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XIII. Jahrgang

Marburg, Donnerstag, 19. December 1878

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Ql Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Lonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SouutagSblatt" durch die Expedition (Ko ch'sche Buchdruckerei) bezogen t\ Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. sexcl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

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Tagesbericht.

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Entlassung Cairvli'S. Wie Letzterer, ist auch Depretis bei streng monarchischer Gesinnung ein Vertheidiger des ent­schiedenen Fortschritts. Nachdem er schon verschiedene Mi­nisterposten bekleidet, trat er nach der Entlassung des Mi­nisteriums Minghetti im März 1876 an die Spitze des CabinetS, mußte aber dem Ministerium Cairoli weichen. Ob es ihm jetzt gelingen wird, in der Verwirrung der Par­teien einen festen Punkt zu finden, von dem aus ein neues Cabinet mit Erfolg die Geschäfte des Landes leiten kann, ist noch fraglich.

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Gefangenschaft aussuchte.

Jumela sah sehr verändert auS. Eine krankhafte Blässe bedeckte ihr Gesicht, dunkle Ringe umgaben ihre schwarzen gerötheten glühenden Augen, nnd daS vom Regen durchnäßte Haar hing lose über ihre Schulten: herab und i verlieh ihren Zügen einen fast unheimlichen Ausdruck. ) Ihre Kleider trieften von Nässe uud klebten schwer an

Willen nachgeben müssen.

Durch tausend kleine Ausmerksamkeiten, die sie ihm wäh­rend des Marsches von Corbach nach Köln erwies, hatte sie ihn, der ihr wegen ihres Ungehorsams zürnte, zu ver­söhnen gesucht; Henry war aber kalt und schroff gegen sie geblieben, um so mehr wunderte er sich und fühlte sich nicht unangenehm davon berührt, daß sie ihn jetzt in seiner

1 war, wußte er es nicht.

Der Graf hatte für das arme verlassene Geschöpf vom ersten Tage an, als er ihr das Leben gerettet, eine gewisse Theilnahme empfunden, die übrigens auf nichts Anderem beruhen, als auf den Regungen der reinsten Nächstenliebe basirt war. Unsere Leser erinnern sich, wie sehr er sich r dagegen gesträubt hatte, daß Jumela sich dem Regimcnte anschloß. Es widerstrebte seinem sittlichen Gefühle, dieses i junge, zarte Wesen den rohen Späßen der Soldaten aus­gesetzt zu wissen, allem Jumela selbst und noch mehr seine i Kameraden, waren daraus bestanden, und so hatte er wider

ß Die Ministerkrisis in Italien ist noch nicht beendet; zu­nächst hat Herr Depretis sich der Aufgabe unterzogen, ein neues Cabinet zu Stande zu bringen und setzt zu diesem Zwecke seine Besprechungen mit politischen Notabilitäten fort. Dem König von Italien mag außerordentlich schwer fallen, den Minister von seiner Seite zu lassen, der ihm soeben mit Aufopferung seines eigenen Blutes das Leben

