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Marburg, Sonntag, 15. December 1878
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London, 13. Decbr. Unterhaus. (Schluß.) Die Debatte über den Antrag Wilhbread wurde fortgesetzt und schließlich auf Freitag vertagt. Im Laufe der Debatte griff Göschen die Regierung an, erklärte aber, obwohl er den Krieg als ungerecht ansche, müsse er doch zugeben, daß für England und Rußland zusammen in Afghanistan kein Raum fei und daß hier der Einfluß Englands überwiegen muffe. — „Morning Adverliser" berichtet aus Bombay vom 12. d: Ein afghanischer Offizier traf im brilischen Lager ein und forderte die britischen Generale auf, nach Kabul vorzurücken, um in Folge einer allgemeinen Erhebung gegen die Autorität des Emirs eine neue Regierung einzusetzen. — Einem Telegramm der „Times" aus Quettah vom 12. d. zufolge ist die Garnison von Kandahar durch reguläre Truppen aus Herat und zahlreiche tur- komanifche Cavallerie verstärkt.
«oustautiaopel, 13. Decdr. Man glaubt, daß Suleiman Pascha vom Kriegsgerichte freigesprochcn werden dürfte. Die Nachricht von der Aufhebung der türkischen Gesandtschaft in Washington wird für falsch erklärt. Wie verlautet, soll Graf Corti als Bertreter Italiens hierher
der Kammer, Farini, gegen dieselbe ausgesprochen haben. Bis jetzt sei jedoch noch keine Entscheidung getroffen worden. Die parlamentarische Situatjon wird als schwierig
zurückkehren. AuS Tirnowa wird von dort stattfindenden Vorbereitungen für die Rotablenversammlung zur Wahl des Fürsten von Bulgarien berichtet; man nennt neuerlich als Candidaten den Fürsten Dondukoff und den Prinzen Reuß.
Lahore, 13. sDecbr. General Roberts meldet telegraphisch, daß er am 9. d. den Dharturgardan-Gipfel zu erreichen hoffte und dann nach Ali-Kheyl zurückkehren werde. Alle Stämme von Shaturgardan seien den Engländern freundlich gesinnt. — Die Behörden und Notabeln au» Jellalabad kamen in Dakka an, um sich den Engländern zu unterwerfen und ihre Dienste anzubieten. Das gegen den Nerjankel-Stamm aufgebrochene Expetitionscorps zerstörte Fort Cbiaci.
Wvshiugtou, 13. Decbr. Laut Bericht des land- wirthschaftlichen Bureaus ist die Fläche des mit Getreide bebauten Landes im Jahre 1878 um Ve größer als 1877; die Gesammternte wird annährend auf 425 Mill. Buschels geschätzt. — Das NatioNalcomite für Dampfschiffahrt beabsichtigt dem Congreß einen Protest gegen die siulassung fremländischer Fahrzeuge zur Ausnahme in amerikanische Register zuüberfenden.
Hessen-Nassau.
Marburg, 13. Dez. Der gestrigen Notiz über die wissenschaftlichen Vorträge dieses Winter» haben wir die erfreuliche Ergänzung nachzutragen, daß Herr Professor Dr. Carl Justi aus Bonn wieder einen Vortrag zugesagt hat und mit demselben am Donnerstag den 2. Januar den Cyklus eröffnen wird. Die Liste wird dementsprechend früher circuliren. Sollte bei der Kürze der Zeit und der Ausdehnung der Stadt die Liste einzelnen Herrschaften nicht rechtzeitig zukommen können, so wollen dieselben Nachsicht üben, und die gewünschten Karten bei den Buchhandlungen entnehmen.
