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Skr. 1.

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blatte«, sowie d.Annoncen-Bureauk non Tb- Dietrich & Eo. in gaffel und Hannover; Tb Dietrich in Frankfurt a.M.; ßaafenftein & Vogler in zrankfurt a. M., Berlin, Leipzig, 661 n ic.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Marburg, Mittwoch, 1. Januar 1879

XIV. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte«, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbstj; Hermann'sche Duchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld' C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS Lonntagsblatt" durch die Expedition lKoch'schr Buch drucke re t) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, sexcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfa. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf-. berechnet.

jkiHuugfii 5 bb°s 11879 Bberhessische Zeitung

und deren Gratis-Beilage

IllustrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den nächstliegenden Poststellen machen zu wollen.

Die Exped. der Oberh. Ztg.

Zum Jahreswechsel.

Wir stehen wieder an der Grcnzseite zweier Jahre. Da Heibt man unwillkürlich einmal stille stehen und blickt zu­rück auf das, was dahinter liegt und auf .das, was kom­men wird. Der Rückblick auf das verflossene Jahr ist ein .getrübter. Die Nothstände auf den verschiedenen Lebens­gebieten, welche schon seit mehreren Jahren wie ein breiter trüber Strom sich über das Land ausgebreitet haben, sind, statt abzunehmen, noch mehr gestiegen, und zwar nicht bloß die Roth auf wirthschaftlichem Gebiete, sondern auch die traurigen Zustände, welche sich im sittlichen und kirchlichen Sehen des Volkes ausgebildet haben. Die Zahl der Ver­brechen und Vergehen haben sich auch in den letzten Jahren Mieder in erschreckender Weise vermehrt. Viel Schreckliches haben wir in dieser Beziehung erlebt; aber das Schreck- Lchste, was das ganze Volk in Aufregung versetzte, waren .doch die zwei Mordversuche auf unseren geliebten Kaiser. Was gäben wir darum, wenn wir diese beiden schwarzen Blätter vom 11. Mai und 2. Juni aus der Geschichte Äeses Jahres herausreißen könnten! Und doch hat Gottes Hnade noch das Schlimmste verhütet. Wir durften es er­leben, daß der Kaiser in so hohem Alter, wie es nur wenige Sterbliche erreichen, wieder genesen ist von der so überaus schmerzlichen Verwundung. Oeffnete sich hier der Abgrund des sittlichen und religiösen Verderbens und der öftere Schvoß einer gottentfremdeten Weltanschauung, um dm Kaiser zu verschlingen, so verschlang der Abgrund des Meeres eines der stolzesten Schiffe unserer jungen auf- strebenden Marine und gemahnte in erschütternder Weise Kwan, nicht bloß der Vergänglichkeit irdischer Macht und Herrlichkeit stets eingedenk, sondern auch allezeit darauf be­dacht zu sein, die sittlichen Grundlagen des Volkslebens mit Gfer und Liebe zu pflegen. Gegenüber den Mordver­suchen hat sich zwar die Liebe des Volkes zu dem so herz­lich verehrten Kaiser in herrlicher Weise bewährt, und wo so dunkle Schatten waren, da zeigte sich auf der andern Seite auch viel Licht. Allein so schön auch die Bezeugun- jtn von Liebe und Anhänglichkeit an den Kaiser waren, so hat derselbe doch mit Recht bei vielen Gelegenheiten darauf hingewiesen, wie hochnöthig es ist, mit verdop­peltem Eifer die Grundlagen der ächten Königstreue «amlich die Gottestreue, die christliche Frömmigkeit zu Pflegen. Das äußere Leben der Völker, ihr sittliches o wohl wir ihr wirthschaftliches und sociales ist immer «in Reflex des inneren geistigen Lebens, der Grundsätze und Anschauungen, welche im Herzen leben. Ob im Herzen die christlichen Grundsätze und Anschauungen von Recht Und Unrecht, Gut und Böse, von des Menschen Wesen, Bestimmung, von seiner sittlichen Verantwortung u. s. w. herrschen oder ob darin «die Selbstsucht mit ihrem Streben »ach Geld und Genuß Alles beherrscht und sich nur noch don dem staatlichen Strafgesetz oder der Rücksicht auf Ehre oder Schande vor den Menschen einschränken läßt da­dach wird sich auch das äußere Leben der Menschen ver­mieden gestalten. Christliche Grundsätze und Anschauungen ttnen natürlich nur durch das Christenthum gegeben wer- «L Schon hieraus ergiebt sich, wie außerordentlich wich- 8 die religiöse Erziehung der Jugend ist und wie unser Mer das Rechte getroffen hat, wenn er diese besser und Nachhaltiger als bisher gepflegt haben will. Gesetze des staates sind außerordentlich wichtig und können, je näch­st der Geist ist, der sie erfüllt, sehr viel Gutes stiften; dber auch sehr viel Schaden anrichten; die rechte Gesinnung brr, welche das Leben und Thun des Menschen beherrscht, Ütt Familienleben und seine Berufsführung gestaltet, wird rrch die religiösen Anschauungen und Grundsätze gepflegt. S kommt aber darauf an, ob ein Mensch ein Heide oder Klhamedaner, ob er Atheist oder Materialist oder ob er A Christ ist, dessen Herz erfüllt ist von Gottes- und Menschenliebe, dessen höchstes Streben sittliche Reinheit ist, allezeit Gott vor Augen und im Herzen hak und nach