: geschützt hat; das constitutionelle System erforderte aber die

des Vorjahres einer Vergleichung unterzieht, so gewinnt man eine Mehreinfuhr, die nach ihrem Werthe ein Mehr von 1,252,720 Mark macht. Die Bestimmungen über die zulässige Befreiung solcher Gewerbtreibenden der Klaffe B, welche nur den niedrigsten Satz dieser Klasse aufzutreiben vermögen, von der Gewerbesteuer, find durch einen Erlaß des Finanzministers vom 2. December dahin modificirt, daß die Entschließung über die zu bewilligende Steuerfreiheit lediglich davon abhängig zu machen ist, daß der betreffende Gewerbebetrieb unzweifelhaft nach den für die Steuerverthei- lung in Klasse B maßgebenden Grundsätzen nur zur Ver­anlagung mit dem geringsten Steuersätze geeignet ist und daß zugleich besondere Umstände nachgewiesen werden, wegen deren selbst die Entrichtung des geringsten Steuersatzes als eine drückende Last für die Gewerbtreibenden erachtet wer­den muß. Hiernach köstnen die Regierungen selbstständig Steuerbefreiungen jedoch mit der Beschränkung eintreten lassen, daß es der Einholung der Genehmigung des Finanz- ministerS bedarf, wenn der Gesammtbetrag der Befreiung für jedes Veranlagungsjahr in den einzelnen Rollenbezirken der ersten Abtheilung 5 pCt., der zweiten 4 pCt., der dritten und vierten 3 pCt. deS Sollbetrages der Gewerbesteuer der Klaffe B übersteigen sollten. Bei der nächsten Veranlagung der Gewerbesteuer sollen diese Anordnungen in Anwendung kommen.

Marienwerder, 15. Dec. Im hiesigen Kreise haben sämmlliche evangelische Geistliche mit Genehmigung des Consi- stonums die Schulaufsicht niedergelegt. Das Ksönigsberger Evangelische Gemeindeblatt" bringt darüber folgenden höchst interessanten Bericht:Sämmtliche evangelische Geist­liche des Kreises Marienwerder haben die Lokalaufsicht über die Schulen ihrer Kirchspiele niedergelegt. Es wirkten mancherlei Umstände zusammen, um uns einen Schritt thun zu lassen, der einem evangelischen Geistlichen nicht leicht wird. (Es wird nunmehr Klage geführt über ungenügende Unterstützung der geistlichen Lokalaufsicht seitens der Regie­rung zu Marienwerder und das Bestreben der Letzteren, die paritäiischen Schulen einzuführen. Alsdann heißt es zum Schluß weiter:) ... Bis dahin lag allerdings die Leitung der Schule hauptsächlich in der Hand der Lokal- Schnl-Inspektoren; seitdem aber die Kreisschulinspectton aufgehört hat, ein Nebenamt zu sein, und ein für sich be­stehendes Amt wurde, ist die Leitung der Schule in die Hände der Kreisschul-Jnspectoren üvergegangen. Der Lo­kalinspektor hat ad interna nichts mehr zu sagen, ihm ist nur noch die Erledigung der äußerst zeitraubenden und unerquicklichen Geschäfte ad externa, also die Verhandlung mit den widerhaarigen Schulgemeinden und -Vorständen, die Erledigung der Versäumnißlisten, die Uebermittelung der Verfügungen an die Lehrer und dergleichen geblieben

ih und deren Gratis-Beilage

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machen zu wollen.

Die Exped. der Oberh. Ztg

5 Mkllullgen J5 'tL QtW 1879 i Dberhessische Zeitung

Der Graf sah die Zigeunerin überrascht an. Er glaubte, daß Jumela im Fieberwahne so spreche, denn Rettung? Wie konnte sie, das arme verachtete Geschöpf ihm Rettung bringen ?

Wie wärst Du dies im Stande?" erwiderte der Graf mit einem traurigen Lächeln.Wie vermöchtest Du mein Schicksal zu wenden? Das Gesetz spricht über mich den Tod auS; Niemand vermag dies zu ändern, Jumela, als nur Einer. Dieser Eine ist der König und der wird nicht wollen."

Aber Jumela will eS! Jumela läßt ihrem Lebens­retter, ihrem Wohlthäter kein Haar auf feinem Haupte krümmen," rief die Zigeunerin.Wir Kinder Aegyptens sehen in die Zukunft, wir wissen, waS geschehen wird. Schon der morgige Tag, mein hoher Herr, wird Euch die Freiheit bringen."

»Ah, wenn es Deine Wahrsagungen allein find," ent­gegnete Henry enttäuscht,auf die ich meine Hoffnung bauen soll, dann ist das Fundament zum Mindesten ein schwaches."

