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Marburg, Freitag, 7. Februar 1879
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XIV. Jahrgang
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der»Räumung des Forts Arabtabia sich nur dem Willen Europas zu fügen und eS auf eine Gewaltthat von russischer Seite ankommen zu lassen.
Beamte. Die Verwaltung der indirekten Steuern beschäftigte im Jahr 1868: 12,400 Beamte, dagegen in Folge des Wegfalls der Mahl- und Schlachtsteuer im Jahre 1879/80 nur 9,489 Beamte, trotzdem ist der Etat nur um einen Betrag von 1800 M. an Besoldungen erleichtert worden, während 1426476 M. an Wohnungsgeldzuschüssen hinzutraten. Beim Ministerium für landwirth- schaftliche Angelegenheiten ist die Zahl der Beamten im Verhältniß am stärksten gestiegen und zwar von 368 im Jahr 1868 auf 971 im Etatsjahr 1879/80.
Mit Bezug auf die Verordnung vom 2. d. M., bett- die Paßpflichtigkeit, der aus Rußland kommenden Reisenden, wird Leitens des Auswärtigen Amtes in den nächsten Tagen eine besondere Instruktion an sämnitliche deutschen Konsularbehörden in Rußland ergehen, welchen durch jene Verordnung die für die Zulassung des Paßinhabers zum Eintritt über die Reichsgrenze unerläßliche Visirung der Pässe und die für die Ertheilung.des Visa entscheidende Prüfung der Provenienz der Reisenden übertragen ist.
In der gestrigen Aufsichtsrathssttzung der Rumänischen Eisenbahn-Gesellschaft in Berlin wurde beschlossen, von den seiner Zeit genehmigten 6 pCtigen Prioritäts-Obligationen eventuell und nach Bedarf den noch vorhandenen 7 bis 7i/2 Millionen betragenden Rest zu begeben. Betreffs der Dividende wurde bestätigt daß dieselbe wahrscheinlich 2pCt. betragen würde. Von dem in Bukarest befindlichen Auf- sichtsrathsmitgliede Woelfel liegen Depeschen von gestern vor, welche melden, daß hinsichtlich der Differenzen zwischen der Gesellschaft und der Regierung ziemlich sicher auf eine Einigung durch Vergleich zu rechnen sei. lieber die im jetzigen Stadium der Angelegenheit zuerst zur Sprache gekommene Frage des Verkaufes der Bahn an die rumänische Regierung theilte der Vorsitzende v. Hansemann mit: er glaube nach wie vor an das Zustandekommende der Retto- cession.
Die „Polit. Corresp." meldet aus Skutan vom 5.: Vorgestern wurde in Virbazar von den türkischen und montenegrinischen Bevollmächtigten das Protokoll unterzeichnet, wonach Spuz am 7. d. und Podgorizza am 8. d. definitiv Montenegro zu übergeben sind. Dieselbe Correspondenz meldet aus Konstantinopel: Die russischen Truppenconeen- trirungen bei Adrianopel sind auf die Räumung bezweckende Vorbereitungen zurückzuführen. Die Befestigung Adriano- pels bestätigt sich nicht, dagegen werden die Befestigungsarbeiten am Schipkapasse von Seiten der Russen fortgesetzt. — Die „Pol. Corresp." meldet aus Bukarest: Es verlautet bestimmt, Rumänien sei entschloffen in der Frage
Deutsches Reich.
•* Berlin, 5. Februar. Die Mittheilung von der Rückkehr des Regierungspräsidenten Kötticher nach Schleswig ist grundlos. Derselbe hat der gestern abgehaltenen Sitzung der Zolltarifkommission beigewohnt. In dieser Sitzung haben die Referenten bereits einen Theil der Anträge vorgelegt, welche demnächst Gegenstand der Beschlüsse der Kommission sein werden. — In verschiedenen Blättern ist wieder davon die Rede, daß der Gesetzentwurf über die Strafgewalt des Reichstags gegen seine Mitglieder ein stilles Grab im Bundesrath bereitet werde. Worauf sich die Annahme gründet, ist durchaus nicht zu errathen. Wenn dagegen nationalliberale Blätter auf die Jnittative des Reichstags Hinweisen, so ist ost genug bemerkt worden, daß diese Initiative nur erwünscht sein konnte. Bis jetzt liegen aber wichtige Anzeichen, daß dieselbe ergriffen werden soll, nicht vor. — Die gestern veröffentlichte Aufhebung des Art. V. des Prager Friedens durch einen besonderen Vertrag zwischen den Conttahenten jenes Friedens hat allgemeine Genugthung erregt. Zu konstattren ist übrigens, daß die heuttge Prov.-Corresp. in ihren erläuternden Bemerkungen, mit denen sie die Mittheilung des neuen Vertrages begleitet, nur die allgemeine Wichtigkeit des Schrittes hervorhebt, aber jede Hindeutung auf die neueren Vorgänge in Kopenhagen unterläßt. — Die Bureau-Kassirer und Kanzlei-Beamten bei den Regierungen und anderen Behörden, rückten bisher lediglich nach Maßgabe der bei jeder einzelnen Behörde entstandenen Vakanzen im Gehalte auf. Da dies zu erheblichen Ungleichheiten in den Besoldungssätzen der in gleichem Dienstalter sichenden Beamten gleicher Kategorien führen mußte, so ist zur Beseitigung dieses Uebelstandeö neuerdings bestimmt worden, daß vom 1. April d. I. ab, die genannten Beamtenkategorien durch die ganze Monarchie nach dem Dienstalter im Gehalt aufrücken sollen. — In einem Erlaß des Handelsministers an die Kgl. Eisenbahndirectoren und -Kommissionen ermächtigt, für die Ermittelung und Anzeige oder Angabe von Frevlern, durch welche die Sicherheit des Bahnbetriebs gefährdet ward, Belohnungen bis zur Höhe von 300 Mk. auszusetzen und dem Denunzianten auszuzahlen, falls auf Grund der Anzeige rechtskräftige Verurtheilung des ThäterS erfolgte. Am Schluffe jedes Jahres ist eine Nachweisung einzuscnden, worin über die vorgekommenen Fälle Bericht erstattet wird. — Die Erlaubniß zur Anfertigung genereller Vorarbeiten für eine Eisenbahn unter-
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Tagesbericht.
