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Marburg, Sonntag, 22. Decenibcr 1878
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sind. Nun liegt es doch auf der Hand, daß heute selbst bei der schlimmen Lage der Landwirthschaft ein höherer Ertrag erzielt werden muß, als dies vor 25 oder 50 oder 100 Zähren möglich war. Uebrigenö hängt der Mehrertrag des Pachtzinses, der in den letzten Jahren namentlich in Sachsen erzielt worden ist, mit der Entwicklung zusammen, den die Zuckerindustrie in dieser Provinz gefunden hat. In den amtlichen Nachweisungen spiegelt sich die Lage der Landwirthschaft in sofern ab, als verschiedene Vorwerke wegen Vermögensverfall der Pächter vor Ablauf der Pachtzeit zurückgenommen werden mußten. In diesen Fällen ist stets der bisherige Pachtzins nicht wieder erreicht worden. Auf Grund unserer Verbindungen die in verschiedener Richtung in landwirthschastliche Kreise reichen, können wir versichern, daß die Lage der Landwirthschaft in manchen Provinzen eine beinahe verzweifelte ist. Die Entmuthigung ist so groß, daß auch die am wenigsten kostspieligen Meliorationen unterlassen werden, weil sie nicht einmal das aufgewendete Capital verzinsen.
Die Budgetkommission des Abgeordnetenhauses beschäftigte sich am Mittwoch zunächst mit dem Extraordinarium des Kultusetats. Die sämmtlichen Forderungen für Universitäten, höhere Lehranstalten rc. wurden bewilligt. Im Justizetat wurden die speziell aufgeführten Bauten genehmigt; das Pauschquantum aber bemängelt und möglichste Spezialisirung verlangt. Dieselbe wird zugesagt und die Position ausgesetzt. Die Extraordinarien der übrigen Etats wurden ohne erhebliche Debatte bewilligt. — In der Donnerstags-Sitzung beschäftigte sich die Kommission mit der Berathung über die Ueberweisung der technischen Lehranstalten an das Kultusministerium. Der Abg. Frhr. v. Heereman erklärt sich aus prinzipiellen und praktischen Gesichtspunkten für eie Belassung der technischen UnterrichtS- anstalten bei dem Ministerium für öffentliche Arbeiten. Es wurde indeß die Regierungsvorlage angenommen. Außerdem wurde noch ein Antrag des Abg. Virchow angenommen, nach welchem für das gesammte Gebiet des Unter- richtswesenS unter dem Namen „Unterrichtsrath" eine analoge begutachtende Behörde geschaffen werden soll, wie sie im Anträge Miquel für die technischen Lehranstalten vorgesehen ist. Die Regierung erklärte sich indeß gegen jenen Antrag. Der seitens der Regierungsvertreter gegen diesen Antrag erhobene Widerspruch ist hoffentlich kein enogiltiger.
Zigeunerin befand.
Die beiden Theile gehörten zusammen, einer ergänzte den anderen und vervollständigte das Bild, welches in den Stein eingeschnitten war. Ließ sich jetzt an Jumela's Verbrechen wohl noch zweifeln?
„Unglückliche!" rief der Graf, „waS hast Du gegen diesen Beweis vorzubringen? Dieses Stück Camoe wurde im Zimmer Foncolomde's gefunden — es gehört an Deinen Armreif! Willst Du jetzt noch leugnen?"
gangen, daß es bei dem vom hiesigen Polizeipräsidium verfügten Verbote verbliebe. Der Bescheid führt auS: „Aus den Akten des Polizeipräsidinms und auS den eigenen Aeuße- rungen Fritzsche's in den Generalversammlungen des deutschen Tabakarbeitervereins erhellt zur Genüge, daß die Einberufung der öffentlichen Versammlungen der Cigarrenarbeiter Berlins nur ein Mittel war, um, in Umgehung des preußischen Gesetzes über die Verhütung eines die gesetzliche Freiheit und Ordnung gefährdenden Mißbrauchs des Ver- einigungs- und Versammlungsrechts vom 11. März 1850, Politik zu treiben und für die Ausbreitung sozialdemokratischer Gesinnungen agitiren zu können. Hiernach ist aber nach Ausweis der bezeichneten Akten durch die amtlichen Anzeigen verpflichteter Polizeibeamten constatirt, daß in den Jahren 1875, 1876 und 1877 in diesen theilS von Mitgliedern des VerwaltungSraths, theils des hiesigen Ortsvorstandes deS deutschen Tabaksarbeitervereins veranstalteten Verjammlnngen zu wiederholten Malen von sozialdemokratischen Agitatoren Reden gehalten worden seien, welche den Umsturz der bestehenden Staats- und Gesellschaftsordnung vorzubereiten bestimmt waren und durch Aufreizung zum Hasse gegen andere Klassen der Bevölkerung den öffentlichen Frieden gefährdeten. Hierzu kommt, daß daS Organ des Vereins in der Presse „Der Botschafter", welches nach § 18 der Statuten von Vereinswegen allwöchentlich herausgegeben