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Marburg, Mittwoch, 12. Februar 1879.
XIV. Jahrgang
jifurt a- M., Berlin, >m, Mn zc.; Rudolf [e in Berlin, Frank, furl a. 'M. ic.
ZU lehren, daß sie sich am wohlsten befinden, wenn sich nicht bloß Preußen und Baiern, sondern auch Landwirthe und Industrielle als Brüder betrachten, die es begreifen, daß das Wohl des Einen auch das Wohl des Anderen bedingt, die sich gegenseitig ihre Produkte abkaufen uno das deutsche Geld im Lande lassen, statt es, wie bisher, milliardenweise ins Ausland zu führen, während Deutschland verarmt.
Aber von der allergrößesten Wichtigkeit ist es, daß auch dem Geldhandel die Flügel beschnitten werden; denn darin liegt die größeste Quelle des Verderbens. Der Staat muß Herr im Hause sein, nur er darf Geld und Geldzeichen machen, keine Bank oder Gesellschaft darf dieses Recht besitzen, damit der Staat die Menge des umlaufenden Geldes reguliren kann. Dann kann solche Verwirrung der Werthe und Preise und solche Ueberlastung der Güter mit erborgtem Gelde, wie wir sie in der letzten Zeit erlebt haben, nicht vorkommen. Was die Zölle betrifft, so sind wahrscheilich nach Vorberathungen mit dem Reichskanzler, in der Zolltarifcommisston von dem Geh. Rath Tiedemann und dem Regierungs-Präsidenten von Bötticher folgende praktische Vorschläge gemacht: Auf Roggen pro Centner 25 Pf., auf Weizen, Hafer und Gerste 50 Pf., auf Rindvieh per Stück 20 Mark und Pferde 10 Mark Zoll. Ebenso soll ein Zoll auf Brennholz, Brenn- und Lsteinkohlen gelegt werden. Im Reichstage werden die Zollfragenheiße Kämpfe Hervorrufen. Wie die Dinge sich gestalten, läßt sich noch nicht absehen. Aber es sind wichtige Fragen; möchte man nur immer als leitenden Gedanken den fefthalten, daß die deutsche Produktion wieder lebenskräftig gemacht werde.
Dazu ist ja freilich noch mehr nöthig, als Zölle, welche die inländische Produktion vor dem Auslande in berechtigten Schutz nehmen. Es muß auch die Gewerbeordnung, namentlich die Bankgesetzgebuug geändert werden; aber die Zollpolitik ist doch auch ans finanziellen Gründen, um das bei uns handelnde Ausland zur Tragung unserer Steuern herbeizuziehen, sehr wichtig, und weil es sich jetzt zunächst um selbstständige Aufbringung der finanziellen Mittel für das Reich handelt, so ist es der richtige Weg, wenn der Reichskanzler bei den Zöllen anfängt.
igen nimmt entgegen: Expedition d.Blattes. -d.Ännvncen-Bureaur Tb- D'.ekrich & Cs. in rl und Hannover; Th.
Marienburg und Marburg.
I des Regterungs- und Bauraths 6uno über den «enhang von Marburg und Marienburg, des deut- ArrordenS und des preutzifchen «önigthums. Bom «uftc eines Preußischen Baumeisters angesehen. Ge- « Verein für Geschichts- und Alterlhumsfunde zu
Wiesbaden.
