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M-18

Marburg, Mittwoch, 22. Januar 1879

xiv. Jahrgang

itglift

urt a. M. rc.

' üen nimmt emgegen: IAH kkptditio« d.Blattes, Ul T^Annoncen-Bureaux e A. Dietrich & Eo. in und Hannover; Th. nch in Frankfurt a.M.; enstein & Vogler tn surt a. M., Berlin, i, Köln 20.; Rudolf *in Berlin, Frank-

ObnIfksWt jritniiii

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. BlatteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

So gedieh das Vieh zur vollen Befriedigung, in der Kuh- abtheilung fanden sich zahlreiche Kälber, welche kräftig und edel gebaut einen erwünschten Zuwachs erhoffen ließm; und in der Mastabtheilung dehntm sich die mächtigen, vierfüßigen Fleischmassen vor Behagen, Alles aber sah blank und sauber aus, denn Striegel und Bürste wurden täglich in Bewegung gesetzt Reinlichkeit befördert ja be­kanntlich das Gedeihen der Thiere.

Bei der Dreschmaschine traf Lobe seinen Jnspector.

Sind die Rübengespanne noch nicht zurück? fragte er.

Rein, noch nicht, das ist auch gar nicht möglich bei dem vielen Schnee, der gefallen ist. Ich habe schon in Anbetracht dessen weniger aufladen lassen, amb doch werden die Pferde zu würgen haben. Es ist nur gut, daß die Schinderei bald ein Ende hat, sonst brächten wir noch unsere ganzen Gespanne damü auf den Hund.

Ich wollte, es dauerte trotz alledem länger mit vie- sen Fuhren, lächelte Lobe verlegen.

Er untersuchte noch, gegen seine Gewohnheit, flüchtig das auS der Maschine kommende Getreide und verließ dann die Tenne. Gedankenvoll kehrte er in sein Zimmer zurück, wanderte in demselben unruhig auf und ab und begann zu grübeln.

Es war freilich kein in seinen Resultaten erfteuliches Jahr gewesen, welches sich nun bald seinem Ende nahte. Durch die Ungunst der Witterung es hatte übermäßig viel Regen und wenig Sonne gegeben hatten die Halm­früchte stark gelitten, sie gaben einen keineswegs befriedigen­den ;Erdrufch und das Korn sand wegen seines leichten Gewichtes schwierige Abnahme. Die Kartoffeln waren von geringem Stärkegehalt und gaben in Folge dessen eine gleichfalls geringe Spiritus-Ausbeute.

Und nun endlich die Zuckerrüben! Die Ernte davon war trotz allen darauf verwendeten Fleißes, trotz aller bei

der Bestellung und Bearbeitung angewandten Umsicht nur eine halbe, und dies einfach aus dem Grunde, weil sich im Frühjahr in dem tief cultivirten Boden der Drahtwurm massenhaft eingefunden und seine Zerstörungen in den jungen Rübenpflanzen angerichtet hatte. Alles Nachpflanzen wollte nicht helfen, unb so blieben auf den Rübenschlägen die größten Lücken.

Und als dann die Rüben an die entfernte Zuckerfabrik abzufahren waren, da stellte es sich heraus, daß Lobe diesen Moment zu wenig berücksichtigt hatte, es war eine große Störung im ganzen Wirlhschaftsbetriebe, und nur auf mehrfaches dringendes Bitten wurde ihm ausnahmsweise freigegeben, die Rüben nach seiner Bequemlichkeit, aber bis Schluß des Jahres abzuliefern. Dann aber kamen von der Direktion der Zuckerfabrik Klagen über Klagen über den geringen Zuckergehalt der Rüben: nicht Wasserrüben, sondern Zuckerrüben verarbeiten wir, hieß es.

Freilich, wenn die Sonne fehlt, entwickelt sich tu der Rübe nicht hinreichend Zuckerstoff, und die Sonnenstrahlen vermag kein Sterblicher herbeizuzaubern.