wurde und zu dessen Haltung jedes Mitglied deS Vereins nach § 11 der Statuten verpflichtet war, nach der eignen Erklärung der Redaktion in Nr. 40 dieses Jahrganges jedes Ziel der Prinzipien der Sozialdemokratie bis in ihre äußersten Conscquenzen zu verfolgen bestrebt gewesen ist, ebenso wie dasselbe andere sozialdemokratische Blätter extremster Richtung zur weitesten Verbreitung empfohlen hat. Berücksichtigt man ferner, daß auf Veranlassung von Mitgliedern des Vereins ein besonderer Ausschuß hiesiger Cigarrenarbeiter bestellt worden ist, um für sozialdemokratische Zwecke zu agitiren, und daß gleiche Tendenzen auch von den an andern Orten des deutschen Reichs bestehenden Mitgliedschaften des deutschen TabaksarbeilervereinS verfolgt worden sind, so steht außer Zweifel, daß indem genannten Verein der in § 1 Absatz 2 des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie bezeichneten Art in einer den öffentlichen Frieden gefährdenden Weise zu Tage getreten und von demselben befördert worden sind. Im Uebrigen aber erscheint der Einwand, daß der mehr- genannte Verein ein selbstständiger Kassenverein und deshalb nach § 3 des Gesetzes vom 21. Oktober d. Js. zunächst der staatlichen Kontrolle zu unterstellen sei, unbegründet, da der Zweck desselben nach 8 2 der Statuten keineswegs auf die gegenseitige Unterstützung seiner Mitglieder beschränk ist und somit der Verein als ein selbst-
Die „Nordd. Allgem. Ztg." hebt bei Besprechung der Abstimmung der Tabak-Enquete Commission hervor, daß der Bericht dieser Commission erst an den Bundesrath gelange,
TngeSdericht.
Der „Reichsanzeiger" erklärt die von verschiedenen Seiten verbreitete und commentirte Nachricht, daß Se. Maj. der Kaiser anläßlich der Wiederaufnahme der Negierungs- geschäfte einen Glückwunsch des Papstes empfangen und beantwortet habe, für völlig aus der Luft gegriffen; der Kaiser habe seit feiner Rückkehr nach Berlin dem Papste nicht geschrieben.
Die Soldaten sprangen ihr nach, aber die Nacht war rabenschwarz, nach einer Viertelstunde kamen sie zurück — sie hatten Jumela nicht gefunden!"
IV.
Am frühen Morgen des anderen Tages hielt der Marquis de Castries mit den Generalen und Obersten seines Corps in seinem Zelte Kriegsrath. Es galt einen Angriff auf die feste Stellung die der Herzog von Braunschweig zwischen Rheinberg und Wesel genommen hatte. Der Angriff sollte am anderen Tage mit Sonnenaufgang von ctei Seiten zugleich erfolgen und der Herzog über den Rhein zurückgeworfen werden.
„Das wäre also abgemacht, meine Herren," sagte de Castries, nachdem er seinen Plan entwickelt hatte. „Vor Allem empfehle ich Ihnen hier die größte Vorsicht. Es ist nicht unmöglich, daß der Herzog uns zuvvrkommen möchte. Vereiteln wir dies durch verdoppelte Wachsamkeit, namentlich müssen Auvergne und Piemont auf ihrer Hut sein, da sie am exponirtesten sind."
Ich stehe für Auvergne," erwiderte Graf Rochambeau; „übrigens kennt mich der Herzog," fügte er lächelnd hinzu, „und eben deßhalb glaube ich nicht, daß er an eine lieber« rumpelung denkt, von der er im Voraus weiß, daß sie ihm mchl gelingen würde. Erst neulich ließ er mir sagen, daß Auvergne een Teufel im Leibe haben müsse, denn wenn er auch noch so früh auf breche, so finde er immer Auvergne noch vor ihm auf den Beinen."
„Sie sind hoffentlich überzeugt, daß Piemont in dieser Beziehung, wie überhaupt in jeder anderen, nicht hinter Auvergne zurückbleidt?" entgegnete der Oberst EsparbeS mit essigsaurem Gesichte.
Graf Rochambeau wollte antworten und ohne Zweifel wäre die Antwort spitzig ausgefallen, allein Herr de CastrieS schnitt ihm zornig das Wort ab.
Piemont uud Auvergne.
Frei nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph Müldener.
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Die Marquise und der Graf blickten hin und machten Ftcie Gabriele die gleiche Bemerkung. Beide gaben auch f nicht minder lebhaft ihr Erstaunen zu erkennen, während r bie Zigeunerin mit hochgehobenem Kopfe stolz und kalt ° diese Musterung über sich ergehen ließ, deren Bedeutung fie nicht ahnte.
Gabriele hatte inzwischen zitternd und mit fieberhafter Hast auS ihrer Tasche ein Portefeuille und aus diesem ! einen in Papier eingewickelten Gegenstand hervorgeholt, : den sie ihrem Verlobten übergab. Dieser nahm in sichtlicher Aufregung das Papier ab und näherte sich der f Zigeunerin, deren Arm er ergriff.
