r. 17
Marburg, Dienstag, 21. Januar 1879
XIV. Z-Hrgaig
yngeH nimmt entgegen: eSrpedttion d.vlatte», tgieb.Ännoncen-Sßureaur |B Xfe. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. ictrich in Frankfurt a.M.; aasenstein & Vogler in Mikfurt a- M., Berlin, nxzig, Cöln rc.; Rudolf iaffe in Berlin, Frankfun a. M- ic.
(Olifiljfffiffllf jiitiiiiß.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS SonntaaSblatt" durch die Ervedition lKock'scke Buchdruckerei) bezogen 2a Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (ejcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa
Mr tn der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf«, berechnet-
Zur handelspolitischen Frage.
V.
In der mehrerwähnten Rede des Herrn Dr. Bamberger, m er sie in der volkSwirthschaftlichen Gesellschaft gehalten finden wir folgenden Passus: „Selbst die Verfasser | autonomen Tarifs haben noch nicht gewagt, diese Be- ßung (Zoll auf Getreide und Vieh) vorzuschlagen." Wir ßd in der Lage, dem Herrn Bamberger diesen Umstand tonn zu können. Das „Deutsche Handelsblatt", welches mh den Austritt einiger Seestädte aus dem Handelstage mbe geworden zu sein scheint, bringt eine Besprechung jtr daS „Schreiben des Reichskanzlers", in welcher es M: „Setzen wir nun voraus, daß der Schutzzoll auf ism wirklich ein solches Aufblühen dieser Industrie zur che haben sollte, daß nach und nach wieder die sämmt- hm zur Zeit entlassenen Eisenarbeiter in ihrem speziellen swerbe beschäftigt werden können. Wie wird sich dann tot wirthschaftliche Lage befinden? Durch die Erhebung k Zöllen auf Getreide und Vieh, wahrscheinlich auch auf ßumwolle, Wolle, Leder u. s. w. werden die sämmtlichen » Leben nothwendigen Artikel erheblich vertheuert, so daß | der Arbeiter mit seinem früher gerade ausreichenden Ihne jetzt in die Unmöglichkeit versetzt sieht, sich und seine toilie von seinem Einkommen zu ernähren."
Diese Ausführungen veranlassen uns, einmal auf eine sche zu kommen, die wir nicht aufklären können, die wir sst von einem Fachmann gründlich aufgeklärt sehen möchten. K haben vor einigen Jahren die Mahlsteuer beseitigt, t seitdem das Brod billiger oder größer geworden? Rein! bt hat allerdings Herr Richter (Hagen) uns im Reichs- t gesagt: „Ja, wenn wir die Mahlsteuer nicht aufge- kn hätten, so wäre eben daS Brod um so und so viel sbrer geworden." Für gedankenlose Leute, die sich nicht i die Bewegung der Getreidepreise bekümmern, mag diese Äarung ausreichend sein. Wenn wir indeß die jetzigen 8reidepreise mit den früheren vergleichen, so stoßen wir I die merkwürdige Thatsache, daß die heutigen Preise tot um 50 pCt. gesunken sind. Welchen Vortheil hat b der Freihandel in dem vorliegenden Falle, die freie dsuhr von Brodfrüchten, dem Lande gebracht? Das selbst Plgte Getreide haben wir um die Hälfte entwerthet, die teitslöhne sind jedenfalls nicht in die Höhe gegangen und doch muß das Volk das Brod ebenso theuer bezahlen t früher. In wessen Händen sind nun die 50 pCt. <zen geblieben? Das möge uns ein Freihändler erklären! (Wir haben hierin den klaren Beweis, daß die freie Ein- k von Getreide nur die Produzenten vernichten, aber |t den Consumenten nützen kann.
-Zn diesem wesentlichen Punkte unterscheiden wir uns
I Die letzte Hypothek.
E Erzählung von W. Chr.
(Fortsetzung.)
