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JRarGurg, Sonntag, 19. Januar 1879

XIV. Jahrgang

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eordnetenhaus in den letzten Tagen beschäftigten, haben

EnM 8m früher doch einen wesentlich veränderten Charakter s chabt. Der Kampf hat eine ganz andere Form ange-

cmmen, die Anklagen des Centrums gegen die Verwal-

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t stärkere Mahnung zur Hülfe denken, — eine Mah-

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H an Diejenigen, welche durch die Wahl des Volkes Hülfe berufen sind.

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. Die letzte Hypothek.

Erzählung von W. Chr.

(Fortsetzung.)

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rer und wurde oft durch Fragen nach diesem oder . in seinem Bericht unterbrochen.

Mittlerweile war man am „Rüssel" angelangt; hier A Halt gemacht. Ein prächtiger Blick bot sich den

i letzte Ziegel vom Dache verkauft ist. Lieber hungern, der ein Stück Hausrath mit 15 oCt. Schaden verkaufen, i sich dem Wucherer ans Messer liefern! Die Wucher- cheit, wie die Aufhebung der Wucherverbote nicht mit «recht genannt wird, erzeugt namenloses Elend, in der jchauung des Volkes ist der Wucher unsittlich und ent-

Colonne befindet, so dürfte wohl das Ziel der Invasion erreicht sein und es sich um nichts mehr handeln als mit Jakub Khan Frieden zu schließen. General Roberts ist genöthigt sich aus dem Khost-Thale nach Khurum zurück zu ziehen, da sich die durch seine Invasion erbitterten Ge- birgstämme nicht befreunden lassen wollen und er zu wenig Truppen und zu wenig Proviant besitzt, um den Winter in der Mitte von unversöhnlichen Räuberhorden zu ver­bringen. Shere Ali scheint seinem Sohne nicht zu trauen, vielmehr zu fürchten,daß er sich von dem Golde Englands werde blenden lassen. Die rumelische Organisationscom­mission soll zu der Ueberzeugung gekommen sein, daß es unmöglich sei, Rumelien in der Weise zu organisiren und namentlich zu regieren, wie der Berliner Congreß jbieS stipulirt habe. Die englischen Delegirten haben in diesem Sinne an Lord Salisbury berichtet und auch die übrigen Delegirten sollen die gleiche Anschauung [bei ihren Regie­rungen zum Ausdruck gehaben. In Folge dessen ist zwi­schen den Signatarmächten die Frage einer gemischten militairischen Occupation Rumeliens ventilirt worden.

Jetzt erst ist das gegen Suleiman Pascha gefällte kriegsgerichtliche Urtheil publicirt worden. Es lautet auf Verlust aller militärischen Würden, Ehren- und Pensions­ansprüche und 15 Jahre Exil. Suleiman ist in 12 Punk­ten schuldig erkannt, deren wesentlichstes ihm zur Last legt, daß er durch den Paß von Hain Böghaz der Armee von Schumla nicht zur Hülfe geeilt.

oig sind gegen früher beinahe schüchtern zu nennen. Der tont, auf dem das Centrum steht, ist eben schwankend »erben. Darum sucht es sich in anderer Weise zu

Politische Woche«-Ueberficht.

Die Culturkampf-Debatten, welche das preußische Ab-

Aun schreibt die „Nationalzeitung": „Der Wucher eine Krankheit und zwar eine solche, die sich im Augen­sehr empfindlich fühlbar macht. Wir erinnern uns

, daß die Therapie es nicht selten liebt, eine Krankheit direkt mit Heilmitteln zu bekämpfen, sondem sie da­unschädlich zu machen, daß man den Körper stärkt. Auswüchsen des ungesunden Credits kann man nicht mer entgcgenarbeiten, als wenn man den gesunden

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den dar: tief unten zu ihren Füßen lagen Bingen, dkäusethurm, das Binger Loch; der Rhein zog sich rin Band durch die Landschaft und auf ihm durchfurch­te Dampfer die Finthen. Der Blick des Beschauers schweift von hier in weite Ferne in ein reich geseg- ^Land. —

