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JRtltfjurg, Freitag, 10. Januar 1879

XIV Zahr-uog

Möchten die bevorstehenden Berathungen diese Hoffnung bestätigen! Dieselben können der Natur der Sache nach nur vorläufige und vorbereitende sein, werden aber unzwei­felhaft von Einfluß und Gewicht für die schließlichen posi­tiven Gestaltungen sein in dem Maße, in welchem der Geist ernster praktischer Politik dabei zur Geltung gelangt. An dem Willen der Regierung, die Verständigung zu fördern, wird es nicht fehlen.

DieNordd. Allg. Ztg." veröffentlicht eine von Land- wirthen im Kreise Stormarn an den Reichskanzler als ihren Kreisgenossen gerichtete, sich gegen den Freihandel aussprechende Eingabe, datirt vom 3. Januar, und die Antwort des Reichskanzlers vom 5. d.; letztere lautet: Ihr Schreiben habe ich sowohl als Ihr Kreisgenosse wie seines Inhaltes wegen mit Interesse gelesen. Ich halte Ihre Klagen über die Lage der Landwirthschaft in ihren wesentlichen Theilen für begründet. Für meine Be­mühungen, denselben auf dem Wege der Gesetzgebung ab- zuhclfen, hoffe ich auf Erfolg, soweit die Zustimmung der gesetzgebenden Körperschaften ihnen zu Theil wird. In der Hand der Landwirthe selbst liegt es, bei den Wahlen zum Landtag und Reichstag für Vertreter zu stimmen, welche Interesse nnd Verständniß für die Landwirthschaft und ihre heutige Lage in Deutschland haben und bethäti- gen. An solchen kann in der hiesigen Gegend mit ihrer vorwiegend landwirthschastlichen Bevölkerung sicher nicht fehlen.

Der Reichstagsabgeordnete Miquel hat 'tior wenigen Tagen in einer vor seinen Wählern zu Osnabrück ge­haltenen Rede konstatirt, daß die Aushebung des Eisen­zollesein Sprung gewesen, den man werde zurücklhun müssen". Im Uebrigen scheint der genannte Abgeordnete der Einführung gewisser Finanzzölle geneigt und hält die Hoffnung für berechtigt, daß man zu einer Quotisirung der Klassen- und Einkommensteuer gelangen werde. Viel­leicht findet Hr. Miquel, daß es noch einige andere Sprünge" giebt, die zurückgethan werden müssen, um wieder vorwärts zu kommen.

Meldungen derPolit. Corresp." Aus Konstantinopel. Man spricht von der Eventualität einer ausgiebigen Re» duction der türkischen Armee. Kiamil Pascha und Ali Bey sind nach Skutari abgegangen mit der Jnstrucktion, die gegen die Herrschaft Montenegros widerstrebenden mohamedanischen Bewohner zur Auswanderung nach der Türkei aufzufordern. Aus Athen: Die Einwohner von Janina und des gleichnamigen Distriktes petitionirten bei

Thlr. wünscht ein Banquier aus Offizierwcchsel auszuleihen u. s. w. Selbstverständlich kamen Meldungen die Hülle und Fülle, denn nicht allein die Besitzer von Häusern und Landgütern bedürfen Geld, um gekündigte Hypotheken zu decken oder deren neue aufzunehmen, auch die Offiziere namentlich die jüngeren, sind oft in Geldverlegenheit und bluten dann gewöhnlich sehr stark.

In Folge seines schon erwähnten Verkehrs mit Per­sonen verschiedenster Lebensstellung hatte Geber eine Zahl von größeren und kleineren Kapitalisten bei der Hand, welche nicht abgeneigt waren, im Trüben zu fischen, wenn nur der Fang lohnend war. Er konnte also recht häufig den Geldsuchenden zu Geld verhelfen, freilich kostete dies Geld, denn im Allgemeinen war zu jener Zeit der eigent­liche Geldmarkt kein lebhaster und beeinflußte selbstverständ­lich die von uns gekennzeichneten Geschäfte. Daß in diesen das WortVerdienen" seitens der Verleiher ein Haupt­wort war, dürfen wir nicht erst hervorheben. Es kamen aber auch oft genug ganz absonderliche Geschäfte vor; sie bekundeten immer wieder das alte Sprichwort: wenn der Teufel in der Roth ist, frißt er Fliegen und sängt sie sich selber.

So war es nichts Seltenes, daß Gutsbesitzern für eine neu aufgenommene Hypothek nur 2 3 baar und der Rest in irgend einer ziemlich werthvollen städtischen Hypo­thek geleistet wurde. Ja sogar Wagen, Pferde, Cigarren u. s. w. wurden, um die Summen zu begleichen, mit ver­rechnet.

