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Marburg, Freitag, 24. Januar 1879

XIV. Jahrgang

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i und für eine Umgestaltung unseres Zolltarifs. ES

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lerlei Werse zu entschuldigen und in Schutz zu neh- Der Fortgang der Berathungen des Budgets war ge dessen nur ein sehr langsamer, und es ist nicht jen, wie der Landtag mit seinen Arbeiten fertig wer-

Macht der Thatsachen hat sie aber gezwungen, von dieser Ansicht, wenn auch widerwillig, mehr und mehr abzugehen. Es hat sich eben herausgestellt, daß das rein unmöglich ist, weil die direkten Steuern nicht mehr erhöht werden können. Das Reich muß also den Weg der indirekten Steuern betreten und da hat nun der Reichskanzler den vernünftigen Vorschlag gemacht, daß wir das Ausland, welches auf unseren Märkten seine Maaren verkaufen und alio Geld verdienen will, in erhöhtem Maße durch Er­hebung von Eingangszöllen zur Vermehrung unserer Ein­nahmen herbeiziehen. Es liegt auf der Hand, wie der Reichskanzler auch in einem neueren Schreiben an den sächsischen Landescultnrrath ausgeführt hat, daß es nicht mehr wie recht und billig ist, daß wir die ausländischen Producenten durch die Zölle mindestens in eben solcher Weise besteuern, als unsere inländischen durch Grund- und Gewerbesteuer besteuert sind. Jedermann sieht ein, daß z. B. unsere deutsche Laudwirthschaft, welche in ihrem Betrieb so große Capitalien stecken hat und so hohe Steuern zahlen muß, nicht bestehen kann, wenn die mit ungleich geringeren Kosten producirende Landwirlhschaft Rußlands, Ungarns und Amerikas zollfrei auf den deutschen Markt zugelasien wird. Ebenso ist's mit der Industrie. Diese Zollbewe- wegung hat jetzt fast alle Länder ergriffen und überall wird das Verlangen laut, daß man vor Allem den Bestanq der eigenen inländischen Produktion zu fördern habe. Zu welchen Resultaten unser Reichstag schließlich gelangen wird, läßt sich noch nicht absehen. Der Reichskanzler scheint aber Willens zu sein, das ganze Gewicht seiner Person in die Wagschale zu legen, und wir hoffen, daß dieses schwer genug sein wird, um die Herren Lasker und Bamberger zusammen aufzuwiegen. Ob es gelingen wird, dem Wucherunfug im Lande durch beffere Gesetze zu steuern, erscheint, nachdem der preußische Landtag einen darauf be­züglichen Antrag des Abg. v. Schorlemer abermals abge­wiesen hat, sehr zweifelhaft, so dringend nöthig auch die Sache wäre. Die liberalen Freunde der Wucherfreiheit umgehen bei den Debatten immer die Gebiete, um die es sich eigentlich handelt, und halten ihre Reden mit Bezug auf den großen Handelsverkehr. Es fällt Niemand ein, dort z. B. |bie Wechselfähigkeit zu beschränken. Bei der Wucherfrage handelt es sich aber um den kleinen Verehr der Bauern, Handwerker, Arbeiter, Beamten, Studenten u. s. w. und hier haben sich die Verhältnisse so gestaltet, daß dringend Hülfe nöthig ist, wenn diese Volkskreise von den Wucherern nicht immer mehr ausgebeutet werden sollen. Besser noch als Zins- und Wechselbeschränkungen wären freilich vorbeugende Mittel, wie z. B. Beschränkung des Schacher- und Haustrhandels, denn aus diesem erwachsen die Wuchergeschäfte.

Die letzte Hypothek.

Erzählung von W. Chr.

(Fortsetzung.)

j- Soll das der Anfang vom Ende sein? seufzte er. darum alle die Arbeit, alle die Mühe! Wie stolz ? die Hoffnungen, mit denen ich mich trug, und schon M der Stein ins Rollen kommen! Soll ich jenem Manne meine Seele verschreiben? Und was das Ende sein? 'Ich wage es gar nicht auszudenken. 1 aber Rath holen? Wie die Verhältnisse liegen, Air schließlich nichts übrig bleiben, und ich werde Leiter verschreiben müssen. Aber vorher muß ich fcein Herz erleichtern, ich muß mich aussprechen, und könnte ich dies besser thun, als mit dem alten

11. Ein Spinnen-Netz.

Werner begab sich direkt in die Wohnung Kriegers.

