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Marburg, Sonntag, 9. Februar 1879
xiv. Jahrgang
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nett Amnestie nur umfassende Begnadigungen treten zu lassen. Am interessantesten ist die Frage wie sich die neue Regierung gegenüber der römischen Kirche stellm wird. Die „Agenee Havas" hat sich allerdings beeilt zu erklären, daß durch den Regierungswechsel die Beziehungen zum Vatikan in keiner Weise berührt würden. Jndeß ist diese Versicherung in den republikanischen Kreisen übel vermerkt, ja mit Entschiedenheit zurückgewiesen worden. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß die Republikaner zunächst nicht an die Aufnahme einer Kampfpolitik denken. Das Bewußtsein, daß es nun unmöglich ist, die Schicksale der Depu- tirtenkammer, wie es am 16. Mai der .Fall war im Vatikan zu beschließen, dürfte ihnen vorläufig genügen.
Politische Wochen -Ueberficht.
Ein Vorgang, der sich vor 4 Monaten zugetragen hat ch erst jetzt bekannt geworden ist, hat in der ver- xmen Woche die Kosten der Unterhaltung getragen, i Montag brachte der Telegraph die erste Kunde von Handlungen die z. Z. wegen der Aufhebung der Clausel berüchtigten Artikel V. des Prager Friedens, welcher dem Jahre 1867 nicht aufgehört hat dir nördlichen «zdistrikte des Reichs zu beunruhigen und unsere tretungskörper zu beschäftigen, schweben sollten. Im
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i, aus welchem hervorging, daß die Verhandlungen t vor 4 Monaten unter der Regentschaft des Kron- jen dem Abschlüsse zugeführt waren. Die Ratification
Marienburg und Marburg.
sssaz des Regierungs- und Bau,aths Cuno über den Domenhang von Marburg und Marienburg, des deut- knittrrordenS und des preutzischen SönigthumS. Vom [fünfte eines preutzischen Baumeisters angesehen. <8e- im Verein für Geschichts- und AlterthumskunSe zu
Wiesbaden «Fortsetzung.) pti der Stiftung des Ordens meldeten sich sogleich ^fere Ritter zur Aufnahme und wählten Heinrich Waldaus dem Rheinla'nde zu ihrem ersten Meister. Bald M diese Gelegenheit sich hervorzulhun, indem am 13. £1191 König Philipp August von Frankreich, dem .^rzog von Oesterreich und auch Richard Löwenherz Ugland dem Belagerungsheere von Accon zu Hülse £und diese Feste am 12. Juni 1191 mit Sturm ge- ™ wurde. Bei der bekannten Uneinigkeit dieser Führer
Meister Waldpot voraus, daß Jerusalem nicht f erobert werden und beschloß daher, seinen Hauptsitz r°n zu nehmen. Hier baute er em Hospital, eine D und verschiedene Wohnhäuser mit einer Mauer um- ’ und durch einen starken Thurm geschützt, das Vorder späteren Ansiedelungen des deutschen Ordens, auch in sinnigster Weise das deutsche Haus wurde. Bei dem lebhaften Jnteresie der deutschen ^ breitete sich der neuen Orden bald auch in Europa aus. ^Heinrich IV. stiftete für ihn das Hospital zu Barletta, P ihm das Trinitatis-Kloster der Cistercimser in Pa- f »nb gleichzeitig finden wir den Orden in den verschie- l legenden Deutschlands und der Niederlande, in Me- l’ab Mastricht rc. Meister Waltpot starb 1200 und F*bec Ordenskirche zu Accon begraben. Ihm folgten
Karpen, H»crmann von Salza aus Thüringen,
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laut ttt. Nur eine kleine Minorität im Reiche hat jene »sel noch als zu recht bestehend anerkannt. Jene rieten nämlich vom Schlage Windthorsts, die im
IUZ ?^ühl der kommenden Dinge stets eine warme Sym- ie jiür Herrn Kryger-Hadersleben bekundeten. Schon Dienstag war das Dokument im Reichsanzeiger zu
»ermuthlich schon vor mindestens 4 Wochen stattge- »enög m. Daß mit dieser Publikation eine Ueberraschung m dei sichtigt war, erscheint uns unzweifelhaft, es würde je- it d« nutzlos sein, errathen zu wollen, gegen welche Adresse
bie Ueberraschung wendet. Einige Anhaltspunkte haben ie an- »Ur in einer Richtung: beobachten wir den Eindruck, wird m die Publikation gemacht — wir meinen außerhalb jeden lrenzen unseres Reichs — und wir werden mindestens äpari Ahnung bekommen, was von Seiten unseres auswär-
। Amtes beabsichtigt gewesen ist. Wir unsererseits b uni ® uns nur freuen, jene verhaßte Klausel beseitigt zu Preii । die uns, den Siegern, der Uebermuth eines Napoleon to Pi drängt hat. Sie war ein Pfahl in unserem Fleische, Kau? vis beständig an das Elend Deutschlands vor dem ippei 1 1866 mahnte. Gerade zur rechten Zeit wurden
vi das System der napoleonischen Bevormundung er-
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Bremen.