(Fortsetzung.)
r nicht nur als Architekten hatten sich die Marburger zu bewähren, auch als Ingenieure sollten sie die Nlalien, in den Niederungen des Po gesammel- chrungen zur Anwendung bringen, denn die Sümpfe chsel und Nogatmündungen mußten cultivirt und in
Fluren umgewandelt werden. Unter ihrer Lei- >rde hier ein großartiges Deich-System zur Ausgebracht, auf dessen Erhaltung noch jetzt der «d des betreffenden Landestheiles beruht. Ebenso die übrige Cultur des Preußenlandes aus dem ’ Mutterlande, wie die Uebereinstimmung der und Benennungen der in Preußen- üblichen Acker- beweist. selbst den Weinstock verpflanzten die Ritter vom Rhein nach Marienburg. In dem und Walten der Ordensmeister bewährte sich dem- ksächlich die tiefsinnige Meisterregel, daß die rechte des Cultus (der ernste Verkehr mit der «n- > höheren Welt) stets ein gleichmäßiges Einwirken sichtbare, dem Menschen untergebenen Naturge- ■e rechte Cultur zur Folge haben muß, wie u durch die innnere Verwandschaft der Worte lto Cultur bekundet wird und durch die wirksame hg zwischen Rittern und Baumeistern, zwischen scheu Orden und der deutschen Bauhütte, zwischen ttn Weisheit und deren praktischer Bethättgung sterischen Ausdruck gefunden hat.
Ta^es bericht.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Der bisherige deutsche Gesandte in Kopenhagen, v. Heydebrand, überreichte gestern sem Abberufungsschreiben. — Amtlich wird gemeldet, daß die griechische Regierung, nachdem durch Consularberichte aus Kavala am ägäischen Meere das dortige Auftreten der Pest bestätigt wurde, am 9. Februar für alle aus der
Während so in den Ostseegrenzen die stille Culturarbeit des deutschen Ordens einen gesegneten Fortgang nahm erfolgte unter dem im Jahr 1290 erwählten tüchtigen Hochmeister Conrad v. Feuchtwangen ein wüthender Einfall des Sultans von Eegyp- ten in das gelobte Land, bei welchem auch Accon mit dem bisherigen Ordens-Haupthause verloren ging. Die Templer und Johanniter zogen nun nach Cypern, Conrad aber begab sich im Hinblick auf seine deutsche Mission zunächst nach Venedig, wo er mit offenen Armen ausgenommen wurde. Nach dem Tode Rudolph's von Habsburg hielt sich der Orden zu dem Kaiser Adolph von Nassau, wodurch ihm viele Hindernisse seitens der Gegenpartei erwuchsen. Der im Jahre 1297 erwählte Hochmeister Gott- frred Graf von Hohenlohe begab sich deshalb nach Preußen, wo er einen Streit mit dem Erzbischof von Riga schlichtete und zu Memel und Elbing die ersten großen Kapitel ab- hrelt. Hier wurde im Jahre 1303 Siegfried von Feucht- wangen zum Hochmeister gewählt, während Hohenlohe vom König Albrecht und anderen Reichsfürsten gestützt, die von ihm früher niedergelegte Würde wieder beanspruchte und sich bis zu seinem Tode in Marburg behauptete. Um diese Zeit begann auch der brüchtigte Prozeß, gegen die Templer, in welchen die deutschen Ritter ohne Zweifel wären verwickelt worden, wenn nicht die Weisheit des Hochmeisters von Feuchtwangen ein solches Unglück rechtzeitig abgewendet hätte. Es zeigte sich jetzt, welch ein wesentlicher Unterschied zwischen dem in ächter Gemüthstiefe wurzelnden deutschen Orden und dem auf anderen Grundlagen beruhenden Templerorden bestand. Während dieser auf Grund der « aus der alten Heimath mitgebrachten Urtraditivnen sich den höheren geistigen Speculalionen des Orients zugewendet und durch seinen Einfluß an den Höfen reiche Besitzungen gewonnen hatten, welche die Habgier der Fürsten und des den philosophisch gerichteten Templern abgeneigten Aerus
Das Zollprogramm des Reichskauzers.
II.