Mitt etl im Jagdschloß wurde gemeinschaftlich ein Imbiß ab ; man ließ die Gläser auf das Wohl der fernen Mdigen, auf das Gedeihen Marienaus erklingen, — Bekanntschaft war gemacht, man war sich bereits F treten, als dies im gewöhnlichen Verkehr oft nach

[138 «de mit 15 pCt. Schaden verkaufen muß. Wir sind e r g. ht der Ansicht. In sehr vielen Fällen kommt der xamilir Widner nur dann aus den Händen des Wucherers, furlh mi tr ws auf den Jetzten Blutstropfen ausgepreßt und ayern). stein 9-

efievei. und doch giebt es keine Gesetzesparagraphen gegen * selben. Ein Mann, den Hunger nnd Noth zum Dieb sacht haben, fällt unter das Gesetz, das auch seine Pa-

7- Sie haben ja dort, wie mir mein Schwiegerpapa Abt, wahre Wunder geschaffen, sagte Sommer, davon 1878. hat Sie uns erzählen, denn auch meine Töchter irtte- mnai Urt dies Alles außerordentlich, sie sind öfters wochenlang Marienau bei den Großeltern gewesen und kennen dort tniget jtbeu Baum. Sie waren auch gar nicht damit ein- Miben, daß das Gut verkauft wurde und waren ernst- . Ne« böse auf Sie.

5 Aclb — Aber Papa — entschuldigten sich die Töchter und «wen eucm roth.

, „ -7 Lobe erzählte nun — es war ihm selber eine Freude,

t, cts i seinem Heim zu sprechen — in ausführlicher Weise, der e« I er alles in Marienau bis jetzt geschafft habe, und offen et noch zu thun beabsichtige. Er hatte aufmerksame

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IlDK wphen hat gegen Solche, die im Walde Beeren und pW ¥ sammeln. Wenn aber die Wucherer aus der Roth Landes ihre Milchkuh machen, zahlreiche Familien ihrer u iy l . tobaren Habsucht opfern, so muß ihnen sogar noch 8ebeL Büttel dazu spielen. Darin liegt etwas, was das » Asgesühl des Volkes tief verletzt. Wir können uns

toten st-, H »aud- cken- . 645 und

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er.

r,. irken. Wir haben gerade Veranlassung, einen Thell ^Mjes Programms, — den Wucherantrag Schorlcmer zu »ahnen, da derselbe in der Donnerstag-Sitzung zur Be­st 281 Ir$un8 gelangt ist. Ohne Zweifel handelt es sich hier ____ r eine reale Nothlage, der Wucher ist eine Pestbeule, —'—■ u Schanoe, die zum Himmel schreit. Weite Kreise im 841 »lk fordern in der dringendsten Weise entschiedene Maß-

I dn gegen jene verruchten Menschenschlächter. Herr

*) d)ter hält es für besser, wenn Jemand Geld braucht, •M! -es zu W cherzinsen leiht, als wenn er Werthgegen-

httAmichin Sr°nkfurtä.M.; „ y «afenftem & Vogler tn n- “ntfurt a. M., Berlin, „jiia, Cöln ic.; Rudolf Me in Berlin, Frank- r, furt a. M- re.

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Tage-dericht.

Die „Nordd. Allg. Ztg." kommt nochmals auf den Ar­tikel der „Prov.-Corr." „Zum kirchlichen Frieden" und auf die Rede des Kultusministers vom 10. d. im Abgeordneten­hause zurück, worin unzweifelhaft der ernste Wunsch nach Wiederherstellung des kirchlichen Friedens erkennbar sei. Die „Nordd. Allg. Ztg." fügt hinzu: man dürfe in der That überzeugt sein, daß nicht blos der Wunsch, sondern nach Berufung des jetzigen Papstes auf den päpstlichen Stuhl auch die Hoffnung auf kirchlichen Frieden innerhalb der Regierung lebendig sei. Papst Leo habe vorn ersten Augenblick an das Verlangen nach Wiederanknüpfung fried­licher und vertrauensvoller Beziehungen zu den Regierungen, besonders auch zum deuffchen Reich zu oft und zu bestimmt ausgedrückt, als daß die Regierung nicht die persönliche Friedensneigung bei ihm anerkennen und freudig begrüßen sollte, wenn auch greifbare praktische Anknüpfungspunkte für Bethätigung dieser persönlichen Stimmung bisher noch nicht vorlägen. Vielleicht würden solche in dem Schreiben an den früheren Erzbischof von Köln zu finden sein, wenn das Schreiben an einen noch im Amt befindlichen preußi-

