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Marburg, Sonntag, 26. Januar 1879
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Heil- «ud Schutzmittel gegen DiphtheritiS.
Herr Freiherr v. Stein zu Gr. Kochberg veröffentlicht in dem Sonntagsblatt der „Deutschen Landes-Zeitung" eine längere Abhandlung über DiphtheritiS, aus welcher wir folgenden Auszug geben: ,
Die Ursache dieser mörderischen Krankheit ist ein mi- kroflopischer Pilz vergesellschaftet mit Batterien, welcher auf den Schleimhäuten wächst und rasch fortschreitend wuchert. Dem Ausbruch der Krankheit geht gewöhnlich Husten voran, häufig auch Halsschmerz und fast in allen Fällen Anschwellung der Mandeln. Dann stellt sich Neigung zum Schwitzen ein — Mattigkeit, Kopfschmerz und Fieber. Herr v. Stein hat seit Jahren eine Menge Diphtheritisfälle beobachtet, da er auf dem Lande häufig als ältlicher Rath-
ein weiteres Vorgehen aufgegeben habe. Allem Anschein nach wird das Sandschak besetzt werden, sobald die Jahreszeit für militärische Operationen günstig ist, und ob Oesterreich dann nicht noch weiter vorgeht, ist mindestens zweifelhaft. Der Ausbruch der Pest in Rußland hat auch in Oesterreich-Ungarn Besorgnisse hervorgerufen und es ist eine Conferenz zusammengetreten, welche über geeignete Maßregeln zur Abwehr dieser Krankheit berathen soll.
Die Annahme der Gotthardbahn-Subvention durch die schweizerische Volksabstimmung hat den Erwartungen entsprochen. Den mehr als 278,000 Stimmen des schweizerischen Volkes, welche sich für Annahme des Gesetzes aussprachen, stehen wenig über 150,000 gegenüber. Dies wird auf die italienische Zustimmung, falls sie in der Zivi- schenzeit noch nicht erfolgt ist, sicherlich einen günstigen Einfluß ausüben.
Frankreich hat wieder zwei heftige Aufregungen gehabt, die ihm füglich hätten erspart werden können, wenn persönliche Abneigungen und ehrgeizige Absichten in Versailles eine weniger einflußreiche Rolle spielten. Am 16. Januar gab das Cabinet Dufaure in beiden Kammern sein politisches Programm in einer „Erklärung" ab, die Marcöre in ter Deputirtenkammer und Dufaure im Senat vorlas, die aber dort entschieden durchfiel, während sie hier nur einen Achtungserfolg hatte. Senard ersuchte im Einver- ständniß mit Dufaure in der Deputirtenkammer um die Erlaubniß zu einer Interpellation; dieselbe wurde auf Montag den 20. Januar angesetzt Nachdem Senard zu Gunsten des Cabinets geredet, dafern es in der Bcamtenfrage kräftiger als bisher voranzehe, nachdem dann Dufaure seine Haltung trocken und zäh vertheivigt, jedoch seine Anhänglichkeit an die Republik betheucrt hatte, erfolgte eine Zwischenverhandlung zwischen den Ministern und dm Führern der Linken, die zu einer motivirten Tagesordnung fühtte, welche von Ferry gestellt wurde.
Mehr oder minder leidenschaftliche Parteireden, einige Parlamentswahlen, die durch das Thunderer-Unglück veranlaßten Schießversuche in Woolwich, die Ankunft des Großherzogs von Hessen, das Unglück im Dinas-Bergwerk von Süd-Wales, sowie der eben beginnende Proceß gegen die Direktoren der Glasgower Bank haben an inländischen Ereignissen in England die verflossene Woche ausgefüllt. Inzwischen beginnen sich jedoch auch die ersten Anzeichen der bevorstehenden Parlamentssession geltend zu machen. Die Minister weilen vollzählig in der Hauptstadt, und am 21. d. ist ein erster Cabinetsrath abgehaltcn worden, dem am 23. ein zweiter folgte. Die englischen Truppen in Afghanistan dehnen ungeachtet des Schneefalls und des strengen Winters ihre Operationen noch immer weiter gegen Westen und Norden aus.
Der dänische Reichstag, der durch Neuwahl des Fol- kcthings wieder vollständig ist, tritt am 31. d. zusammen.
Der schwedische Reichstag ist am 18. d. zur ordentlichen Session durch eine Thronrede des Königs eröffnet worden. Zur Beralhung liegen vor unter Anderm die von der Synode beantragten Kirchengesetze, die Anträge auf Erhöhung des Tabak-, Zucker- und Kaffeezolls und der Branntweinfabrikationssteuer.
