XIV. Jahrgang
Jllarßurg, Donnerstag, 9. Januar 1879
OberlMcht Leitung
[1 rtii
TM|
von I
sich i<
Eci
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „IllustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Sh Wart, durch di« Postämter des Deutschen Reiches S Wart 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung daselhst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. ThieneS in
Elberfeld: C. Schlotte in
Bremen.
Itige« nimmt entgegen: Expedition d.Blatte», M d. Annoncen-Bureaux । Th. Dietrich & Co. in Ael und Hannover; Th. strich in Frankfurt a.M.; alensteiu & Vogler in uttfurt a. M., Berlin, Eöln ic; Rudolf
He in Berlin, Frank» , furl a. M. ic
Bt.
hl M Mk.l. kahl 3M
iur
fein
60 Pf jein i to« z« i habe.
iMuugen s L'1 Duarto11879
Merhessische Zeitung
deren Gratis-Beilage
llustrirtc» Sonntagsblatt
en wir baldigst bei dm nächstliegenden Poststellen zu wollm. ।
Die Exped. der Oberh. Ztg.
1.
er.
erstaß berat
Secr
'ogis t zu
[färbe
) in
Blei
9 zu
Tour?
Ich danke für gütige Nachfrage, erwiderte Stresow
fuK ir 1 uupt.
(A
t-Co
p Welt-Markt zugänglich machten. Die natürliche Folge ser Entwickelung war ein nur geringen Schwankungen esetzter und auf einer ziemlich niedrigen Stufe ver- ender Preis der Haupt-Brodfrüchte. Hand in Hand dieser Erscheinung ging eine starke Vermehrung der ölkerung, welche in Bezug auf ihre LebenS-Bedürfnisse namentlich ihren Fleischkonsum zeitweilig gesteigerte prüchc machte. Es lag unter solchen Verhältnissen nahe, der Schwerpunkt unserer Wirthschaften mehr und mehr der Getreide-Produktion zu der Produktion werthvollerer sum-Artikel verschoben werden mußte. Daraus folgte eits die Ausdehnung der technischen Nebengewerbe, erseits aber die Ausdehnung der Nutzvieh-Zucht und ung. Vielfach vereinigten sich auch beide Richtungen, die technischen Nebengewerbe wesentlich mit Rücksicht «f das in ihren Rücksichten gebotene werthvolle, Futter ieben wurden. Beiden Wegen gemeinsam ist die Ten- die Rohprodukte der Wirthschaft nicht direkt zu Versen, fonbern sie zunächst noch einer Verarbeitung und Ver- g zu unterwerfen um auf diese Weise nicht nur einen eren Markt-Artikel zu gewinnen, sondern auch der Wirth- ft in den Fabrikations-Rückständen, die werthvollsten ittel zu neuer Pflanzen-Produktion zu erhalten. Diese Rich- wurde in solchen Gegenden, welche sich zur Weide-Wirth-
Die letzte Hypothek.
Erzählung von W. Chr.
(Fottsetzung.)
Das war mir denn doch über den Spaß. Sie sind das größte Rindvieh, daß ich je in meinem Leben ge- habe, fuhr ich den Burschen an. Anstatt die Leute halbe Stunde über den Feierabend da zu behalten, b das auseinander gestreute Heu schnell in Haufen zu .gen, ttösten Sie sich sich damit, daß es morgen doch «ken werden würde. Wissen Sie denn nicht, daß Sie
Ans dem Bericht
I landwirthschaftlichen Ministers an S. Majestät den «ser entnehmen wir noch folgende interessante Stelle:
— Da waren Sie gut reingefallen, lachte Einer der latthaWhvrer.
odukl — Wie Sie das nehmen wollen, lieber College, ent- at, n Bude Schmiedecke. Als mein Aerger sich etwas gelegt N 1» Ute, da dachte ich, Du hättest Dich mit dem Bengel so •ttchschleppen sollen, bis dir ein anderer, Besserer vorge- Aöikl •tunen wäre. Es war aber nun zu spät, der Jnspector und ich saß mit meiner Frau, den unangenehmen befall noch einmal durchsprechend.
