Einzelbild herunterladen
 

XIV. Jahrgang

Marburg, Freitag, 3. Januar 1879

r. 2

MnMche jritinig

igen

tmd,

ch 4

lprll

jetzt für die Landwirthe.

*> Nachdruck verboten.

bitte mich

uns die

jetzt ein seit-

ich erlaube mir, Ihnen meinen Namen Krieger ins dächtniß zu rufen; es ist auch zu lange her, daß wir nicht begegnet sind, da passirt es leicht, daß man Namen vergißt.

ün | re, a

'litt ttb 9

te

3.

Neber die Zunahme der Vergehen und Ver­brechen und ihre Ursachen

beigen nimmt entgegen: »Expedition d.Blattes,

Ganz recht, ganz recht, nickte Herr Werner, besinne ich mich ganz genau. Sie waren damals munterer junger Mann. Aber was haben Sie denn dem getrieben? Haben Sie sich nicht inzwischen angekauft?

Freilich, entgegnete Krieger, kaufte ich mich, bald nachdem ich von Herrn Schneider fort war, an; ich fand aber nach etlichen Jahren Gelegenheit, mein Gut an den Mann zu bringen und nun lebe ich bis jetzt hier in der Stadt. Hier habe ich einen Wirkungskreis gefunden, der für mich paßt, ich bin hier in die Direktion einer landwirth- schaftlichen Bodenkredit-Gesellschaft eingetreten, und wenn ich auch nicht mehr als Landwirth wirke, so arbeite ich doch

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, foroicb. Annvncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst); Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

i im Verlage der Rheinisch-Westfälischen Gefängniß-Gesell- Haft vor Kurzem eine von dem Gefängnißgeistlichen tursberg herausgegebene Schrift schon in 4. Auflage schienen. Diese Schrift belehrt uns über die schrecken- rrgende Zunahme der Vergehen und Verbrechen in den htm sieben Jahren. Der Verfasser hat sich eüt hohes erdienst erworben, die Augen Deutschlands auf einen bgrund gelenkt zu haben, der sich gähnend vor uns auf- ut, ohne daß unser Volk ein Bewußtsein von der Gefahr ersu habt hat, der es mit Riesenschritten zueilt. Diese Ge­hr heißt sittlicher Bankerott, und wer das Büchlein des Düsseldorfer Pfarrers gelesen hat es kostet nur 50 Pf. - der wird schaudernd daran denken, was aus unserem vlke werden soll, wenn nicht unter höchster Kraftaus- üung der Abgrund der sittlichen Verkommenheit zuge-

, füllet wird. Jetzt ist noch Zeit; wenn die besseren It9 stemmte des Volkes sich aufraffen zu einer energischen sttt- chen That kann die abwärts rollende Kugel noch aufge- alten werden in ihrem Lauf; aber es muß eiligst geschehen, * nicht so schnell aufgebaut wird, wie niedergerissen. b niedergerissen ist seit 1871 entsetzlich viel. Unser sttt- les Capital ist gewaltig zusammengeschmolzen. Auf Grund fangreicher Erhebungen, bei denen die obersten deutschen stizbehörden, die Strafanftalt-Directoren und die Stras- t Istaltsgeistlichen den Verfasser bereitwilligst eingehend U Iterstützt haben, weist derselbe nach, daß in den acht teren Provinzen Preußens die Verbrechen von 1871 bis 177 um 100 Procent, die Verbrechen gegen die Sittlich- ; , it um 294 Procent zugenommen haben. In Baiern rg llchscn von 18721877 Die Verbrechen um 67,5 pCt., t Vergehen um 50 pCt., in L-achsen von 18711877 iiung it Verbrechen, Vergehen und Uebertretungen (mit Aus- !run§ hluß der Beleidigungen und geringeren Forstfrevel) um 0,4 pCt.; im Großherzogthum Hessen wuchs von 1871

Rt freue ich mich, Sie wiederzusehen!

Mit diesen Worten, die unzweideuttgsten Zeichen der reude in seinen Mienen, eilte ein nicht mehr ganz junger Rann auf einen älteren Herrn zu, welcher langsam die -romenade entlang wandelte, ergriff dessen beide Hände ®b wenig hätte gefehlt, so umarmte und küßte er ihn.

