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Marburg, Freitag, 31. Januar 1879

XIV. Jahrgang

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der Geistliche diese Worte gesprochen, heftete er lauerndm Blick auf mein Gesicht, um die Wirkung

wohl, daß man die Pferde reinige, aber daß man auch das Rindvieh reinige, das habe er noch nie gehört, das sei in seiner Heimath nicht Mode." Solche alten schlech­ten Moden können durch die Erfahrungen, welche man auch im westlichen Deutschland gemacht hat, nur beseitigt werden, wenn die Regierung in Verbindung mit landwirth- schaftlichen Vereinen energisch eingreift. Vor 40 Jahren sahen dort die Bauernhöfe auch noch so aus. Da wurde von den Landräthen bei Strafe geboten, jeder Bauernstel­lenbesitzer müsse in seinem Hofe ein Pfuhlloch graben und sich ein Pfuhlfaß anschaffen. Anfangs murrten manche darüber, als sie aber erst die neuen Pfuhlfässer benutzt und den Pfuhl auf die Wiesen und Acker gefahren hatten und im nächsten Jahre das fette Gras und Getreide sahen, welches an den gepfuhlten Stellen gewachsen war, söhnten sie sich mit der neuen Einrichtung aus, sie lernten den Werth des Pfuhls schätzen, und jetzt schätzt dort der Baner den Pfuhl wie Goldlinctur. Ohne einen gewissen Zwang lasten sich nirgends Verbesserungen einführen; alte Zöpfe müssen eben abgeschnitten werden.

ng von WirthschaflSgebäuden u. s. w. noch unge- vermehrt. Ein Bauer, welcher aber mit einer solchen entast seine Wirthschaft begönne, müßte bald ban- werden und so könnte der Staat sehr leicht in die endigkeit versetzt werden, feine Parcellen wieder zurück rben, wenn er sie nicht wollte verwüsten und zu Mittel werden lassen, mit welchem wucherische Güter- rer das arglose Landvolk rniniren. Also durch ver- Parceüirung der Domänen ist es nichts. Was auch der Staat dafür lösen! Wenn er nicht selbst die Parcellen nöthigen Wirthschaftsgebäude auffüh- ill, so würde er in Anbettacht dessen, daß dann der sich dieselben aufführen müßte, ehe er die Witth- überhaupt anfangen kann, kaum irgend einen nennens- Preis für die Parcellen lösen. Baut aber der die nöthigen Wirthschaftsgebäude selbst, so wird ihm ich kein Käufer wieder so viel dafür geben, als sie ekostet haben. Dieser Weg der Parcellirung würde Mr Verschleuderung der Domänen führen ohne den : Vermehrung eines lebenSthätigen kleinen Bauern- , zu erreichen. Damit ist es also nichts. Neuer-

Die Erbpacht.

88 ist von fortschrittlicher Seite oft der Anttag auf ikllirung und Verkauf der Domänen gestellt worden, m Antrag haben wir als unpraktisch verwerfen müssen, wir der Ueberzeugung sind, daß eine solche Parcellirung fs Verkauf der Dömänen nur dem Güterschacher zu

grschrint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS Sonntagsblatt" durch di- Expedition IKock'scke Buchdruckerei) bezogen 2i ®idrt, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejd. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf»

Für m der Expedition zu erlbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. v

Bestellungen auf die Dberhessische Zeitung

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ungen des Onkels und der Tante erfahren, daß er Vit der tiefsten Erbitterung von den Leiten seiner gesprochen und daß ihn nur die Rücksichten auf jachsten Verwandten, deren mehrere sich dem Dienst Arche gewidmet hatten, davon abgehalten sich öffentlich ^vftetantischen Religion, der ja auch meine Mutter o ft! bekennen;

i der Priester darum wußte? fast schien es mir, '.kr fuhr gleich darauf fort:Schon mehr als ein Origer hat zu seinem Schaden erfahren, welche Seg- er aufgibt, wenn er sich, und sei es auch nur in ^en, von der allein seligmachenden Kirche und ihren

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowied. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

St. Autoiue.

Original-Novelle von F. R. G.

(Fortsetzung.)

mögen jetzt 1314 Jahre her sein, da klopfte

Abends ein Bauersmann an die Pfotte des Klosters Antoine und bat, ob nicht einer der Mönche ihm an Sager eines Sterbenden folgen wolle, es sei ein Frem­der schon 14 Tage krank unter seinem Dach liege; e ihn schon mehrmals gefragt, ob er nicht einen holen sollte, um ihm die Sakramente zu reichen, der Kranke habe ihn jedesmal unwillig znrückgewiesen."

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repi< 1 Mittheilung zu beobachten; und nun wurde eine iamj gegessene Erinnerung meiner Kindheit in mir lebendig, sagi All erinnerte ich mich, davon gehört zu haben, daß VA1, ! Datei, der wie ich auch, im katholischen Glauben ge- x ® unb getauft war, seine Kindheit in einem Jesuiten-

und deren Gratis-Beilage

1 llustrirtes Sonntagsblatt

' & ben von sämmtlichen Postanstalten (auf dem ibe von den Landpostboten) angenommen.

