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XIII. Mgaiig

Marburg, Sonnabend, 21. December 1878

Kr. 28»

OhechksWe jritiiiio

werden

Piemont und Auvergne.

| gtej nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph

sechzig, Cöln re.; Rudolf Raffe in Berlin, Frank­furt a. M- re.

Der neue Handelsvertrag mit Oesterreich ist am 16. Dezember in Berlin unterzeichnet worden. _ Vortheilhast ist derselbe für uns gerade nicht, für die Aufrechterhaltung des Veredelungsverkehr, bei welchem Oesterreich ebensowohl interessirt ist als Deutschland, müssen wir uns die Wie­derherstellung des Rohleinen-VerkehrS und eine Reihe von -lollerhöhungen gefallen lassen. Unzweifelhaft werden durch die Bestimmungen des Vertrags wichtige deutsche Industrien empfindlich geschädigt. Wir würden uns deßwegen wun­dern, wenn der Vertrag irgendwo in Deutschland Bcfric- diaung Hervorrufen sollte. Das beste an demselben ist, daß er nur auf die Dauer eines Jahres gültig bleibt und das ist der einzige Umstand, welcher füglich-rweise mit der neuen Wirtschaftspolitik" in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Regierung hat sich als Rothbehelf zu diesem Vertrag entschlossen, weil er doch noch besser resp. günstiger für die deutsche Industrie ist, als der autonome Zolltarif Oesterreichs. Mehr zu erreichen haben der Re­gierung die Waffen gefehlt und das ist eine Schuld der freihändlerischen Richtung unserer Handelspolitik bis zum Abgänge des Herrn Delbrück. Diese Zeitbestimmung ist vielleicht nicht ganz genau. Selbst nach dem Abgänge Delbrück's war unsere Regierung nochZrechändlerisch an­gehaucht; wir erinnern uns, daß Fürst Bismarck tm Dezember 76 bei der Besprechung der Richterschen Inter­pellation über die Goldzölle Rußlands noch so ziemlich im Fahrwasser des Freihandels segelte, obgleich er als Staalsmann vollständig überzeugt war, daß der Freihandel kein Regime ist, welches den Abschluß günstiger Handels­verträge ermöglicht. Wir standen damals in dem Ueber- gangsstadium der Retorsionszölle, welches mit dem Abgänge Delbrücks begann und dem Rücktritte Camphausens endigte. Die traurigen Thatsachen, welche offen vor unfern Augen liegen, der greifbare Rückgang unserer Finanzen, dre kläg­liche Lage der deutschen Industrie scheinen inzwischen dem

injcigen nimmt entgegen; die Expedition d.Blatt es, f8l8ie d.Ännoncen-Lureaur 3Cn Th. Dietrich & Co. in jtaflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; naaienftein & Bögler in fcantfurt a- M., Berlin,

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

Müldener.

(Fortsetzung.)

Die Aermste ahnte nicht, welche Leidenschaft ganz ent­gegengesetzter Natur gerade in diesem Augenblicke in einem Herzen tobten, das Unmittelbar in ihrer Nähe schlug. J5te ahnte nicht, wie eben dieser Anblick ihres Glückes eine toeele mit glühendem Hasse erfüllte und die dämonischen Instinkte blinder Eifersucht in der unbezähmbaren Lust nach Rache zusammendränzte. _

Ihre freudigen Hoffnungen, dre sie für die Zukunft des Geliebten hegte, sollten jedoch bald zerstört werden.

Jumela hatte sich, als die beiden ihr fremden grauen eintraten, in eine Ecke deS Zimmers zurückgezogen. An­fangs glaubte sie, die Mutter und Schwester des Grasen vor sich zu sehen, bald aber wurde sie' ihren Jrrthum ge­wahr, denn die zärtlichen Namen, die Henry und Gabriele sich gaben, die leidenschaftlichen Küsse, womit er die Hand des jungen Mädchens bedeckte, ließen keinen Zweifel mehr zu.