..Rührt Euer gegenwärttgeS Unglück nicht von einem Verbrechen her, welches man Euch aufbürdet, ohne daß Ihr es begangen habt? Oder berichtete man mich falsch?"

Nein, es ist so." ~

Nun, und wenn ich Euch bett wirklichen Mörder nenne, wird dies nicht Eure Lage wesentlich verbessern?"

Wie! um Gotteswillen sprich', kennst Du den Mörder Foncolombe'S?"

Was allen ein Geheimniß blieb," erwiderte die Zigeu­nerin,kann Jumela enthüllen. WaS Niemand sah, sah fte."

O sprich'," flehte der Graf.Bringe Licht in dieses geheimnißvolle Dunkel! Erkläre Dich, nenne den wahren

[ Piemont uud Auvergne.

Frei nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph ä I Müldener

Z ( (Fortsetzung.)

r» i i Henry hatte die junge Zigeunerin vergessen. Während i der Rasttage, die' das Regiment in Köln zubrachte, war | fte spurlos verschwunden gewesen. Als sie sodann, als daö i Regiment gegen Rhejnberg vorrückte, wieder mitmaschirt

ihrem vor Kälte schlotternden Körper, den ein weiter Mantel von grobem ungebleichtem Wollenstvffe nur nolh- dürstig gegen die frostige Witterung schützte.

Henry hob das arme Mädchen theilnehmend auf und führte es an das Feuer, welches im Karnin brannte. Hier rückte er der Erschöpften einen von den zwei höl­zernen Stühlen hin, die zu der nothdürftigen Einrichtung des Zimmers gehörten und ließ sie sanft auf denselben nieder.

Als Jumela saß, nachdem er ihr den Mantel abge­nommen hatte, stellte er sich neben Jic und sah sie voll Mitleid an.

Gutes Mädchen," murmelte er,Du kommst, mich in meinem Unglück aufzusuchen! Aber warum thatest Du dies nicht schon in Köln? Wo hast Du Dich dort aufge­halten, daß man Dich dort mit keinem Auge sah?"

Ich erfuhr Eure Verhaftung erst an dem Tage, als eS unter den Soldaten zur Erneute kam," erwiederte Ju­mela.Ich lebte zurückgezogen in einem abgelegenen Theile der Stadt uud ließ mich vor Niemand sehen, denn vor Euch, mein hoher Herr, durfte ich mich ja nicht zeigen, und doch seid Ihr es allein, um dessentwillen ich von Kassel mitzog."

Ich war unfreundlich gegen Dich," gestand Henry zu, weil ich nicht haben wollte, daß Du mitgingst".

Und doch folgte ich Euch nun auch hierher," mur­melte die Zigeunerin.Ah, und wie fürchte ich mich, zu spät zu kömmen!"

Ich danke Dir für Deine Theilnahme," sagte der Graf gerührt;gerade nach meinem Benehmen gegen Dich dürfte ich sie kaum erwarten."

Es ist mehr als nutzlose Theilnahme, die mich hier­herführt," entgegnete Jumela fast zaudernd und mit leiser Stimme, es ist die Rettung selbst, die ich Euch bringe."