dem ewigen Leben strebt, und dieses Alles durch die That und Wahrheit. Wir haben gesehen, wohin die Menschen kommen, wenn sic von ihrem christlichen Glauben abfallen und dem neumodischen Unglauben, der da lehrt, es gebe keinen Gott und es sei Alles blos Natur, zufallen! ES ist die Hauptsache, daß wir das recht erkennen und auf dem breiten Pfade der Religions- oder ConfessionSlosigkeit nicht weiter gehen, sondern gleich mit Beginn des neuen Jahres unsere Füße auf den Weg des Heils setzen, welchen uns Gottes Wort als den richtigen bezeichnet. Thue das Jeder für sich und seine Familie so wird es auch im Volksleben bald besser werden und die so viel beklagten Nothstände werden schwinden. Es ist eine schlimme Sache, immer nur Andere anzuklagen und von äußeren Einrichtungen, Gesetzen u. s. w. das Heil zu erwarten und nie an seine eigene Brust zu schlagen. Nein es gilt überall und das wollen wir uns auch beim Jahreswechsel vorhalten:Werden wir besser, so wird es besser!" Und wenn wir nur halbwegs unsere Schuldigkeit thun, so wird Gottes Gnade uns seg­nen und behüten. Besorgett wir nun das Beten und Ar­beiten recht treu, so wird es Gott auch an dem Segen nicht fehlen lassen und wir werden beim nächsten Jahreswechsel auf schönere Tage zurückblicken können.

Tagesbericht.

DieNordd. All. Ztg." bezeichnet die Zeitungsnach­richt, es sei eine erneute Zusammenkunft sämmtlicher Mit­glieder der Heidelberger Conferenz beabsichtigt gewesen, aber wieder aufgegeben worden, als unrichttg. In maßgeben­den Kreisen sei von einer solchen Absicht nichts bekannt. Die Mittheilung,daß die Chefs der Finanzverwaltungen der süddeutschen Staaten im Laufe des Januars zu Berlin erwartet würden, um an den Berathungen des Bundes- rathes theilzunehmen, sei wohl nur eine Kombination, aber bei der großen Wichtigkeit der betreffenden Berathung eine sehr naheliegende.

