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Marburg, Mittwoch, 5. Februar 1879
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llustrirtes Sonntagsblatt ten von sammtlichen Postanstalten (auf dem tze von den Landpostboten) angenommen.
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äit russischerseits getroffenen Maßregeln zur Unter- vig der Pest-Epidemie finden in den wissenschaftlichen Leuten Kreisen unserer Reichshauptstadt volle Billi- i namentlich hebt man hervor, daß die Niederbrennung dsicirten Ortschaften bei der jetzigen strengen Kälte
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nebenen Advokaten verrieth; und er nahm die beiden Scheine aus seiner Brieftasche und legte sie dem Prior vor
Die Kenntnißnahme der beiden Schriftstücke schien den geistlichen Herrn durchaus nicht zu beruhigen; es war eine rasende Dummheit von Pater Hilaire, uns eine solche Erbschaft zu hinterlassen," murmelte er ingrimmig vor sich hin und betrachtete die Papiere mit einem Blick, als ob er sie verschlingen wolle. Die Herrn schienen dies auch zu befürchten, denn der Aeltere faltete sie sorgfältig zusammen und darg sie wieder in seiner Brieftasche; hierauf wandte sich an den Prior und sagte: „Nun, wie steht eS mit ^hrer Entscheidung, hochwürdigster Herr? Wollen Sie es auf einen Prozeß ankommen lassen, so überlasse ich das »ihrem Ermessen, werde aber dann natürlich sofort die Versicherungsgesellschaft, die bis jetzt noch Nichts hiervon weiß, benachrichtigen — vergleichen wir uns gütlich, so bleibt Alles wie es war; Sie behalten das Geld und die junge Dame ihre Freiheit — also wie lautet %t Ent- schluß?
Der Prior erhob sich und näher zu den beiden Herrn tretend, sagte er: „Ich übernehme zwar eine Verantwortung, indem ich entscheide, ohne vorher das Kapitel der Brüder zur Berathung zusammenzurufen, allein es würde zu großen Weitläufigkeiten führen, denn außer mir weiß Niemand um die Sache. — Pater Laurent, der sie eigeullich eingeleitet, ist inzwischen gestorben; er und Pater HUaire haben mir da eine durchaus nicht angenehme Hinterlassenschaft zufallcn lassen! Nun ich will hoffen, die junge Dame wird Gott deßhalb nicht weniger dienen, wenn ihr freilich im Kloster viele Versuchungen erspart bleiben würden, — ich werde Ihnen die betreffenden Papiere einhändigen und hoffe, wir scheiden als gute Freunde!"
(Fortsetzung folgt'
Civilsachen den höchsten Landesgerichtshof zu München fortbestehen läßt. Es würden auf ca. 673,000 eine Richterstelle kommen, sodaß Preußen 39 Richterstellen zu besetzen haben würde.
Der Reichstag, der am 12. Februar Zusammentritt, wird unter den ersten Vorlagen, die für ihn in Aussicht gestellt sind, jedenfalls der Gebühren-Ordnung für die Rechtsanwälte begegnen. Der Justizausschuß des Bundesrathes hat, wie berichtet wird, die Angelegenheit bereits an das Plenum des Bundesrathes überliefert, das voraussichtlich in den nächsten Tagen den Entwurf fertig stellt.
Unter dem Titel „Neue Erfurter Zeitung" erscheint jetzt in Erfurt ein conservatives Organ. An der Spitze seines Programmes steht der Satz: Unser Blatt stellt sich die Aufgabe, ein Hort aller wahrhaft positiven und conservativen Interessen zu sein. Es will für vaterländischen und echt religiösen Sinn wirken, somit eine Stütze für König und Vaterland sein.
Zwei officiöse Wiener Telegramme brachten gestern ganz unvermittelt die Meldung von Verhandlungen zwischen dem deutschen Reiche und Oesterreich bezügl. des Art. V. des Prager Friedens. Die Montagsrevue meldet sogar, daß ein Vertrag bereits abgeschlossen sei, in welchem Oesterreich darauf Verzicht leistet, die in jenem Artikel enthaltene Clausel betr. die Rückgabe nordschleswig'scher Gebietstheile, geltend zu machen. Das Bureau „Hirsch" leugnet dagegen m einer Wiener Depesche das Zustandekommen des Vertrags und schreibt weiter: „Thatsächlich sind die bezüglichen früheren Verhandlungen jetzt auf Betreiben des Berliner Kabinets wieder ausgenommen worden und soll, wie verlautet, auch begründete Aussicht vorhanden sein, daß der bislang von der österreichischen Regierung dem Wunsche Preußens entgegengesetzte Widerstand aufgegcben werden durfte. Dieser Behauptung müssen wir, was den Widerstand Oesterreichs betrifft, entschieden wiedersprechen. Graf Au- drassy hat sich schon vor Jahren in der entgegenkommendsten Weise dahin ausgesprochen, daß Oesterreich aus dem Art. V. keinerlei Berechtigung herleite. Wer die Geschichte dieses Artikels kennt, wird dies selbstverständlich finden. Eine derartige Abmachung wie die jetzt beabsichtigte erhält bekanntlich auch der Frankfurter Friede. Für Deutschland kann es sich nur darum handeln den Art. V. in aller Form zu beseitigen. Diesen Wunsch haben offenbar gewiffe neuere Vorgänge in Kopenhagen hervorgerufen. Daß Graf Andrassi) diesem Wunsche nicht die geringsten Schwierigkeiten macht, läßt sich mit aller Bestimmtheit behaupten.
i @L Antoine.