Da kam Stresow, um meine Kleider und Stiefeln U>t Reinigen zu holen.
— Nun was machen die Füchse, fragte ich, um mich andere Gedarcken zu bringen. Fressen Sie gut nach
Rr.
) röd sind llem
ar 1 li. Nr.
lohnh noch
en.
ermei
sucht chaft zu' cxpedi
die ganze Kraft $eS FutterS haben auslaugen lassen? ein pecus campi, wie Sie sind, kann ich nicht zechen. Packen Sie sich auf der Stelle und verlassen noch heute Abend meinen Hof.
_____ Das geschah denn auch binnen einer halben Stunde, f gab dem Burschen ein Attest, wie er eS verdient hatte •#) war nun mitten in der dringendsten Arbeit ohne Ju
nker.
1879.
(I Bekanntlich hat eine Reihe von Gründen seit längeren ihren zusammengewirkt, um für unsere Landwirthschaft i Beharren bei dem einfachen Getreidebau minder vor- eilhaft zu machen. Durch die fortschreitende Kultur älterer uckbak wduktions-Gebiete und die Gewinnung neuer ausgedehn- ---- ! Landstrecken für die Kultur in Folge der fortgestzten thltm «Ionisation in den überseeischen Ländern steigerte sich die «nspe« areide-Produktion in eben dem Maße, wie die verbesser Kommunikattons-Mittel das Getreide fast aller Zonen
schäft eigenen, noch durch die erhebliche ArbeitS- und Kosten- Ersparniß gegenüber dem Getteide- ober Hackfrucht-Bau unterstützt. Die Lanbwirthschaft in einem alten Kulturlanbe, welche ein bebeutenbeS Grund- unb Boden-Kapital rentbar zu machen unb zu erhalten hat, kann auf bie Dauer nicht ebenso wirthschaften, wie bie Lanbwirthschaft solcher Districte, in welchen bie Bobenpreise sehr niebrige sinb ober gar der Erwerb von Grnnb unb Boben mehr der freien Okkupation als bem Kauf ober ber Uebernahme unter lästigen Bebingungen unterliegt, unb in welchen bie Lanbwirthschaft burch bie allgemeinen Wirthschafts-Bedingungen darauf angewiesen ist, zunächst eine Art Raubbau zu treiben unb in ihren Export-Artikeln das Boben-Kapital selbst zu veräußern. Unsere Lanbwirthschaft muß baher banach streben, solche Artikel zu probuzieren, welche jene jüngeren Pro- ducktionS-Gebiete, sei eS wegen Mangel an Arbeitskräften unb Kapital, fei es wegen ber Transport-Schwierigkeiten, nicht so leicht auf unsere Märkte liefern können, und für welche unsere bichterr Bevölkerung unb das verfeinerte Be- bürsniß berfelben, einen guten Absatz sichert. Da unter biesen Artikeln alle thierische Produckte mit Ausnahme ber Wolle, vor Allem Fleisch, Mllch, Butler unb Käse eine große Rolle spielen, so mußte es bie Lanbwirthschastliche Verwaltung als eine ihrer wichtigsten Aufgaben erkennen, alle Bestrebungen zur Hebung ber Thier- Zucht unb Haltung nach Kräften zu unterstützen. Währenb für bie Hebung ber Pferdezucht wegen ihrer Bedeutung für die Wehrkraft des Landes schon seit längerer Zeit besondere Mittel durch den Staatshaushalts-Etat disponibel gestellt worden waren, fehlte es an einem besonderen Fonds zur Förderung der sonstigen Viehzucht, und eS waren daher bisher nur kleinere Summen ans dem allgemeinen Landes- kultur-FondS zu diesem Zwecke zur Verwendung gelangt. Dank der bereitwilligen Mitwirkung ber Finanz-Verwaltung unb der Laubes-Vertretung wurde eS möglich, zuerst in ben Etat des Jahres 1875 Die Summe von 18,0000 Mk. zur Förderung ber Viehzucht einzustellen. Ueber bie Verwenbung dieses Fonds hatten schon vorher im Schooße ber lanbwirthschastlichen Verwaltung unter Betheiligung ber lanbwirthschastlichen Central-Vereine eingehende Br- rathungen stattgesunben.
