iUarfiurg, Sonnabend, 18. Januar 1879
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in der letzten Sitzung der Volks-
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Die letzte Hypothek.
Erzählung von W- Ehr.
(Fortsetzung.)
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sende Stelle in dem Schreiben des Fürsten Bismarck lautet nämlich wie folgt:
„Bon dieser allgemeinen Zollpflicht würden diejenigen für die Industrie unentbehrlichen Rohstoffe auszunehmen sein, welche in Deutschland gar nicht (wie z. B. Baumwolle) und nach Befinden auch die, welche nur in einer ungenügenden Quantität oder Qualität erzeugt werden können."
Wir nehmen an, daß hier ein Berschen des Herrn Dr. Bamberger vorliegt, ein Versehen allerdings, für das wir keine Entschuldigung finden. Der Reichskanzler hat nicht behauptet, daß Baumwolle mehr ein Rohstoff sei, als Getreide, er hat nur gesagt, daß die Baumwolle ein Rohstoff sei, welcher in Deutschland nicht erzeugt werden könne Wir haben eine zu hohe Achtung vor der Ehrenhaftigkeit des Herrn Dr. Bamberger, als daß wir annehmen möchten, er habe den Unterschleif wissentlich und im Vertrauen aus die Gedankenlosigkeit seiner Zuhörer begangen.
Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß das deutsche Reich mit seiner ungeheuren Bodenfläche vollständig in der Lage ist, seinen Bedarf an Brod und Fleisch mit seiner ergenen Produktion nicht nur zu decken, sondern auch noch einen Ueberschuß für die Ausfuhr zu gewinnen. Das letztere Resultat ist insbesondere dann gesichert, wenn wir die Landwirthschaft zu Meliorationen ermuthigen. Der gegenwärtige Zustand, in welchem die Landwirthe ihre Brod- früchte als Viehfutter verwerthen müssen, ist ein absolut unhaltbarer. Unter solchen Umständen wäre jeder Landmann der sich zu Meliorationen entschließt, ein Verschwender.
Zur haudelspolitischeu Frage.
IV.
och sind wir mit der Beleuchtung des Bamberger'- Programms lange nicht zu Ende gediehen und schon uns wieder ein neues Produkt der Muße dieses unseres schafllichen Gegners vor. Herr Bamberger hat die in „Schreiben des Reichskanzlers" aufgestellten volks-
Anzeigen nimmt entgegen: die ©xptbttion d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
________________________________________S°r m der Expedition zu -rtbeilende Auskunft und Annahme von Ad^fien werden 25 sfg berechnet Wollene Zeile 10 Pfg.
wurde mit den Segnungen des Freihandels und der Differenzialtarife überschüttet; alle Maßnahmen gingen darauf aus die Einfuhr zu befördern. Der ausländischen Industrie wurden Privilegien gewährt, dagegen der einheimischen Betriebsamkeit die Existenz so sauer wie möglich gemacht. In Folge dessen haben wir in den letzten Jahren an das Ausland jährlich eine Milliarde gezahlt und sind natürlicherweise nunmehr gezwungen unsere Ausgaben in den Budgets des Reichs, der Einzelstaalen, der Kommunen eine immer größere Sparsamkeit anzuwenden I —
Herr Dr. Bamberger behauptet an einer anderen Stelle, daß die Arbeils- und Kapitalkräfte eines Landes nicht durch Zollgesetzgebung vermehrt werden können. Was die Kapi- talkräfte anbelangt, so müssen wir gerade das Gcgentheil annchmen, — die Zollgesetzgebung kann allerdings die Kapitalkräfte Deutschlands vermehren. Wir haben dies bereits früher nachgewiesen und wiederholen heute folgendes : Die erschreckende Belastung unserer Handelsbilanz von jährlich einer Milliarde ist von den Freihändlern stets damit motivirt worden, daß wir für einen entsprechenden Betrag Kapitalzinsen vom Auslande zu fordern haben. Wenn wir nun durch energische Zölle die Unterbilanz beseitigen, so ist das Ausland gezwungen uns diese Kapitalzinsen in Gold zu bezahlen. Das wäre schon eine sehr erhebliche Vermehrung der Kapitalkraft Deutschlands, auch wenn die Kapitalzinsen nicht die Höhe einer halben Milliarde erreichen. Was die Vermehrung der Arbeitskräfte betrifft, so würden wir es schon für einen reichlichen Gewinn halten, wenn wir in der Lage wären die verfügbaren Arbeitskräfte dauernd zu beschäftigen. Die Vermehrung der Arbeitskräfte überlassen wir der Gesammlheit deö deutschen Volkes, dessen Fruchtbarkeit dem Herrn Dr. Bamberger nicht unbekannt sein dürfte.
