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Rr. SOS

ZNarburg, Dienstag, 31. December 1878

XIII Iahrgmg

ObnheWk jfitinig

meinen Erhöhung der Preise bestehe. Allem Anscheine nach

zählung:

schlagen seiner Hoffnung und forderte nun den Kutscher auf; er möge ihn in seiner Droschke nach Aachen fahren^ Doch dieser lehnte eine solche Zumuthung ganz entschieden ab, indem sein Pferd zu einer solchen Fahrt viel zu müde sei. Die Länge des Wegs erfordere eigentlich einen zwei- spännigen Wagen. Nun, sagte der Fremde, so holen Sie, mir gleich einen Zweispänner. Ich zahle, was nur gefor­dert wird. Aber eilen Sie! Mit diesen Worten drückte er dem Kutscher ein paar Thaler in die Hand. Als dieses jetzt in die Stadt fuhr, um einen Zweispänner auSfindü zu machen, stiegen in seiner Seele allerhand Gedanken übe-, den seltsamen Fremden auf. Sollte der Mann, der s? unscheinbar gekleidet war und doch mit dem Geld so ver, schwenderisch umging, etwa aus unrechtem Weg zu seinen' Reichthum gelangt sein? Sollte er vielleicht dringend' Gründe haben, so sehr zu eilen? Indem er noch über sol ches nachdenkt, begegnet ihm ein Polizei-Commissar, den r. kennt. Er ruft ihn an und erzählt ihm haarklein all^ Umstände.

Als der Polizei-Commiffar alle Einzelnheiten vernom mm hatte, so sagt er: Wir wollen schon bald herausbringen, ob Deine Vermulhung richtig ift. Schaffe nur schnen einen Zweispänner herbei und hole darin Deinen Fremde' ap! Wenn Du aber an das Thor kommst, welches nac Aachen führt, so fahre nicht hinaus, sondern biege in du links gelegme Scheune ein, welche der Polizei gehört! FÜ! das Weitere laß mich sorgen. — Der Kutscher that, wi ihm befohlm war, und es dauerte nicht lange, so fuhr d! Kutsche, in welcher der Fremde saß, in die dunkle Scheum hinein. — Plötzlich wurde der Kutschmschlag aufgerissel und eine krästige Stimme rief mit spöttischem Ton: „'Nul da hätten wir ja das Vögelchen!" Wie ein Tiger fuhr bt Insasse des Wagens hervor und schrie mit einer Stimm in der sich Schrecken und Wuch verrinigtm: Das ist nid

Falk bevor. Das würde denn die endliche Antwort auf Wohlstandes in der Beschränkung der Zufuhr und allge- die von liberalen Blättern immer und noch in den letzten r":— *'f‘*ft* ’

Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d. Blatte«, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hcrmann'sche Duchbandl. daselbst; Invalidendonk in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Die letzte Kypothck von W. Cyr.

“ "ir das I. Quartal 1879

-----o „uf die

Dlierhessische Zeitung

und deren Gratis-Beilage

IUustrirte« Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den nächstliegenden Poststellen machen zu wollen.

In der Nr. 1 des neuen Jahrgangs beginnt die höchst spannende Er-

Tngesbericht.

Durch die Preffe geht die Nachricht von einem kaiser­lichen Handschreiben an den Vicekanzler und Viceprastdenten des Staatsministeriums, Grafm Stolberg, in welchem sich der Kaiser in sehr entschiedener Weise über du Anforde- runaen ausgesprochen habe, welche er an die von seiner Regiernng fortan zu befolgende innere Politik stellt. T)er Kaiser lege in diesem Schreiben em besonders Gewicht auf die durchaus nothwendige Stärkung der Autorität des Staates, welche von Seiten der Behörden und Gerichte mit ganz besonderem Ernste in s Auge zu fassen sei. DaS Schreiben gehe dann auf die Verhältnisse der evange­lischen Kirche über, indem eö gleichzeitig auf du Noth- wendigkeit hinweist, der religiösen und Muhen Erziehung der Jugend eine größere Vertiefung durch den Unterricht in den öffentlichen Schulen zu Theil werden zu lassen. Vielleicht hängt mit diesem Schreiben die letzte Sitzung des Staatsministeriums zusammen, vor welcher bekanntlich der Graf Stolberg eine längere Besprechung mit dem Präsidenten des OberkircheurathS hatte. — Nach der

