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Juatöttrg, Sonntag, 5. Januar 1879

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Die letzte Hypothek. Erzählung von W. Ehr. (Fortsetzung.)

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Alle die Gegenstände, von welchen man sich trennen »llte, wurden in die unteren Räume deS Speichers ge-

Die Felder und Wiesen erholten sich unter seiner Pflege und gaben von Jahr zu Jahr bessere Erträge; Hand in Hand damit verbesserten sich die Viehstämme und statt der alten, schlechten Gebäude erstanden allmälig bessere, statt­lichere. Der Wald, sorgsam cultivirt und gepflegt, wuchs freudig heran und repräsentirte jetzt eine Sparbüchse für kommende Zeiten.

_ So galt Marienau seit Jahren schon als eins der besten Güter in der ganzen Umgegend, sein Besitzer aber war weil und breit hoch angesehen nicht allein als Landwirih, sondern auch als Mensch. Es erregte also allgemeines Be­dauern, als man erfuhr, daß Werner verkauft habe und die Gegend für immer verlassen wolle. Man sprach ihm dies mündlich und schriftlich aus und arrangirte in aller Schnelligkeit in der Kreisstadt ein Abschiedsfeft, zu welchem sich die Nachbarn von nah und fern einfanden, um noch einmal dem scheidenden Eollcgen, dem alten bewährten Freunde die Hand zu drücken. Es wurden bei dieser Ge­legenheit viele Toaste ausgebracht und mannigfache Reden gehalten, und als dann Werner heimfuhr, da war ihm das Herz recht schwer.

Einige Tage darauf hatte er noch seine nächsten Nach­barn und Freunde, mit deren Familien er und seine Frau verkehrt halte, nach Marienau geladen, es sollte das letzte Mal sein, daß sie dort seine Gäste waren, wo sie so oft so fröhliche Stunden verlebt hallen. .Trotz des Cham­pagners aber und trotz aller Bemühung wollte keine rechte Heiterkeit auskommen, die Stimmung blieb eine trübe, und als dann Werner das Glas erhob und in seinem und sei­ner Frau Namen die alten Freunde bat, ihnen ein gutes Andenken zu bewahren, da stürzten ihm die Thränen aus den Augcn^und die Rührung übermannte ihn so, daß er nicht im Stande war, weiter zu sprechen.

Etliche Tage später fand dann die Auktion statt von

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# dem Auktionator in dem betreffenden Landstädtchcn «^spräche genommen und durch diesen im Wochenblatte durch Aushänge in den Dörfern der Umgegend der Ermin bestimmt worhen.

Indem das Herrenhaus von Marienau sich allmählich

uch die „Prov.-Corr." druckt bas bezügliche Telegramm zwar ohne Commentar ab. Die Haltung des Papstes eine überaus kluge. Er zeigt den Weg, auf dem nach «r Meinung die Beseitigung der Maigesetze zu erreichen ■ Die Katholiken, welche sich bisher der Führung von rinden unserer Institutionen hingegeben haben, sollen sich

dürfen. Ueberdies dürfen meine politischen Ueberzeu- gungen bezüglich deS störenden und erschöpfenden Einflusses der gegenwärtig befolgten Politik meinen Argumenten eine allzu scharfe Parteifärbung verleihen. Auch bin ich an­dererseits nicht in der Lage, die heikle Frage zu lösen, ob eS sich hier nur um verübergehende oder solche Schwie­rigkeiten handelt, welche sich auf Ursachen permanenter Wirkung basiren. Ihr getreuer und ergebener W. E. Gladstone."

Es wäre daher dem Londoner Redakteur zu empfehlen, sich an die „Vossische Zeitung" zu wenden, da derselben die gegen die Nothlage anzuwendenden Mittel „bekannt" sind. Uebrigens meinen wir, daß wir selbst „die Nächsten dazu" wären, das Orakel der „Vossischen Zeitung" zu ver­nehmen.