Dem Insassen des Gefährtes blieb Nichts weiter übrig, ' sich in Geduld zu fügen, und dies that er denn auch d seines UnmutheS. — Der Wagen holperte auf dem cht gehaltenen Wege weiter, endlich hielt er bei einem Zerfallenen Häuschen, und der Kutscher wandte sich ^den Worten „da sind wir in Neudorf" an seinen üagier.
Dieser war trotz seiner vorgerückten Jahre hastig aus * Wagen gesprungen und starrte fast entsetzt das Häus- 8 Und besten Umgebung an. Aus dem Hause trat eine : Frau heraus und begrüßte den Reisenden unter heftigem ächzen mit den Worten: „O, mein lieber, gnädiger k, sind Sie endlich da, den Jammer zu sehen!" Der Reisende reichte der Frau stumm die Hand, spre- 1 konnte er nicht, auch ihm traten die Thränen in die !M. Dann gingen sie beide in daS Häuschen, traten iik niedrige Stube ein, und fast gebrochen ließ Jener auf der hölzernen Bank hinter dem Tisch nieder, Stumm saßen sie eine Weile da, ganz ihrem Schmerze ikgeben; endlich ermannte sich der Reisende und fragte: ~~ Erzählt nur, Mutter Klaffen, was ist hier eigent- passitt, und wie hat dies geschehen können?
Und die alte Frau erzählte, häufig von ihren Thränen Krochen; es war eine gar traurige Geschichte, so ent- ch, daß sie kaum glaublich erschien, und doch ist sie Üblich passirt.
Herr Reuter — so hieß der Reisende — hatte das ' Neudorf bescsten und sich Jahre lang auf demselben gequält. Dann war seine Frau kränklich geworden, 1
von den sogenannten Schutzzöllnern, die nur für ihre Interessen Schutz verlangen, dabei aber platonische Freihändler bleiben. Es freut uns, daß der Reichskanzler dieser Sorte von Schutzzöllnem rund heraus erklärt hat, daß er auf ihre Vorschläge nicht cingehen wird. Das Schreiben des Reichskanzlers vom 15. December sagt: „Schutzzölle für einzelne Industriezweige aber wirken, zumal wenn sie das durch die Rücksicht auf den finanziellen Ertrag gebotene Maß überschreiten wie ein Privilegium, und begegnen auf Seiten der Vertreter der nicht geschützten Zweige der Er- werbsthätigkeit der Abneigung, welcher jedes Privilegium ausgesetzt ist."
Auch wir gestehen frank und frei, daß wir einem einseitigen Schutzzoll auf Eisen uns entschieden widersetzen würden. DaS wäre gegenüber der allgemeinen Nothlage ein Schlag ins Wasser. Wir gehen noch weiter und sagen, daß die freie Einfuhr von Eisen weniger gefährlich ist, als die freie Einfuhr von Getreide. Das Eisen, welches wir nicht verarbeiten, sparen wir für unsere Nachkommen auf, dagegen ist die jährliche Bodenrente, die wir uns durch die freie Einfuhr von Getreide schmälern, unwiederbringlich verloren. Wir haben den Beweis oben geliefert, daß die Ent- werthung der Brodfrüchte den Consumenten nicht zu Gute kommt. Die freie Einfuhr hat also nur die Wirkung, daß wir und zwar die Produzenten und die Consumenten einen enormen Tribut an das Ausland bezahlen, von welchem die Zwischenhändler ihre fetten Prozente abschöpfen. Kann man nach einer solchen Sachlage die Behauptung aufstellen, daß der Freihandel das allgemeine Interesse, — das Interesse der Consumenten wahre? Eine solche Behauptung würde zum Schaden nur den empörendsten Hohn hinzufügen!