Der junge Mann hat bereits die Cravatte fest um den Hals; sie braucht nur noch zugezogen werden! Er hat die Wirtschaft modernisirt, und ehe er noch damit fertig geworden, ist nicht allein sein Geld alle, sondern er hat sich auch Schulden mit Verpflichtungen dazu auf den Hals geladen, die unabsehbar und unberechenbar sind. Soll er nun das Geld zahlen, was er beim Kaufe auf dem Gute schuldig geblieben ist, so ist er ruinirt und geht als Bettler davon. Mögen auch alle seine Neueinrichtungen nützlich und zweckmäßig sein, er wird die Früchte, nicht davon erndten, sondern ein Anderer wird erndten, wo er nicht gesäet hat. Er ist, wie alle jungen Leute, über seine Kräfte gegangen; und das Unzulängliche, hier wird's Verhängniß! Ob ihn noch irgend Jemand retten kann, ohne sich selbst zu ruiniren, ob ich ihm helfen kann, ohne mir selbst zu schaden, das ist die Frage.....

Ach was verschafft mir denn die große Freude, Sie mein hochverehrter Gönner schon so zeitig bei mir zu sehen? Mit diesen Worten führte Krieger den alten Werner, dem er auf dessen Klingeln selber geöffnet hatte, in sein Wohn­zimmer. Die Gartzvnwohnung war dem Zwecke entsprechend geräumig, ganz freundlich eingerichtet, und deutete ein eisernes Geldspind und ein Cylinderbureau abgerechnet nicht int Mindesten auf die Beschäftigung Kriegers hin. An den Wänden hingen einige neuere berühmte Stiche, auf dem Rolltischchen neben einer Chaiselongue lagen diverse iCuftrirte Werke, vor AllemDie Rittergüter Preußens".

Ich kam so zufällig bei Ihnen vorüber, erwiderte Werner, und da wollte ich Ihnen sagen, daß ich mir Ihre Propositionen, die Sie mir kürzlich machten, überlegt habe. Meine Frau will zwar von dergleichen nichts wissm, allein da ich nun doch einmal auf Ihre Veranlassung die Hypo-

den ich durch und durch als Ehrenmann kennen habe. Der soll mir Rath geben.

* fuhr denn Lobe mit dem Nachtzuge nach der Stadt, Scher Werner wohnte, und traf botf am folgenden |UJ« ein. Er ließ sein Gepäck auf dem Bahnhof und uJ!# die Wohnung Werners, der ihn zwar verwundert M sichtbarer Freude empfing.

terle^ Lobe erzählte, noch aufgeregt wie er war, denn er .^ährend der ganzen Eisenbahnfahrt kein Auge geschlos- T^ern fort und fort gegrübelt, Alles, was sein Herz

so groj I®6 natürlich nicht geeignet, nach dem Willen unseres ganze dem Volke die Religion zu erhalten und die reli- Erziehung zu vertiefen. Leider mußte man die Er-

A e sich vertheidigen und wählte dazu die wenig glückliche gef® dode, den Hintergrund für seine Politik, nämlich die Eigen- Politik seiner Amtsvorgänger, recht schwarz zu malen, x dies« «er sich die Farben dazu bei derGartenlaube", dem enthun Smfeinde" und denAllgemeinen Lehrerversammlungen" zesetzla i Schmerzliches Aufsehen erregte es, daß an der Lipp- Hen, v Realschule ein Oberlehrer die Häckel -Darwinische früh« w vorgetragen hat, gewürzt mit dem Vorlesen von Platzä m aus dem Buche eines jüdischen Schriftstellers, welche en ua das christliche Gewissen höchst anstößig waren, so daß Qua- imch die Regierung dafür eine Rüge und Verwarnung heil werden ließ. Solche Vorkommnisse in den Schu-