Marburg, 14. Dec. Im Elwert'schen Verlage ist in den letzten Tagen der Vortrag erschienen, den Herr Pfarrer Kolbe am 16. September d. I. in der Generalversammlung der deutschen GeschichtS- und Alterthums- vereine hier gehalten hat. Damals sprach der mündliche Vortrag allgemein an und auch wer ihn jetzt lieft, wird aus demselben Vergnügen und Belehrung schöpfen. Eine erschöpfende Darstellung der Geschichte Marburgs im Mittelalter gibt derselbe sreilich nicht und will er nicht geben. Dazu liegt trotz W. Bückings fleißigen Forschungen doch immer noch zu wenig Material bereit. E« ist ihm aber gelungen, aus vereinzelten Notizen ein recht anschauliche- Bild zu gestalten. Wie mühevoll die Vorarbeiten gewesen, ersteht man erst jetzt aus den zahlreichen Anmerkungen, von denen manche, wie die über die Stadtmauer und den städtischen Kriegsdienst wohl nur deshalb nicht in den Text ausgenommen sind, weil der Vortrag die ursprüngliche Gestalt behalten sollte. — Wir wünschen der kleinen Schrift, die in der Nachbildung einer alten Ansicht der Stadt eine werthvolle Beigabe erhalten hat, recht viele Lefer. Möge sie auch zu weiteren Forschungen über die Geschichte unserer Stadt Anlaß geben.
Marburg, 12- December. Am 30. November starb zu Fulda nach längerem Leiden in dem hohen Alter von 78 Jahren 5 Monaten der Hofgärter a. D. Heinrich Schwedler, geboren zu Merxhausen, Kreis Wolfhagen. Derselbe hat bekanntlich die Gartenanlagen der hiesigen Jrrenheilanstalt mit vielem Geschick angelegt.
Marburg, 14. Dec. Wir kommen noch einmal auf die Schwurgerichtsverhandlung vom Mittwoch zurück, in welcher C. Bietz von Reddehausen von der Anklage wegen Körperverletzung mit tödllichem Erfolge freigesprochcn war, weil nach Mittheilungen von verschiedenen Leiten, namentlich auch von bei der Verhandlung anwesenoen GerichtS- perionen unser Referat sowohl, als das des Marburger > Tageblattes nicht ganz vollständig und in beiden ein entschiedener Jrrthum vorgekommen ist. Der erwiesene Vorgang war im Wesentlichen folgender: Vierzehn Bursche aus Reddehausen saßen am Abend des 14. April trinkend und singend auf Bauholz vor dem Orte, alle, darunter der Angeklagte Bietz stark angetrunken, nachdem sie ungr- sähr zehn Schoppen Branntwein mit Rum getrunken hatten. Einer, der getödtete Greif, wurde von einem Freunde nach Hause geführt, ersterer so schwer betrunken, daß er kaum gehen konnte, letzterer ebenfalls nicht sicher aus den Seinen. Beide fielen schon in der Nähe des Bauholzes zur Erde, dann dreißig Schritte davon. Greif riß seinen Freund mit zu Bosen, dieser fiel auf ihn und Greif schlug mit dem Kopfe auf die Sterne des Chauffrrrande» und blieb unbeweglich liegen. .Da kam
Wie«, 13. Dezbr. „Presse,, und „Fremdenblatt" melden: der mit Deutschland auf die Dauer EincS Jahres abgeschlossene Meistbegünstigungsvertrag wird Mittwoch dem Abgeordnetenhause vorgelegt und soll noch vor Weihnachten erledigt werden. — Der WehrauSschuß des Abgeordnetenhauses lehnte mit 5 gegen 4 Stimmen die Verlängerung der Wirksamkeit des Wehrgesetzes ab und beschloß, in der Berathung der Vorlage betreffs der Bewilligung des Recruten-Contingentes einzugehen. Dem letzteren Gesetze wurde auf Antrag Hackelberg's ein zweiter Artikel beigefügt, welcher die Wirksamkeit des Gesetzes davon abhängig macht, daß in Ungarn die Bewilligung des Recruten-Cou- tingents pro 1879 in gleicher Höhe 'wie im Vorjahre erfolge. — Meldung der „Polit Corresp." aus Pest. Die Negotiationen bezüglich des DomLnen-AnlehenS sind dem befriedigenden Abfchluß nahe. Die Ratification wird Ende der nächsten Woche erwartet, wenn der neue Finanzmini- ster Szabary ans Wien eintrifft, um mit der Creditanftalts- Gruppe persönlich osficielle Fühlung zu nehmen.
