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Marburg, Donnerstag, 30. Januar 1879

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xiv Jahrgang

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Buchdruckerei» bezogen 'i\ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (efcl. Bestellgebühr». — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Kür in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet-

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Tagesbericht.

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436,153,000 Gulden

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38,204,000

23,204,000

32,793,000

15,055,000

4,065,000

117,169,000

Der „Courrier d'Jtalie" behauptet, daß der Reichskanz­ler Fürst Bismarck dem Cardinal Nina seine Befriedigung über die neueste Encyclica ausgedrückt habe. Wir haben mehr als einen Grund, diese Behauptung für unrichtig zu halten.

Deutschland . . . . Italien (zu Lande) . . Rußland.....

Rumänien.....

Serbien und Bosnien . die Schweiz . . . . die Seehäfen . . . .

rmiech 259.

meine Mutter immer schmerzlich vermißte. Da machte sein Geschäft eine Reise nach England nöthig; er wußte nicht, wie lange er abwesend sein werde und brachte mich deßhalb für die Dauer seiner Reise hierher, zu dm Ver­wandten; er wußte, daß er mich in keine bessere Obhut geben konnte. Nach zärtlichem Abschied von mir reiste er ab — ich habe ihn nie wiedergesehen!"

Oesterreich-Ungarn gehört bekanntlich zu den wenigen Ländern Europas mit activer Handelsbilanz. Durch die k. k. Permanenz - Commission für die Handelsver­träge ist ermittelt, daß im Jahre 1877 die Ausfuhr 666,6 Millionen Gulden, die Einfuhr 555,3 Millionen Gulden, die Mehr-Ausfuhr somit 111,1 Millionen Gulden betrug. Interessant ist es dem Gang der wirthschaftlichen Ent­wickelung Oesterreichs in den letzten Jahren zu verfolgen. Im Jahre 1874 hatte Oesterreich noch eine Mehr-Einfuhr von 124,7 Millionen, im Jahre 1875 eine Mehr-Ausfuhr von 1,6 Millionen, im Jahre 1876 eine solche von 60,9 Millionen Gulden. Wir werden nicht fehl gehen, wenn wir die österreichische Mehr-Ausfuhr als eine Rente bezeichnen, welche das deutsche Reich dem Nachbarlande bezahlt. Es wird dies aus folgenden Zahlen ersichtlich: die Ausfuhr betrug im Jahre 1877 nach, resp. über

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daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Den französischen Kammern wird demnächst eine Vor­lage betr. die Revision des Gesetzes über die Freiheit des höheren Unterrichts gemacht werden. Hauptzweck der Vor­lage ist es, den katholischen Universitäten das Recht,, die akademischen Grade zu verleihen, wieder zu nehmen. Wenn, was nicht zweifelhaft ist, die Principien des Entwurfs die Zustimmung der Kammern erlangen, so wird ein inter­essanter Streit mit den Bischöfen, als den Curatoren der katholischen Universitäten, entstehen. Die letzteren haben nämlich aus der Machtvollkommenheit des Papstes das Privilegium erhalten die akademischen Grade zu verleihen.

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^scheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche

verg eben, [428 »rg, Durf -g zu.

St. Antoine.

Original-Novelle von F. R. G.

(Fortsetzung.)

iUnb warum nicht, mein Liebling? wer swill Dich mir

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den diplomatischen Kreisen Berlins wird die dies- „Saison" recht still vorüber gehen. Nur die ita- e Botschaft wird eine diplomatische Festlichkeit geben. Ursache ist die, daß im diplomatischen CorpS was die betrifft, große Lücken bestehen. Die Toycnne Lady befindet sich in interessanten Umständen — der russische fier Herr von Oubril ist Wittwer, der türkische fier und Graf von Saint-Vallier sind unverheirathet. Gräfin Szechenyi dagegen wünscht sich nach ihren Be-

zu begeben. Was den Reichskanzler betrifft, so t derselbe die Repräsentation des Auswärtigen Amtes Herrn von Bülow, der seinerseits wieder durch die ichkcit seiner Gemahlin eingeengt ist. Nur der Stell- des Reichskanzlers Graf zu Stolberg-Wernigerode mindestens eine Lücke auSfüllcn.

Bestellungen auf die ßberhessische Zeitung und deren Gratis-Beilage ustrirteS Sonntagsblatt von sämmtlichen Postanstalten (auf dem von den Landpostboten) angenommen.

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ton rin.

