Vor meiner Abfahrt hatte ich dem Wirth St. Antoine als das Ziel meiner Fahrt genannt und ihn gebeten, mir, wenn er nach 6 Tagen keine Nachricht von mir haben sollte, die alte Französin mit meinem Gepäck nachzuschicken; ich hatte ihm diese Weisung in Gegenwart des Kutschers gegeben; war dieser, wie ich annahm, gleichfalls eine Creatur des Priesters, so wußte er, daß ich nicht verschwinden werde, ohne daß Nachsorschungen erfolgen würben.
Die Fahrt verging rascher als ich gedacht; der Priester war unendlich aufmerksam gegen mich und suchte mir die Beschwerden der raschen Reise stuf alle Art zu erleichtern. Gegen Ende des zweiten Tages langten wir in St. Antonie an; mein Begleiter schritt zur Pforte Und bat mich, einstweilen den Garten zu betreten, bis mein Vater auf meine Ankunft vorbereitet sei. Ich that nach seinem Geheiß; ich glaubte die qualvollsten Stunden meines Lebens hinter mir zu haben, als ich vor zwei Tagen das Versprechen Nonne zu werden gegeben hatte, aber was waren diese Stunden im Vergleich zu jenen, die mir hier harrten!
Nach einiger Zeit bangen Hoffens erschien ein alter dienender Bruder und forderte mich auf, ihm zu folgen. Er schritt mir voran, einen langen Gang hinab, an dessen Ende , einige Stufen zu einer Art Gartenhaus führten. Er öffnete die Thüre, sagte dann nur noch: „gehen Sie links, Madmoiselle" und zog sich zurück. Wankenden Schrittes befolgte ich seine Weisung und stand bald vor einer zweiten Thüre; diese wurde von innen geöffnet und ich trat in ein künstlich^verdunkeltes Gemach. „Hier ist ihre Tochter", sagte die Stimme meines ersten Begleiters; ich ging bebend dem Schall der Stimme nach, denn ich vermochte bei dem plötzlichen Uebergang vom hellsten Tageslicht zur ttefsten Dunkelheit Nichts zu erkennen ....
„Ich will Sie führen", sagte der Geistliche und indem er meine Hand faßte, sagte er leise: „Sie sind zur glück
lichen Stunde gekommen; ich fürchte seine Uhr ist abgelaufen." ,
Jetzt endlich vermochte mein Auge die Dunkelheit zu durchdringen; ich stand dicht an seinem Bette, auf welchem eine anscheinend bewußtlose Gestalt lag; aber als ich näher schritt und an dem Lager niederkneiete, erhob der Kranke mühsam die eingesunkenen Augen, legte seine magere Hand auf meinen Scheitel und flüsterte: „Mein kleines süßes Mädchen, meine Else!" „Oh warum bist Du so lange geblieben?" „meine Augenblicke sind gezählt!" '
„Vater" schluchzte ich verzweiflungsvoll; „sage nicht, daß Du mich verlassen willst, ich kann es nicht ertragen!"
Ein schmerzlicher Seufzer entfuhr ihm; er versuchte zu sprechen, brachte aber keinen Laut hervor — ich blickte in Todesangst, hülfeflehend zu dem Geistlichen auf — aber er schüttelte den Kopf, er sah wohl wie c3 stand .....
Noch einmal bewegten sich die bleichen Lippen des Sterbenden: „Küsse mich, meine Else, mein liebes theures Kind" hauchten sie mühsam — ich that es und dann sank der Kopf schlaff zurück — mein Vater war tobt!" ; . . .
Nachdem die Beerdigung vorüber war, schickte ich mich an, den Schreckensort zu verlassen. Am Morgen des zu meiner Abreise bestimmten Tages, ließ mich der Prior des Klosters um eine Unterredung ersuchen. Als er eintrat, bedauerte er, mich mit einigen geschäftlichen Angelegenheiten behelligen zu müssen und legte mir einige Papiere vor, die er mich zu unterschreiben bat. „Ihr Herr Vater hatte fein Leben versichert", bemerkte er dabei und ich möchte Sie deßhalb bitten, die wenigen nöthigen Formalitäten zu erfüllen, damit die Summe sofort erhoben werden kann; die Prämien sind glücklich aus dem vorhandenen Vermögen Ihres Vaters gezahlt worden — der geringe Rest genügt kaum, uns für die jahrelange Pflege nothdürftig zu entschädigen!"
Ich warf einen Blick auf die Papiere — die Versiche-
Marburg, Sonntag, 2. Februar 1879
XIV. Mrgang
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»striktes Sonntagsblatt
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ic von den Landpostboten) angenommen.
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nächsten Morgen hielt der Wagen zur beftimmten j1 vor dem Gasthofe; ich stieg ein und fuhr allein * einem Dorfe, wo mich mein Begleiter erwartete.
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St. Antoine.
Original-Novelle von F. R. G.
(Fortsetzung.)