Endlich kam die Stunde sder Trennung. Lobe verab­schiedete sich von der ihm so sympathisch gewordenen Fa- rnilie und fuhr mit dem Dampfer weiter nach Cöln, um von da ans auf der Bahn die Reise nach Holland fortznsetzen.

9. Kalt abgebrannt.

Der Club der Oberamtmänner hatte sich im Laufe der zwei Jahre, während deren wir ihn kennen, im Wesent­lichen nicht verändert. Es waren zwar einige der alten Herren den Weg gegangen, von welchem man nicht wiederkehrt, dafür waren aber wieder andere ElemeMe eingetreten und so war die Vereinigung immmer zahlreich. Im Sommer fand man sich, wie wir bereits gesehen haben in dem Garten an der Promenade ein, im Winter dagegen traf man sich in dem Lokale der Stadt. Hier hatten die Herren in einem der Zimmer des Restaurants wiederum ihre eigene Ecke, und an der Wand über dem einen Sopha hing eine Tafel mit der Inschrift „Stammtisch" zur Warnung für alle Diejenigen, welche sich hier unbe­fugter Weise festsetzen wollten.

Es war in dem Locale auch ein geräumiger Billardsaal, und verschiedene der Herren, die wir kennen, pflegten täg­lich als Leibesbewegung auf der grünen Tafel ihre Kunst­fertigkeit zu produciren. Spielten dann so ein Paar alte Knaben, bann ftanb gewiß bie ganze Gesellschaft als hohes Tribunal in ber Nähe unb verfolgte mit kritischem Blick unb mit schonungslosen Bemerkungen bie einzelnen Stöße. Wehe dem Unglücklichen, welcher sich verlief! Unb boch kam bies nicht selten vor.

Wir finben bie Herren wie gewöhnlich zur bestimmten Stunbe in bem Locale anwesend. Unb diesmal in einer gewissen Aufregung. Einer der „Kollegen" war etwa vier­zehn Tage abwesend gewesen und heute zum ersten Male wieder erschienen. Er mußte nun erzählen, was er in der

Credit möglichst kräftigt." Das ist nach unserer Meinung eine dilatorische Behandlung des Wuchers. Eiterbeulen behandelt man so lange dilatorisch, bis sie reif sind, dann ■ entfernt man sie aber mit einem energischen Schnitte. Die Wuchersreiheit ist eine solche Eiterbeule und sie ist über­reif. Wir wollen nicht sagen, daß die vom Centrum vor­geschlagenen Mittel die richtigen, oder die einzig richtigen sind. Uns ist jedes Mittel recht, welches dem Wucher direkt zu Leibe geht.