It sich dabei um eine Steuerreform, durch welche das Pf» in den Stand gesetzt werden soll, ohne dieMatricu- itt d iträge der Einzelstaaten seine finanziellen Bedürfnisse [11 Szenen Einnahmen zu bestreiten und zugleich um eine nnig und Stärkung unserer inländischen Produktton über der Concurrenz des Auslandes. Der Reichskanz-

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: befiMS machen, daß bte liberale Mehrheit beS Abgeorb- e diesWuses sehr geneigt war, baS Vorgehen dieses Lehrers etoig

: 18^ "* Das ist ja ein feines Planchen, sachte bann Wer- , ir mit Aufmerksamkeit zugehört hatte, unb bem Gan- Ulitt ' w ich- bie Hypothek cebirt! O ich alter Esel, daß .»»' j0 Wnd fein konnte. Nun vorläufig kann er ? 1®.die 50,000 Thlr. nicht kündigen, unb bie Zinsen /.Sie ihm wohl ebenso prompt zahlen wie Sie sie

onbern ig nm toe$ Zar Lage.

es an Das preußische Abgeordnetenhaus beschäfttgt sich noch beide, p mit ber Berathnng des Budgets, und in der letzten zabe si t hat der Etat des Cultusministers lebhafte Debatten > bah t, in welchen ber Minister selbst zur Rechtfertigung ir M c Schulpolitik eine lange Rede hielt, welche dieVoss.

' dieGrabrede der Aera galt" nennt. Der Minister

Tagesbericht.

Der Reichstag wird wahrscheinlich am 12. Februar zu­sammentreten. Den preußischen Landtag hofft man am 20. Februar schließen zu können, beabsichtigt aber, ihn unter allen Umständen spätestens am 22. Febmar zu schließen. Man giebt sich dabei der Hoffnung hin, daß alle wichtigen Dinge bis dahin erledigt sein werden, da man von einer Nachsession gern absehen möchte. Der Reichstag wird als erste Vorlage den deutsch-österreichischen Handelsvertrag erhalten. Die Dauer seiner Session wird schon jetzt als wenigstens bis Ende Mai angegeben.

In der Sitzung der Budget-Commission am Dienstag Abend erklärte der Finanzminister Hobrecht anläßlich der Debatte über die Anträge Benda und Rickert, es sei zweck­los, auf die Frage der Quotierung der Einkommensteuer und Klassensteuer einzugehen, bevor im Reiche eine neue indirekte Steuereinnahme bewilligt und festgestellt sei, welche Ueberschüsse an die Einzelstaaten überwiesen werden könnten, da vorher eine Vorlage über bie Steuer-Reform unmöglich fei. Der Minister fügte ausdrücklich hinzu, er spreche in seinem Namen, nicht im Namen des Staatsministeriums. Diese Erklärung des Finanzministers, worin er die Er­mäßigung der direkten Steuern in Preußen als abhängig von der Finanzreform im Reiche bezeichnete, gipfelte schließ­lich darin, daß, sobald durch neue Reichssteuern die Ma- trikularbeiträge Preußens an das Reich sich vermindern oder sobald aus eventuellen neuen Reichseinnahmen Über­schüsse an Preußen abgeführt würden, dieselbe Summe an biretten Steuern [Klassensteuer, Einkommensteuer) in Preu­ßen für bas betreffende Jahr erlassen werden solle.

Meldung derPolit. Corresp." aus Konstantinopel. Die gestrige Conferenz zwischen den russischen und türkischen Bevollmächtigten führte anscheinend noch nicht zur Unter­zeichnung des definittven Friedensvertrages. Eine auf Anordnung des Großvezirs eingesetzte Commission hat un­verweilt Vorschläge betreffenb die Reform des Steuerwesens und der Verwaltung der Zolleinnahmen zu erstatten. Der Finanzminister Zuhdi Bey soll zurücktreten und durch den egyptischen Prinzen Habin Pascha ersetzt werden. Der dem­nächst hier erwartete tunesische Minister Rustem Pascha soll mit einer besonderen Mission des Beys von Tunis an die Pforte betraut sein. Aus Belgrad: Der Ver- faffungsausschuß der Skupschttna lehnte die Gleichberech­tigung aller Confessionen ab ebenso den Antrag, die Ab­schaffung der Consular-Jurisdirection noch in dieser Session aus die Tagesordnung zu setzen. Die Skupschttna vottrte die Verlängerung des Moratoriums für die von dem Kriege von 1876 in den Grenzdistricten Betroffenen bis zum thek von 50,000 Thlr. an den Commerzienrath cebirt habe, unb das Geld somit für mich flüssig geworden ist, so mag es auch nun arbeiten, statt in Hypotheken wieder feftgelegt zu werden. Ich wollte Sie nun bitten, wenn Ihnen ein angenehmes Geschäft vorkommen sollten daß Sie dann an mich denken mögen; freilich ich bin ein Sicher- heitscommiffarius und vor Allen liebe ich keine ungeraden Wege, wie sie heute zu Tage häufig eingefchlagen werden.