Die Schönheit Gabrielens, der Glorienschein von Rein­heit und jungfräulicher Unschuld, der ihr Haupt umfloß, der Duft weiblicher Anmuth und himmelischer Milde, den sie um sich verbreitete, hatten die Zigeunerin zuerst geblen­det uud wie ein Zauberbild gefesselt. Sir glaubte an die Erscheinung eines Engels, der von Gott selbst entsendet worden, um den Gefangenen zu trösten.

Plötzlich aber entriß sie sich der faScinirenden Gewalt, die so viel Liebreiz und Schönheit auf sie übte, und, zur Wirklichkeit zurückkehreiid, verhehlte sie sich nicht länger daS wahre Verhältniß, in der Henry zu der Fremden stand.

Der Schmerz dieser grausamen Entdeckung, die sie au»

Fürsten Bismarck die Ueberzeugung verschafft zu haben, daß die Lehrsätze des Freihandels von einer irrigen Calcu- lation ausgingen. Die Reichsregierung hat die Lehren des Freihandels als Irrlehren erkannt und sie hat sich dem­gemäß entschlossen, zu gesunden, wahrhaft wirthschaftlichen Prinzipien zurückzukehren. In dieser Politik ist eine entschie­dene Schwenkung eingetreten; aber die Früchte werden erst reifen, wenn unsere Zollgesetzgebung reformirt sein wird. Wir müssen es daher mit aller Entschiedenheit ablehnen den schlimmen Handelsvertrag mit Oesterreich als das erste Debüt der neuen Wirtschaftspolitik bezeichnen zu lassen. Noch hat die Regierung die Waffen der Gesetz­gebung nicht, welche sie braucht, um bei den Nachbarstaaten mit Nachdruck für die Interessen Deutschlands eintreten zu können. Aber sie hat den Willen sich diese Waffen zu verschaffen und deshalb hat sie den Vertrag mit Oester­reich in seiner Wirksamkeit auf die Dauer eines Jahres beschränkt. Unser Zolltarif ist eine Ruine. Die verschie­denen freihändlerischen Sturmläufe gegen einzelne Positionen I des Tarifs haben da und dort und gerade an den wich­tigsten Punkten daö System durchlöchert. Auf diese Weise sind wir wehrlos geworden. Zollpolitische Verhandlungen I lassen sich iiicht mit wirthschaftlichen Argumenten führen, sondern lediglich mit d m argumentum ad homiuem. Wir wiederholen daher: Die neue Wirtschaftspolitik trägt nicht die Verantwortlichkeit für den Handelsvertrag mit Oesterreich!

Deutsches Reich.

* Berlin, 19. Decbr. Die Ergebnisse des jetzt zu Ende gehenden Abschnitts der Landtagssession stehen so außer Verhältniß zu der dem Landtag obliegenden Gesammtarbett, daß ebenso in parlamentarischen Kreisen wie innerhalb der Regierung die ernstesten morgen über das Resultat der ganzen Session eintreten. Denn es wird zweifelhaft, ob bis Mitte Februar auch nur die unerläßlichen Aufgaben, als welche im striktesten Sinne das Budget und die Jufttz- gesetze zu bezeichnen find, in beiden Häusern werden erledigt werden können, während andererseits die Reichstagssessivn in Berücksichtigung der großen Ausgaben, welche dem nächsten Reichstag obliegen, nicht weiter hinausgeschoben werden kann. Das Auskunftsmittel einer Nachjession für den Landtag ist aus mehrfachen Gründen kanm ernstlich in Betracht zu ziehen: denn einmal ist für die Justizgesetze ein Abschluß vor Ostern dringend wünschenSwerth, zum Theil sogar not­wendig ; ferner könnte von einer Nachsession erst für die Monate Juni und Juli die Rede sein. Unter diesen Um« ständen dürfte an den Gesammtvorstand des Abgeordneten­hauses beim Wiederbeginn der Arbeiten nach Neujahr die ihrem Himmel stürzte, zerriß ihr Herz und wie ein tödt- liches Gift drang das Wort Verrath durch ihre Seele. Derjenige, den sie mit namenloser Liebe liebt, für den sie ihr Leben hinzugeben bereit gewefen, der liebte eine Andere als sie! In seinen Blicken glänzte, so oft er sie auf diese verhaßte Andere richtete, jenes berauschende Feuer, welche» sie aus ihren eigenen Angetl sprühen fühlte, wenn sie ihn ansah, und in dem Tone seiner Stimme lag jener süße Wiederhall zärtlichster Empfindung, den sie ihren Worten gab, so ost sie mit ihm sprach.