Gedanken auf meinem Gesichte gelesen haben, denn Me mit einem kalten überlegenen Lächeln: „Glauben !^icht, uns überlisten oder täuschen zu können; der der Kirche ist unendlich mächtig und wenn Sie sich
die mindestens ebensoviel schaden als nützen würde. Das Einfuhrverbot als dauernde Einrichtung würde zu heillosen Zuständen führen. Man denke sich nur die Plackereien, welchen die Reisenden ausgesetzt wären! Auch der Vorschlag sub. No. 4. ist unglücklich gefaßt. Die Bedingung, daß der Austausch ein gleicher sei, würde den Handel in das Ruhebett zwingen. Man möge doch nicht glauben, daß das Leben derartige Einrichtungen zu ertragen vermöge, sie würden wie gläseme Ketten sein, die nicht die Probe eines Tages aushalten.
Die Vossische Zeitung knüpft hieran folgende geistreiche Auslassung:
„Der „Schutz der nationalen Arbeit," wie dieses beliebte, aber vieldeutige Schlagwort lautet, genügt ihnen noch nicht, sie wollen auch, um ein Pendant dazu anzuwenden, eine Art von Schutz der lokalen Arbeit. Daß in München Gothaer Wurst, Berliner Schuhwaaren und dergleichen feilgehalten werden, will den dortigen Metzgern und Schuhmachern wenig gefallen. Zwar sind sie sich noch nicht klar, ob sie für das Feilbieten solcher „fremden" Waaren eine Erhöhung ober für ihren einheimischen Gewerbebetrieb eine Herabsetzung ber Steuern und Abgaben fordern sollen, aber sie sinnen eifrig nach leidlich plausiblen Vorschlägen zur Abhülfe der angeblich gefährlichen „ausländischen Coneurrenz". Zunächst haben sie sich begnügt an den Lokalpatriotismus zu appelliren und zu versichern, daß durch jene Coneurrenz, welche unter weit vortheilhaf- teren (?) Bedingungen bestehen, die Steuerkraft der Bürgerschaft geschädigt werde."
Die „Vossische Zeitung" würde vielleicht weniger ironisch gewesen fein, wenn sie sich der Frage der Wanderlager erinnert Hätte, die feit Jahren den Reichstag und die Landtage beschäftigen. Jndeß gehört die ganze Angelegenheit zum Gebiete der Communalsteuerfrage und ist von der „Voss. Ztg." mit Unrecht, mit der Handelspolitik des Reichs in Verbindung gebracht worden.
Ein anderes kaum minder bedauerliches Exttem des Schutzzoll-Systems bringt der Staats-Sozialist Dr. H. Stolp in der deutschen Gemeindezeitung in Vorschlag. Der selbe verlangt:
1) daß die Einfuhr aller Gegenstände, welche das Inland, gemäß der vorhandenen und gegebenen natürlichen und intellectuellen Begingungen, selbst ausreichend und zweckentsprechend erzeugt, einfach verboten und dafür dem Jnlande der Markt ausschließlich, gesichert werde;
2) daß die Einfuhr aller Gegenstände, welche das Inland, gemäß der angegebenen Bedingungen, selbst ausreichend und zweckentsprechend erzeugen kann, so lange mit einem verhällnißmäßigen „Schutzzoll" zu belegen ist, bis das Einfuhrverbot dieser Gegenstände sich gleichfalls rechtfertigt;
3) daß die Einfuhr aller Gegenstände, welche gemäß der angegebenen Bedingungen das Inland, weder ausreichend, noch zweckmäßig erzeugen kann, zollfrei erfolge, und daß endlich
4) durch Handelsverträge und Consularagenten zwischen den jeweiligen im Waarenaustausch stehenden Staaten ein dem Arbeitswerthe der bezüglichen Tauschwaaren entsprechender möglichst gleicher wechselseitiger Absatz gesichert werde.
Das wäre aber nach unserer Ansicht eine Tyrannei,
Handelspolitische Extreme.
Zn der VolkSwirthschaft ist nichts gefährlicher als das rem. Ein an sich richtiges Prinzip ist im Extreme Zrrthum. Wir halten den internationalen, absoluten ihandel für ein solches Extrem, obgleich derselbe noch ganz logische Weise bis zu der alleräußersten Con- mz des Verbotes inländischer Betriebsamkeit sortgeführt kn könnte. Wir erinnern an die Zustände des vori- Zahrhunderts mit seinen schwarz-weißen, blau-weißen, -weißen, grün-weißen, schwarz-gelben, grün-gelben :c. ic. Mählen innerhalb des Rheins und des Böhmerwaldes. 1 war das ungeheuerlichste Extrem des Schutzzoll-Sy- 5, welches die civilisirte Welt gesehen hat. Der Handel Ht ein freies großes Gebiet, wenn er sich gehörig ent= n soll, aber das Gebiet darf nicht grenzenlos, der kl muß national sein. Das ist keine Phrase, son- eine schwerwiegende Bedingung für den Wohlstand Nation. Das durch Steuern und das durch Zölle geschützte kelsgebiet muß zusammenfallen, dann kommt der Zoll- I der Steuergemeinschaft zu Gute. Nach dieser Voraus- »g brauchten wir kaum zu bemerken, daß wir mit lo-
Tagesbericht.