Da hatte natürlich Geber ein ausgedehntes Geschäft für seine Thätigkeit und seine Combinalionen und so war ihm sein Freund Krieger hochwillkommen als Gehilfe in seinen Unternehmungen, zumal sich dieser als ganz gewandt im Aufspüren von Geschäften zeigte, was er um so mehr konnte, als er sich in der Stadt alö eleganter Flaneur ge-

dem König von Griechenland und bei Waddington um Vereinigung mit Griechenland.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Jan. Der Handelstag hat in Folge der Veröffentlichung des Wirthschafts-Programms des Fürsten Bismarck und der zu demselben eingenommenen Stellung eine Krisis durchzumachen. Die Seestädte wollen von Schutzzöllen nichts wissen, sind begeistert vom Freihandel und kündigen an, daß in nicht ferner Zeit auch die deutsche Marine völlig verfallen müsse, wenn man sich auf schutz- zöllnerische Bahnen begebe. Königsberg, Memel, Danzig, Stettin, Elbing und Tilsit haben ihren Austritt aus dem Handelstage erklärt. Von den Socialdemokraten hat man in der letzten Zeit wenig gehört; sie wurden zwar täglich durch die Mittheilungen desReichsanzeigers" über erfolgte Verbote von Vereinen und Druckschriften in Erinnerung gebracht, aber von ihrer Agitation oder irgend welchem Hervortreten in der Oeffentlichkeit war wenig zu spüren. Jetzt kommen aber doch die Thatsachen an die Oeffentlichkeit, die es gerechtfertigt erscheinen lassen, wenn die Bevölkerung wieder einmal gemahnt wird, sich von dieser scheinbaren Unthätigkeit jener Partei nicht cinschläfern zu lassen. Im Königreich Sachsen hat sie in letzter Zeil in den Comniunalwahlen beträcht­liche Erfolge erzielt und ebenso jüngst in Eßlingen in Württemberg. Dabei giebt sie sich eben bis zum entschei­denden Augenblick den Anschein des Nichtvorhandenseins oder völliger Theilnahmlosigkeit, um dann im letzten Augen­blick zu erscheinen und die überraschten Gegner zu schlagen. Von den aus Berlin und Umgegend ausgewiesenen Agita­toren sind jetzt nach Berichten hiesiger Blätter 1015 in Amerika, werden dort aber kein ergiebiges Feld einer er­folgreichen Thätigkeit finden, wenn sie eS ebenso versuchen wie ihr ihnen vorangegaugcner College Groltkau, dessen prahlhansige Großsprecherei von den Journalen in Chicago und von Socialdemokraten selber in einer Weise herunter­gemacht werden, die für unfern deutschen Geschmack trotz der guten Schule, die wir mit unseren Socialdemokraten durchgcmacht haben, fast unerträglich ist. Aus unserer Schulverwaltung in Preußen hört man jetzt denn doch wunderbare Dinge. Da ist in Lippstadt der bisherige langjährige Kreisschulinspector Pastor Dreieichmannunter dankender Anerkennung für seine rege und ersprießliche Thätigkeit" abgedankt und die Jnspectivn über die evange­lischen Schulen dem katholischen Kreisschulinspector über­geben worden. Im Kreise Hagen (Westfalen) sind seit dem 1. Januar sämmtliche evangelischen KreiSschulinspec- toren ihres Amtes entsetzt und dafür ein weltlicherFach- rirte und das größere Publikum nicht darum wußte, daß er zu der allbekannten Firma Geber in nahen Beziehungen stand.

Wir haben im Anfang unserer Erzählung gesehen, daß Krieger den alten Werner sofort zu Geber rührte, durch dessen Vermittlung jener eine ihm vollständig convenirende Wohnung erhielt. Ebenso erwähnten wir auch, daß die beiden Biedermänner ein kurzes Zwiegespräch hatten, in welchem Krieger mitlheilte, was er von Werners Verhält­nissen wußte und erfahren hatte. Dieser eröffnete ihnen eine nach allen Richtungen hin erfreuliche Perspective.

Allein nicht Krieger allein war in dem Geschäft Ge- ber's thätig; er beschäftigte außerdem eine Menge mehr oder minder heruntergekommener Subjekte, wie sich solche in den großen Städten gleich den Wanzen einzunisten pflegen. Zu unserem Bedauern müssen wir constatiren, daß ein großer Theil dieser problematischen NaMren sich vom Lande her rekrutirt. Ist dort die Karre festgeschoben, und will es nun nicht mehr weiter gehen, dann zieht man in die Großstadt und verliert sich dort in dem Strom der Menge: es findet sich da immer noch auf die eine oder andere Weise ein Stück Brod, und sollte dadurch ge­funden werden, daß man die Mitgäste der Kneipe, in der man verkehrt und auf dem Billard seine Fertigkeit zeigt, um kleinere oder größere Summen anpumpt, deren Rück­zahlung in den meisten Fällen vergessen wird.

So ein Spürhund, wie deren Herr G-ber verschiedene beschäftigte, war auch Herr Director Gamme. Auf welche Weise der Mann zu dem TitelDirector" gekommen war, das wissen die Götter, genug er nannte sich so und schließlich nannte ihn alle Welt Director. Seines Zei­chens Oekonom, war Herr Gamme Wirlhschafts-Jnspeclor gewesen, in Folge dessen er sich wohl den Titel Wirth- schaftsdireclor, gekürzt in Director beigelegt hatte. Er hatte

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Tagesbericht.