Die russisch-türkischen Verhandlungen zur weiteren Ausführung des Berliner Verttages sind im Laufe der letzten Woche nicht vorgeschritten. Zwar ist eine türkische Commission in Podgoritza eingetroffen, welche die Abtretung dieser. Stadt an Montenegro vorbereiten soll, auch ist endlich für die Verhandlungen der griechisch - türkischen Commission ein Ort in der Nähe der Grenze bestimmt worden, sonst ist aber nichts geschehen, und namentlich kann der endgültige Friede zwischen Rußland und der Türkei nicht zum Abschlüsse kommen. Die Unterschrift des Vertrages wird von einem Tage zum anderen hingezögert, und wenn auch nach wie vor behauptet wird, daß in allen wesentlichen Punkten ein Einverständniß erzielt sei, so scheint dies doch nicht so ganz richtig, denn sonst würde der Abschluß längst erfolgt sein, da Rußland sowohl als namentlich der Türkei viel an der endlichen Beilegung dieser Sache gelegen sein muß.
„Wenn wir in höchsten Nöthen sein", So that'S ins Ohr mir klingen."
Sie standen von ihren Sitzen aus, Zum Walde ging's in raschem Lauf: „O kämen wir nicht zu späte, Wir hülfen den Gesellen gern" Also ein jeder flehte.
Und da nun kamen zum grünen Wald Die hurtigen Kameraden bald, Da lagen die Sieben erschlagen.
Des Waldes Gras war roth gefärbt, Drob bitter mußten sie klagen.
Sie gruben den Braven ein Hutes Grab Und senkten die theuren Leichen hinab, Sie thatens mit allen Ehren.
Es soll eure Thal, ihr Reitersleut, Treu unfern Gedächtniß währen.
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jttt Landesjustiz. Der Eifer und die Bereitwilligkeit, den Paragraphen auch den großen Gedanken der einen Reichsgesetzgebung rasch und tief ins Volk zu ver- welche Regierungen wie Parlamente bekunden, ist afreulich und beweist, daß das Reich im Innern sort- nb erstarkt ist. Am 21. d. Mts. ist in Berlin das Gericht zusammengetreten, welches wohl die bisher ßte Klarheit darüber bringen wird, ob der Untergang stolzen Panzerfregatte „Großer Kurfürst" an der von Folkestone ein von einzelnen Mitgliedern oder durch das System unserer Marineverwaltung mitver- tes, oder aber ein zufälliges und nicht zu verhütendes ck gewesen ist. Gestern ist Kronprinz Rudolph von eich in Dresden zum Besuch des Königs Albert und Familie eingetroffen. Die jugendliche Nichte Ma- des Königs Albert, Tochter des Prinzen Georg von cn, ist eine der sehr wenigen heirathsfähigen Töchter scher Regentenhäuser und wird deshalb seit Langem als künftige Kronprinzessin von Oesterreich genannt. Oesterreich findet wieder einmal eine Orient e statt. Im Reichörath werden sehr heftige Reden den Grafen Andrasfy und den Berliner Vertrag ge- die aber doch nichts daran ändern, daß der Reichs- dei der endlichen Abstimmung den Vertrag genehmigen lieber den Abschluß einer Convention wegen des aks Novibazar ist es ganz still geworden, doch darf hieraus nicht folgern, daß Oesterreich die Absicht auf
Tagesbericht.
Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Die Zeitungen haben in letzter Zeit wieder häufiger Mittheilungen über bevorstehende militärische Personalveränderungen gebracht, welche ebenso wie frühere derartige Angaben sich als völlig unbegründet und lediglich erfunden erwiesen haben. Die Art und Weise, wie derartige Angelegenheiten entschieden und behandelt werden, macht ein Bekanntwerden von Plänen vor der definitiven Enffcheidung unmöglich. Der Wunsch, daß die Presse zur Verbreitung solcher erfundener Nachrichten nicht beitragen möge, muß um so dringender ausgesprochen werden, als dieselben auch häufig für die Betroffenen verletzend und für deren Angehörige beunruhigend wirken.
Bestellungen auf die
Ministeriums gewidmet. Der Bundesrath beräth die m vielbesprochenen Gesetzentwürfe des Fürsten Bismarck i die Reform der Handels- und Zollpolitik sowie über Strafgewalt des Reichstages. Regierungen und Verfallt Wskörper der einzelnen Reichsstaaten beschäftigt zur - neben der Feststellung der Landeshaushalte hauptsäch- die Einführung der Reichöjustizgesetze an Stelle der bis-
Hkssische Geschichtsbilder.
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Hessische Retter.
in Bild aus dem dreißig.jührigen Kriege.)
Einst trabten sechs hessische Reiter gut
Und trugen im Herzen den alten Mut In einem grünen Walde.
Ach brave hessische Reitersleut', Verloren seid ihr balde!