Die Abrechnung für die Rüben sollte bei Schluß der Lieferung erfolgen, und wenn die Summe auch in Folge des Defictts nicht allzuarg werden würde, erwünscht war auch sie Lobe gerade in diesem von so mannigfachen Aus­fällen begleiteten Wirthschaftsjahre nicht. Es waren noch einige Tagefuhren anzufahren, dann hatte die Sache bis auf ein Jahr ein Ende und die Abrechnung mußte erfolgen. Freilich, die mochte sich wohl ziemlich ungünstig für Lobe allen bisherigen Andeutungen nach gestatten, denn außer den bereits erwähnten Monitas in Betreff des Zuckerge­haltes war auch von Seiten der Fabrik-Direktion mehrfach darauf hingewiesen worden, daß sie durch das Manco in der Rübenlieferung selber in Verlegenheit käme, und was

sagen, aber wir sind gespannt darauf durch Herrn Gehei- merath Michaelis im Reichstage zu erfahren, wie sich das Verhältniß des Goldumlaufs zum Silberumlauf bei den letzten Ermittlungen stellte. Wir fürchten, daß sich nun­mehr, seitdem von den deutschen Münzstätten nur noch wenige auf Privatrechnung mir der Ausprägung von Gold­münzen beschäftigt sind, das Verhältniß immer schlechter stellen wird. Die Einziehung der Thalerstücke, welche in der letzten Zeit allmonatlich einige Millionen Thaler betrug, wird voraussichtlich dieses Mißverhältniß der neuesten Sta­tistik noch nicht zur Erscheinung kommen lassen.

Meldnng derPolit. Corresp." aus Konstantinopel vom 19. d.: Bei Redaktion des russisch-türkischen Frie­densvertrages ergaben sich unerwarteter Weise Schwierig­keiten erheblicher Natur, welche den Abschluß der Verhand­lungen und die Unterzeichnung des Vertrages zu verzögern drohen; die russischen Bevollmächtigten bestehen auf Auf­nahme eines Artikels in den Friedensvertrag, der die Pforte zur Durchführung aller im Berliner Vertrag nicht berührten Bestimmungen des Vertrags von San Stefano verpflichtet. Die türkischen Bevollmächtigten hingegen wollen die Nothwendigkeit dieser neuerlichen Stipulirung nicht an­erkennen, indem sie darauf Hinweisen, daß die Pforte die Anerkennung der vom Berliner Vertrag nicht berührten Verpflichtungen aus dem Vertrage von San Stefano nie verweigert habe. Trotzdem hofft man binnen kurzem eine Verständigung. Mukhtar Pascha zeigte der Pforte an, daß er das Dorf Amino bei Arta als Ort des Zusam­mentretens der türkisch-griechischen Grenzregulirungs-Com- mission gewählt habe.

Deutsches Reich.

** Berlin, 20. Januar. Es tritt jetzt wieder in der Presse das Gerücht mit einer gewissen Beharrlichkeit auf, der Gesetzenttvurf betreffend die Strafgewalt des Reichs­tages sei bereits zur Zeit der letzten Reichstagssession in Angriff genommen, damals aber von dem die Regierung führenden Kronprinzen nicht genehmigt worden. Es ist das eine teilte Erfindung gerade wie das früher schon demen- tirte Gerücht, der Reichskanzler habe eine nochmalige Auf­lösung des Reichstages verlangt, der Kronprinz aber das Verlangen zurückgewiesen. Mit derselben Beharrlichkeit wird das Gerücht kolportirt, das Staatsministerium habe von dem jetzt eingebrachten Gesetzentwurf vorher nicht die min­deste Kenntniß gehabt. Auch dies ist vollkommen unwahr und völlig falsch ist auch die Begründung der Behauptung durch den Umstand, daß die Vorlage als Präsidialantrag im Auftrage des Kaisers, nicht aber im Namen der preu­