Einigermaßen erstaunt blickte der Angeredete auf den rren hn so warm Begrüßenden.

Kennen Sie mich denn nicht mehr, mein lieber kokt 6ttr jpttr Werner? Erinnern Sie sich nicht mehr meiner? lilie, htb doch war ich so oft unter Ihrem gastlichen Dache, dort so mancher Flasche Wein den Hals brechen , tifen und auf Ihren Jagden stets meinen Mann ge- hnben. Erinnern Die sich jenes famosen Schusses, mit lber, ich zwei Rehböcke zu gleicher Zeit erlegte? Ich stand dj 4 " Sie waren von jeher mein Gönner und hatten auch Zrofe kern Tage für mich gesorgt ich stalid am Rande im Z Waldwiese hatte mich hinter eine mächtige Birke ge- - 'rückl und harrte der Dinge, die da kommen sollten. Da tit einem Male knackt es leise im Gehölz noch heute

Ihrem Nachbar Herrn Schneider ein Jahr lang Volontair

Ge-

Die letzte Hypothek.

Erzählung von W. Chr.

1. Die Begegnung.

Grüß Sie Gott, mein lieber Herr Werner! Was irt Sie denn einmal zu uns nach der Stadt? Wie

* Mlsirt mir das Blut in den Ädern, wenn ich^daran denke !87k> t8 treten die Rehe heraus, nach allen weiten blicken mit ihren klugen Augen, und.da sie keine Gefahr be- krken, so beginnen sie zu äsen. Ich passe den Moment lege mein Gewehr an, nehme den stärksten Bock aufs °Tn, schieße und ha ha! so was war mir in meinem

bis 1874 die Zahl der verurtheilten Personen um 54,2 pCt. u. s. w. Die Zahl der Verbrechen und Angeschuldig­ten unter 18 Jahren stieg von 18711877 um 56 pCt., die der Aiigeschuldigteu über 18 Jahre dagegen nur um 34,9 pCt. Die Zahl der Gefängniß-Gesangenen unter 1819 Jahren stieg in den vorn preußischen Ministerium des Innern ressortirenden Gefängnissen von 1875 auf 1876 fast um den doppelten Procentsatz,-als die Ge- sammtzahl der Detinirten. Ganz besonders auffällig ist das Aufwachsen der Verbrechen gegen die Sittlichkeit, wider Leib und Leben, wider die persönliche Freiheit und Ehre der Mitmenschen. Ebenso wuchs in hohem Maße der Widerstand gegen die Staatsgewalt, Betrug, Untreue, Ur­kundenfälschung, Unterschlagung, Raub und Erpressung.

Es ist ein trauriges Bild, welches uns daS Schriftchen in seinen erdrückenden Zahlen entrollt, von denen wir nur einige wenige herausgegriff.n haben; das Bild ist ernst genug, das deutsche Volk zum Besinnen auf sich jelbft zu veranlassen und zu fragen: welches sind die Mächte, die uns sittlich so weit herunterbrachten, welches sind die Waffen, mit denen wir diese dämonischen Mächte besiegen?

Der Verfasser der Schrift sagt uns zunächst, worin er die Ursachen der Zunahme der Verbrechen nicht- sehen kann, obschon sie vielfach als solche angegeben werden. Er sieht sie nicht in den Folgen des Krieges, da nach dem Kriege 1866 die Verbrechen abnahmen und die Jugend­lichen welche unter den Verbrechern den höchsten Procent­satz bilden, den Krieg von 1870 nicht mitgemacht haben; er sieht sie auch nicht in der Milde des neuen Strafgesetz­buches, weil sonst die Zahl der Rückfälligen sich hätte be­deutend steigern müssen, was in Wirklichkeit nicht der Fall ist; er sieht sie endlich nicht in der Noth der Zeit, weil dann die Zahl der Diebstähle hätte zunehmen müssen, was nicht geschehen. Der Verfasser läugnet zwar einen gewissen Einfluß dieser drei Momente auf die schlechten Leidenschaf­ten der Menschen nicht, aber als alleinige ober als Haupt­ursache der Zunahme der Verbrechen kann er sie nicht be­trachten. Dieselbe liegt nach seiner Ansicht und der vieler anderen Personen, die er um ihre Meinung^befragt, tiefer.