Ein unversöhnlicher, auf Rache.sinnender Hatz bemäch­tigte sich ihrer gegen die Fremde, ein Haß, der gleich groß war wie die Liebe, die sie für den Grafen de Lourmel in ihrem Herzen trug.

Hätte sie jetzt den Dolch zur Hand gehabt, mit dem sie damals ihre Ehre rettete, sie würde sich auf Gabriele gestürzt und sie getödtet haben. Aber sie war unbewaffnet doch deshalb nicht minder im Stande, die Verhaßte tödtlich zu verwunden!

Was hatte Henry zu erwarten, wenn sie stch nicht als Diejenige bekannte, die jenen Mord in ®t Goar begangen r Sagte er nicht selbst, daß ihm seine Ehre mehr galt als sein Leben? Und wenn sie nun schwieg? Wenn der Ver­dacht auf ihm haften blieb, der so viel Haß zwischen den beiden Regimentern Piemont und Auvergne erzeugt batte, von deren Aussöhnung seine Begnaoigung abhing? Wurde diese Aussöhnung erfolgen, bevor er ganz geremtgt von jenem Makel dastand, dec an seinem Namen klebte i Alle diese Gedanken zogen durch ihren Geist, und Rache! Rache! war der ewige Refrain, der in ihrer Seele ertönte, so ost ein süßes Wort zwischen beiden Siebenten gewechselt, so oft ein zarter Kuß auf die kleine Hand gedrückt wurde, die Henry in der feinigen hielt. . ,

Gabriele war es, die zuerst die Zigeunerin bemerkte,

dringende Sorge herantreten, eine Geschäftsbehandlung zu erreichen, die wenigstens die Erledigung der unerläßlichen Aufgaben sichert. Im Kultusministerium finden schon seit einiger Zeit Erwägungen wegen verschärfender Abän­derung des 8 30 der Gewerbeordnung statt. Der betreffende Paragraph bestimmt, daß Unternehmer von Privat-Kranken-, Entbindungs- und Irren-Anstalten einer Concession der höheren Verwaltungsbehörde bedürfen, welche ertheilt wird, wenn nicht Thatsachen vorliegen, welche die Unzuverlässig­keit des Nachsuchenden in Beziehung auf den beabsichtigten Gewerbebetrieb darthun. Im Zusammenhang mit jenen Erwägungen werden zur Zeit Aufnahmen veranstaltet über die vorhandenen und über die feit Einführung der Gewerbe­ordnung entstandenen Privat-Kranken-, Entbindungs- und Irren-Anstalten, sowie darüber, wieviel dieser Anstalten unter ärztlicher Leitung stehen. In der Zeit vom 1. Juni biö Ende September d. I. sind bei dem ReichS-Eisenbahnamt 88 Beschwerden wider deutsche Eisenbahn-Verwaltungen mit Ausnahme der bayerischen Seitens des Publikums einge­gangen. Von diesen Beschwerden bezogen sich 30 aus den Personenverkehr, 43 auf den Güterverkehr, 15 auf andere Gegenstände. ES wurden als begründet erachtet 10, als unbegründet zurückgewiesen 12, zur Berücksichtigung em­pfohlen 1, wegen mangelnder Zuständigkeit der Reichsgewalt iiicht zur Kognition gezogen 18, auf den Rechtsweg ver­wiesen 19. Die übrigen 28 wurden meistens sofort an die zuständigen Eisenbahnrerwaltungen abgegeben. Von den Beschwerden betroffen siiid im Ganzen 30 Bahnverwaltungen.