Sie waren gefallen in Hinterhalt, Die Feinde kamen mit großer Gewalt, Schnell Hub sich an ein Fechten;
Die Klingen sausten wundergut Zur Linken und zur Rechten.
Doch war'nS der Bluthund allzuviel, Sie hatten bald gewonnen das Spiel, Hinsanken die wunden Reiter, Da wurde das Gras so bluttg roth, und blaß die gefallenen Streiter. ‘
Der Trompeter mit im Kampfe war, war der siebente in der Schar, llnb herrlich könnt' er blasen.
«ut blies er: „Wenn wir in Nöthen sein, ^-och mußt er das Leben laßen.
Die Kameraden saßen bei Bier und Wein, Fern mochte es wol zwei Meilen sein, Jtob thaten zechen und singen;
* VS manches Liedlein stimmten sie an In Lust und in „guter Dingen." ...."Horch! WaS ertönet für ein Klang?"
Edrikf einer, der vom Sitze sprang, sen EreUrte das Lied ich singen:
[Sk : Das preußische Abgeordnetenhaus beschäftigt sich fort Lv I t mit n Berathungen des Staatshaushalts. Die kn Sitzungen waren dem Etat des Cultus- und Unter-
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Die Nachricht, daß sich der gegenwäriig nach Berlin einberufene Admiralitätsrath auch mit Berathung der Bestimmungen betr. die Abänderung der Fahrordnung für Panzerschiffe zu befassen haben werde, ist völlig unbegründet; der Admiralitätsrath wird sich, wie gemeldet, nur mit der Frage der Hafenbauten in Wilhelmöhafen beschäftigen.
Ein namhafter ftanzösischer Schriftsteller Georges de geber zu Kranken gerufen wird. Hierbei hat er die Ueber- zeugung gewonnen, daß die DiphtheritiS fast immer heilbar ist, wenn rechtzeitig und mit den rechten Mitteln ärztlich eingeschritten wird, daß die Heilung aber auch in fortgeschrittenen Fällen meist noch durch Anwendung von Brom gelingt. Zeigen sich bei einem Kinde die Mandeln äußerlich angeschwollen, ist dabei Husten oder Halsschmerz vorhanden, oder gar vorübergehend Kopfschmerz, so muß in allen Fällen eine Untersuchung der Rachenhöhle vorgenommen werden. Der Patient muß dabei den Mund so weit wie möglich aufsperren und die Zunge herausstrecken. ES ist sehr zweckmäßig, Kinder, wenn sie gesund sind, hierauf einzuüben. Hierdurch wird 'die Untersuchung, wenn sie einmal eintreten muß, wesentlich erleichtert. Ein gutes Hülfsmittel ist dabei, den Patienten bei aufgesperrtem Mund und ausgereckter Zunge einige Mal langsam und laut „A" sagen zu lassen. Hierdurch hebt sich das Gaumsegel mit dem Zäpfchen und gestatttt einen besseren Einblick in die hintere Rachenhöhle. Die Zunge muß herunter gedrückt werden, so daß sie nicht durch bogenförmige Erhebung den Einblick hindert. Kann dies der Pattent nicht selbst thun, so muß man mit einem Löffelstiel die Zunge während der Untersuchung niederdrücken. Zeigen sich auf den angeschwollenen Mandeln oder in der endzündlich geröthe- ten Rachenhöhle irgendwo etwas erhabene, unregelmäßige, rundliche oder streifenförmige weiße Flecke, so kann man das Vorhandensein der Diphtherins annehmen. Nimmt man bei Wiederholung der Untersuchung nach einer oder einigen Stunden eine Vergrößerung der Flecken wahr, so ist DiphtheritiS unzweifelhaft vorhanden. Der ungeübte Beobachter kann hierbei nach zwei Richtungen getäuscht werden: Entweder übersteht er vorhandene Flecke, weil diese hinter den geschwollenen Mandeln oder in Schleimhautfalten verstettt liegen, und erst bei wiederholter Untersuchung
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
toejgen nimmt entgegen: p Expedition d.Blatte», sie d-Ännoncen-Bureaux w Id. Dietrich & Co. in h«tt und Hannover; Th. Ingrid) in Frankfurt a M.; toienftein & Vogler in Lntfurt a- M., Berlin, fejig, Cöln ic.; Rudolf Me in Berlin, Frank- ' furt a. M. ic.
^6er -n?e" n,a* 3fn"! und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirtkS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche
Buchdruckeren bezogen 2-, A»ark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg
Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
s-AüDcrhesstsche Zeitung
; und deren Gratis-Beilage
f llustrirtes Sonntagsblatt
1 eben von sämmtlichen Postanstalten (auf dem nbe von den Landpostboten) angenommen.
Politische Woche«-Ueberstcht.