Aus Berlin wird vom 31. v. telegraphisch gemeldet: Heute werden die Arbeiten der Subkommission zur Erörterung der technischen Fragen in Bezug auf Verhinderung der Verbreitung der Pest fortgesetzt, vornehmlich betreffs der Desinfektion, Quarantäne und Sperre, nachdem bereits gestern das Einfuhrverbot erfolgt ist. Eine Plenarsitzung der Gesammt - Commission findet heute nicht statt. Die Basis der Commissionsarbeiten ist eine doppelte, und zwar einmal für den Fall der Einschränkung auf den jetzigen Pestheerd, was der augenblicklichen Sachlage entspricht, und zweitens im Falle des Weitergreifens der Epidemie. Es gilt für wahrscheinlich, daß in nächster Woche die in ihrem Fache hervorragende medizinische Autorität, Professor Hirsch, selbst mit noch zu wählenden Aerzten sich nach Rußland begibt. Von berufenster Seite wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Abnahme der Erkrankungsfälle in dem augenblicklichen Pest-Rayon durch große Kälte hervorgerufen wird, was natürlich die Vorkehrungsmaßregeln nicht beeinträchtigen dürfe. Von competenter Seite wird die russische Berichterstattung nicht für mangelhafter gehalten, als die lokalen Zustände der betreffenden Gegenden sie bedingen müssen, und wird ferner darauf hingewiefen, daß daß bei den letzten drei großen Pest-Epidemien, 1828 in den Donau-Fürstenthümern, 1874 in Mesopotamien und 1876 in Bagdad, von deutschen, italienischen und österreichischen Aerzten zunächst falsche Diagnosen erfolgten, wonach sich auch die vorgekvmmenen falschen Classtficirungen russischer Lokalärzte erklären.
Die im Auftrage der Regierung in nächster Woche unter Leitung des Pros. Hirsch abgehende Commission zur Untersuchung der Pest-Epidemie wird in Breslau mit den von Oesterreich delegirten Aerzten zusammentteffen und von da aus ihren Weg über oie galizische Grenze nach Rußland nehmen. Von hiesigen Aerzten ist der Stabsarzt Dr. Sommerbrodt zu dieser Mission belegirt, ein ärztlicher Delegirter wirb von Halle erwartet. Russischerseits scheint man ein balbiges Eintreffen von fremben ärztlichen Auto-
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idi« 8a machen, „wir bitten, alle Bedürfnisse nur bei Geschäftsleuten einzukaufen rc."
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noch «Ler Herr kann auch das Geringe segnen," erwiderte jxttzt gelassen und schob mir das zweite Papier zur Un- hin. Dies enthielt mein Versprechen, daß ich zurückgelegtem 21. Lebensjahr in das unten bezeichnete
'un,iI geigen nimmt entgegen: Mpeditio» d.vlatte-, jte -.Annoncen-Bureaux । it), Dietrich & Eo. in Seiben fei und Hannover; Th. [326 -mch'n Frankfurt a.M.;
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Un- petit ; be. adtn 77 lenz, rsen isge- ar* 77 j.
i ober Kirchthurns-Jnteressen keine Gemeinschaft haben. Hwohl verstehen wir nicht, wie sich die berühmte fische Zeitung lvon Staats und gelehrten Sachen" über iufruf des Vereins zur Wahrung geschäftlicher Interessen iünchen erbosen kann, welcher vor Weihnachten erschienen Dieser Aufruf liegt uns allerdings nicht im Wortlaute aber die Stelle welche die „Vossische Zeitung" wört- ►♦♦♦ kitirt, ist denn doch ein so harmloser Appell der Mün- . « !r Geschäftsleute an ihre Käufer, daß wir das Geschrei ml «wähnten Zeitung nicht zu würdigen vermögen. Die gcrM liche Stelle lautet nämlich:
7a(1g »Kausen wir Münchener bei den Münchenern" nur bienu Patriotismus auch auf wirthschaftlichem Gebiete
[201 bazu beigetragen werden, dem geschäftlichen Elend ein
■iftet. 5 Huben wissen!"
—" M erwiderte Nichts aus diese Warnung und fragte fcann wir nachj St. Antoine reifen würden. Er M hPapiere sorgfältig in feiner Brieftasche und sagte ' „Ich werde Sie morgen in aller Frühe hier ab- ' einen Wagen habe ich schon bestellt und auch dafür & daß wir auf allen Stationen frische Pferde finden — in 36 Stunden sind wir dort. Also so sicher war er I gewesen — ich sah ein, daß hier jeder Kampf Gegenwehr nutzlos sein würde und ergab mich Schicksal."
mich unweigerlich zu dem bestimmten Zeitpunkt, Nsl einzufinden. Auch dies unterschrieb ich und H r dabei an die Möglichkeit, daß ich ja vielleicht noch j$7 H sterben könnne, oder daß es irgendwie gelingen . einen rettenden Ausweg zu finden, er mochte wohl