Wir wiederholen also: ein wirksamer Schutz per land- wirthschaftlichen Produktion ist die erste und oberste unserer Forderungen. Die freie Einfuhr von Getreide beraubt unsere Landwirthschaft eines Erwerbszweiges, für den wir keinen Ersatz gewähren können. Die Erfahrung lehrt, daß man eine Frucht nur dahin bringen darf, wohin sie nach der Beschaffenheit des Bodens gehört. In Preußen haben im Allgemeinen die Landwirthe zum Futterbau ihre Zuflucht genommen. Dieses Auskunftsmittel ist jedoch in vielen Provinzen des Reichs nicht anwendbar, welche durch Boden und Klima auf den Kornbau angewiesen sind. Das letztere trifft z. B. in hohem Grade auf Mecklenburg zu, wo die fast alljährlich eintretenden Zeiten der Dürre die Erträge aus der Weidewirthschaft unsicher machen.
Noch schlimmer würde die «Lache werden, wenn durch einen einseitigen Schutz gewisser Industrie-Zweige die Landwirthschaft abermals ihrer Arbeitskräfte beraubt werden sollte, wenn zu der Entwerthung der landwirthschaftlichen Produkte auch noch eine Vertheuemng der Arbeit hinzu und um ihr fortan Gelegenheit zu geben, sich zu schonen und sich wieder zu erholen, nahm Reuter eine ihm darbietende Gelegenheit wahr und verkaufte das Gut. Leider war er nicht auf der Hut gewesen. Der Käufer, der sich ihm präsentirte, war ihm durch ein Unteragenten des Herrn Geber als ein äußerst respektabler, reeller Mann zugeführt worven, der es verstand, ihm bei seiner gutmüthigen Seite zu fasten. Er machte ein recht annehmbares Gebot, zahlte aber nur eine recht mäßige Summe an. Das that ja aber nichts zur Sache, denn die Documente, die er vorlegte, wiesen aus, daß er in so und so viel Jahren auf Zahlun. gen zu rechnen hatte, und Reuter zog ja nach der Stadt um von nun an von seinen Zinsen zu lebens da konnte es ihm ja gleich sein, ob ihm diese von Jemand Anderem oder von seinem Käufer gezahlt würden. 6t ließ also im Vertrauen darauf, daß er es mit einem Ehrenmann zu lhun hätte, den überwiegend größten Theil seines sauer erworbenen Vermögens stehen und zog nach der Stadt. Die war freilich ziemlich entfernt von dem Gute, allein es lebten dort Verwandte, und Reuter wollte seiner Frau den Aufenthalt nach allen Richtungen hin so angenehm als möglich machen.
Leider hatte sich Reuter in seinem Käufer vollständig geirrt; statt mit einem Ehremnanne, hatte er es mit einem Schwindler, einem Schurken zu thun. Die beiden ersten Halbjahrszahlungen der Zinsen liefen außerordentlich prompt ein, dann aber blieben sie aus, und als Reuter schrieb, erhielt er keine Antwort. Er schrieb noch einmal und dann wiederum, und als auch dies erfolglos war, da ließ es ihm keine Ruhe, er machte sich auf, um an Ott und Stelle nachzusehen. Er kam zu spät.
Der Käufer des Gutes hatte mit den Unteragenten unseres bekannten Agenten unter einer Decke gesteckt; er besaß selber gar fein Vermögen, die Dokumente, welche er
treten sollte. Dies würde sofort den vollständigen Bankerott der Landwirthschaft herbeiführen.
Trge-bericht.
Die „Post" hött, daß von dem Reichskanzler ein Antrag an den Bundesrath vorbereitet werde, welcher die Regulirung der Eisenbahntarife auf dem Wege der Gesetzgebung nach Analogie der Posttattfe bezwecke.