Darmstadt, 19. Decbr. Die zweite Kammer beschloß eine Beileidsadresse an den Großherzog zu richten und ge­nehmigte die Gesetzentwürfe übet die Verlegung deS EtatS- jahreS auf den 1. April, Vereinigung der Staatskasse mit der Staatsschuloen-Tilgungskasse und die Vereinfachung der Budgetberathung in den Ausschüssen.

Karlsruhe, 19. Decbr. Die zweite Kammer ist heute vertagt. Dieselbe tritt etwa am 10. Januar wieder zu­sammen; der Präsident behält sich besondere Einladung zur nächsten Sitzung vor.

München, 19. Decbr. Der bayerische Landtag ist zum 7. Januar einberufen.

Würzburg, 17. Dezbr. lieber die Erschießung eines Stüdirenden erfährt derNürnb. Corr." folgendes Nähere: Karl Sicken, cand. med. aus Lichtenau in Westfalen, von der katholischen Studentenverbindung Markomannia, ein als sehr anmaßend und excessiv geschilderter Studirender, verhöhnte um Mitternacht den Militärposten an der Brücken­wache , indem er ihn, da er auch Soldat gewesen, das Exerciren lehren wollte. Er wurde von der Wache ver­haftet und sollte vom Sergeanten Kaufmann von ver 11.

I Compagnie des 9. Infanterie-Regiments, einem als sehr welche vom Grafen selbst in diesen seligen Momenten ganz vergessen worden war.

Sie wich befremdet einen Schritt zurück, als Jumela aus dem Schatten hervortrat, der sie bis jetzt den Blicken der Anwesenden entzogen hatte.

Wer ist dies? Was will diese» Mädchen hier? rief die Marquise erstaunt.

Ah, ich dachte gar nicht mehr an sie," erwiderte Henry mit der Unbefangenheit eine» reinen Gewissen«. Es ist eine arme Zigeunerin, der d'Acigny und ich einst das Leben retteten, und die mir aus Dankbarkeit einen großen Dienst erweisen will. Sie kennt den wirklichen Mörder Foncolombe's und will ihn nennen."

Ihr irrt," erwiderte Jumela,das will sie nicht. Jumela wäre bereit gewesen, für Euch zu sterben, Jumela wollte die fremde Schuld auf sich nehmen, nm Euch zu retten, allein nun mag Euch diese retten, die Ihr liebt."

Während dieser Worte kreuzten sich die Blicke der beiden Mädchen, die herausfordernd und stolz sich gegen­über standen.

Q Das Lampenlicht fiel auf Jumela's blaffe, von ihren dichten, schwarzen Haaren umrahmten Züge, in denen der Ausdruck wilden Trotzes mit den des tiefsten Seelenschmerzes kämpfte.

Jumela war wirklich schön zu nennen, nur hatte ihre Schönheit wenigstens in diesem Momente innerer Aufre­gung einen dämonischen Charakter der Gabriele unwill­kürlich beben machte.

Ihre phantastische Tracht von grellen, bunten Farben, ihr glitzender Halsschmuck von funkelnden Steinen, ihre schwarzen Haare, die dem sesselnden Kamme entronnen waren und aufgelöst über ihre Schulter herabhingen, boten ein Bild, in welchem Gabriele ihre abergläubische Vorstel­lung von Zauberinnen vergegenwärtigt sah.

Wellungen LL QutW 1879 " Bberyklstschk Zeitung und deren Gratis-Beilage

IllustrirteS Donntagsblatt bitten wir, um vollständige Exemplare liefern zu können, baldigst bei den nächstliegenden Poststellen machen zu wollen.

Die Exped. der Oberh. Ztg.

Der Haudeksvertrag mit Oesterreich.

Erscheint täglich außer an den Vertragen nad)<Zonn-gespaUem Se 10 Pfg.

Buchdruckerei, bezogen « Mark, »<?« Stabe ««den 25 ssg. berechnet.