Kreuzzeitung" hat das Schreiben dagegen vorzugsweise Fragen der evangelischen Kirche im Auge und eS stehe eine Erledigung der Personalftagen im Oberkirchenralh demnächst im Einverständniß mit dem UnterrichtSminister

Der Wahlverein der Deutsch - Conservattven hat seinen Mitgliedern in einem Flugblatte über die Vereinsthätigkeit im Laufe des Jahres 1878, so wie über die Statistik der letzten ReichstagSwahlen Mttheilung gemacht: Betreffs der Wahlstatistik wird darin erinnert, daß 1874 an der Wahl­urne 359,959 konservative, 1877 schon 540,103 und 1878 endlich 811,993 deutsch-conservative Wähler erschienen, d. h. gegen 1874 hat die Zahl derselben um 125 pCt., gegen 1877 um 50,3 pCt. zugenommcn. Die Deutsch - Conser- vativen haben 1878 nämlich 271,890 Stimmen mehr als im Jahre 1877. Von diesem Mehr an Stimmen fallen auf das Königreich Preußen etwa 207,000 Stimmen. Die deutsch-conservative Fraktion zählte 1877 40 Mitglieder, sie zahlt deren jetzt 59. Neugewonnen sind nämlich folgende 21 Wahlkreise: Königsberg 2, Gumbinnen 1, 2, 3, 6, 7, Danzig 1, Marienwerder 8, Potsdam 8, Frankfurt 2, (Stettin 2 und 3, Köslin 1 und 2, Bromberg 3, Liegnitz 5, Magdeburg 1, Baden 10, Mecklenburg-Schwerin 4, Mecklen- burg-Strelitz 1 und Neuß ä. L. 1. Verloren gegangen sind der 1. Mindener und der 23. sächsische Wahlbezirk. UebrigenS wird mit Recht betont, daß, wenn man die Zu­nahme der conservativen Partei gegenüber der liberalen in ihrer Gesammtheit übersehen will, auch die wesentliche Ver­stärkung der deutschen Reichspartei in Betracht zu ziehen ist, um so mehr, als die beiden conservativen Schattirungen in ihren unterscheidenden Merkmalen in den weitaus meisten Landestheilen nicht hervorgetreten sind, und als beide Par­teien zumeist gemeinsam opcrirt haben. — Für konservative Candidaten aber in diesem weiteren Sinne wurden 1877 abgegeben 977,766 Stimmen, 1878 dagegen 1,539,278. Für nationalliberale und fortschrittliche Eandidaten 1877 I zusammen 2,001,722, dagegen 1878 nur 1,698,188 Stimmen.

Die „Poltt. Corresp." meldet aus Athen: Die grie- chische Regierung zeigte der Pforte an, daß sie den General Soutzos, dm Major KoloktioniS und dm Gmeralsecretair ZinopuloS zu ihrm Delegirtm für die Grenzregulirungs- Eommission ernannt habe. — Dieselbe Korrespondenz ver­öffentlicht ein Circular des österreichischen Hanbelsministers an die Handelskammem, woraus hervorgeht, baß ber neue Handelsvertrag mit Italien am 27. December abgeschlossen wurde, daß derselbe erst am 1. Februar 1879 in Kraft tritt, daß aber die Herstellung eines provisorischm Ueber- gangszustandeS für den Monat Januar bis jetzt nicht mög­lich gewesm ist, demnach, wenn nicht ein solches Ueberein- 1 kommen bis zur Jahreswende erzielt werben sollte, ber

Gute Polizei.