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DieProv.-Corresp." schreibt: Zur goldenen HochzeitS-

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Ftftri Origen Verhandlungen; sie erinnert dabei an die Worte - Finanzministers bei Vorlegung des neuen Etats: er

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Die letzte Hypothek. Erzählung von W. Chr. (Fortsetzung.)

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zu wollen. «

' " Die Exped. der Oberh. Ztg.

' v r Ihrer Maj. deS Kaisers und der Kaiserin am 11. [i sind bereits vielfach im Lande Kundgebungen der me und Verehrung in Aussicht genommen. Nachdem nhöchsten OrtS bekannt geworden war, daß man in Men Kreisen damit umgehe, den Majestäten bei dieser cgmheit auch persönliche Geschenke darzubringen, hat

t die Ueberzeugung, es werde dem Landtage nicht schwer (eine Brücke zu bauen zwischen den betheiligten Kör- schasten und die Entschließung der Reichsinstanz in wirk» «r Weise vorzubereiten. Die Correspondenz fügt hinzu:

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blatres, s owie b. Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhand'ung daselbst; Hermann'sch« Buchbandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

L^on Zeit zu Zeit sandte Geber in die Zeitungen ein chnEAllges anlockendes Inserat, wie 400,000 Thaler sind auf und Landgüter als Hypochek zu vergeben; 50,000

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Käufen und Verkäufen sowie namentlich von Geldge- ' ' Wen auszunützen verstand.

Kronprinz Gelegenheit genommen, durch Handschreiben den Minister des Innern kundzugeben, daß die Maje- i b sich dahin geäußert haben, wie es Ihren Wünschen terta Haus widersprechen würde, wenn von irgendwelcher :ste zi Corporation«!, Vereinen oder Privatpersonen anläß- Bien -er goldenen Hochzeit Ihnen persönliche Geschenke bar­en all rach: würden. Ihre Majestäten werden in der herzlichen i meinen Theilnahme, welche die seltene Feier in Preußen Deutschland finden wird, gern ein neues werthvolles i ihm anhänglicher Liebe erblicken und sich aufrichtig tot, wenn die Bedeutung des festlichen Tages in Be- >I*( nbung milder Stiftungen oder Beiträgen an bestehende [i Hithätigkeitsanstalten entsprechenden Ausdruck findet.

Majestäten beauftragten den Kronprinzen ausdrücklich, r zu sorgen, daß Ihre WillenSmcinung in den weitesten 6jen bekannt werden. Die Correspondenz theilt ferner ' Der Kaiser erfreut sich fortgesetzt des besten Wohl- v und widmet sich in alter Weise mit voller Regelmä- tit der Erledigung der Regierungsgeschäfte.

In einem längeren Artikel unter der ÜberschriftFi- z-Reform und constitutionelle Bürgschaften" wirft die kovinzial-Corresp." einen Rückblick auf die bezüglichen

sind Krieger trat ein in dasGeschäft". Dasselbe ' - and zunächst darin, auSzuspüren, wo irgend etwas zu i Hen sei mit Häuser- und GutSkäufen, Pachtungen, Hy- hcken und Wechselverkehr. Noch stand Herr Geber nicht k eigenen Füßen und hatte noch kein Bureau; er war pnblicklick' noch einer der Haupt-Agenten eines sogenann- Müeral-Agenten" und bezog als solcher eine gewisse Tan- Me, welche sich je nach den Geschäften, die er seinem Mef" zuwandte, mehr oder minder hoch bezifferte. Ihm 6 es nun gelegen, in Krieger gewissermaßen einen Agenten sich beizulegen, der nicht allein durch seine Persönlichkeit als auch durch seine Beziehungen zu 1 Gutsbesitzern dem Geschäft ein reiches Feld der Thätig- - eröffnete.

zu ö ^ch einiger Zeit hatte sich Herr Geber hinreichend ar 1 kytirt, und da er fand, daß auch Krieger ganz der Mann (3 h, wie er ihn gebrauchen konnte, so etablirtc er sich sel- t Er errichtete in seinem Wohnzimmer Sin Bureau t-W X ^ohnungsvermittelungen und knüpfte an diese Thätig- ', 6 Fäden seiner übrigen geschäftlichen Beziehungen. Da ts- aste Quartal mit den verschiedensten Personen zu thun welche theils Wohnungen vermiethen, theils miethen 6Sten, er seine Kunden hilfreich und theilnehmend behan- k, so konnte es nicht fehlen, daß er sich i« das $er= Vieler einschlich und dasselbe behufs Vermittelung

kltrllNgtN S ffL1879 N-berhessische Zeitung

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Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annabme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

«jgen nimmt entgegen: Expedition d.Blatte-, ^dÄnnoncen-Bureaux Ä>. Dietrich & Co. in Uj |ei und Hannover; Tb. ämw »n» m Frankfurt a.M.; .tenstein & Vogler in a. M., Berlin, l, Cöln ic.; Rudolf in Berlin, Frank»