Roch müssen wir einen Unterschleifrügen, — wir wissen nicht ob der Ausdruck parlamentarisch ist — den Herr Dr. Bamberger in seinex Rede in der volkswirthschastlichen Gesellschaft begangen hat. Wir citiren die betrffende Stelle: „Es wird (in dem Schreiben des Reichskanzlers) gesagt, daß von Dingen, welche sammt und sonders mit einem Zolle zu belegen sind nur gewisse Rohstoffe eine Ausnahme bilden. _ Unter letzteren wird z. B. die Baumwolle genannt. Run möge aber doch ein Zollgelehrter kommen und erklären, weshalb Baumwolle mehr ein Rohstoff ist als Nahrungsmittel und ob Brot und Fleisch in hinreichender Qualität für jede menschliche Thäligkeil nicht nothwendiaer sind als Baumwolle?" ■
Zu unserem Bedauern müssen wir sagen, daß Herr Dr. Bamberger — wir nehmen an in der Eile — in dem betreffenden Passus des reichskanzterischeu Schreibens die eutschttdeadea Worte unterdrückt hat. Die betref- über Alles zu sprechen im Stande sind, ohne einzusehen, daß die von ihnen dargebotene geistige Speise recht Vielen recht ungenießbar erscheint.
Zu den „komischen Figuren" dieser Versammlung, wie deren sich immer bei solchen Gelegenheit finden, gehörte eine Persönlichkeit, welche von^ der Natur mit aller Dreistigkeit ausgestattet, in den Sitzungen dermaßen „kohlte", daß er bald die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich lenkte, und eine gewisse traurige Berühmtheit erlangte. Dem Manne war damit geholfen, denn fortan wurde sein Slame genannt, „so weit die deutsche Zunge klingt" und das war wohl „der langen stiebe kurzer Sinn."
Er meldet sich zum Wort und besteigt die Pednertri- büne. Nachdem er die Lippen aus einem Glase Wasser benetzt, die blaue Brille abgelegt, beginnt er in theatralischer Weise, wie er dies den ersten besten Histrionen abgelauscht, mit weithinschallender Stimme seinen Vortrag.
,Mas bemerken wir, donnert er, wenn des Morgens die Sonne aus den Fluchen des Wolkenmeeres auftaucht? Sie bestrahlt mit ihrem Glanze die Erde und Alles, was auf derselben kreucht und fleucht, sie erwärmt mit ihren Strahlen den Boden und macht ihn fruchtbar zur Erzeugung dessen, was wir bedürfen zur Ernährung. So, meine Herren, auch die Wissenschafft! Die Wissenschaft ist die Sonne, welche unsere Thätigkeit erwärmen, zur Entwicke- ckelung bringen soll. Ohne diese Sonne der Wissenschaft ist es dunkel und wir tappen ohne Leuchte umher. Lassen Sie uns also die Wissenschaft pflegen. Lange war es dunkel bei uns, bis endlich es hell wurde uno dies verdanken wir allein der Wissenschaft, dieser Sonne für die noch im Dunkeln sich Abmühenden. Aber für den Einzelnen ist es schwierig, sich aus dem Dunkeln herauszu- sinden, allein vermag er es nicht, nur gemeinsam sind wir dies im Stande. Meine Herren, Einigkeit macht stark,
Tagesbericht.