T«se»dericht.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Hanbelsministers vom 4. Januar an bie Regierungen unb Landbrosteien, worin denselben bie Reformirung ty destehen- ben Innungen unb bie Errichtung neuer Innungen innerhalb bes Rahmens ber Gewerbeordnung anempfohlen wirb. Als Hauptaufgabe der Innungen wirb hierbei bezeichnet, — ber Mann war immer äußerst höflich — eS schmeckt ihnen recht gut, ich habe ihnen eine Mohrrübe unter ben Hafer geschnitten, das lieben sie, und ich habe von solchen immer noch einige in Vorrath. Aber im Garten hat da» Unwetter doch viel Arges angerichtet, mit einige der schönsten Rosenstämme niedergeschlagen, ich werde da morgen früh zu thun haben, ehe Alles wieder in Ordnung sein wird.
Das wäre daS Wenigste, meinte ich, aber wie soll es nun in der Wirtschaft werden, wir sind mitten in der Arbeit unb kommen aus derselben nicht so balb heraus unb Sie wissen ja, baß ich ben Patron, ben Jnspector habe wegschicken müssen.
— Nun, meinte Stresow, versuchen Sie es boch einmal mit mir.
— Mit Ihnen, fragte ich erstaunt, wer soll beim ba ben Garten unb bie Füchse besorgen?
— Darum machen Sie sich keine Sorge, lächelte Jener.
Ich übertrug also Stresow bie Funktionen beS Jnspec- torS unb habe es nie zu bereuen gehabt, beim nicht allein meine Befehle unb Anordnungen würben mit größter Pünktlichkeit ausgeführt, auch im Uebrigen wußte Jener in schwierigen Fällen selber zu helfen. Auf bem Wirlh- schaftshofe unb in ben Viehställen war Alles wie lackirt, die Bestellung der Felder ließ nicht- zu wünschen übrig, und die Ernte vollzog sich fast spielend.
— Das muß ja ein Prachtexemplar von einem Menschen gewesen fein, meinte der alte Oekonomierath. Aber waS wurde nun mit Ihrem Garten und wie wurde e» mit den Kutschpferden? '
Ja, der Stresow war ein ganz ausgezeichneter Mensch. Natürlich wollte ich ihm nun ben Garten abnehmen, allein ba sträubte er sich mit Händen unb Füßen bagegen. Nur
durch rege Betheiligung aller Genossen die gemeinsamen Interessen des ganzen Gewerbes zu fördern, insbesondere den Gemeinsinn und die StandeSehre zu wecken, den gewerblichen Betrieb ber Jnnungsmitglieber zu unterstützen, die Nutzbarmachung technischer Fortschritte zu ermöglichen, in Unglücks-, Krankheits- und Todesfällen Unterstützung zu gewähren, daS Lehrlingswesen gemeinschaftlich zu regeln und zu pflegen, das gewerbliche Fortbildungswesen zu unterstützen, unb ein besseres Verhältniß zwischen Meistern unb Gehülsen herbeizuführen. Die angeregten Organisationen könnten eine wesentliche Handhabe bieten, bedrohliche Mißstände ans dem socialen Gebiete wirksam zu bekämpfen und durch Selbstthätigkeit der Betheiligten bie Hebung unb Stärkung des Gewerbestandes herbeizuführen. Der Minister forbert im Monat Juli Bericht über das zur Erledigung des Erlasses Geschehene.