Tagesbericht.

Dem Vorstande des Verbandes der deutschen Leder- Industriellen hat der Reichskanzler auf ein Audienzgesuch, welches von einer kurzen Schilderung der Lage der Leder- Industrie und der Bitte um Veranstaltung einer Enquete begleitet war, folgende, aus Friedrichsruh vom 19. Decbr. datirte Antwort ertheilt:

Mit der im gefälligen Schreiben vom 16. Dec. aus­gesprochenen Ansicht, daß die deutsche Industrie auf den deutschen Markt das erste und natürlichste Anrecht besitze, und daß sie des Schutzes bedürfe gegen die Concurrenz solcher Länder, welche in Folge günstiger Vorbedingungen unsere bestehende Production überflügeln und schließlich unterdrücken können, bin ich einverstanden. Ich bin deß- halb auch bereit, so weit mein persönlicher Einfluß reicht, die Wünsche des Centralverbandes der deutschen Leder- Industriellen zu befürworten. Einstweilen wird schon die Commission, welche demnächst zur Revision des Zolltarifs zusammentritt, in der Lage sein, sich auch mit den von Zhnen angeregten Fragen, sei es direct, sei es durch einen Antrag auf eine besondere Enquete über die Lage der Lederbereitung, zu beschäftigen. Um Ihre speciellen Wünsche und Anträge der Commission als Material für ihre Ar­beiten überweisen zu können, bitte ich um schriftliche For- mulirung derselben. Ein mündlicher Vortrag würde den Eindruck der Thatsachen und der schriftlichen Vorstellung nicht steigern können; für mich aber würde eine Ab­weichung von der durch meinen Gesundheitszustand ge­botenen einstweiligen Enthaltung von geschäftlichem Ver­kehr von weitgehenden Folgen sein. Ich bitte deßhalb auch ohne Besprechung mir das Vertrauen zu schenken, daß ich die nationalen Interessen auch aus dem Gebiete der Handels­politik nach Kräften zu vertreten bemüht bin.

v. Bismarck.

idbtt, forderte der Kaiser das Staatsministerium aus, m auch ferner die Führung der Regierung zu erleichtern. 5t Majestät reichte darauf jedem der Minister die Hand ib richtete an jeden einige freundliche Worte. Bei dem Rammten Neujahrempfang machte der Kaiser den Ein- Ylck erfreulicher Frische und zuversichtlicher Stimmung.

Deninächst haben wir einer Kundgebung des Papstes »gedenken die um so wichtiger für uns ist, als sie sich ur mit der edlen „deutschen Nation" beschäftigt, den we-

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durch Ian durch ihre Haltung den Wohlthaten des Friedens 3 UDd rdig zeigen. Wir zweifeln nicht, dast auf diesem Wege Preis ' Frieden endlich wird erreicht werden. Unzweifelhaft 0 Pf. irde aber die Befolgung der päpstlichen Rathschläge der iauf- sie Schritt zur Auflösung der Centrumspartei sein, ppes, khhalb werden die Führer dieser Partei sich es wohl »rimal überlegen, ob sie dem Papste gehorchen wollen.

isttchE deren Gratis-Beilage

MustrirteS Sonntagsblatt

Esten wir baldigst bei den nächstliegenden Poststellen »chen zu wollen.

Vkstrllngkn y L “ 1879 Bberhesfischk Zeitung

|utoft sind. Obenan steht für uns der Neujahrs-Empfang pseres Kaisers. ES ist begreiflich, daß in den Worten « Dionarchen der Nachhall aller trüben Ereignisse des ,♦ wißen Jahres zu spüren war. Wer hätte nicht in der M Stunde des Jahres demselben herzlich gerne Valet sagt und sich der Hoffnung hingegeben, daß wir an der schwelle ein besseren Zukunft stehen? Der Kaiser erklärte, chaudl ch ihn die Geschäfte nicht angriffen, aber die alte Spann- tast sei noch nicht wiedergekehrt. Wie die „Prov. Corr."