Die „Deutsche Gemeindezeitung" ist durch das Schrei­ben des Reichskanzlers angeregt worden, ihr wirthschastliches Programm in mehreren Artikeln zu entwickeln. Nachstehend theilen wir den Grundriß dieses Programmes mit: „Ein­fuhrverbote für alle Erzeugnisse und Waaren, die wir und soweit wir solche ausreichend und zweckentsprechend besitzen und Herstellen können, freier wechselseitig gesicherter und ausgeglichener WaarenauStausch mit allen fremden Na­tionen, deren andere oder bessere Erzeugnisse wir nöthig haben und denen wir dafür unsere ihnen bedürftigen Pro- ducte in Austausch geben können, endlich Preistaxen für Sicherung der gerechten und angemessenen Ausgleichung der besonderen persönlichen und sächlichen Austauschverhält­nisse, soweit dabei allgemeine persönliche und natürliche Rechte oder allgemeine nothwendige und unentbehrliche Be­dürfnisse des Lebens in Frage kommen, das werden die unerschütterlichen und unantastbaren Grundsätze und Maaß- nahmen sein, durch welche allein Wohlstand, Gerechtigkeit, Sittlichkeit und Zufriedenheit bei den Völkern und unter denselben gesichert werden können."

Devtsches Reich.

»» Berlin, 28. Jan. Die „Köln. Ztg." läßt sich, aus Berlin telegraphiren, am 24. Januar habe der Finanz­minister Hobrecht im Staatsministerium aus der Verwerfung des Tabaksmonopols eine Cabinetsfrage gemacht und diese Verwerfung durch eine Stimme Mehrheit herbeigeführt. Der ganze Vorgang ist erfunden. Ein solcher Gegensatz konnte umsoweniger hervortreten, als das Tabaksmonopol in jener Sitzung gar nicht zu unmittelbarer Berathung stand, es handelte sich um die Zustimmung zu dem längst angekündigten Antrag des Finanzministers zur Ausarbei­tung einer Vorlage, welche auf der Besteuerung des Tabaks nach dem Gewicht basirt. Diese Zustimmung ist durch Gesammtbeschluß des Staatsministeriums ihm ertheilt wor­den. Damit ist aber der Erörterung der Frage in den Reichsinstanzen nicht vorgcgriffen. Die Ausschüsse des BundeSrarhs für Handel und Verkehr und für Zoll- und Steuerwesen haben ihrerseits den Bericht der Tabaksenquste- Commission in Betracht gezogen und sich ebenfalls mit Majorität für Besteuerung des Tabaks nach Gewicht aus­gesprochen. — Die Rückkehr des Geh. Rath Finckelnburg aus Wien ist bekanntlich gestern Mittag erfolgt. Noch an demselben Abend habm im Reichskanzleramt die kom­missarischen Bcrathungen über die Schutzmaßregcln gegen die in Rußland herrschende Epidemie stattgefunden. Aus der Berathung ging der Entwurf einer Verordnung hervor, in welcher die Gegenstände aufgezählt sind, die als Träger der Ansteckung gelten müssen und daher von der Einfuhr nach Deutschland auszuschließcn sind. In Bezug auf die Bewachung der Grenze ist eine Einigung zwischen Deutsch­land und Oesterreich zu Stande gekommen. Zur Entschei­dung über den Verordnüngsentwurf ist der Bundesrath heute Nachmittag zusammengetreten. — Die Arbeiten der Zolltarifkommission werden mit großem Eifer fortgeführt, es finden tägliche Besprechungen der Referenten unterein­ander und mit dem Vorsitzenden statt. Gne Plenarsitzung dürfte vor der nächsten Woche nicht stattfinden. — Morgen daran zu denken, mir irgend eine Stellung im Leben zu wählen; ich lernte mit eisernem Fleiß und mein Streben wurde von Erfolg ^gekrönt. Und auch sonst war ich be­glückt, vor vielen Anderen; hatte ich doch liebevolle Verwandte, die für mich sorgten und endlich Deine Liebe — ach, ich war ja so sehreich und glückselig und Gott weiß es, ob ich ihm dankbar war.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie b. Annoncen-Bureaux von G- L- Daübe & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl.

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„Reichsanzeiger" publicirt eine kaiserliche, vom Stolberg contrasignirte Verordnung vom 23. Ja- , durch welche der Reichstag bis zum 12. Februar (ihflfctfat wird.

“Wwftern fand eine Sitzung des Bundesraths statt, in sich derselbe mit der Berathung der Maßregeln zelageiM die Einschleppung der Pest beschäftigte.

«die Commission zur Berathung von Schutzmaßregeln [20Ä Pest wird bei der Regierung die Entsendung Kaiq Ccmmissärs nach Rußland beantragen. Ferner wird jlttttM Immission die Ergreifung derselben Maßregeln in —— ff der Einfuhr gewisser Artikel aus Rußland bean- i > S! welche die Wiener Commission beschlossen hat. — 2-ll2S .Nationalzeitung" zufolge hat Dr. Finckelnburg in obtttli Immission mitgelheilt, daß die Ausdehnung der Pest ■ -'tat ursprünglichen Seuchcnheerd nach officiellen Daten cvnstalirt und die Abschließung der verseuchten Locali- t durch einen doppelten Sicherheitscordon ins Werk