Tagesbericht.
Aus Berlin wird von gestern telegraphisch gemeldet: Dre morgen nach den von der Pest ergriffenen russischen Gebretsthetlen abretsenden Aerzte Hirsch, Sommerbrod und Kühner begeben sich von Warschau über Moskau direct nach Zarizyn; erst auf russischem Boden erhalten dieselben einen deutschen Consularbeamten zugctheilt. Der Rückkehr der Aerzte wird erst gegen Mitte bis Ende nächsten Monats entgegengesehen.
Die von der nattonalliberalen Partei zum Generalbe- richt der Budget-Commission des Abgeordnetenhauses vorgeschlagene Resolution bezüglich des Eisenbahnwesens ist von Lasker, v. Benda, v. Sybel, Hammacher und Lauen- stem unterzeichnet und lautet: das Haus erklärt, daß unbeschadet der Frage, ob und in welcher Weise das Staatsbahnsystem über seinen bisherigen Umfang auszudehnen sei, 1) dre derzeitige Lage der Staatsfinanzen nicht gestattet, auf dem Gebiete des Eisenbahnwesens mit Unternehmungen vorzugehen, bei welchen die Rentabilität nicht genügend gesichert ist; 2) eö dringend erforderlich ist, die Siete und Grundsätze der Eisenbahnpolitik der Regierung klar darzulegen und eine Verständigung darüber zwischen Landtag und Regierung herbeizuführen. J
Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel vom 6.: der seitherige türkische Gesandte in Bukarest Suleiman Bey ist als Gesandter nach Belgrad versetzt und Ali Fuad Bey zum Gesandten in Bukarest ernannt
Meldungen der „Agence Havas": Aus Konstantinopel Die Stellung des GroßvezirS hat sich befestigt. — Aus Athen, 7. d. Konstant Pascha ist in Prevesa eingetroffen Das Zusammcntreten der türkischen und griechischen Grenr- regulimngs-Commiffare ist auf den 8. d. verschoben. Dieselben sind über die Grundlagen der Verhandlungen zu Damiate befreit war, einen Stellvertreter in Accon und kehrte nach Europa zurück, um dem Kaiser und Pabst über die Lage des Ordens zu berichten. Hier tourbe ber= 1"ve aus besonderer Gunst unmittelbar unter den Pabst gestellt und erhielt eine unabhängige Geistlichkeit. Dann zog Salza nut seinen Rittern dem durch die ohne Kummer hart bedrängten Lande Burza in Siebenbürgen zu Hülfe und wurde darauf vom Kaisee Friedrich 11 zu den beut Wen Fürsten gesendet, um dieselben zu einem neuen Kreuz- rugezu bewegen. In einem zwischen Kaiser und Pabst ausqe- brochenen Investitur-Streite wurde ferner Salza zum Schieds-
et^ielt na$ Schließung des Streites vom Papfte,als Zeichen der Belohnung mit dem ihm zuqe- wiefenen, noch zu erobernden Preußenlande einen kostbaren Oting, welcher fortan zu den Insignien des OrdensrneifterS gehörte, wahrend Kaiser Friedrich II. dem Orden den deutschen Reichsadler ins Wappen schenkte, welcher später bei der Stiftung des schwarzen Adlerordens von dem ersten Hohenzollernkvnlge von Preußen übernommen wurde
e6.Jntfc^cbcn' ^ß Preußen der' neue Kampfplatz des deutschen Ritterordens werden sollte, eine prvvldentlsche Entscheidung von den allerwichtigsten Folgen ftrr das ganze deutsche Reich. Akkon blieb nur nominell noch
Hauptsitz des Ordens und es bereitete sich jetzt all- mahlich die Uebersiedelnng nach Preußen vor. Swischen- statlvnen auf die,em Wege waren bekannüich Venedig find Marburg; daß aber das letztere in den Augen der frommen «ittfchen Bevölkerung die wichtigere Stelle einnahm, ist leicht begreiflich, wenn man sich des Verhältnisses erinnert, m welchem Meister Herman v. Salza zum thüringischen Landgrafenhause stand. Durch bas tragische Schicksal des Landgrafen Ludwig, welcher den Kaiser Friedrich II auf einem Kreuzzuge nach Palästina begleiten wollte, aber schon in Otranto starb und seine herrliche Gemahlin mit
innert, welches wir vor 8 Jahren im blutigen Ringkampfe zerschmettert haben. Ein französisches Blatt und noch dazu ein solches, das die Herrschaft Napoleons mit glühendem Haß bekämpft hat, geberdet sich heute, als werde durch den neuesten deutsch-österreichischen Vertrag das Völkerrecht verletzt. Wir können diese Unterstellung mit aller Ruhe zurückweisen, der Vertrag vom 11; October v. I. verletzt keine Bestimmung des Völkerrechts, er beseitigt nur eine Nachwirkung des napoleonischen Systems, unter welchem Deutschland so lauge Jahre gelitten hat.