Original-Novelle von F. R. G.
(Fortsetzung.)
M hätte ihn ein Schlag getroffen, fuhr der Prior auf, r diesen Namen hörte. „Das ist wahrlich eine Kühner alle Begriffe übersteigt," sagte er dann heftig und [ „Das junge Mädchen hat Ihnen wohl nicht erzählt, 'welchen Umständen und Verhältnissen sie jenes @e= * tyat und daß es überhaupt eine besondere Gnade Esters ist, die ihr gestattet, jene Missethat auf solche ^ sühnen?" Nein, nein, an eine Lösung dieses Ge- ? ist nicht zu denken — Elisabeth Molar möge sich Men ihr Noviziat anzutreten, oder — der weltlichen ^igkcit verfallen! ..." „Nicht so hastig, Herr Prior", p sich jetzt der ältere Herr in's Gespräch; „wir sind ' W Waffen hierher gekommen, wenn sthon uns lieber f die Sache ohne Aufsehen, durch einen gütlichen Verordnen zu können." Sie werden sich erinnern, daß
Ihr Kloster, durch eine Schenkungsurkunde der rHungen Dame, rechtmäßigen Besitz von der für ^den ihres Vaters gezahlten Versicherungssumme tut von 100,000 Frcs. genommen haben. Nur ist
Adabei entgangen, daß hier ein kleiner Jrrthum mit M. Die Gesellschaft hat auf den ihr vorgelegten Mkin des Herrn Molar, ohne Anstand zu nehmen ptiitnre Summe sofort ausgezahlt; die Gesellschaft L>a nicht, daß schon vor jetzt 15 Jahren, der in wohnenden Familie des betreffenden Herrn ^Todesschein präsentirt und ausgeliefert worden war, gfo wie die Familie darum wußte, daß Herr Molar zu einem solchen Preise versichert hatte, sonst würde ^lderständlich ihre Ansprüche geltend gemacht haben.
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Bestellungen auf die
ßrnden Reisenden ans dem russischen Staatsgebiete w einem der beiden vorhergehenden Tage von dem hen Botschafter in Petersburg oder deutschen Consular-
Anzeigen nimmt entgegen die @xpebition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
a KM gewöhnlichen Aufenthalt angehören, sind zwar zur Supp« tzrenze zugelassen, sollen aber vor Gestattung der
WderheMche Leitung und deren Gratis-Beilage
In iw "Reichsanzeiger" publicirt eine vom 2. d. M. da-
lulItA kaiserliche Verordnung, wonach vom 10. Februar an aus Rußland kommende Reisende sich durch einen ausweisen muß, welcher am Tage des Austrittes des
Reife desinficirt werden. Von der Kleidung, welche «senden tragen, sind mindestens die Oberkleider zu auf l®tclL Die Desinfektion soll mittelst gasförmiger r figer Säure derart erfolgen, daß die bez. Gegenstände . 207 Vens 6 Stunden in geschlossenem Raum der Ein- _____ »g schwefliger Säure ausgesetzt und mindestens 15 Agtt m Schwefel auf den Kubikmeter lichten Raum ver- Hem t werden.
ton in Rußland visirt ist. Zur Erlangung der Vi- ls seD1l z ist der glaubhafte Nachweiß erforderlich, daß der ■heit » öer des Passes innerhalb der letzten 20 Tage in keinem lliw> Pest inficirten oder verdächtigem Gebiete sich auf-
anz ve Der Paß ist bei dem Eintritt über die Reichsgrenze t die ii iä Gestattung der Weiterreise der diesseitigen Grenz- nn ” ist zur Visirung vorzulegen. — Einer weiteren Be- sl jede Dachung des Stellvertreters des Reichskanzlers zufolge n p“ aus Rußland kommende Reisende zum Eintritt über ad dun uchsgrenze nur zuzulassen, wenn sie durch den obigen - /j ® Men vollständig entsprechende Pässe sich ausweisen. - Fre t Reisende, welche einem von der Pest ergriffenen • ^01 verdächtigen Gouvernement Rußlands durch Wohnsitz
& 2d Annoncen-Bureaux
’ Ü- Dietrich & Co. in m jeigg und Hannover; Tb ttd) in Frankfurt a M.; „ . D„. Mein & Bögler in r 1878 grt fl. M., Berlin, jtUtet i». Cbln ic.; Rudolf ( m Berlin, Frank- — furt a. M. rc.