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie b. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhand!. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene» in Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 17. Decbr. Eine Berliner Correspondenz derWeserztg." vom 14. December beschäftigt sich mit den Gerüchten, daß die Reichsregierung gelegentlich der Revision des Zolltarifes auch die Einführung von Vieh- und Ge­treidezölle ins Auge gefaßt habe. Dabei führt der Corre- spondent eine angebliche Aeußerung des Staatsministers Hofmann vom vorigen Frühjahr an, welche derselbe bei Gelegenheit der Handelsconvention mit Rumänien gethan haben soll. Dieses Citat wird dadurch nicht richtiger, daß der Correspondent sich auf dieKreuz-Ztg." beruft. In der Reichstagssitzung vom 14. Mai vorigen Jahres ist aller­dings die citirte Aeußerung gefallen:Ich bin überzeugt, daß keine deutsche Regierung und kein deutscher Reichstag sich finden wird, die mehrfach erwähnten Getreidezölle zu beschließen." Der Unterschied ist nur, daß die Aeuße­rung, wie der stenographische Bericht der erwähnten Sitzung ergiebt, nicht aus dem Munde des Staatsministers Hof­mann, sondern aus dem des Abg. Bamberger stammt. Von den beiden Enquete-Kommissionen, deren Arbeiten zur Zeit noch im Gange sind, wird die für die Tabaksenquete nach dem Stande ihrer Arbeiten bis Weihnachten ihre Auf­gaben erledigt haben, dagegen wird die Kommission für die Leinen - Enquete wahrscheinlich noch den Monat Januar nöthig haben, um zum Abschluß zu kommen. In den ersten zehn Monaten vom 1. Januar bis 31. Oktober d. I., verglichen mit der gleichen Zeitdauer des Vorjahres, stellte sich die Einfuhr der hauptsächlichsten britischen und irischen Roherzeugnisse und Fabrikate nach Deutschland nach den unter Aufsicht des englischen Handelsamts vom Custom- house zu London bearbeiteten Accornals relating to trade and navigation of the United Kingdom bei folgenden Artikeln höher: rohes Kupfer (ungefähr l'/t Mill. Mark), Zinn, Eisenbahnschienen (3 Mill. Mark), Dampfmaschinen und andere Maschinen, Baumwollen-Waaren, Jutegarne, Jutearttkel, gesponnene Seide, halbseidene Waaren, Wollen­garn (3 Mill. Mark), wollene Tücher, Oel, Sämereien rc. Wenn man die Gesammteinfuhr in diesem Jahre mit der

Anzeigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blatte», fatoie ».Annoncen-Bureaux nOn Tb. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a.M.; b-asenstein & Vogler in J&antfurt a. DL, Berlin, « .; Leipzig, Cöln rc.; Rudolf W« M-ffe in Berlin, Frank- iai , für: a. M- rc.

: DemBerliner Tageblatt" zufolge hätte die Tabaks-

: £ Enquete-Commission in ihrer Sitzung am Montag mit 8 ; qj gegen 3 Stimmen die Einführung des Tabaksmonopols M sbgelehnt, ebenso die Einführung der amerikanischen Fabrik- > e 'steuer, dagegen mit großer Majorität die Einführung der 2 Tabaksgewichtssteuer analog der früher von dem Minister ) r-4 Camphausen ausgearbeiteten Gesetzvorlage, jedoch mit einigen Abänderungen, angenommen.

hH DieNordd. Allg. Ztg." bespricht den deutsch-österrei­chischen Handelsvertrag und hebt hervor, die Bemühungen, _ d einen neuen Tarifvertrag zu Stande zu bringen, seien an eG den zum Nachtheile Deutschlands erhöhten Zollsätzen deö O österreichischen autonomen Tarifs gescheitert. Von deutscher Pi Seit sei bann die Verlängerung des bestehenden Vertrages . für 1879 vorgeschlagen worden. Nachdem dieser Vorschlag s von Oesterreich abgelehnt worden sei, kam es darauf an, diejenigen Bestimmungen des Vertrages von 1868 aufrecht zu erhalten, über die Einverständniß möglich gewesen. Nicht die Schaffung eines neuen Zustandes, sondern die möglichste Erhaltung des bestehenden sei der leitende Gedanke der deut- _ schen Politik gewesen. Das Blatt weist schließlich auf den £ zukünftigen neuen Zolltarif hin, welcher im Wege einer autonomen Revision zu Stande gebracht und dem öfter» c reichischen autonomen Tarif gegenüber gestellt werden solle.

Eine weitere Schöpfung werde dann vielleicht später ein * -neuer Tarifvertrag mit Oesterreich-Ungarn fein.