Als treibende Ursachen zählt Pfarrer Diursberg auf: die Geldgier, welche die Schwindelperiode schuf; die Ge­nußsucht, welche mit dem Verdienste wuchs und als dieser nachließ, die Menschen zum Betrüge, zur Wechsel- und Urkundenfälschung trieb; die Vermehrung der Ausschanks­und Verkaufsstellen geistiger Getränke in Folge der Ge­werbeordnung vom 21. September 1869 und der davon unzertrennlichen Vermehrung der Trunkfälligkeit; die Ver­giftung unseres Volkskörpers durch die Tingel-Tangel^ der Cafe-Chantants, der Orpheen mit ihren Dirnen in Däm­met und Seide, der Varietets-Theater mit ihrer großen Man- Leben noch nicht passirt, der Bock lag, ohne sich zu rühren, eS war ein Meisterschuß, und neben ihm lag noch ein zweiter Bock, dieser allerdings nicht ganz so stark, als der andere, aber ebenfalls mausrtodt und beide durch eine Kugel getödtet. .!-Es war, ohne mich rühmen zu wollen, ein Schußf, wie er alle Jahrhunderte einmal vorkommt; die Kugel war durch und durch gegangen und hatte dann den andern Bock, welchen ich in der Hitze des Gefechts gar nicht beachtet hatte, ebenfalls erlegt. Sie werden sich, mein lieber Herr Werner, gewiß noch daran erinnern; Sie waren nachher beim Jagddiner wir speisten in Ihrem Hause ja immer wie ein LuculluS so freundlich, mich zum Jagdkönig zu proklamiren.

Ja ja, fiel der alte Herr ein, der uns als Herr Werner genannt worden ist, waren Sie nicht

Gewiß, unterbrach ihn der andere, ich war bei

Kto ild;

poth.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftrirteS SonntagSblatt durch die Expedition (Koch fche Buchdruckerei) bezogen 2k Mart, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Psg. Für in der Expedition zu ettbcilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechnet.

M ied.Annoncen-Bureaux Th. Dietrich & Co. in 'n [el und Hannover; Th. *[' trich in Frankfurt a.M.;

' »senstein & Bögler in ndre inkfurt a. M., Berlin, pzig, Cöln ic.; Rudolf iffe in Berlin, Frank­furt a. Ai. ic.

nichfaltig keit in Schlüpfrigkeiten und pikantsten Anspielungen zum Kitzel der Sinneslust; die Gewerbefreiheit, welche un­vermittelt die letzten Bande der Pietät und Zucht zerschnitt, welche den Gesellen und Lehrling an das Haus des Mei­sters gefesselt hatte und welche statt dessen das Kostgänger- und Schlafstellenwesen mit allen seinen sittenverderbenden Nebenumständen ausbrachte; endlich und nicht im klein­sten Maße die Schandprcsse, welche Mes, was dem Menschenherzen bisher erhaben, ehrwürdig und heilig war, in den Kvth tritt, so daß im Menschen nichts bleibt als die Bestie.