Die „Nordd. Allg. Ztg." bestättgt, daß die dritte Sitzung der Zolltarif-Commission noch nicht stattgefunden habe. Umfangreiche Vorarbeiten ließen noch nicht übersehen, wann das Plenum der Commission zusammentreten werde. — Dasselbe Blatt erklärt die Meldung mehrerer Blätter, es sei von deutscher Seite die Concentration einer größeren Floüenmacht bei den Samoa Inseln behufs der Erzwingung einer Genugthuung und Entschuldigung für die dortigen deutschen Unterthanen beabsichtigt, für unbegründet. Die „Ariadne" habe zwei kleine Häfen der Insel Upotu als Unterpfand dafür in Beschlag genommen, daß die Samoa-Regierung das Deutschland zustehende Recht der meistbegünstigten Nation einräume. Damit ohne Vernachlässigung anderer durch die „Ariadne" in der Südsee wahrzunehmenden Interessen die Beschlagnahme der beiden Häfen effectiv erhalten werde und zu keinem anderen Zweck sei der „Albatroß" von der ostasiatischen (Station nach Apia beordert worden und werde binnen Kurzem dort eintreffen. Das Kanonenboot „Nautilus" befinde sich noch in der Heimath und solle erst im Laufe des Sommers zur Ablösung des „Albatroß" nach der Südsee gehen.
Der „Berliner Börsencourier" veröffentlicht ein Rescript des Handelsministers an die Berlin-Stetttner Eisenbahn- Gesellschaft, welches besagt, daß die ministettellen Delegirteu angewiesen sind, sobald die Gesellschafts-Vorstände einen zustimmenden Beschluß gefaßt haben, einen Präliminarvertrag auf der Basis einer 43 jproe. Rente zu unterzeichnen. Der Präliminarvertrag soll dann vorbehaltlich der Genehmigung der Generalversammlung und resp. des Landtages bis 1. Juli bindend sein. Ist der Vertrag bis 1. Juli nicht bereits Gesetz geworden, so soll er zwar bis 1. Januar 1880 noch bestehen, aber mit der Beschränkung, daß jedem der Contrahenten das Recht der Kündigung, d. h. des Rücktritts freisteht. — Auf den 21. Januar ist eine Sitzung des Verwaltungsraths zur Berathung der Regierungs-Proposition anberaumt. Der „Börsencoutter" hat Grund zu glauben, daß die GesellschaftSvorstände für die Offerte sich erklären werden.
Reuter präsentirt hatte, waren falsche gewesen. Im blinden Vertrauen auf diese hatte Reuter seinem Käufer volle Disposition über die ganze Gutssubstanz gelassen, und diese hatte Jener mit seinem Spießgesellen auf daS Gründlichste auszunutzen gewußt.
Zunächst wurden die laufenden Zinsen, um jedem Zweifel zu begegnen, pünttlich bezahlt, die Summen für dieselben aber nicht aus den Gutserttägen genommen, sondern durch Wechsel beschafft. Dann ging er über den zum Gute gehörigen Wald her, derselbe wurde total geschlagen, nicht einmal die jungen Bestände wurden in demselben geschont. Käufer finden sich immer in jener Gegend für derartige Geschäfte, und so ward auch hier Alles versilbert, zumal eben zu jedem Preise losgeschlagen wurde Selbst die zum Gute führende Allee, sogar die Bäume in dem Garten wurden nicht geschont, sie brachten ja auch Geld.
Jetzt ging es an das tobte und lebende Jnventarium: das Vieh, die Getteidevorräthe, Stroh, Heu, die Ackerge- räthe — Alles wurde zu Gelde gemacht, selbst der Dünger in den Ställen wurde fuderweise verkauft, die Felder blieben unbeackert, wurden nicht bestellt, das Gras auf den Wiesen meistbietend vettauft. Dann verschwanden die Witthschaftsgebäude einzeln, selbst das Wohnhaus vom Erdboden, das Eisen, das Holz aus denselben wurde einzeln vettauft, und die Mauern, selbst die Fundamente zum Abbruch an den Mann gebracht — bis endlich dott, wo vordem eine geregelte Wirthschaft geführt worden war, wo vordem eine fleißige Familie ihre Thättgkeit entwickelte, wo vordem den Gutshof Vieh aller Art belebt hatte, es öde und wüst war. Nur das Hänschen der alten Frau blieb verschont von der Zerstörung, denn dies war ihr Eigenthum und an dieses dursten jene Bösewichter nicht ihre Hände legen.
Aber nicht in auffälliger Weise wurde jenes Zerstö-