„Du wolltest unS glauben machen," sagte er in strengem Tone, „daß Du die großmüthige Absicht gehabt, eine , fremde Schuld auf Dich zu nehmen, um mich zu retten; aber wenn unS unsere Augen nicht täuschen, so trägst Du f selbst den Beweis Deiner Schuld an Deinem Arme."
Henry verglich das Bruchstück der Camse, welches er f in Händen hatte, mit jenem, welches sich am Armreife der
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- Ai; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
| welchem 6er Hauptantheil an der Entscheidung über die A z Besteuerung des Tabaks zustehe. Die Gesichtspunkte deS UBundesraths würden unvermeidlich zum Theil andere sein Ä Iwüssen als diejenigen der Commission. Während die Com- ff Mission in erster Reihe geprüft habe, welche Besteuerung €* des Tabaks für die wirthschastlichen Verhältnisse Deutfch- 1 land« am geeignetsten fei, müsse der Bundesrath mehr die finanzielle Seite in den Vordergrund treten lassen.
»«zeigen nimmt entgegen: jjr Expedition d.Blatte», (gute d.Ännoncen-Bureaux „on Th. Dietrich & Co. in jhffel und Hannover; Th. xjclrich in Frankfurt a.M.; hoajenstein & Vogler in fcantfurt a. M., Berlin, tzipzig, Cöln rc.; Rudolf »,ffe in Berlin, Frant»
4 futt a. M. rc.
Deutsches Reich.
** Berlin, 20. Decbr. Von der Reichskommission ist neuerdings an den Reichstagöabgeordneten Fritzsche als Ge- schäflssührer der deutschen Tabaksarbeiter der Bescheid er-
Jumela glich einem Gespenste, so bleich wurde ihr Anttitz. Sie wankte einen Schritt zurück.
Aber dieser sAnfall von Schwäche dauerte nur eine Sekunde.
„Was ist damit bewiesen?" sagte sie mit höhnischem Gelächter. „Ich kaufte das Armband, sowie eö ist, erst vor wenigen Tagen."
„Das geht zu weit!" rief Henry empört. „Dein Leugnen soll Dir nichts nützen. Bekenne, Unglückliche, waS Du nicht mehr bestreiten kannst! Bekenne, daß Du es warst, die den Capilain erstach!" >
„Ich leugne es!" rief Jumela mit Energie.
„Nun, so wird man Dich zwingen, die Wahrheit zu gestehen," erwiderte der Graf entschlossen.
Und an die Thür eilend, die er aufriß, rief er die Wache.
Diesen Moment aber ließ Jumela nicht unbenützt verstreichen. Rasch sprang sie ans Fenster, öffnete eS und schwang sich hinaus.
Henry kam zu spät, sie daran zu verhindern. BiS er das Fenster erreichte, war Jumela verschwunden. Er blickte hinab und sah, wie sie sich erhob und fortlief.
„Sie ist unverletzt und flieht!" rief er voller Verzweiflung.
Schon wollte er ihr nachspringen, aber Frau de Castries und Gabriele klammerten sich an ihn und hielten ihn durch ihr Flehen und Bitten zurück.
Unterdessen waren die Soldaten heraufgekommen, denen er zugerufen hatte.
Der Graf wandte sich nun an diese und befahl ihnen, Jumela zu verfolgen.
„Laust, holt sie ein!" rief er ihnen zu. „Sie darf uns nicht entkommen! — Hundert Louisd'or Demjenigen, der die Zigeunerin wieder zurückbringt!"
) I In der Donnerstags-Sitzung des Abgeordnetenhauses hat der Abg. Schmidt-Stettin seine Zweifel ausgesprochen, Haf? die Lage der Landwirthschaft wirklich fo schlimm sei, j wie sie verschiedentlich dargeftellt werde. Diesen Zweifel hat der geehrte Herr damit begründet, daß die Domänen alljährlich einen höheren Ertrag abwerfen. ES ist nun i ' richtig und wir haben selbst s. Z. darauf hingewiesen, daß , bei den Domänen, welche feit der Etatsfertigung pro 1878/79 anderweitig verpachtet worden sind, gegen den i bisherigen Pachtzins (647,084 M.) ein Mehrertrag von - 236,400 M. erzielt worden ist. Der Abg. Schmidt hat aber dabei den wichtigen Umstand übersehen, daß die Pacht- ,; Verträge stets auf eine lange Reihe von Jahren abgeschlosfen | worden. In der neueren Zeit sind Domänen pachtlvS ge- A worden, welche selbst bis zu 100 Jahren verpachtet gewesen
Ersckeint täglich außer an den Werklagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit bet wöchentlichen Beilage ,,JllNftttrteS Sonntagsblatt durch die Expedition (Koch fche Buchbruckereii bezogen Ä« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches "l Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertwnsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
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° Die Exped. -er Oberh. Ztg.