ßischen Regierung an den Bundesrath gelangt sei. Seit­dem die Annahme in Umlauf gekommen, der Reichskanzler habe in vertraulichen Aeußerungen auf die Annahme der eben erwähnten Vorlage keinen absoluten Werth gelegt und vielmehr erklärt, dieselbe nicht sowohl im Interesse der Reichs­regierung als im Interesse des Reichstags eingebracht zu haben, scheint die Geneigtheit in der nationalliberalen Par­tei zn wachsen, den berechtigten Kern der Vorlage zur Gel­tung zu bringen. Die Wirkung der übrigens bis jetzt un­verbürgten Aeußerungen des Reichskanzlers scheint nicht ge­rade unerklärlich, wenn man bedenkt, wie schwer es dem Reichstag fallen dürfte, die moralische Verantwortung für eine zunehmende Entartung der parlamentarischen Sitte zu tragen. Andererseits weiß man vom Reichskanzler, daß er einen entscheidenden Werth auf die Form, wenn der sach­liche Zweck erreicht werden kann, nicht zu legen pflegt. Dem Reichstag wiederum wird das Eingehen auf die Frage er­leichtert, je mehr der Schein eines moralischen Druckes wegfällt. Die Vorgänge in der Sonnabendssitzung des Ab­geordnetenhauses, die Erklärung des Präsidenten v. Ben­nigsen, nicht Angehörige des Hauses gegen Beschimpfungen nicht schützen zu können, können nur dazu beitragen, die Anerkennung der Motive des Reichskanzlers bei Einbrin­gung der Vorlage in weitere Kreise zu verbreiten und überall zu steigern. Sagt doch dieNat.-Ztg." sogar in ihrer Sonntagsnummer:In der That leidet doch die Würde des Hauses, wenn es gezwungen wird, einen Aus­druck wie niederträchtig auch nur anzuhören, gleichviel gegen wen sich derselbe richtet." Bei Gelegenheit der Auswei­sung des Dr. Stamm war bekanntlich in fortschrittlichen Blättern behauptet worden, derselbe gehöre gar nicht zur Sozialdemokratie. Diese Behauptung findet ihre bündige Widerlegung in einer Entscheidung der Reichsbeschwerde- Kommission betr. das Verbot der Schrift des Dr. Stamm: Blicke auf das Volkselend und die Volkssterblichkeit in der Reichshauptstadt." Die Kommission spricht aus, daß es mit Rücksicht auf den Gesammtinhalt der Schrift und auf die in den Motiven des Polizeipräsidiums angeführten Stellen keines weiteren Beweises bedürfe, daß die Schrift sozialistische und kommunistische Lehren und Bestrebungen enthalte. Ferner beweise der unwissenschaftliche, unfragende Ton der zu meist für dieBerl. Freie Presse" geschriebenen Aufsätze, daß es sich nicht um eine wissenschaftliche For­schung, sondern lediglich um agitatorische Zwecke zur Auf­hetzung der besitzlosen Klassen handle. Durch den Hinweis auf eine Reihe einzelner Stellen der Schrift wird festge­stellt, daß dieselbe ein fortgesetzter Appell an die Gewalt und die Leidenschaft der Menge ist, um durch gewerbs­mäßige Schürung des Klassenhasses die staatliche unb ge­sellschaftliche Ordnung umzustürzen.

ßrichkmt täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

kN. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet,

ebnu ss-s

Tagesbericht.

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»lge der Fortdauer der Pesterkrankungen in Südruß- bte Maßregeln in Vorbereitung genommen, welche mtcrem Vorrücken der Seuche zur Abwendung der

möglichste Wirksamkeit zu sichern, habe sich im Alls­tes Reichskanzlers der Geh. Regierungsrath Finkels- uach Wien begeben, wo er die erforderlichen Verab- |en mit den österreichischen Sanitätsbehörden treffen

r, das dieser Modus der Einbringung von Vorlagen Bundesrath die Regel bilde und in weitaus den sn Fällen beobachtet sei. Bezüglich der Besteue­ret Branntweinschänken erfährt dasselbe Blatt, man sich für eine durch die Landesregierungen aufzulegende cbefteuer, nicht für eine vom Reich ausgehende ntoeinfteuer entschieden. Die Absicht, die Schank - i erheblich höhet zn besteuern, werde prenßischer- praktisch bethätigt werden, sobald die Reichsstener-

!, gp i von den Grenzen erforderlich sind. Um diesen regeln durch gemeinsames Vorgehen mit Oesterreich

betreffs der im Auftrage des Kaisers erfolgten Ein- img der Vorlage über die Strafgewalt des Reichs- in den Bundesrath hebt dieNordd. Allgem. Zig."