™ der Altchen Inhalt derselben haben wir bereits gemeldet. — t der L - ■ — — - ■ — - ... - - .

1 Ak, bot dasselbe mehr und mehr einen nichts-weniger - ^anheimelnden Anblick dar; Gardinen, Vorhänge und

t! 'bere dergleichen Verzierungen waren heruntergenommen,

® .Sonne und Mond schienen ungehindert durch die J__Mben in die fast wüst erscheinenden Räume hinein,

z gu Nhk vor kurzem noch so wohnlich uhd traulich gewesen Slß 1-n. Ucberall standen Kisten, entweder vollständig ge- jrp * oder bereit, das Heiligthum der Hausfrau in sich

[ ^nehmen, das Seinen, das Bettzeug, das Porzellan, die —- KSwaaren und endlich das Silberzeug. Die Tischler ng i ^werten den ganzen Tag, daß es durch das Haus miet? w: Kisten wurden vernagelt, die für den Transport

l lammten Meubles emballirt. Mitten drin aber in dem —-- lass bewegte sich von Morgens bis Abends Frau Werner gewohnter Rührigkeit, ihre Anordnungen, wie dies bis- 1 ^nmer geschehen, in rühriger, bestimmter Weise gebend.

Hern Wenter litt es nicht lange bei diesen Geschäften. Addern er mit seiner Frau über Dies oder Jenes Rück­te genommen hatte, saß er bald wieder an seinem l u.... Aibstsch, seine Papiere ordnend, Einzelnes für seinen

^Wnachfvlger bei Seite legend, UeberflüssigeS den

Hat doch Herr Windthorst bereits vorsorglich erklärt, daß für ihn keine absolute Autorität existire! Auch Herr von Schorlemer steht bekanntlich den Friedensbestrebungen des Papstes „kaltlächelnd" gegenüber.

Das „Schreiben des Reichskanzlers" dürfte noch für längere Zeit auf der Tagesordnung verbleiben. Inzwischen ist dasselbe vom Bundesrath der Commission für die Re­vision des Zolltarifs überwiesen worden. Dem Anscheine nach stehen vielleicht die größten Hindernisse des Reform- werkeS im Schoße des BundeSrathS selbst zu erwarten. Einige Mitglieder des BundeSrathes haben ausdrücklich Vorbehalte gemacht, hinsichtlich der Principien, auf denen das Schreiben des Reichskanzlers beruht. Inzwischen ist das Rad ins Rollen gelangt. Ein Widerstand im gegenwärtigen Momente scheint aussichtslos zu sein.

* Trotz der bevorstehenden Wahlen finden die französischen Blätter doch noch Muße sich mit der deutschen Handels­politik zu beschäftigen. Solche Fragen sind bekanntlich in Frankreich keine Parteisache, wo es sich um die wahren Lebens-Jitteressen des Staates handelt, sind andere Rück­sichten maßgebend, als die Partei-Statuten. Man kann deßhalb in den Blättern derselben politischen Richtung, sehr verschiedene Urtheile über das Programm des Reichskanz­lers lesen. Ucberall wird indeß in mehr oder minder offener Weise der Versuch gemacht, uns vor den beabsich­tigten Reformen, die in Frankreich so schöne Frucht ge­tragen haben, zurückzuschrecken. Der Streit zwischen Frank­reich und Tunis wird wohl keine ernsten Folgen haben. Die französische Regierung stellt vorläufig Ermittlungen an über den Hergang der Sache. Sollte es sich Heraus­stellen, daß der Bey von Tunis wirklich die Verträge ver­letzt hat, so dürfte die Unterstützung aller europäischen Mächte das Vorgehen Frankreichs begleiten.