die einzige und beste Aussicht biete, die Pestkeime völlig zu ersticken und deren sonst leicht zu gewärtigendes Wiederaufleben in milderer Jahreszeit zu verhindern. Die deutschen Delegirten werden neben ihrer Wirksamkeit für die Unterdrückung der Epidemie an Ort und Stelle ihre Thä- tigkeit vorzugsweise der bisher wenig aufgeklärten Frage des ersten Ausgangspunktes der Epidemie zuwenden. Die neuerdings aufgetauchte Annahme, daß die Pest seit 1863 in Kurdistan herrsche, stammt von dem früheren Leibarzt des Schahs von Persien und entbehrt bisher der wissenschaftlichen Begründung. Nachdem Professor Hirsch nunmehr desinitiv die Mission nach den von der Pestepidemie heimgesuchten Orten angenommen hat, wird sich derselbe mit den Doctoren Sommerbrodt und Küssner voraussichtlich Sonnabend nach Warschau begeben, um daselbst mit dm österreichischen ärztlichen Delegirten zusammenzutreffen. Den deutschen ärztlichen Delegirten wird ein Beamter beigegeben. Ueber die Richtung der Weiterreise von Warschau ist noch nichts bestimmt; wahrscheinlich werden sich die Delegirten direct nach den inficirten Orten begeben. Die Berathungen der Subcommissionen der berliner Commission für Schutzmaßregeln gegen die Verbreitung der Pest dauern noch fort.
Der Vicepräsident des preußischen Staatsministeriums Graf zu Stolberg hat im Namen seiner Regierung an den Bundesrath eine Denkschrift gerichtet, in welcher Vorschläge über die Besetzung der Präsidenten-., Richter- und Reichsanwaltstellen bei dem Reichsgericht in Leipzig, insbesondere über die Modalitätäten der Betheiligung der einzelnen Bundesstaaten an der Ernennung des höchsten Richter-Collegiums gemacht werden. Wir heben aus derselben Einiges hervor:
Nach dem für 1879 80 entworfenen Etat des Reichsgerichts wird dasselbe vorläufig fünf Civil- und drei Strafsenate mit einem Präsidmten, sieben Senatspräsidcnten, eitlem Ober-Reichsanwalte, drei Reichsanwälten und sechzig Richtern enthalten. Preußen will sich die Ernennung des Präsidenten, dreier Senatspräsidenten, des Ober-Reichsanwaltes und eines Reichsanwaltes Vorbehalten. Die beiden gegenwärtigen Vicepräsidenten des Reichs-OberhandelSgerichts (der eine ist von Hamburg, der andere ist von Bayern ernannt) werden an das Reichsgericht als Senatspräsidenten übergehen. Hinsichtlich der Ernennung der beiden noch übrig bleibenden Senatspräsidenten und Reichsanwaltstellen wird eine Verständigung zwischen den einzelnen Bundesstaaten stattzufinden haben. In Bezug auf die Vertheilung der sechzig Richterstellen schlägt die Denkschrift vor, im All gemeinen die Bevölkerungsziffer der einzelnen Staaten als Maßstab zu nehmen, wobei aber für Bayern eine Reduc- tion eintreten würde, da dieser Bundesstaat für sämmtliche
Da nun aber diese beiden Scheine existiren und gegenwärtig beide in unseren Händen sind, so dürfte es nicht schwer sein zu beweisen, daß einer der Scheine gefälscht ist. Die beiden Papiere sind hier in St. Antoine ausgestellt; es würde gelinde ausgedrückt, kein gerade günstiges Licht auf die Herren von St. Antoine werfen, wenn die Aechtheit des Einen und die Falschheit des anderen Scheines gerichtlich festgestellt werden müßten. Es hängt dabei unendlich viel von der Auffassung des Richters ab und abgesehen von dem Skandal, den ein solcher Prozeß immer int Gefolge hat, würde die Versicherungsgesellschaft selbstverständlich die Rückzahlung der betreffenden Summe verlangen, denn es kann ja Niemand beweisen, daß überhaupt nur einer der Scheine Recht ist. Und dann, wenn es erst einmal erwiesen ist, daß die Mönche von St. Antoine fälschen, verliert auch ihr Zeugniß in Bezug auf jenen Unglücksfall am Strande von Ostende, seine seine Gültigkeit. — Sie sehen also, Herr Prior, wir sind nach jeder Richtung hin gedeckt und Angesichts dieser That- sache, fühlen Sie sich vielleicht bewogen, Ihren Spruch nochmals in Erwägung zu ziehen!"
Während der letzten Worte schon hatte der Prior abwechselnd mit der Hand gewinkt; zu sprechen vermochte er einstweilen kaum, so sehr hatten ihn die kühlen ruhigen Worte seines Gegenübers aufgeregt.
Er saß geraume Zeit schreckensbleich und zitternd da; seine Augen waren weit aus ihren Höhlen getreten und zeigten eine gläserne Starrheit. Endlich ermannte er sich, sah sich dann scheu um, ob ihn auch Niemand höre und sagte dann leise: „Kann ich die beiden Scheine sehen, ehe ich meinen Entschluß ausspreche?"
„Sehen wohl, aber nicht berühren," entgegnete der ältere Herr, dessen ganzes Wesen den gewandten und ge-