Heber die gestrige Conferenz im Handelsministerium bezüglich der Berlin-Stettiner Eisenbahn meldet dieBerl. Börsen-Ztg.: die Regierungscommissarien hätten keinerlei bestimmte Proposition gemacht, die Vertreter der Bahn dagegen an der bisherigen Basis festgehalten. Hierauf habe ein Regierungsvertreter erklärt, die Gewährung der zu bewilligenden festen Rente in Form von Consols sei aufgegeben; die Regierung könne nur die Abstempelung der Actien zugestehen. Die Regierungscommissarien seien aber heute noch nicht in der Lage, über die Höhe der in dieser Form zu gewährenden Rente eine bestimmte Mit­theilung zu machen. Eine bezügliche Mittheilung über die Höhe der Rente in dieser Form sei zu der am Freitag stattfindenden Verwaltungsrathssitzung in Aussicht gestellt. Die Vertreter der Bahn hätten schließlich darauf bestanden, daß bis zum 1. Mai die ganze Angelegenheit geregelt werde und noch in der jetzigen Session dem Landtage eine be­zügliche Vorlage zugehe.

DieNationalzeitung" schreibt in ihrem Börsen Ne- sume: Es heißt, daß die Verhandlungen wegen Verkaufs der Magdeburg-Halberstädter Eisenbahn an den Staat sehr weit vorgeschritten und dem Abschluß nahe seien.

Der Neconstructton des österreichischen Cabinets ist immer noch nicht zu Stande gebracht und wird es in die­sem Jahre auch nicht mehr werden. Da die Krisis übri­gens nicht durch ein Zerwürsniß zwischen dem Parlament und der Regierung, sondern lediglich durch die Opposition des Abgeordnetenhauses gegenjie vom Ministerium gebil­ligte auswärtige Politik des 'Staates herbeigeführt worden ist, ein großer Theil der Opposition aber später für die Thronadresse gestimmt, d. h. die Politik des Grafen An« drassy gebilligt hat, so wird das neue Cabinet wol zumeist aus den alten Mitgliedern bestehen. Gibt das Mitte Ja­nuar wieder zusammentretende Abgeordnetenhaus dem Ber­liner Vertrage seine Zustimmung, wie kaum anders zu er- warteit, und zwar ohne ein Tadelsvotum, so ist die Neu­bildung des Cabinets auf der bisherigen Grundlage vol­lends als ziemlich sicher anzunehmen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 30. Decbr. Ein hiesiges Blatt giebt eine umständliche Darstellung von angeblichen Verhandlungen des Kronprinzen mit liberalen Abgeordneten aus der Zeit des Compromisses über das Sozialistengesetz. Es kann ver­sichert werden, daß die ganze Notiz aus der Luft gegriffen ist. Der Minister Varnbüler wird schon in den nächsten Tagen hier eintreffen und'vor Beginn der Berathungen der