Aus Berlin wird telegraphisch gemeldet, daß am Donnerstag Generalpostmeister Stephan zur Besprechung mit Fürst Bismarck nach Friedrichruhe gereist sei.
Der Kommissions-Bericht über den Entwurf einer Hinterlegungsordnung spricht sich über das Gesetz folgendermaßen aus: „Die Vorlage bezweckt die bei Berathung des Gesetzes, betr. das Hinterlegungswesen, vorbehaltene einheitliche Organisation des Hinterlegungswesens für den ganzen Umfang der Monarchie, welche um so dringender erforderlich erscheint, als die z. Z. in den einzelnen Landestheilen des Staatsgebiets bestehenve Einrichtung des Depositenwesens eine so grundsätzlich verschiedene ist, daß dieselbe mit dem Inkrafttreten der Reichsjustizgesetzgebung und der dadurch bedingten einherllichen Gestaltung der Gerichtsbehörden und des Gerichtsverfahrens füglich nicht ferner bestehen bleiben kann. Der Entwurf beabsichtigt nun, zugleich in Gemäßheit des §17 Abs. 1 des Ausführungsgesetzes zum darum lafsen Sie nur die Vereinigung die Parole sein, und eine solche Vereinigung finden wir in diesen Versammlungen, wie wir hier uns in einer solchen befinden. *Mfen sie uns einig sein, einig in unseren Bestrebungen!"
Was ist denn das für ein hanSwurstischer Phrasendrescher und Händler mit alten, landläufigen Redensarten im Komodiantenton? fragte Lobe seinen Nachbar und lachte, daß ihm die Thränen in die Augen traten.
— Kennen Sie den „lustigen Rath" unserer Versammlungen noch nicht? entgegnete Jener. Es ist ein Herr Nudelmüller, er war seines Zeichens einmal Seminarlehrer, als solcher einige Jahre Hauslehrer auf dem Lande. Dort fanö, er Geschmack am Landleben, an der Lanewirthschaft, berückte — er war auch den Mußen nicht abhold und kitzelte diese mitunter — eine nicht ganz unbe- mittelle „schöne Müllerstochter" durch einige erotische Eom- positionen und legte sich dann auf das landwirthschaftliche Lehrfach. Er richtete eine „landwirthschaftliche Lehrstätte ein, reifte in der Gegend umher und hielt landwirthschaft- liche Vorträge in den Dörfern, wurde von den Leuten wegen der schweren Verdaulichkeit der von ihm gebotenen speise als ein Mirakel bewundert und gab dann, um seinen Ideen eine größere Verbreitung zu verschaffens und um eine „lange fühlbar gewordene Lücke" in der Literatur auszufüllen, eine landwirthschaftliche Monatsschrift heraus, die den vielversprechenden Namen „die Klingel" führt. Ich werde so lange läuten, sagte er, bis die Landwirthe aus ihrem Schlummer erwacht sein werden. Die heutige Landwirthschaft schlummert und es ist Pflicht eines jeden Menschenfreundes, mit aller Kraft dahin zu streben, daß sie aus ihrem Schlummer erwache!"
— Sie sind ein Spötter, lachte Lobe, oder wollen Sie vielleicht einen Vortrag halten ? Aber Herr Nudelmüller scheint noch nicht mit dem {einigen zu Ende zu sein.--—
Sfe Wanderversammlungen haben sehr viel dazu bei- ß durch den gegenseitigen Meinungsaustausch und ^önlichen Veziehnngen, in welche die Mitglieder zu ” traten, das Gewerbe ter Landwirthschaft in dem Merteljahrhundert zu fördern. Bald tagten sie hier, im deutschen Vaterlande, und dadurch gaben sie Reit, Land und Leute in f den verschiedesten Gauen persönliche Anschauung kennen zu lernen. Ueberall •fie mit warmen Herzen und offenen Armen aufge- oftmals gestaltete sich diese Zusammenkunft zu toen, Allen, denen es vergönnt war, ihnen deizu- werden sie ihr ganzes Leben unvergeßlich bleiben.