Brr«, 13. Dezbr. Dem „Bund" zufolge hat der BundeSrath dem anarchistischen Blatte „«'Avantgarde" in Chauxdefons den Postdebit entzogen und den Verleger ermahnt, von dem ferneren Vertriebe des Blattes vorläufig abzustehen, widrigenfalls der BundeSrath denselben durch die Neuenburger Regierung, welche mit der weiteren Untersuchung der Angelegenheit betraut ist, inhibiren würde. — Hiernach sind anderweitige Nachrichten zu berichten.
Rom, 13. Decbr. Wie versichert wird, soll der Ministerrath mit 7 gegen 2 Stimmen die Auflösung der Kammer beschlossen haben, im Falle die Krone hierzu ihre Zustimmung gibt. Der Präsident des Senates, Tecchio,
schaftlichen, staatlichen und kirchlichen Verhältnisse ausgesprochen. Daß die Erregung des Klassenhasses auch dieselbe geblieben, wird aus mehreren andern Artikeln nachgewiesen, worin von dem Spieß- und Mastbürgerthum die Rede sei. Im Zusammenhang mit der aus den bisherigen Leistungen des Blattes ersichtlichen Tendenz ergebe sich unzweifelhaft, daß der angeführte Artikel unter die Kriterien des Gesetzes falle.
Darmstadt, 13. Decbr. Bulletin von Vormittags 9 Uhr. Nachdem in den letzten Tagen die Bösartigkeit der Erkrankung der Großherzogin immer stärker hervorgetreten, ist deren Zustand heute im höchsten Grade besorg- nißerregend. Unter abermaliger Steigerung des Fiebers ist heute Morgen auch der Kehlkopf ergriffen. — Bulletin von Nachmittags 2 Uhr. Der Krankheitszustand der Großherzogin ist noch immer andauernd und in hohem Grade besvrgnißerrcgend. — Bulletin von Abends 7 Uhr. Der Krästezustand der Großherzogin hat sich im Laufe des Nachmittags erheblich verschlechtert. — Die erste Kammer hat dm Gesetzentwurf bett, die Prorogation des Finanzgesetzes für das erste Virteljahr d. j. 1879 genehmigt.
Mönche«, 13. Decbr. Das hiesige Ober-Appellationsgericht verwarf die Nichtigkeitsbeschwerde deö wegen Beleidigung des Kaisers verurtheilten Dr. Trettenbacher und bestätigte die in erster Instanz verhängte Strafe von 8 Monat Festungshaft.
Ausland.
Meldung der „Polit. Corresp." aus Konstantinopel vom 12.: Es finden fortgesetzt Ministerberathungen statt. Der Reform-Hat wird für nächste Woche erwartet. Be- züalich der äußeren Fragen wird die Ankunft Karatheodort Paschas abgewartet. Inzwischen hat der Ministerrath den Beschluß des früheren Cabinets hinsichtlich der Ernennung von Delegirten für die griechische Grenregulirung genehmigt. Bezüglich der mit Oesterreich und Rußland schwebenden : Kragen walten noch bedeutende Schwierigkeiten ob. Loba- ; noff stellte die Räumung eines TheileS von Rumelien sofort nach Unterzeichnung de« Vertrages in Aussicht.
Tagesbericht.