Zollkommission wahrscheinlich noch eine Besprechung mit dem Reichskanzler in Friedrichsruhe haben. Die Reichs­beschwerdekommission hat die Beschwerde über das Verbot der Schrift von Most:Die soziale Bewegung im alten Rom und der CaesarismuS" zurückgewiesen. In dem Be­scheide ist unter Hinweis auf eine große Anzahl von Stellen geltend gemacht, daß in der Schrift zwar nicht mit direkten Worten zur Nachahmung der gewaltsamen Aufstände der bedrückten Klassen des alten Rom aufgefordert, die Sigita« tion aber in der Weise betrieben werde, daß in der Schil­derung der römischen Zustände theils direkte Analogien her­vorgehoben werden, die sich mit dem heutigen Gesellschafts­zustande barbieten sollen, theils durch Bezeichnung der ge­schilderten Vorgänge und Personen mit den Schlagwörtern des anderen Parteitreibens in bett unwissenden Lehren der Vorstellung eines vollkommenen Paralleliömus zwischen der alten römischen und heutigen Gesellschaft erzeugt und, in­dem ferner angebeutet wurde, wie solche Zustände noth- wendig zu den mit den krassesten Farben geschilderten Gräueln der Kaiserzeit führen müßten und so die Ueberzeugung her­vorzurufen versucht wird, daß nur ein rechtzeitiges gewalt­sames Eingreifen der Volksmassen ein gleiches Schicksal von der heutigen Gesellschaft abzuwenden vermöge. Dabei fehlt es namentlich nicht an zahlreichen heftigen Ausfällen gegen die besitzenden Klassen. Nach alledem sei nicht zu bezwei­feln, daß in der Schrift die in dem Sozialistengesetz be­zeichneten Bestrebungen zu finden seien. Die Kommission hat ferner auch die Beschwerde über das Verbot der soge­nannten Kanzelreden von Dietzgen über die Religion der Sozialdemokraten ablehnend entschieden, von welchen be­hauptet worden ist, daß sie sich in den Grenzen einer wissen­schaftlichen Erörterung bewegen. Die Kommission ist da­gegen der Ueberzeugung, daß die Schrift sozialdemokratische Bestrebungen in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise verfolge. Dieselbe entwickele neben einer gehässigen und herabwürdigenden Kritik der christlichen Lehren ein voll­ständiges Programm der sozialdemokratischen Partei, ver­bunden mit gemeingefährlicher Aufhetzung de« Proletariats, insbesondere der Arbeiterbevölkerung gegen diebesitzenden" undherrschenden" Klaffen mit dem Ziele auf Erkämpfung einesmenschenwürdigen Daseins" durch Beseitigung der bisherigenKlassenherrschaft", Zerstörung der bestehenden Staats- und Gesellschafts-Ordnung, besonders des gegen­wärtigen Lohn- und Produktionssystems und Herstellung des sozialistischen Volksstaats. Die Grenzen einer ruhigen wissenschaftlichen Begründung der sozialdemokratischen Prin­zipien seien nirgends eingehalten; die Schrift sei auch auf einen Leserkreis berechnet, welcher für rein wissenschaftliche Erörterungen gar kein Verständniß habe. Ein kürzlich ergangener Allerhöchster Erlaß enthält die Bestimmung derjenigen militärischen Dienstauszeichnungen, welche außer dem preußischen Militär-Ehrenzeichen II. Klaffe neben dem Besitz des Eisernen Kreuzes II. Klasse zum Bezug der Ehrenzulage nach Maßgabe deS Gesetzes vom 2. Juni 1878 berechtigen. ES betrifft diejenigen Auszeichnungen, welche m einem der mit Preußen seit 1866 verbundenen Landes- theile vor der Vereinigung und diejenigen Auszeichnungen, welche in einem der Bundesstaaten außer Preußen vor dem Kriege von 187071 verliehen worden sind. Mittels Allerhöchster KabinetSordre wird am 1. Mai k. IS. das Füsilierbataillon des 3. Garde-Grenadier-RegimentS Königin Elisabeth von Wriezen nach Spandau verlegt und Wriezen als Garnisonsort aufgegeben. Das 1. Bataillon des West­fälischen Infanterie-Regiments Nr. 55 wird von Soest nach Detmold verlegt.

(SlbcrfelO, 30. Decbr. DieElberfelder Zeitung" meldet: Die Zuchtpolizeikammer des Landgerichtes verur- theilte am Samstag den Schriftsteller Most wegen Be­schimpfung der christlichen Kirche, deren sich der Angeklagte durch eine im Barmer Schützenhause gehaltene Rede schul­dig machte, zu 6 Monat Gefänzniß; daö öffentliche Mini­sterium hatte ein Jahr Gefängniß beantragt.

Sigmaringen, 27. Dezember. Morgen reift Prinz Friedrich von Hollenzollern, welcher übet daö Christfest hier verweilte, nach Regensburg zur offiziellen Verlobung mit der Prinzessin Luise, Tochter Ihrer Königl. Hoheit der Frau Erbprinzessin von Thurn und Taxis, nachdem der­selbe unter Einverständniß seiner Fürst!. Eltern die Geneh­migung Sr. Majestät des Kaisers als allerhöchsten Chef des Hauses Hohenzollern zu dieser Bewerbung erhalten hat. Bei diesem Anlaß zeigt sich wiederum die alte An­hänglichkeit der hiesigen Bevölkerung an das hohe Fürsten­haus durch freudige Theilnahme an diesem glücklichen Fa« milienereigniß.

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