Unsere bisherige Wirtschaftspolitik ging immer auf mög- : große Freiheit des Handels aus und vor dem Volke fertigte man diese Politik damit, daß man ihm sagte, Politik schaffe den Consumenten billige Waare. Daß diese Politik falsch ist, hat die Erfahrung aller Län- liwiesen. Die richtige Wirthschaftspolitik muß viel- daraus gerichtet sein, die Production gesund, solid kräftig zu erhalten durch eine gute Gewerbegesetzgebung eint gute Zollpolitik. Blüht Ackerbau und Gewerbe, i die Leute Verdienst, dann können sie auch kaufen es genirt sie dann auch wenig, wenn der Leib Brot »ar Pfennige mehr kostet. Wenn ein Zoll von 50 uif den Centner Roggen gelegt würde, so würde das, tzt der Centner 5 Mark gilt, das 5 pfündige Brot um 22/g Pfennige vertheuern, selbst wenn wir den ti Zoll bezahlen müßten, was aber nicht der Fall ist. hat der Reichskanzler aber in der Commission nur f. Zoll auf Roggen Vorschlägen lassen. — Was die t vertheuert, das ist nicht der Zoll, sondern der Zwi- andel, der in keinem Lande so ausgedehnt ist, als :in Deutschland. Wäre es richtig, daß der Zoll die e so sehr vertheuere, dann müßte doch auch die Aufhe- der Zölle, der indirccten Steuern die Waare billiger t Nun haben die Städte aber die Schlacht- und Mahl- zwar aufgehoben, Fleisch und Brot ist aber keineswegs : geworden, und wenn die Eisenpreise jetzt niedriger o ist daran nicht die Aufhebung der Eisenzölle sondern ffchäftslosigkeit schuld.
ie Freihändler lärmen jetzt gewaltig gegen landwirth- che Zölle. Bekommen die Landwirthe keine Zölle, rden diese auch der Industrie keine bewilligen — 1 wird Alles beim Alten bleiben. Darüber würden : Ausländer natürlich freuen. Die Engländer wür- :n deutschen Landwirthen es danken, daß sie nach -r ihr Eisen, und die Russen, Ungarn und Amcri- den Industriellen, daß sie nach wie vor ihr Ge- zollfrei nach Deutschland fahren können — und die en Landwirthe und Industriellen würden die süße huung haben, sich gegenseitig geschädigt zu haben, hrendes Bild deutscher Eintracht. Man sollte denken, ten doch so viel gelernt, daß unsere deutsche Land- aft sich am besten steht, wenn die Industrie florirt, Industrie, wenn die Landwirthschaft blüht, so daß Ustrie- und Landbevölkerung sich gegenseitig ihre e zu guten Preisen abkaufen können. Hoffentlich es dem deutschen Reichskanzler, auch auf diesem die deutsche Einheit herzustellen und die Deutschen
Türkei und Rußland kommenden vom schwarzen resp. asow- schen Meere kommenden, Provenienzen eine strenge Quarantäne für 21 Tage angeordnet hat. — Verläßlich wird aus Zarizin vom 8. d. telegraphirt, daß weder in dem dortigen Stadthospital noch in der Stadt selbst oder ihrer Umgebung bisher ein Epidemiefall vorgekommen.
Die conservativen Fraktionen des Abgeordnetenhauses haben bezüglich des Eisenbahnwesens zu dem Generalbericht der Budget-Commission folgenden Antrag gestellt: An Stelle der Resolution 3 Absatz 1 zu setzen: Die Regierung werde ausgefordert, die Durchführung des Staatsbahnsystems als Ziel der preußischen Eisenbahnpolitik unverrückt im Auge zu behalten. — Unterzeichnet ist als Antragsteller Abq. v. Hammerstein.
