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er. 29

Marburg, Dienstag, 4. Februar 1879

xiv. Zahrgaig

werde, selbst die Früchte seiner Arbeit zu genießen und ihm dieselben dann nicht durch die schlauen, gewerblich ganz un­gebildeten Händler entrissen werden können. Die Hand­werkerschulen können nur eine Zukunft haben, wenn dem Handwerk durch eine gute Reform unserer Gewerbeordnung wieder eingoldener Boden" geschaffen wird. Dasselbe gilt auch von den Innungen, und wir sind der Ansicht, daß solche Schulen nur in Verbindung mit tüchtigen In­nungen gedeihen können, so daß die Zöglinge solcher Schulen gleich von Anfang an dem Handwerk eingereiht werden. Geschieht das nicht, so ist zu fürchten, daß die Schulen dem Hanwerkerstand wenig nützen. Für das Handwerk ist die rechtzeitige, tüchtige technische Erlernung des Handwerks die Hauptsache. Ist der junge Mensch bis zum 17. Jahre auf der Schule gewesen, so ist er für den Schuster- und Schneiderlehrling und damit für die wirkliche Erlernung des Handwerks so gut wie verloren.

St. Antoine.

Original-Novelle von F. R. G.

(Fortsetzung.)

-»Sie sind mächtig und doch sollten sie Dich freigeben, Dich darauf," tröstete er sie;wann sollte Dein

^jiat beginnen?"

^>Zn 6 Wochen; bis dahin bin ich 21 Jahre alt." M, so haben wir ja genügend Zeit, uns auf alle Fälle Wehm jedenfalls werde ich schon morgen den On- Zitten, mir alle* Papiere, die er für Dich in Ver­eng hat, zu übergeben, damit unser Aufgebot baldigst Widen kann!"Unser Aufgebot?" wiederholte sie wie Wend."

»Aun freilich, sagte er, Du weißt doch, daß vor der das Aufgebot statlfindet." Aber Franz, wie kannst dvn der Hochzeit reden; Du weißt doch daß, wenn ich ^ Versprechen nicht halte."

l'2ch weiß, daß ich die Herren Mönche dazu zwingen * und werde, Dich Deines Versprechens zu entbinden, /^baß irgend Jemand erfährt weßhalb Du dies Ver- geleistet; versprich mir nur, Dich mit Allem, was .^®kel und Tante über unsere bevorstehende Verbin- 5 Utiuheilen werde, einverstanden zu erklären und laß Wfren Hochzeitstag auf Deinen 21. Geburtstag also

6 Wochen festsetzen!"

«ie wiederstrebte nicht, als er sie jetzt fest in seine schloß und sie ließ es auch ruhig geschehen, daß er

2*® bald darauf eintretenden Verwandten als seine Braut Fute; sie vernahm die Glückwünsche der sie umdrängen- »yonrilie, empfing den Segenskuß des Onkels und der W, die so treu für sie gesorgt und hatte immer die ^"d«ng als sei sie in einem seligen Traum befangen,

Das Jnvungswese«.

Die Wiederbelebung der Innungen wird in Folge des hreibens des Handelsministers in Handwerkerkreisen eifrig »gen und Herr Miquel wird vielfach um Rath ange- «hen. Derselbe hält auch hin und her in Städten Vor- t über diesen Gegenstand. Wir erkennen die Verdienste >Herrn Miquel sehr bereitwillig an, daß er dieser Sache tatkräftiges Interesse zugewendet hat, wozu er ja frei- auch als städtischer Bürgermeister mehr wie andere Mevrdnete Veranlassung und Anregung hatte. Wir haben N gar nichts dagegen, wenn er den Handwerkern räth, W ihre Hoffnung auf politische Parteien zu setzen, nur mt dieser Rath etwas spät, nachdem die Handwerker «ihrer hoffnungstrunkenen Unterstützung, welche sie den JColen Parteien angedeihen ließen, so bittere Erfahrungen Wacht haben; auch darin stimmen wir ihm bei, wenn er M Handwerkern räch, die Hände nicht müßig in den Woß zu legen, bis einmal die Gesetzgebung so geändert | wie es viele von ihnen wünschen. Auch wir sind der Wht, daß der beste Antrieb für eine gute Reform un- W Gewerbeordnung der sein wird, wenn die Handwerker W Hand anlegen, um Einrichtungen zu schaffen, durch Me das darniederliegende Handwerk wieder in die Höhe Macht werden kann; denn wir sind der Ueberzeugung, daß M die Fehler unserer Gewerbeordnung und die Noth- Migkeit ihrer Verbesserung erst recht klar hervortreten Wen! Aber darin müssen wir dem Herrn Miquel Versprechen, wenn er behauptet, eine Reform unserer Werbeordnung sei überhaupt gar nicht nöthig, wenn die Wingen mit Erfolg wiederhergestellt werden sollen. Wir Mi neulich schon darauf hingewiesen, wie die Innungen I keinen grünen Zweig kommen können, wenn jeder Wlalist und jede Actiengesellschaft jeder Zeit jedes Ge- Me in kaufmännischer Weise betreiben kann und keinerlei Mweis von gewerblicher Ausbildung und Tüchtigkeit als Bedingung für den Gewerbebetrieb erforderlich ist. Es Mhatsache, daß es mit dem Handwerk erst so sehr rück-