Das Herrenhaus hat am Donnerstag nach langer Unterbrechung seine Berathnngen wieder ausgenommen. Noch läßt es sich nicht bestimmen, bis wann die Etatsbe- rathung im Abgeordnetenhause beeenbet sein wird. Der Generalbericht der Budgetkommission dürfte die öffentliche Meinung wohl in keiner Hinsicht befriedigen. Derselbe ist eine reine Komplikation — er bringt eine Zusammenstellung der Anträge mit den Motiven der Antragsteller, den Erwiderungen der Regierungsvertreter und einer ganz mageren Inhaltsangabe der Debatten; aber mit Nichten ist der Versuch gemacht, ein klares einheitliches Bild unserer Finanzlage, wenn auch nur in großen Umrissen, zu geben. Wir hatten dies erwartet und sind demgemäß enttäuscht worden. Selbst in der gegenwärtigen bedrängten Geschäftslage hat es ein Ex-Mitglied der Centrumspartei für gut befunden, auf der Tribüne des Abgeordnetenhauses eine volle Stunde im Schmutz zu wühlen. Wir bedauern nur, daß ein Vertreter des Volks mit unklaren, verschwommenen und nutzlosen Erörterungen, das Abgeordnetenhaus um eine kostbare Stunde an der Erfüllung seiner Aufgaben verhindert hat.
DaS österreichische Ministerium, welches sich seit Jahresfrist in einer „Krisis" befand, geht nunmehr ernstlich seiner Auflösung entgegen. Dem Grafen Taaffe ist die Bildung eines neuen Kabinets übertragen worden.
Die italienische Deputirtenkammer hat mehrere Tage darauf verwendet, die auswärtigen Beziehungen Italiens in Erwägung zu nehmen. Tie Berathnngen haben jedoch zu einem Ergebniß nicht geführt.
Der neue Präsident der französischen Republik hat sich mit einem neuen Ministerium umgeben, welches jedoch nur zum Theil aus neuen Männern besteht. Gerade die Aufnahme dieser neuen Minister hat die Gesammtfarbe des Kabinets um einige Töne verändert; sie bedeutet eine Viertels-Schwankung nach links. Der Umstand, daß der bisherige Minister des Aeußeren, Herr Waddington an die Spitze des Ministeriums getreten ist, bezeugt allerdings, daß die Traditionen des Herrn Dufaure zu nächst gewahrt bleit ben sollen. Wirklich berichtet der Telegraph, daß sich das Ministerium entschloffen hat an die Stelle einer allgeinei- welcher wegen seiner hervorragenden Tugenden einstimmig gewählt wurde. Diese Wahl war daher eine überaus glückliche, weil Hermann von Salza recht eigentlich aus der Blüthe der deutschen Ritterschaft hervorgegangen war, indem er dem Kreise Thüringen angehörte, dessen Landgraf Hermann bekanntlich auf der Wartburg das ächte Ritlerthum, den Minnegesang und die Baukunst in edelster Weise zu pflegen und zu fördern bemüht war. Mit den bedeutendsten Männern der Zeit war der neue Meister des Deutschen Ordens dort in enge Beziehungen getreten und namentlich auch von dem geistreichen Kaiser Friedrich II in besondere Gunst genommen, wodurch er zugleich einen großen Ueberblick über die ganzen Wettverhältnisse der damaligen Zeit gewonnen hatte. Sein Raths-Beistand wurde deshalb bei allen wichtigen Gelegenheiten eifrig gesucht. Zunächst schloß sich Hermann mit seinen Rittern im Jahre 1218 dem berühmten Zuge des Grafen Wilhelm 1. von Holland durch Egypten nach Palästina an und wirkte bei der Eroberung von Damiate kräftig mit. Durch den gleichzeitig entbrannten Kampf der spanischen und portugiesischen Christen gegen die Mauren wurde inzwischen die Aufmerksamkeit der Ritterschaft auf solche europäische Gebiete gelenkt, welche noch nicht chrisiianistrt waren. Insbesondere geschah dies durch ein päpstliches Breve, welches erklärte, daß die Bekehrung solcher heinischen Völker durch das Schwert dieselben heiligenden Folgen haben sollte, wie ein Kreuzzeug nach Palästina. Die deutschen ersparten sich dadurch die Mühseligkeiten der weiten Seereise und zogen es daher bald vor, sich nach dem noch heidnischen Preußen zu wendn, wo die christliche Ansiedelungen der Vorzeit in großer Bedrängniß waren.
In richtiger Erkenntniß der Weltlage bestellte auch Meister Herrmann von Salza, welcher aus egyptischer Gefangenschaft nur durch Vermittelung der Rückgabe von
, war eine lebhafte Debatte angeregt, die sich auf eine iatJ jt Kette von Begebenheiten der letzten Monate aus-