Zu einem Artikel der „Provinz.-Corresp.", welcher die ^bmig des Art. 5 des Prager Friedens bespricht, heißt Abgesehen von der großen Wichtigkeit der Sache selbst, il auch in ihren Beziehungen nach manchen anderen Im, ist der Abschluß des Vertrages in der Thal ein gültiger bedeutsamer Beweis für den Wunsch des Kai- rion Oesterreich, die zwischen beiden Mächten bestehen- srrundschaftlichen Bande noch enger zu schließen, und im solchem Sinne nicht bloß von der Regierung un- I Kaisers, sondern auch von dem preussischen und deut- j i Volke dankbar gewürdigt werden. — Betreffs der || ; bemerkt die nämliche Correspondenz: neuere Nach- jl » lassen annehmen, daß eine Ausdehnung der Epidemie m ibnigs nicht stattgefunden hat. — Die Correspondenz X $ ferner, daß Fürst Bismarck dieser Tage in Berlin ' । (erwartet wird.
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tzMtem Vernehmen nach, wird aus Berlin telegraphisch Met, ist ein Gesetzentwurf über Durchgangs-Abgaben, von mR oen Blättern die Rede ist, weder im Staatsmini- 3« vorberathen noch ist den Mitgliedern der Zolltarif- Mlission etwas davon bekannt.
einer dem Abgeordnetenhause vorgelegten Ueber- -Wber die Zahl und Besoldung der Staatsbeamtm für Wund 1879/80 hat der preußische Staat im Etats- |1879/80 ein Beamtenheer von 71,335 zu unterhalten, |W 63,229 im Jahre 1868. An Besoldungen sind er- Wich 128 325017 M. (gegen 93411844 M. im a i 1868). Wohnungsgeldzuschüsse 14604644 M.
k persönliche Ausgaben 36062027 M. (gegen 1 16929 M. im Jahre 1868). Die größte Ver- w >ng von Beamten hat bei der Eisenbahnverwaltung j sunden, dieselbe beschäftigt 21,372 Beamte, (gegen J ö im Jahre 1868. Die Justizverwaltung zählt 1 6 Beamte, das Ministerium des Innern 11,003
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' Molkte über die Pest.
1 seinen interessanten Briefen: „Ueber Zustände und : »nhciten in der Türkei" gibt der jetzige Feldmarschall ^malige Hauptmann eine Schilderung der im Jahre m Konstantinopel herrschenden Pest. Die charakte- unb ungemein belehrende Schilderung Molkte's tie furchtbare Krankheit verdient im gegenwärtigen cke, wo sie mit erhöhter Aufmerksamkeit gelesen wird, allgemein verbreitet zu werden. Nach einigen en Worten über militärische Aufnahmen sagt der brechen die Frühlingsstürme über uns herein, der der Kirsch- und Mandelbaum steht in Blüthe, os und Primeln drängen sich aus der Erde hervor, würde dir gern ein konstantinopolitanisches Veilchen wenn selbiges nicht an der Grenze von kaiserlich- Hen Sanitätsbehörden als pestfangender Gegenstand werden würde. Da gegenwärtig die Pest beinahe oder die Gefahr doch nicht größer ist als die, er jeder Mensch jeben Tag schwebt, muß ich dir aufrichtig über diesen Gegenstand ein paar Worte damit du dir keine nnnöthige Sorge machst, beim ächtet am meisten bie Gefahr, die man nicht kennt, sie überschätzt.