In Berlin wurde der Meistbegünstigungsvertrag von den deutschen und österreichischen Unterhändlern auf ein -fahr am Donnerstag Abend abgeschlossen. Der „Vossi- Icken sita " zufolge werden das Appretur - Verfahren und ^r Rohleinenverkehr ausrechterhalten, letzterer in befchrank- tem Maße durch Verminderung der Zahl der Markte. Der Bleicherei-Verkehr wird der beschränkenden Controle entkleidet, der Grenzverkehr mit Garü von tätigen Beschränkungen befreit. Gleichstellung der auS Oesterreich kommenden Eisenbahnfrachten mit deutschen ist grundsätzlich vereinbart.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b Blatte» foteieb. Annoncen-Bureaux von G L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Beilin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen-
•• Berlin, 13. Decbr. Dir Reichsbeschwerde-Commission hat dem Vorstand der „Allgemeinen deutschen Asso- ciationSdruckerei" vor einigen Tagen einen zurückweisenden Bescheid auf die Beschwerde wegen des Verbots der „Berliner Freien Presse" zugehen lassen. Die Beschwerde hatte behauptet, daß es unzulässig sei, wenn die Verfügung des Polizeipräsidiums auf verschiedene vor dem Inkrafttreten des Gesetzes veröffentlichte Nummern zurückgegriffen habe. Die Rrichskommijston führt dagegen unter Hinweis auf die betreffenden Reichstagsverhandlungen auS, daß bei dem gänz- Üchen Verbot einer Zeitschrift auf Grund des Verbots einer einzelnen Nummer keineswegs abzusehen sei von dem Inhalt früherer Nummern und der aus denselben erhellenden WSLLL ÄÄMuÄ I ÄM* Morden sollen als Ne bisherige Haltung dcS Blattes für sich > hpr <?ammfr- $arinl- aCden *)ie,elbe ausgesprochen haben, allein ein Verbot nicht begründen könne, aber es habe nicht ausgeschlossen werden sollen, daß die Behörde, sobald sie in einer neuen Nummer die Kriterien des Gesetzes fände, bei der Entscheidung über das gänzliche Verbot auch die frühere Haltung berücksichtige. Daß nun in der „Berliner Freien Presse" Bestrebungen, wie sie das Gesetz verfolgt, überhaupt nicht zu Tage getreten seien, ist in der Beschwerde nicht einmal behauptet. Es gehe in der That die strafbare Tendenz durch alle Nummern. Was nun die Nummer vom 25 Oktober betrifft, so werden mehrere Artikel bezeichnet, nach welchen das Blatt an jener Richtung sesthält; unter andern ein Artikel, der unter persiflirendem^Hinweis auf die von den andern Parteien zu erwartende Lchätigkeit das Aushören der fozialdemokratischen Agitation ankündigt. Man werde eS den Schutzzöllnern überlassen, die moderne Wirth- schastrnsorm mit ihren Folgen aufzudecken, den Virchows und Genossen die Unhaltbarkeit der überlieferten Religion darzu- thnn, den Einheitsfanatikern den Glauben an die Legitimität und das GotteSgnadenthum nicht wieder aufkommen zu lassen; die Sozialdemokratie könne zurücktteten, da ihre Arbeit von Andern besorgt werde, die ihre Feinde sein sollen. Die Commission führt aus, eS sei in diesen Worten alS da» Ziel der Sozialdemokratie und insbesondere der „Berliner Freien Presse" der Umsturz der bestehenden wirth-
...eigen nimmt emgegen U Wpeditiim b.Blattei t* ^»e d.Ännoncen-Bureau « Mn Th. Dietrich & Go. i fcffel und Hannover; Tt X* strich in Frankfurt a.M.
ggafenftein & Bögler i itentjurt a. M., Berlu äynjig, Cöln ic.; Rudol N-ffe in Berlin, Fran furt ü. 'UL ic. _
Buchdrucker-,) bezogen A» w ^ Expedition zu ertdeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 2» Pf«, berechnet.
_ - Der Reichsanzeiger" pnblicirt das Verbot einer zu $ Lackaur-de-Fonds im Ganten Neufchatel erscheinenden socta- i liWcben Zeitschrift: „«'Avantgarde", in der, wie schwelze- ' NnBlLtternzu entnehmen, unverhohlen der Fürstenmord gepredigt worden ist. Gleichzeitig wird ans der Schweiz gemeldet, die Bundesregierung habe die Regierung des Cantons Neuenburg „eingeladen", das Blatt zu unterdrücken. Man fängt also auch in der Schweiz an einzu- sehen daß man unbeschadet des AsYlrechteS doch auch Pflichten gegen das Übrige Europa hat. - Ein neues Symptom Attentats-Krankheit ist in England aufgetaucht. Man hat gegen einen Franzosen, welcher gedroht Hat, er werde die Königin erschießen, das strasgerlchtliche Verfahren ein- gleitet. Es scheint, daß eS sich um einen überspannten Menschen handelt, den man wohl mit Beschleunigung aus s dem Lande schaffen wird.