,, . abgeschlossen.

^vani demselben ^Blatt zufolge hat das Reichsgesundheitsamt

Durch eine imReichsanzeiger" veröffentlichte Bekannt- 281 u9 wird der Glaß-Lothringische Landesausschuß auf 23. Januar nach Straßburg einbemfen.

j 8 war gesagt worden, die Rede des Cultusministers ergangenen Mittwoch habe,an Allerhöchster Stelle ' «achhaltigsten Eindruck gemacht und die Stellung des fters mehr als je befestigt." DieKreuzz." beeilt % inzumerken:Nach unserer Kenntniß hat die Rede iimsters eher den entgegengesetzten Eindruck gemacht." HeVoss. Ztg." nennt die Rede Falk's am vorigen »ochdie Grabrede ter Aera Falk" und sagt von Minister:Er empfindet, daß er sterblich unb seine

,gi gekommen ist, doch plawirt er noch um ein gerechtes

1 .... Die Mittpwchsrede galt nicht den unmittel- [ : Zuhörern, sie war auf andere, außerhalb des Saales oben und unten angelegt."

n wei neuerer Zeit mehren sich in den Kreisen der Ge- Meute die Klagen über das Verschwinden der Gold- kk. IW aus dem Verkehr. Selbst größere Zahlungen wer. d. heW bet Regel in Silbergeld bewirkt. Ob diese Er- u. png blos örtlicher Natur ist, vermögen wir nicht zu

4 Die letzte Hypothek.

_J Erzählung von W. Ehr.

Itli (Fortsetzung.)

Mr sprechen einmal wieder in Marienau vor. Es t (sWr als ein Jahr verflossen, seitdem wir den jungen M des Guts zuletzt damals in frohester Stimmung ffrtdF rebenbekränzten Ufern des Rheins getroffen haben.

ist mitten im Winter; die Felder sind in ein weißes ir in Much gehüllt, die Bäume sehen bis in ihre Spitze ichnrV wie überzuckert aus, ihre Zweige funkeln in den Wknstrahlen. Hasen und Rebhüner statten den Saaten kkhtUBesuch ab und spähen auf den weniger mit Schnee [du Feldern nach Aefung. Krähen und kleinere Vögel D sich mehr in der Nähe des Dorfes und des Gutshofes ivm^did brandschatzen die verschiedenen Düngerstätten und Wtze vor geöffneten Scheunen. In diesen aber klappert sMuzen Tag der Dreschflegel, auf dem Gutshofe schnurrt . '^^schmaschine geheimnißvoll auf dem Wege der ei etun9 durch Dampfkraft in Bewegung gesetzt.

machte die Runde durch die Wirchschaft, wie er Üblich zweimal gewohnt ist. Er war in ber Brennerei, Aufmerksamkeit bie auf der Malztenne liegenben MtMhaufen einer Prüfung unterzogen, bie Hefe unb bie »in den Gährungsbottichen beobachtet unb eine kurze mit bem Brenner gehalten. Dann wat er in ' ^addiehställe gegangen; hier hielt er sich längere Zeit |.<'ie ber Arzt ben feiner Pflege Anoertrauten, mit Sorgfalt musterte er jeves einzelne Stück seiner KW Heetbe; ihm entging nicht leicht, wenn einmal 1,1 Ij?1 nicht so begierig wie gewöhnlich gefressen hatte, ^Wi daun mit seinem Viehmeier, einem verständigen unb

Posten wie geborenen Mann förmlich Kriegsrath.