£ bie Pest aus Egypten ober Trabisonb kommt, ober i*. und wo sie sonst entsteht, darüber will ich dir |pen weil ich und kein Mensch bas weiß. Die ein noch unerklärtes Geheimniß: sic ist bas Räthsel ^yin;, welches den bas Leben kostet, ber sich an bie l.?ogt, ohne sie zu finden. So ging es mit den JWn Aerzten bei der Armee Napoleons in Egypten, unlängst einem jungen deutschen Arzte, der sich Tage lang den erdenklichsten Proben aussetzte,
endlich in ein türkisches Dampfbad ging, sich zu einem Pestkranken legte und binnen vierundzwanzig Stunden tobt war.
Es ist sehr wahrscheinlich, baß alle die großen, engge- bauten Städte des Orients innerhalb gewisser Breitengrade die wahren Herde ber Pest finb. Die Krankheit verträgt sich aber weber mit einer sehr großen Hitze, noch mit strenger Kälte. Sie ist fast nie in Persien gewesen, unb wie sehr sie an ber Mündung des Nils gewüthet, so ist sie doch niemals bis über die Katarakte dieses Stromes hinaufgestiegen.
Ebenso kann die Pest in Europa, wohl eingeschleppt werden, nicht aber, wie eine hundertjährige Erfahrung feit der Quarantänen dies beweist, sich dort erzeugen. Es ist ferner wohl außer Zweifel, daß das Uebel durch Berührung sich mittheilt, und Viele welche dies bestreiten, würden sich gewiß sehr bedenken, einen Pestkranken anzurühren. Aber die Krankhett ist nur bis zu einem gewissen, sehr beschränkten Grade ansteckend. Selbst das unglückliche Beispiel, von welchem ich eben sprach, beweist dies. Im Pest- Hospital der Franken zu Pera lebt feit einer Reihe von Jahren ein katholischer Priester, welcher den Erkrankten nicht nur den geistlichen Beistand leistet, sondern sie aufaßt, umkleidet pflegt und begräbt. Dieser brave Mann ist dick und fett, und ich gestehe, daß seine muthige, wahrhaft religiöse Ergebung mir heldemnüthiger erscheint, als so manche gefeierte Waffenthat. Ter Priester glaubt, in früher Jugend die Pest gehabt zu haben, aber es ist erwiesen, daß daö nicht gegen neue Erkrankung schützt. Gewiß bedarf es einigermaßen fortgesetzter Berührung auf der erwärmten Haut und dabei noch einer Prädisposition des ganzen Körpers, um von dem liebel ersaßt zu werden, und deßhalb sind die Sachen gefährlicher als die Menschen. Die meisten Fälle entstehen aus gekauften Gegenständen,
alten Kleidern und baumwollenen Maaren, welche die Juden umhertragen. Es gehört gewiß eine besondere Con- cnrrenz von unglücklichen Umständen dazu, um durck bloßes Begegnen mit einem Kranken angesteckt zu werden Während der diesjährigen Pest, der hesttgsten, die seit einem Vierteljahrhundert hier gewüthet, bin ich ganze Tage in den engsten Winkeln der Stadt und der Vorstädte umhergegangen, bin in die Spitäler selbst eingetreten, gewöhnlich umgeben von Neugierigen, bin Tobten unb Sterbenden begegnet unb lebe ber Ueberzeugung, mich einer sehr ge= nngen Gefahr ausgesetzt zu haben. Das große Arcanum ist Reinlichkeit; sobalb ich zu Hause kam, wechselte ich von Kops bis zu Fuß Wäsche unb Kleiber unb letztere blieben bte Nacht durch im offenen Fenster aufgehängt. Wie sehr überhaupt die einfachste Vorsicht schützt, dies beweist die geringe Zahl von Opfern, welche die Pest unter der fränkischen Bevölkerung dahinrafft, indeß die Türken unb Rajah W Tausenden sterben. Trotz ber großen Verbreitung und Bosarttgkeit der diesjährigen Pest, die feit 1812 ihresgleichen nicht gehabt hat, sind etwa acht oder zwölf fränkische, Familien heimgesucht worden und dann waren es fast immer die Domestiken und die Kinder. Seit Jahrhunderten, wo die Dragomane täglich mit Türken zu thun haben, kennt man nur ein Beispiel, baß Einer die Pest gehabt. Ein Fremder kann es nicht vermeiden, sich auf den Divan niederzulassen, wo eben ein zerlumpter Derwisch gesessen, muß aus der Pfeife des Türken rauchen, welcher seinerseits keine Art von Vorsichtsmaßregeln nimmt, unb bleibt in hnnbert Fällen neununbneunjigmal gesund. Wirb aber einmal ein Franke getroffen, so macht bas mehr Lärm, als wenn hunbert Türken ihrem Kismeth oder Schicksal unterliegen. Wo die Krankheit sich einmal ma- nifestm hat, da müssen allerdings die ernsthaftesten Vorkehrungen getroffen werden; alle Kleider, Betten und