Wenige Jahre, nachdem die Eisenbahn zwischen Cöln und Aachen eröffnet worden war, hatte ein Fabrikant in Wiesbaden eine Summe von 6000 Thalern an die Direktion der Dampfschiffsahrt in Düsseldorf zu senden. Er schickte deshalb eines Morgens einen Burschen, der schon mehrere Jahre in seinem Hause mit Eifer und Treue gedient hatte, nach Biebrich mit dem Auftrag die Geld­summe auf dem Bureau der Rheinischen Dampffchiffe gegen Quittung zur Weiterbeförderung abzugeben und spätestens bis zur Mittagsstunde in Wiesbaden wieder rinzutreffm. Allein die Mittagsstunde verstrich, und der ausgesandte Bursche kam nicht zurück. Da macht sich der Fabrikant selbst auf den Weg, indem er besorgt, es mochte dem Boten irgend ein Unfall begegnet sein. Er begibt sich also zunächst auf daS Bureau der DamPNchist-Gesell- schast zu Biebrich und fragt, ob. da« überfendele Geld angekommen fei, vernimmt aber zu seinem großen Schrecken daß man von einer Geldsendung gar nichts wisse. Voll Bestürzung beschreibt er nun die Person deS Boten ganz genau, daß er einen blauen Kittel und eine schwarze Le­dermütze getragen habe, daß er mit dem linken Bem etwas hinke n. s. w. und erfährt wenigstens nun zu ermger Be­ruhigung, daß rin solcher Mensch allerdings in dem Bureau gewesen, dort eine Fahrkarte nach Köln gelöst habe und alsdann mit dem rheinabwärts gehenden Dampfschiff sort-

Fabrikant faßt sofort den Entschluß, seinem unge­treuen Diener zu folgen und besteigt ebenfallS das nächste nach Köln fahrende Dampfschiff Erst m der Nacht kam er dort an und eilte natürlich sofort zu dem Polizei- Direktor. In großer Aufregung erzählte er diesem seinen Verlust und beschrieb Person und Aussehen des ^ledS.

Buchdruckerei) »ejogen 3, }U feilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden SS Pfg. berechnet.___________________

Lnreige« nimmt entgegen: Me Expedition d.BlatteS, s,wie d-Annoncen-Bureaux son Tb. Dietrich & Co. ,n staffel und Hannover; Th. Dietrich in Kankfurt a M.; Haasenftein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frank­furt a. Dl. ic.

Nur bei rechtzeitiger Bestellung ist es möglich, den Anfang der Erzählung zu erhalten. Auch wird mit derselben Nr. ein Kalender für 1879 ausgegeben. $i( der Oberh. Ztg.

Tagen wieder aufgewärmte Frage des Rücktritts dieses Ministers sein. I

Aus Berlin wird vom Sonnabend telegraphisch ge- I meldet: Minister Maybach begibt sich heute nach Friedrichs­ruhe. Herr v. Hansemann tritt am 6. Januar eine I Reise an behufs Verhandlungen mit dem ungarischen Finanzminister. — Dem „NeichSanzeiger" zufolge beabsich­tigt der Handelsminister — vorläufig nur versuchweise — eine beschränkte Anzahl angesehener, mit den allgemeinen Verkehrsverhältnissen des Landes vertrauter Manner aus den Kreisen des Handels, der Industrie, der Land- , und Forstwissenschaft sowie der Privateisenbahnen zu einem I wirthschaftlichen Beirath der Central-Eisenbahnverwattung zu vereinigen.