Die „Nordd. Allg. Ztg." theilt das für den Landcs- eisenbahn-Rath entworfene Regulativ mit. Danach hat der Landeseisenbahnrath die Bestimmung, den Handelsminister als regelmäßiger Beirath in der Förderung des Eisenbahnwesens zu unterstützen, auf Verlangen des Ministers in wichtigen Eisenbahn-Angelegenheiten, insbesondere bei Gesetzentwürfen betreffend das Eisenbahnwesen, bei Vorschlägen wegen Aenderungen der Bahnpolizei oder der Betriebsreglements, ober bezüglich ber Zulassung von Ausnahmeoder Differentialtarifen, endlich, bei FustonS- unb Mitbenützungs-Verträgen sein Gutachten abzugeben. Der Eisenbahnrath besteht aus 16 Mitgliedern unb 16 Stellvertretern, wovon je 4 dem Handelsstande, der Industrie, der Land- und Forstwirthschast und den Privatbahnverwaltungen angehören. Die Mitglieder werden vom Minister auf Vorschlag ber Provinzialbehörden auf zwei Jahre ernannt. Der Eisenbahnrath tritt jährlich mindestens zweimal unter Leitung eines Ministerial - Commiffars zusammen. DaS Amt ber Mitglieder ist ein unentgeltliches Ehrenamt; bie Mitglieder erhalten nur freie Eisenbahnfahrt.
In Bezug auf die von dem Finanzminister Hobrechl im Anschluß an die projektirte Zoll- und Steuerreform des deutschen Reichs beabsichtigte Revision der preußischen direkten Steuern, besonders ber Klassen- unb Gewerbesteuer, erfährt bie „B.- unb H.-Z.", daß dabei auch bie Vermiether möblirter Zimmer, soweit bieselben alö solche gewerbesteuer- pflichtig sind, berücksichtigt werben sollen, ba biese ganz besonders unter ben kritischen wirthschaftlichen Zeil Verhältnissen leiden und darunter gerade in ben größeren Städten mei- stentheils arme Familien sich befinden, welche eine Anzahl Zimmer an Chambregarnisten vermiethen, um nur die theure WohnungSmiethe zu erschwingen, also damit ein
Tn- gMTOr-.-iiJiOTm-nrWflWHMSHM■» ■iow.i,»«rnTiB->|-TOW ..........
soviel setzte ich durch, daß er zugab, daß ich eine alte Frau zum Graben, Gießen unb Jäten in ben Garten schicken buffte; im Uebrigen machte er sich des Morgens ganz zeitig, wenn bas Gesinde beim Füttern unb Melken war, in ber Mittagsstunde unb des Abends in feinen lieben Garten, ber ihm doch sehr an'S Herz gewachsen war, zu schaffen.
— Aller Ehren werih, murmelte Klein, aber bie Kutschpferde ? Die nahmen Sie ihm boch noch ab?
— Freilich wollte ich bies, aber ba kam ich schön an, „Herr Schmieoecke sagte er, baS würbe mein größter Kummer sein, wenn ich sehen sollte, baß die Füchse in schlechte Hänbe unb auf ben Hund kämen. Die müssen Sie mir auch ferner lassen, es ist einmal meine Freude." Was wollte ich also machen, ich ließ es beim Alten, nur in ber Woche, wenn in ber Wirthschaft Wichtiges vorlag, nahm ich beim Ausfahren einen alten vexstänDigen Taglöhner auf ben Bock, unb beö Sonntags ließ es sich Stresow nicht nehmen unb kutschirte mich unb meine Frau, gerade als wenn er mein Kutscher wäre.
— Eine wahrhaft rührende Anhänglichkeit, lachte einer der „College«." Aber wer putzte Jhmn denn nun die Stiesel unb klopfte Sie, b. h. ich wollte sagen Ihnen bie Kleider aus?
— Auch bas besorgte nach wie vor Stresow, erwiberte Herr Schmiedecke unb sah sich triumphircnb im Kreise um. „Davon konnte gar keine Rede sein, meinte Stresow, als ich Jemand anders zu dem Geschäft bestimmm wollte, wenn Sie mir daS abnehmen wollten, bann würde ich ja glauben müssen, Sie wären nicht mit mir zufrieden gewesen, ich hätte Ihnen Ihre Sachen nicht ordentlich gehalten. Lassen Sie nur Alles beim Alten, ich finde schon die Zeit dazu. Ja, ja, ber Stresow war ein ganz ausgezeichneter Mensch.
— Das Non plus ultra aller Diener, ein Universal-