ueigen nimmt entgegen: »Krpedttion d Blattes, «je ö.Annoncen-Bureaur c Dietrich & Co. in afiel und Hannover; Th. ttirid) in Frankfurt a.M.; tiienftein & Bögler in Mtfurt a- M., Berlin, «na, Köln ic.; Rudolf teffe in Berlin, Frank­

furt a. M. ec.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

wärts gegangen ist, seit wir diese Bestimmungen unserer Gewerbeordnung haben, die man zwar Gewerbefreiheit nennt, die aber in Wahrheit das Gewerbe nur so zu sagen für vogelfrei erklärt, so daß es, wie jeder andere Handels­artikel von den Händlern und Capitalisten ausgebeutet werden kann. Es nimmt sich sonderbar aus, wenn Herr Miquel an diesen Bestimmungen der Gewerbeordnung, wo­nach jeder Handelsmann, der von dem Handwerk gar nichts versteht, jederzeit jedes Gewerbe betreiben kann, nichts ge­ändert haben will und dann den Handwerker als einzigen Rettungsanker die Mahnung zuruft:Der Hanwerker müsse Künstler werden, dann sei er unentbehrlich!" Die Unge­rechtigkeit dieser Forderung springt in die Augen! An den armen Handwerker stellt man die höchsten gewerblichen Anforderungen und an den Capitalisten gar keine! Und wenn nun der Handwerker es bis zum Künstler gebracht hätte: wie viele Käufer giebt es denn, welche dem Schuh­macher, dem Tischler, dem Schneider den künstlerischen Werth seiner Schuhe und Hosen würdigen und demgemäß bezahlen? Im deutschen Mittelalter kam es wohl vor, daß ein Tischler jahrelang an einer Truhe schnitzte, bis sie, mit vielen Figuren verziert, als Kunstwerk aus seiner Hand hervorging. Aber wer wird und wer kann das jetzt noch thun, und wenn es einer thäle, wer wird ihm dann die an ein so schwerfälliges Kunstwerk verwendete Zeit und Arbeitskraft gebührend belohnen? Herr Miquel ruft ans: Der Handwerker muß mehr lernen, mehr sich bilden als bisher, er muß größere Aufgaben lösen; hier muß auch der Staat eintreten, der für hohe Schulen große Summen giebt, aber bis jetzt nichts für Handwerkerschulen." Das lautet Alles ganz schön, aber wer soll denn den armen Knaben, welche sich dem Handwerkerstand widmen wollen, das Geld znm Besuche solcher Handwerkerschulen geben, da heut zu Tage selbst ein solcher Knabe unter 2300 Thlr. jährlichen Aufwand nicht auf eine solche Schule geschickt werden könnte. Aber manche besser sttuirte Eltern, würden dies Opfer vielleicht für ihre Kinder bringen, wenn sie nur auch die Aussicht hätten, daß dann daß Handwerk ihren Kindern wirklich einen entsprechenden Lohn für solchen Aufwand bieten würde. Allein was bleibt dann hernach einem solchen gebildeten Lehrling Anderes übrig, wenn er nicht das besondere Glück hat, ein größeres Capital zu finden, welches ihm den selbstständigen Geschäftsbetrieb er­möglicht, als seine Kunst an irgend einen Magazininhaber zu vermiethen und sehen zu müssen, wie dieser, der nichts gelernt hat, als die kaufmännische Buchführung, großen Gewinn von seiner künstlerischen zieht, mährend er sich mit bescheidenem _ Lohn begnügen muß! Will man an das Handwerk höhere Anforderungen stellen, dann sorge man auch dafür, daß ihm dann auch die Möglichkeit gegeben dem ein süßes, schreckliches Erwachen folgen müsfe, oder, sollte es wirklich für sie noch Glück auf der Welt geben I" .......

Früh am nächsten Morgen bat Franz den Onkel um Elsa's Papiere; ihren Geburtsschein, die Todesscheine ihrer Eltern rc. rc. der Onkel, der nur zu glücklich über die Lösung war, die Else's sonderbares Benehmen seiner Ansicht nach durch Franz's Liebenswürdigkeit gefunden, übergab ihm sofort Alles: Auch als Franz ihm mittheilte, er wolle noch heute abreisen, um Alles sobald wie möglich zu ord­nen, sand er dies nur begreiflich;man muß das Eisen schmieden, so lange es heiß ist," meinte er pfiffig lächelnd und fragte dann die errölhende Else,,was denn nun aus der Schweizerreise werde?"

Die machen wir zusammen," antwortete Franz statt ihrer,das soll unsre Hochzeitsreise sein Lady Lille wird mein Benehmen nicht rücksichtsvoll finden, allein Jeder ist sich selbst der Nächste!"