Während in Deutschland die Aussichten für die Been­digung des Cultnrkampfes noch immer günstig scheinen, bereitet sich Frankreich auf denselben vor. Die Republique franyaise, das Organ Gambetta's, stellt den Klerikalismus als die Wnrzel alles Uebels und im Besonderen als das einzige Band aller reactioniren Parteien dar und wendet sich gegen die „hochverrätherische" Tendenz der Encyklica Leo's XIII. unb im Besonder» gegen den Satz: „Wenn die Gesetze den Fürsten etwas befehlen, was gegen das göttliche oder natürliche Gesetz ist, so erheischen die Würde des christlichen Namens, die Pflicht unb bas göttliche Ge­bot, baß man Gott mehr als ben Menschen gehorchen soll." „Da schaut", ruft bie Republique fran^aife aus, „das sind bie Leute, bereu Credo ber Haß gegen bie Revolution ist! Giebt es benn etwa in ganz Europa größere Revo­lutionäre als sie? Diberot sagt, man muffe zwar gegen die schlechten Gesetze mit aller Gewalt ankämpfen, aber boch sei es bie Pflicht eines guten Bürgers, ihnen so lange zu gehorchen, bis sie abgeschafft seien. Heute aber erklärt Leo XIII. bett Ungehorsam gegen bie Gesetze, bie bem Syllabus zmviderlanfen als Pflicht." Das Schlußergebniß ber „Republique franxaise" ist, baß bie Encyklica gegen bie Reformation unb bie Revolution gerichtet ist, gegen Luther unb Zwingli, unb sie bemerkt dazu: „Es heißt, daß die Encyklica beabsichtigt, einen besonderen Eindruck auf ben König von Preußen zu machen. Ist bies wirklich der Zweck des hl. Vaters, so zweifeln wir sehr an seinem Er­folge. Wenn man einem Fürsten protestantischer Nation sagt, daß die Reformation alles Unheil angerichtet hat unb baß man sich an Luther wegen bet Schandthat eines Hövel und Nobiling halten soll, io ist dies ungeschickt." Die beiden Kammern sind zusammengetreten und haben sich constituirt. Die Besetzung der Chargen entspricht den gegenwärtigen Majoritäts-Verhältnissen.

Die wirthschaftliche Kalamität ist jetzt über England kaum mit geringerer Wucht hereingebrochen, als s.Z. über Deutschland. Mehr unb mehr wirb nun auch in ber eigent­lichen Heimath bes Freihandels bas Geschrei nach „anto- bidactischen Experimenten" laut, (vergl. Vossische Zeitung). — Nachdem Ardahan von ber Quetta - Solenne in Besitz genommen unb Jellalabad sich in ben Händen ber Khyber-

--SB 1 ------ längerer Zeit geschieht. Man beschloß, bie weiteren Tonten an ben Ufern bes Rheins gemeinschaftlich zu machen unb sich erst in Ems zu trennen. Hier wollte Lobe sich ber FraufRegietungs- räthin vorstellen, sich von ihr Grüße an ihre Eltern er­bitten unb bann seine Reise nach Hollanb weilet fortsetzen.

Gegen Abend kehrte man nach Rüdesheim zurück, wo man nächtigtigte. Abenbs saß man gemeinschaftlich in ber nach bem Strom hin offenen Laube bes Gasthauses beim Glase des köstlichen Gewächses unb plauderte bis in bie Nacht hinein. Am anberen Morgen bestieg man ben Dampfer unb machte von diesem ans verschiedene Abstecher in Neu-RheinfelS, Bacharach, Loreley, St. Goar, Stolzen­fels unb wie bie herrlichen Punkte alle heißen an ben Rebengelänben des „Vater Rhein."

In Ems wurde Lobe von Frau Sommer auf das Herzlichste begrüßt; er fühlte sich fast zur Familie gehörig unb konnte es sich nicht versagen einen Tag in bem lieb» lichen Badeorte zu verweilen. Man machte gemeinschaftlich eine Partie durch das schöne Lahnthal unb bei dieser Ge­legenheit war es, baß Lobe erfuhr, baß Gertrub, bie älteste Enkelin des Herrn Werner zu kommenden Früh­jahr chre Großeltern auf -längere Zeit zu besuchen beab­sichtige.

— Dann hoffe ich, daß Sie auch Gelegenheit nehmen werden, Marienau wieder zu sehen, um sich überzeugen, wie eS dort aussieht, wandte Lobe sich an die junge Dame. Ihre lieben Großeltern sind mir so noch einen Besuch schuldig, und da wird es mir eine sehr große Freude sein, Sie, liebes Fräulein bei dieser Gelegenheit wiederzusehen. Wit wollen dann an die gemeinsam gemachte Rheinfahrt uns erinnern. Ich schwärme schon jetzt davon.

— Das wäre ja reizend, wenn die Großeltern mich nach Marienau mitnehmen wollten. Ich bin immer so gern dort gewesen, erwiderte Gertrud treuherzig.

1878