Tagesbericht.

Die von dem Bundesrathe gebilligten Vorschläge der Commission wegen Schutzmaßregeln gegelt die Pest liegen gegenwärtig dem Kaiser zur Genehmigung vor.

DieProvinzial-Correspondenz" enthält einen längeren Artikel unter der ÜberschriftParlamentarische Disciplin und Abgeordnetenhaus" welcher den Antrag des Centrums gegen den Gesetzentwurf über die Sttafgewalt des Reichs­tages zum Gegenstände hat. Der Artikel schließt mit fol­genden Sätzen: es liegt dem Reichskanzler fern, den Reichstag in seiner inneren Selbständigkeit in der Wahrung und Uebung seines Hausrechtes beeinträchtigen zu wollen. Seine Vorlage ist durchweg darauf gerichtet, dem Reichs­tage eben die volle und wirksame Uebung dieses Rechtes möglich zu machen. Wenn derselbe Zweck ohne Mitwir­kung der Regierung erreicht werden kann und soll, wird dies unzweifelhaft sehr erwünscht sein, aber von einem da­rauf gerichteten energischen Willen der Betheiligten ließ die jüngste Verhandlung neben der Abwehr der Vorlage des Reichskanzlers leider keine Andeutung hervortreten. Gerade deßwegen hat diese Verhandlung nicht den Erfolg haben können, die dringliche Bedeutung der Absichten und des Strebens des Kanzlers irgend zu vermindern oder ab­zuschwächen. Ueber die Pest in Rußland schreibt die nämliche Correspondenz: obwohl der Stand der Dinge bisher zu größeren Besorgnissen keinen Anlaß gewährt, vielmehr erwarten läßt, daß die Krankheit in dem bishe-

Dachte ich's doch", knirschte er wülhend hervor;trau Einer Schwüren und Betheuerungen!" da dürfen sie nur ein, schönes Gesicht sehen und einen Kuß von holden Lippen Pflücken gleich ist Alles vergessen und wenn es ver­langt wird, verkaufen sie ihrer Seelen Seligkeit!" Bei dem Blick, den er bei diesen Worten seinem Begleiter zuwarf, erstatte mein Blut zu Eis, aber hier galt kein Zaudern und Besinnen, ich mußte sein volles Bekenntniß haben und so sagte ich fest und bestimmt:Wollen Sie mir bte Bedingungen nennen, unter denen mein Vater dem Leben und mir wiedergegeben wird!"

Nicht so hastig, meine Tochter", sagte er jetzt auch wieder ruhig und gemessen; ich möchte erst hören, wie weit sie nut der Sachlage vertraut sind und wider warf er einen haßerfüllten Blick nach der Seite."

»-^ih weiß Alles", rief ich mit lauter Stimme,weiß daß der hungrige Magen des Klosters sich nicht scheut" daö Gut der Wtttwen und Waisen zu verschlingen; weiß, daß

wehr als Einer in den unterirdischen Kerkern der Kloster geschmachtet hat, wenn er die Unklugheit begangen haste, sich und fein Vermögen in die Hände solcher Diener der Kirche gelangen zu lassen. ich weiß auch, daß es Mittel und Wege gibt, den Geist, den man einst brechen kann, zu umnachten; aber ich schwöre es Ihnen zu, diesmal soll keiner der Schuldigen seiner Strafe ent­gehen. Lord Lille ist reich und mächtig; fein Bruder ist als Gesandter am belgischen Hofe accrebitirt; ich will doch sehen, ob die Mönche von St. Antoine es wagen, ihre Klosterpforte den Dienern der weltlichen Obrigkeit zu ver­schließen!"

In schreckensvoller Befangenheit starrte er mich an__

jeder Blutstropfen war aus seinem Gesichte gewichen; meine hingeworfenen Worte ließen ihn augenscheinlich einen wohl durchdachten, Plan vermuthen.

'Laten nimmt emgegen: EgrpeMtion d.vlatteS, L, ».Annoncen-Bureaux E ib- Dietrich & Co. in Eu und Hannover; Th.

in Frankfurt a.M.; Eftitftcin & Vogler in Erfurt a. M., Berlin, m Cöln ic.; Rudolf e in Berlin, Frank­furt a. M. re.

dings ist nun in den Sitzungen des Landesökonomie-Colle- giums der Vorschlag gemacht worden, zu versuchen, ob sich durch Bildung von mittleren und kleineren Erbpachts- oder Erbzinsgütern aus den Domänen ein mittlerer und klei­nerer Bauernstand in solchen Gegenden, wo derselbe fehle, bilden lasse. Der Oekonornierath Korn ans Breslau hatte folgenden Aiittag gestellt, welcher einstimmig angenommen wurde, nachdem auch der Ackerbauminister seine volle Theil- nahme für denselben ausgesprochen hatte. Dieser Antrag lautet:

«Den Minister zu ersuchen, die Frage einer eingehen­den Prüfung zu unterziehen, ob und in wieweit es sich empfehle, behufs energischer Förderung der Colonisation und Besiedelung bez. behufs Vermehrung der seßhaften ländlichen Arbeiterbevölkerung eine Aeuderung der Gesetz­gebung in derjenigen Richtung zu bewirken, daß die Wie­derherstellung von Verhältnissen ähnlich der Erbpacht unter dem Erbzinsgelde oder der Emphyteusis es ermögliche, Grundbesitz auszugeben, unter Garantie dafür, daß die ausgegebenesi Parcellen zur Errichtung und dauernden Er­haltung kleiner Wirthschaften seitens einer seßhaften, der ländlichen Arbeit zugewendelen Bevölkerung benutzt werden."