Ach wurde in den Verhandlungen auch oft genug M lceres Stroh gedroschen, allein was wollte ries M Vergleich mit dem vielen Guten, was gefördert L $$ gehört dies einmal mit zum Gewerbe des ill R6 P8' fca$' to0 gedroschen wird, eS außer den Weizen- -187 ePreu gicbt. Aber im Großen und Ganzen *** ” Jeoer, welcher diese Versammlungen besuchte, Dich" ^>it nach Hause gebracht, was er ausnutzen konnte, chm die Reise hinreichend bezahlt gemacht hat.
^Versammlung war diesmal wieder zahlreich besucht, sich auch, wie dies iu den letzten Jahren der Wien war, eine Menge Doktrinäre eütgefuitbeit, ,'Usit wenig Witz und viel Behagen" stundenlange schalten hätten, wenn sie schließlich nicht durch das geringer werdende Auditorium an dem Abspinnen Mens gehindert worden wären. Es gibt einmal der- Käuze, welche mit einer unverwüstlichen Ausdauer
sind nun nicht mehr in der Lage in unseren Artikeln bi den Faden der Bamberger'schen Dogmen zu folgen, m vielmehr nach Gutdünken einen Griff thun in das aufgestapelte Material und uns der Beleuchtung von {Ürnern unterziehen, wo immer sie uns begegnen. Zn- fällt uns wieder ein Argument des Herrn Dr. Bam- b in die Augen. Der verehrte Herr wird durch die jung des Reichskanzlers auf die Zollpolitik von 1818 ine Anecdote des Kurfürsten von Hessen erinnert, der seiner Rückkehr nach der Auflösung des Königreichs «len seinen ersten Spaziergang durch den Schloßgar- ; hielt und die Wache fragte: „Ist seit meinem letzten inge etwas Neues passirt?" „Nein, Hoheit, gar nichts - s" war die Antwort. Die Berufung des Reichs- tw auf das Jahr 1818 klingt Herrn Bamberger wie t Anachronismus. „Als ob Eisenbahnen, Telegraphen, Miste re. nicht die Welt und den Verkehr seitdem ßnind aus umgestaltet hätten" ruft Herr Bamberger ---Wir vermögen uns den Gedankengang nicht ju machen der Herrn Bamberger veranlaßte gerade - I Argument für den Freihandel anzuführen. Wir f» an das Dichterwort erinnert
«ähnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, muffe sich dabei doch auch was denken taffen. (Mephistopheles)
•eigen nimmt emgegen: Erpcdtlron d.vlatle«, „t d.Ännoncen-Bureaux
[17! । Tb. Dietrich & Co. in »ei und Hannover; Th. zrich in Frankfurt a.M.; »ienstein & Vogler in .... mlfurt a. M., Berlin, rf chafl! pjig, Cöln rc.; Rudolf
behaupten nämlich, daß gerade die Umgestaltung ni'i Mehrs den Freihandel zu der gefährlichen Institution t i I« U als welche er sich erwiesen hat. 'Als der Frcihan- gezwungen war sich der Verkehrsmittel unserer ter zu bedienen, — als der Austausch von HandelS- ZuchhaD und Maaren noch durch Thurn und Taxis und zu habi wchtfuhrmann vermittelt wurde, konnte die Anfhe- sikmeisi »er Zölle nur von geringem Einfluß auf die Gestal- --------- Itr Handelsbeziehungen sein; weil die Kostspieligkeit »w «nsports von vorn herein das Inland im engsten des Wortes gegenüber dem Auslande günstig stellte. » wir Eisenbahnen besitzen spielt der Unterschied der mtng keine Rolle mehr. Wir meinen also, daß ge- ------' icser Umstand hätte Anlaß geben müssen nunmehr chtll,1 Kn wirksamen Schutz unserer Produktion Bedacht men. Gerade das Gegentheil trat ein. Unser Land