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r® und Monate hindurch, ohne daß eö einem seiner pbe oder Bekannten gelungen wäre, ihn seiner Apathie Kreißen. — Endlich beredete ihn einer seiner Ge- gtfreunbf, sich an einer größeren Unternehmung zu Fügen, er hoffte, die dadurch bedingte vermehrte [Mett werde günstig auf ihn einwirken, und wirklich O, ßch diese Vermuthung zu bestätigen. Er zeigte p Interesse für seinen Beruf, liebkoste mich, die Aschwer unter seiner Vernachlässigung gelitten und

nach und nach wieder mehr Ruhe, wenn er auch

tee » »Die Verhältnisse," erwiederte sie leise und tonlos und 1 bann, mit einer Stimme, der sie umsonst Festigkeit Epen versuchte: „Franz, höre mich ruhig an, Du sollst ■ erfahren; ich will mich bemühen, Dir Alles klar und P mitzutheilen. «Sie setzte sich, von ihm » gewandt p Lehnstuhl des Onkels und vergrub ihr Gesicht in »Hände; ihr Körper bebte vor unterdrücktem Schluchzen °bies Schluchzen klang auch noch in ihrer Stimme, ae nach einer Weile begann: „Du weißt Franz, daß km 3 Jahre alt war, als meine Mutter starb, ich * mich ihrer nur dunkel und unsicher erinnern, aber piß daß meine Eltern sehr glücklich zusammen gewesen p und daß der Vater, nachdem die Mutter gestorben t wie gebrochen umherging. Er vernachlässigte sein Wst (er war, wie Du weißt Kaufmann) saß stunden- ? dumpf vor sich hinbrütend da und überließ mich der 3e einer alten Dienerin. Dieser Zustand dauerte

„Ich weiß es," unterbrach sie Franz weich und theil- nehmend, „er starb auf der Reise, in Folge eines heftigen Nervenfiebers; aber warum diese schmerzliche Erinnerungen Else, die Dich nur nutzlos aufregen?"

Sie beachtete seinen Einwurf nicht und fuhr unbeirrt fort: Ein katholischer Geistlicher, der ihn in seiner Krank­heit gepflegt hatte, brachte uns die Nachricht seines Todes; mein Vater war, wie er uns mittheilte, ohne Bewußtsein gestorben — von seinem bedeutenden Vermögen, das er in Wechseln mit sich geführt, fand sich Nichts vor — ob er es in unglücklichen Spekulationen verloren, oder ob es ihm entwendet war, blieb unermittelt. Die Mönche, in deren Kloster der Schwerkranke eine Zuflucht gefunden, begruben den fremden Mann; sie durchsuchten seine Papiere um seine Angehörigen benachrichtigen zu können und einer der­selben, der doch nach Deutschland reifte, (mein Vater war in Belgien gestorben) übernahm es, uns die Trauerbotschaft mitzuthellen.

Ich war damals sechs Jahre alt, aber noch jetzt faßt mich ein lähmendes Entsetzen, wenn ich daran denke, wie kühl und mitleidslos mir der fremde Priester sagte, daß ich nun ganz verwaist fei. Bisher hatte ich in dem Geist­lichen immer nur den Stellvertreter Gottes auf Erden verehrt, ich wußte, Gott war mild und gut — warum hatte er mir meinen Vater genommen?"

Was nun folgte, ist Dir ja auch bekannt. Durch den Verlust nuferes Vermögens, wurde eö für mich nöthig,

Bis zum vorigen Jahre verlief mein Leben ruhig und beglückt; die über meiner Kindheit lagernder Schatten hatte ich im Sonnenglanz Deiner Liebe vergessen — seit jener Zeit aber ist mein Lebensschiff von manchem Sturm hin und her geworfen worden.

Tu weißt, daß ich damals.mit Lord Lille und seiner Familie Ostende besuchte, ehe ich mit ihnen wieder nach England übersiedelte. In Oflande, wo wir im ersten Gasthof wohnten, saß eines Tages bei Tafel ein älterer Priester neben mir. Er beobachtete mich auf eine Weise, die mir unan­genehm war, ja, er schien meine Züge zu studiren und in seinem Gedächtniß nachzuforschen, ob und wo er mich schon gesehen haben könne. Am nächsten Tag saß er wieder an meiner Seite, neben ihm saß ein zweiter Geistlicher und ich bemerkte bald zu meinem Verdruß, daß ich wiederum der Gegenstand halblaut geflüsterter Bemerkungen war. Da plötzlich schlug ein Name an mein Ohr, der all mein Blut in Wallung brachte; es war der Name St. Antoine, den der Eine aussprach — in einem Kloster dieses Namens war mein Vater gestorben. Ich lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit; endlich vernahm ich wie der Eine auf Französisch zum Andern sagte: »Getto ressemblance est etonnantel« und gleich darauf wandte sich der Aeltere der beiden Herren an mich und sagte: »Permettez-moi, made- moiselle, de vous dematider votre nom et soyez assuree, que ce n’est pas une curiosite mal placee!« In der ersten Bestürzung nannte ich ihm meinen Namen; ich fühlte,