Wenn die Sache praktisch angefaßt wird, kann durch solche Erbpachtgüter viel Gutes gestiftet werden. Möchte nur auch bald die Lage der Landwirthschaft wieder eine bessere werden und zu diesem Zwecke das geschehen, was überhaupt von Seiten des Staates geschehen tarnt Der Reichskanzler hat mit seinem Zollprogramm den rechten Weg beschritten; hoffentlich gelangen seine Vorschläge zum Ziel. Aber für die kleine Landwirtschaft kann auch von den Landräthen Manches geschehen. Wir haben in öst­lichen Provinzen Bauernhöfe gesehen, über deren Zustände würde ein Bauer aus dem südwestlichen Deutschland die Hände über den Kopf zusammenschlagen und es nicht für möglich halten, daß es jetzt noch Bauernhöfe giebt ohne Mistgrube und Psuhllöcher, Bauernhöfe, in welchen der Mist bei jedem Regenguß von der in demselben zusammen­strömenden Dachtraufe aller Dächer ausgewaschen und die Dungkraft fvrtgeschwemmt wird. Ebenso würde ein Bauer aus jenen Gegenden erschrecken über die dunklen, dumpfen und schmutzigen Viehställe, in welchen fein Vieh gedeihen kann, und über das schmutzige Rindvieh, welches, wie uns erst im vottgen Sommer ein Bauer, der einen Trupp solch' schmutziger und schon von weitem vor Schmutz stinkender Kühe von der Weide nach Hanse trieb und den wir da­rüber ansprachen, mittheilte, daß in manchen Gegenden nie gereinigt wird. Der Mann hielt uns nicht für fing,

als wir ihn fragten, ob er denn sein vor Schmutz starrendes Vieh nicht jeden Morgen reinige und ent­

gegnete uns,er sei bei dem Vieh ausgewachsen, er wisse

Hütte des Sauern lag, hatte sich die rächende Hand der

Kirche erwiesen der Dämon des Wahnsinns hatte sich

seiner bemächtigt und seinen Geist umnachtet."

Hier konnte ich mich nicht mehr halten; außer mir sprang ich auf und rief laut und drohend:Und was habt Ihr mit den Abtrünnigen gemacht? ist sein Geist immer noch umnachtet und schmachtet er vielleicht in einem Eurer Kerker? Wahrheit will ich,oder beim allmächtigen Gott, ich rufe die Polizei zu Hülfe und durchsuche mit ihr all Eure Schlupfwinkel, bis ich ihn finde?"

Hatte ich ihn nun durch meine heftigen Worte aller Besonnenheit beraubt, oder glaubte er, ich sei durch irgend einen Zufall Mitwisserin des offenbar! hier liegenden Ge­heimnisses geworden genug er fuhr entsetzt empor und fragte schreckensbleich und mit bebender Stimme:Wer hat Dir gesagt, daß er noch lebt?"

Oh, den Gluthstrom den diese Worte in mir erregten? Also er lebte; ich hatte Hoffnung ihn wiederzusehen; das Grab öffnete sich und gab mir den theueren Tobten zu­rück !

Aber nun galt es, auf meiner Hut zu fein; kein Laut, feine «Silbe durfte ihn verrathen, daß alle meine Worte nur leere Vermuthungen und Ahnungen aussprachen; daß erft seine eigene unvorsichtige Bemerkung mir die fehlende Sicher­heit gab.

So suchte ich ihn durch möglichste Ruhe zu täuschen, und eingedenk des alten Sprüchwottes von ben zwei Dieben die durch ihren Zank dem Redlichen zu seinem Besitz ver- holfen, warf ich einen bezeichnenden Blick nach der Seite, wo der andere Priester am Strande auf und ab ging und sagte dann möglichst unbefangen:Hochwürdigster Herr, wenn man Thaten begeht, die das Licht der Sonne scheuen, so muß man seiner Helfershelfer in jeder Beziehung sicher sein!"

te zu ! kommen würde. Der Güterschacherer würde die Par- 3iert, n kaufen und sie dann an Gutsbesitzer, Bauern oder i all feineren Theilen auch an Tagelöhner zu erhöhten Prei- ütrtaufen. Die Errichtung neuer selbstständiger Bauern- j bi wäre auf diese Weise gar nicht möglich; denn die j em, welche solche Parcellen entweder direkt aus der fc des Staates oder, was in der Regel geschehen würde, der Hand des Güterhändlers kaufen würden, wären n irch sofort verschuldete Leute und diese Verschuldung 1 *L' durch die neue Anschaffung von Schiff und Geschirr,