­hafter Bildung und Stellung, sowie überall Kriegs- und Thalenlust. —

»Richt reich ist das Volk, es ist wahr, doch ist es nichts Besonderes, daß die unaufhörlichen deutschen Kriege einen Unterschieb zwischen ihnen und uns, Kindern ewigen Frie-

FreitM auf Ihre Mitwirkung rechnen, soweit die Heilung Bei« tr sozialen Schäden sich als unvollendet erweisen sollte, it Üe verbündeten Regierungen berathen über die Mittel,

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auf diejenige Unterstützung vollen Anspruch hat, Den bie Gesetzgebung über Steuern und Zölle ihr zu nir 11 ttn vermag und in den Ländern, mit den wir ver- rrtll ' vielleicht über das Bedürsuiß hinaus gewährt. r 1 $ halte es für meine Pflicht, dahin zu wirken, daß