Mit Bezug auf den Brief deS Reichskanzlers über dessen zukünftige Zollpolitik schreibt die „Times": „Fürst Bis­marck macht den Versuch, den vielen Veränderungen, welche er in Deutschland hervorgerufen hat, eine neue hinzuzufügen; er will eine Revolution im Fiscalsystem durchsetzen. Eine Commission des Reichsraths ist damit beschäftigt, die na­tionalen Mittel und Wege ausfindig zu machen;,der Fürst gibt seine Ideen durch einen Brief an diese Körperschaft zu Kund und Wissen. Das Schreiben ist ein bemerkenS- wertheS Dokument; kräftigen Stils und schlagender Argu­mentation wie wir eS seitens deutscher Staatsmänner und Professoren gewöhnt sind, fällt es noch mehr durch seine Doktrinen ins Gewicht. Wir wollen nur gleich herauS- sagen, daß einige derselben die Finanzreformer unseres Landes verletzen, ausschreckeu und in Entsetzen versetzen würden. Wäre das Raisonnement deS Fürsten ein gesundes, so wür­den die Fiscalveränderungen Sir Robert Peel's und seiner Nachfolger auf den schäslichsten und gefährlichsten aller Täuschungen beruhen; dann würden wir uns alle in einem Paradies der Narren befunden haben, aus welchem man sich nicht zeitig genug retten könnte. Allein es ist weniger interessant, die Doctrinen eine« solchen Mannes zu tritifirm, als dieselben zu untersuchen, da die Vorschläge des Fürsten alle Aussicht auf Verwirklichung haben und in diesem Falle der Wechselwirke! sich in England nicht weniger als in Deutschland fühlbar machen wird. Selbstverständlich hat Deutschland bei der Regulirung seiner Zölle in erster Linie sein eigenes Interesse zu beachten. Der größte kontinentale Staatsmann ist ersichtlich jder Meinung, daß im Handel, wie im Kriege, der Gewinn einer Nation den Verlust oder Schaden der Anderen bedeutet, daß der billige Einkauf im Ausland das eigene Land verarmt, daß das Gehefmniß de«

Aber ehe er noch zu Ende gekommen war, unterbrach ihn der Polizeidirector mit den Worten: „Beruhigen Sie sich I Ihr Geld ist in Sicherheit. Hier liegt es und wird Ihnen in der Kürze ausgehändigt werdrn. Entwendet ist nur sehr wenig. Folgen Sie mir jetzt gefälligst in das anstoßende Zimmer und sehen Sie zu, ob der Mann, den ich dort festhalten lasse, Ihrer Beschreibung entspricht!" Mit diesen Worten sührte der Direktor den Fabrikanten in das anstoßende Zimmer, wo sie den Blaukittel unter gutem Gewahrsam fanden. Bisher hatte er immer noch behauptet, daß die 6000 Thaler fein Eigenthum seien; jetzt gab er alles Leugnen auf und stand wie vernichtet vor seinem Herrn.

Sobald der Verbrecher in sicheren Gewahrsam abge­führt war, wendete sich der Fabrikant an den Polizri- Director mit der Frage: „Aber wie in aller W-lt habm Sie denn herausgebracht, daß dieser Mann ein Verbrecher und daß das bei ihm gefundene Geld nicht sein Eigenthum sei. Ich finde Ihre Frage sehr natürkich, ewiderte der Polizei-Director, und will sie durch eine kurze Erzählung beantworten. _ ,

Noch ehe das Dampffchiff, auf welchem sich Ihr Knecht befand hier landen konnte, rief dieser in ungewöhnlicher Aufregung nach einer Droschke und al« er nach der Landung eine solche glücklich erreicht hatte, verlangte er vom Kutscher, er solle ihn sofort zur Fahri nach Aachen auf den Bahnhof bringen. Der Kutscher entgegnete zwar, dm nächsten Zug werde man schwerlich noch erreichrn; allein der Fremde achtete ber Einwendung nicht, sondern versprach doppelten und dreifachen Lohn, wenn der Kutscher recht schnell fahre. So setzte sich denn die Droschke in Bewe­gung , aber so rasch auch das Pferd taufen mochte, daS Wort des Kutschers bewährte sich; ber Zug nach Aachen war fort. Der Fremde ergrimmte gewaüig über daS Fehl«