Am Nachmittage, als Franz von Else Abschied nahm, fragte er sie ob sie nicht zufällig den Namen der Versiche­rungsgesellschaft wisse, bei welcher ihr Vater versichert gewesen und als sie ihm den Namen genannt, notirte er ihn und sagte ihr zärtlich Lebewohl. Sie folgte dem davon­rollenden Wagen so lange sie konnte mit den Augen und unzählig waren die Grüße und Segenswünsche, die sie ihm nachsandte.-----------

Ungefähr 3 Wochen später hielt ein leichter Reisewagen vor dem Kloster St. Antoine an und zwei Herrn stiegen aus. Sie baten den Pförtner, dem Prior ihre Karten zu überbringen, da sie eine wichtige Angelegenheit mit ihm zu besprechen wünschten. Der Pförtner bat sie, einen Augenblick zu warten und ging, die Meldung zu machen. Bald darauf erschien ein anderer dienender Bruder und lud die Herren ein, ihm zu folgen. Vor einer hohen Flü-

Srscheint täglich außer an den Wecktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Sountaasblatt" durch die Ervedition tKn ck'icke Buchdruckeren bezogen 2j IKarf, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa

Für tn der Expedition zu ertbetlenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. VIH*

Tagesbericht.

DieNordd. Allg. Ztg." meldet: Sonnabend Mittag kurz nach 12 Uhr schlossen die Verhandlungen des Kriegs­gerichts in Sachen desGroßen Kurfürsten". Bei dem Schluffe der Sitzung ermahnte der Vorsitzende, den Bestim­mungen gemäß, die Richter, die Entscheidung geheimzuhal­ten bis die kaiserliche Bestätigung des Urtheils erfolgt sei.

Nach einer, am 15. Januar ergangenen Verfügung des Kriegsministeriums ist die auf Grund des Reichsgesetzes vom 2. Juni v. I. an die Inhaber des Eisernen Kreuzes von 1870 bis 1871 zu gewährende Ehrenzulage von 3 Mark monatlich beim Ableben eines Empfangsberechtigten für den Sterbemonat tageweise bis zum Sterbetage ein­schließlich zu zahlen.

Die zur Berathung der Lehrerperitionen und des dazu eingebrachten Specialantrages des Abgeordneten Richter (Hagen) niedergesetzte besondere Commission hat am Mitt­woch denjenigen Theil des Antrages Richter berathen, der sich mit dem Dotationsgesrtze beschäftigt. Die Commission beschloß, die Regierung aufzufordern, dem Landtage in seiner nächsten Sessiou ein Pensionsgesetz für Elementarlehrer vorzulegen, in welchem den Lehrern ein bestimmter nach dem Dienstcinkommen und dem Dicnstalter zu bemessender Pensionsanspruch zuerkannt werde und bis zu dieser gesetz­lichen Regelung die Fonds für Emeriten im Staatshaus­halts-Etat um mindestens 300,000 Mk. zu verstärken Die Petitionen, betreffend die gesetzliche Regelung und Er­höhung der Alterszulagen, wurden der Regierung zur Be- rücksichtigung überwiesen. Was die Alterszulagen be- gelthüre machte er Halt, bat die Herren einzutreten und zog sich dann zurück.

Es war ein mit fürstlicher Pracht ausgestatteter Raum den die Fremden betraten, schwere Sammttapeten zierten die Wände, die Decke war ein Meisterwerk der Stukkatur, kostbare Spiegel waren in die tiefen Nischen eingelassen und die Hinterwand des Gemaches nahm ein aus Eben­holz und Silber wundervoll gearbeiteter Hausaltar ein.

Der Prior erhob sich beim Eintritt der Herren und sagte verbindlich:Was verschafft mir die Ehre ihres Besuchs?"

Der Jüngere^ der beiden Herren beantwortete diese Frage damit, daß er sagte:Verzeihung hochwürdigster Herr, wenn ich es wage, Sie mit einer Privatangelegen­heit zu behelligen; doch ist sie für mich von großer Wichtigkeit. °3ch beabsichtige mich in der Kürze zu verheirathen und zwar mit einem jungen Mädchen, welches vor einem Fahre leichtsinnig genug war, ein Gelübde abzulegen, kraft dessen ste mit dem 21. Jahr den Schleier zu nehmen sich ver­pflichtete; der inzwischen eingctretene Umstand unserer Ver­lobung, läßt sie jetzt ihren Entschluß bereuen und so möchte ich Sie bitten, ihr ihr Versprechen zurückzugcben."

Und warum wenden Sie sich gerade an mich mit dieser Bitte?', ftagte der Prior erstaunt. Ich bin nicht in der Lage, Gelübde, welche einem andern und besonders einem Frauenkloster geleistet werden lösen zu können.

Vielleicht doch in diesem Fall," entgegnete der junge Mann bescheiden;das Kloster St. Antoine hat anläßlich dieses Gelöbnisses einige kleine Vortheile zugefichert er­halten und deßhalb habe ich mich zuerst hierher gewandt der Name des betreffenden jungen Mädchens ist Elisa­beth Mollar."

(Fortsetzung folgt'

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