Sie sollen von mir gut bedient werden, mein ver­ehrter Herr Werner: es liegen im Bureau ein Menge Offerten vor, und da werde ich Ihnen bie feinsten heraus­suchen, unb unter biefen sollen Me bann wählen. Es freut mich nur, daß Sie meinem Rath gefolgt waren und bie 50,000 Thlr. cebirten; ber Commerzienrath hatte ein­mal eine große Summe anzulegen, unb ba paßte ihm Marienau insofern ganz gut, als er ja bereits ein kleines Capital dorthin ausgeliehen hatte. Am liebsten hätte er 3h^e andern 50,000 Thlr. auch noch genommen, dann hätte der Mann einen Theil feines Vermögens auf einem Gute stehen gehabt, während er es nun vertheilen müßte Nun vielleicht lassen Sie sich noch zur Cession bewegen, bas Geschäft wäre ganz leicht gemacht, ba ber Commerzienrath dm Posten im Auge behalten hat. Eigentlich sollte ich Ihnen ernstlich rathen, Ihr Gelb ganz von Marienau fort­zuziehen, ba bie Gelegenheit dazu eine günstige ist. Man kann nicht toiffen, was nicht noch einmal geschehen wird.

Was wollen Sie damit sagen? fragte Werner, halten Sie mein Kapital nicht für sicher?

Das dürste ich wohl nicht behaupten können, ent­gegnete Krieger, aber Sie als alter Herr wollen doch am Cnde Ruhe haben und da wir doch einmal davon sprechen es scheint mir, als ob Ihr Herr Nachfolger ein etwas unruhiger Geist ist. Nchenbei scheint es mir kein richtiger Finanzmann zu sein, er hat bereits in kurzer

Anzeigen nimmt entgegen; die EWeditton d. Blattes s owie d. Annoncen-Bureaux, von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

ies Reichstages wird voraussichtlich eine sehr beben« r. i dolle werden, weil große wirthschaftliche Fragen ihrer -- igung harren. Es werden zu diesem Zwecke große

Rettungen gemacht; mehrere Commissionen machen Vor- !m für eine neue Besteuerung des Tabaks, des Brannt-

: nickt x, 20. onlich» Wiede;

,.en nimmt entgegen: h», taeMtien d.Blatte-, ' ».Annoncen-Bureaux einer Dietrich & Co. in Artikel i unb Hannover i Th. ,1t ver- in Frankfurt a.M.;

taftein & Bögler in

erscheint täglich außer an den Werktagen nach sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,JklustrtrteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdrucker-i) bezogen 2i Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (exel. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

in tffurt a. M., Berlin ,la Clt jg Cöln tc.; Rudolf tt mei- ( nt Berlin, Frank­furt a. M. 20.

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ifnah bis zum Zusammentritt des Reichstages, welcher

tat 12. Februar in Aussicht genommen ist. Die Ses-

ittnj ü bekanntlich an den Bundesrath ein Schreiben ge- l in welchem er seine Ansichten über Erreichung dieses - Len Zweckes entwickelt und es hat dasselbe im Volke i Beifall gefunden. Nur die Anhänger der Freihan- Agen! eorie sind demselben entgegen. Früher waren die berget kn bekanntlich auch Gegner der indirekten Steuern rioell wpt und wünschten so viel §ls möglich die Einnahmen ches i Staates durch direkte Steuern aufzubringen. Die