Der literarische Schmutz dieser Art ist zu groß, zu ekelerregend, um ihn ausführlicher wiederzugeben; auch die Stursberg'sche Schrift bringt nur etliche Proben dieses Un- flaths. Hier mögen nur zwei derselben Platz finden. R. Schurichl sagt in seinem Auszug aus dem Tagebuch eines Materialisten:Gut ist der Genuß, der Taumel, gut die Liebe, gut aber auch der Haß; gut ist die Wahrheit, so lange sie uns Genuß bereitet; gut ist aber auch die Lüge, der Meineiv, die Verstellung, List und Schmeichelei, wenn sie uns Voitheil bringt. Gut ist die Treue, so lange sie belohnt wird; gut ist aber auch der Verrath, wenn er höher im Preise steht als die Treue. Gut ist die Ehe, so lange sie uns be­glückt, gut ist der Ehebruch für den, welchem die Ehe lang­weilt und für den, welcher eine verheirathete Person liebt." Und Mathilde Reichhardt, eine Schülerin Roleschott's, zieht aus dessen Lehren folgende Consequenzen:Vollberechtigt im Kreise menschlicher Anlagen ist Alles, was dm Dieb sowohl als den Kaufmann macht. . ., auch der zum Dieb geborene Mensch brachte wie jeder Andere das Recht mit sich ins Leben, seine Natur zu vollenden und allseitig zu entwickeln und kann auf diese Weise eine kraftvolle sitt­liche Natur fein. Und wie der Dieb, so jeder andere Lasterhafte, so auch der zum Mörder Geborene." So be­weist auch dieDame" ihrem Meister, daß dessen Lehre sie auch den Dieb und Mörder habe achten und seine Menschenrechte anerkennen gelehrt." Wahrlich es ist weit gekommen, wenn solche Staat und Gesellschaft untergraben­den Lehren gedruckt und verbreitet werden können. Ist es da ein Wunder, wenn jeder Verbrecher sich als ein Held und Märtyrer betrachtet?

Und welches sind die Heilmittel gegen die oben kurz gekennzeichnete sittliche Pest? Wir verweisen den also Fragenden aus Raummangel auf das Schriftstück selbst und schließen mit dem Resurns der Vorschläge des Autors: Die Heilung kann nur kommen von Innen nach Außen in Der religiös-sittlichen Erneuerung unseres Volkes. Um diese herbeizuführen, haben Staat, Kirche, Schule, Familie, alle Stände der Gesellschaft in deren besseren Gliedern eine Fülle von positiven Aufgaben zu lösen, Mcht die Stnrrn-

So so, meinte Herr Werner, das scheint Ihnen ja recht gut zu bekommen, Die sehen ja ganz großstädtisch aus.

Mit diesen Worten musterte er Krieger. In der That war dessen AeußereS ein ganz empfehlendes. Er war ein Mann in Den Dreißigern, eine stattliche Erscheinung, hoch gewachsen und breitschulterig. Haupthaar und Vollbart waren wohlgepflegt; daS unvermeidliche Piucenez diente hauptsächlich dazu, nach Bedarf den Schlechtsehenden zu spielen und eine gewisse Müdigkeit der Augen zu unter­stützen, welche bei allen Denen, die am Schreibtisch oder auch im Besuch der Kneipen fleißig sind, nichts Auffälliges darbietet. Gekleidet war dabei Krieger nach der neuesten Mode, man sah es, daß sein Schneider Geschmack hatte und daß er selber etwas auf sein ÄeußereS gab: helles Bein­kleid, ein kurzes, dunkles Röckchen umschlossen seine Glieder, ein blaues Cravattenluch war lose um den Hals geknüpft und ein leichter Strohhut, ein wenig kokett getragen, ver­vollständigte ten Anzug.

Ja, eS scheint Ihnen recht gut zu gehen, fuhr Werner fort, Sie sehen wie aus dem Ei geschält aus, man merkt Ihnen gar nicht an, daß Sie auch so eine Art von Mist­junker sind; da muß man sich ja vor Ihnen verstecken.

Das findet sich Alles mit der Zeit, wenn man in der Stadt lebt, lachte Krieger, Sie werten sich auch noch häuten, mein lieber Herr Werner.

DaS Häuten hätte allerdings diesem Noth gethan. Ein Mann, dem man den Sechziger kaum anmerfte, ließ er freilich auf den ersten Blick errathen, daß er vom Lande käme. Die gedrungene, untersetzte Figur zeigte in ihrem Aeußern alles weniger, als das Bestreben, durch dasselbe i glänzen zu wollen. Der Sommeranzug aus einfarbigem l Stoffe ließ erkennen, daß er den Händen eines Beinklei- duugskünstlers in irgend einem Landstädtchen sein Entstehen zu verdanken habe; daS bereits grau melirte Haupthaar

>as (

' MklluugkN 2; 11879 ^Bbrrhessischk Zeitung mehr tb deren Gratis-Beilage

,im lUu striktes Sonutagsblatt tten wir baldigst bei den nächstliegenden Poststellen achen zu wollen.

I Die Exped. der Oberh. Ztg.