Die „Vossische Zeitung" belobte neulich England, weil es trotz der herrschenden Nothlage nicht nach „autodidactischen Experimenten" schreie, sondern gegen die Roth die be­kannten Mittel anwende. Dem gegenüber ist folgende Mittheilung von Interesse:

„Der allgemeine Nothstand des Landes nimmt die Aufmerksamkeit aller Kreise in höchstem Grade in Anspruch vergeblich sind bis jetzt Mittel und Wege gesucht worden, welche das ungeheure Elend der Land und Jndustriebevöl- kerung, wenn auch nicht ganz zu beseitigen, so doch zu lindern vermöchten. In Antwort auf das Ersuchen, sich in einem Artikel über die Nothlage zu äußern, hat Mr. Gladstone das nachstehende Schreiben an den Redakteur des „Scottish Banking and Insurance Magazine" gerich­tet : „ Sir! Ich bedaure, außer Stande zu sein, Ihrem Wunsche zu entsprechen. Ich bin mit der wirthschaftlichen Lage deö Landes nicht genügend vertraut, um mir dies erlauben zu Flammen übergebend, noch Anderes zum Mitnehmen zu­sammenpackend. Es war auch noch so mancherlei Geschäft­liches abzuwickeln, denn wenn Werner auch nach allen Richtungen hin seine Verhältnisse wohlgeordnet hatte, so bringt doch so ein plötzlicher Gutsverkauf die bisherige regelmäßige Fluth in eine andere Strömung, und da ist denn noch so Vielerei abzuwickeln, ehe eö zum Scheiden aus den bisherigen Verhältnissen kommt.

Wenn aber dann Werner so eine Zeit lang in den Pa­pieren gekramt hatte, dann litt es ihn nicht länger am Schreibtisch, er ließ Alles liegen und eilte hinaus ins Freie und durchstreifte das Gut nach allen Richtungen hin. Er konnte sich noch gar nicht an den Gedanken gewöhnen, daß nun bald die Zeit kommen sollte, wo dies nicht mehr der Fall sein werde. Wie so manchesmal hatte er in der langen Reihe von Jahren, welche er in Marienau verlebt, die Tour durch das Gebiet zu Pferde und zu Wagen gemacht!

Jetzt zog er es vor, seinen Gedanken hingegeben ganz allein zu Fuße die wohlbekannten und so geliebten Fluren zu durchwandern. Bald war er auf dem Acker, bald auf den Wiesen, bald im Walde; Alles, wie es sich jetzt prä- sentirte, war sein Werk, er hatte cS so mit seiner Arbeit, seinem Fleiße geschaffen.

Als er Marienau vor nun mehr als dreißig Jahren kaufte, da gehörte Muth dazu, in das Geschäft hinein zu gehen, und noch dazu mit den geringen Mitteln, welche ihm zu Gebote standen. Die Wirthschaft befand sich in einem beklagenswerthen Zustande, die Gebäude waren verfallen, wenigstens vernachlässigt, der Viehstand war rin geringer und unansehnlicher, die Felder und Wiesen waren, wie man zu sagen pflegt, ausgehungert, der Wald zum größten Theil devastirt. Es mußte an allen Orten nachgeholfen werden; überall gab es zu thun, gab es Arbeit, und Werner ar­beitete von stütz bis spät und seine Mühe wurde belohnt.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckere,) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

n aut Politische Woche«-Uebersicht.

» IM Der Jahresanfang hat uns in üblicher Weise eine Mhe von Kundgebungen gebracht, die zu der monotonen Ägesordnung der politischen Discussion eine schmackhafte

tfel und Hannover; Th. utrlch in Frankfurt a.M.; »asenstein & Vogler in «nkfurt a. M., Berlin, ipzig, Cöln rc.; Rudolf lejfe in Berlin, Frank» Efurt a. M. rc.

eigen nimmt emgegen: Expedition d.vlattes, ie d.Annoncen-Bureaux

Th. Dietrich & Co. in

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von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbsts; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

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Bremen.