Die bei der französischen Republik accredirten Botschafter, Gesandten und diplomatischen Agenten werden aus Anlaß des Präsidenten-Wechsels von ihren Regierungen keine neuen Beglaubigungsschreiben erhalten. Es entspricht dieß der Observanz, welche z. B. auch bei den amerikanischen Republiken beobachtet wird. Im Jahre 1873 nach der Wahl des Marschalls Mac Mahon hat die deutsche Reichs- regterung ein abweichendes Verfahren beobachtet. Dieß beruhte auf der Erwägung, daß damals eine Verfassung noch nicht existirte und die Stellung des Präsidenten noch nicht geregelt war. Dieß erklärt, warum der deutsche Botschafter sich ebenso, wie seine College», sofort in amtliche Beziehungen zum Präsidenten Grövy gestellt hat.
Meldungen der „Polit. Corresp." aus Konstanttnopel, 9. d. Die russisch-türkischen Vereinbarungen umfassen: 1) ben Friedensvertrag, 2) eine russische Note an die Pforte, 3) ein Protokoll in 12 Artikeln. Hauptbestimmungen sind folgende: Der Berliner Vertrag tritt rechtsgültig an die Stelle jener Bestimmungen des Vertrages von San Stefano, mit denen sich der Berliner Congreß beschäftigte. Die vom Berliner Congreß nicht berührten Punkte des Vertrages von San Stefano werden durch gegenwärttgen Vertrag geregelt. Die Kriegsentschädigung wird auf 802,500,000 Franes festgesetzt; der Zahlungsmodus und die Garantten sind weitere Vereinbarung Vorbehalten. Für die in der
ansäßigen, durch den Krieg geschädigten Russen sind 26,500,000 Fres. bestimmt; die Reelamationen derselben können erst nach einem Jahre eingebracht werden. Die Zahlung der Verflegungskosten für die Kriegsgefangenen erfolgt binnen 7 Jahren in 21 Raten. Die Einwohner der an Rußland abgetretenen Gebietstheile können ihr Grund- eigmthum verkaufen und das Land binnen drei Jahren verlassen. Für alle Vorkommnisse vor Abschluß des Ver- erregten, war der deutsche Orden in seinen besten Führern sich stets der ihm gewordenen praktischen Aufgabe bewußt ^blieben, hatte sich auf dem ihm zugewiesenen großen Kampsplatze concentnrt und eine geachtete Stellung im deutschen Reiche erworben. In dem entscheidenden Augenblicke verlegte deshalb auch der Hochmeister von Feuchtwangen den Hauptsitz des Ordens von dem damals unter päpstlichem Banne liegenden Venedig nach Marienburg. Das Großkapitel, m welchem man diesen Beschluß gefaßt wurde in Marburg gehalten. Es fand also nun die wirkliche Ueberstedelung der Ordensresidenz nach Marienburg statt und von jener Zeit an blieb der Hochmeister inmitten seiner Staaten Feuchtwangen hatte begriffen, daß er durch ferne Niederlassung in Preußen von einem einfachen Ordenshaupte, welches auf den guten Willen seiner Delegirten atMwlesen war, zu einem mächtigen geistlichen und weltlichen Herrn sich erhobm hatte. Diesem Umstand ist es denn auch wohl zuzuschreiben, daß der deutsche Orden nicht weiter tn den Templer-Prozeß verwickelt, sondern im Jahre
6mit8 ^er ihn verhängten Bann wieder befreit wurde.
Während der TemplerordeN vernichtet wurde, durste Rutsche Orden sich immer weiter ausbreiteu, indem er 1340 noch Danzig, Dirschau, Schretz und Pomerellen erwarb. Es ist auch hierin eine wichtige providentielle Leitung zu erkennen, denn wäre es den Feinden gelungen, damals den Deutschen Orden gleichfalls zu verderben, so tmire die Möglichkeit verloren gegangen in der ächt deut- schen Entwickelung der Ostseeprovinzen einen außerhalb °er Grenzen des alten römisch-deutschen Reiches geleqeueu Cnstalllsatlvnspunkt für die spätere Organisation des Königreichs Preußen und somit auch des heutigen deutschen Reiches zu gewinnen.
Welche Kämpfe noch zu bestehen waren, um das von
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, s onne d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.