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Marburg, Freitag, 13. December 1878
XIH. Jahrgang
OdcrlitUchk jcitiiiij
fhetrii in Frankfurt a.M. gj Eisenstein & Bögler i
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•äjriae« nimmt entgegen: w Expedition d.Blatte-, ^lid-Ännoncen-Bureaur ggn ld- Dietrich & Co. ia Mel und Hannover; Th.
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nig ist der Gesalbte des Herrn, vor dem Mare hat er Krone empfangen. Seine Salbung ist aber auch die, iß er mit dem Volke zusammenwuchs durch die wunderen Schicksale seines lange« Lebens, wie er für das lk und es für ihn litt und stritt. Ist daS nicht Sal- g des in der Geschichte waltenden Gottes? Aber noch hr. Der König ist ein christlicher König und wir sind christliches Volk. -Die Andersgläubigern unter uns gen die christliche Freiheit genießen, aber wir wollen, christliches Volk um einen christlichen Herrscher uns aren; darum wölbt sich über dem staltUchen schlosse Kuppel des Gotteshauses, darum läuteten die Glocken Einzuge des Kaisers, darum sagte der König seinen en: Sorgt, daß dem Volke sein Bestes erhalten ibe: der Glaube. — DaS war Hülfe vom Herrn, daß hrend das theure Leben genaß, auch wir anfingen zu Lesen. Wir sind noch weit vom Ziel. Aber wir haben onnrn, zu erkennen, wie tief wir gefallen. Die Glocken fingen den Kaiser, wie zur Kirche stand das Volk.
lk, daß es nun lerne, in deinem Namen Panier aus- Wir haben gebetet. Nun danken wir. Der
ml-königs Jesu Christi; in diesem Panier wollen wir eien, danken, geloben." Unter diesem Panier beten wir,
Hturnte und der König erschien in Begleitung des kleinen 3 »liege. Er schritt zwischen den beiden Reihen der sich SM verneigenden Menge durch und begab sich die Gallerte « Mang nach seinen Gemächern.
5 Ihm zur Linken ging der Marschall BelliSle, der ihm Hke Zweifel sehr wichtige Dinge mitzutheilen hatte, wie l wenigstens aus dem Eifer zu entnehmen war, mit welchem _j t halblaut in den König hineinredete. Zur Rechten Sr.
Majestät befand sich der Prinz de Beauvais, der seine >licke über die Anwesenden schweifen ließ, als suche er «nanb.
In der Thai waren es Frau de Castries und Gabriele, ach cnen er sich umsah und die er auch bald in der seilen und dritten Reihe der vor ihnen stehenden Herren vd Damen bemerkte.
Piemont «ad Auvergue.
nach dem Französischen des A. Fi6vee, von Rudolph Müldeuer.
T', (Fortsetzung.)
Man erkundigte sich mit Neugierde nach ihren Namen, Ite sich die verschiedenartigsten Vermuthungcn über die kotive ihrer Anwesenheit ins Ohr, machte ihnen aber all Platz, da selbst her Frivolste vor diesen zwei leben»1 e Bildern des Schmerzes und der Trauer Ehrfurcht fand.
Bald daraus öffnete sich die Flügelthür am unteren ä stbe der Gallerte. Ein vorausgehender Ceremonienmeister vchte mit seinem Esponton dreimal auf die Mamorplatten 4 A Fußbodens und gab damit das Zeichen, daß der König g H nahe.
Ä Die Höflinge drängten sich nun zurück, um Spalier 2 l bilden; das Geräusch der murmelnden Stimmen ver-
Beherzigevswerthe Worte
- weil es, die Hofprediger Dr Bauer am Sonntag, den i 6. December, in der Domkirche zu Berlin bei Abhaltung A W Dankgottesdienstes in seiner Predigt der zahlreich versemmelten Gemeinde an's Herz legte. Nach einer Skizze z kt „N. Pr. Z." theilen wir sie auch unseren Lesern mit.
Nie, so hieß es etwa im Eingänge, haben wir ein «lches Fest gefeiert. Die Freude über die Heimkehr und Senesung unseres Kaisers soll jedoch der über die Ankunft ks Adventskönigs keinen Abbruch thun; ich bin der Zu- r erficht, unser Kaiser hat keinen sehnlicheren Wunsch, als Z «ß mit ihm Christus einziehe, daß überall ein Panier Hche, daS Panier unseres Gottes; im Namen unseres Holles werfen wir Panier auf, „das Panier unseres Ad-
*t aß wir Erlösung finden. Wohin sind wir gekommen! •3 1 Bir stehen vor einem Abgrunde, in den alle Ehrfurcht, ä$ ■ Hebe und Treue hinabzusinken droht. Wohl steht hinter tat Verbrecher eine Partei, aber wo waren die guten 'S \ Parteien, die einen Damm gegen das Verbrechen hätten As ^richten sollen? Wir alle haben gesündigt; waS ge-
hehen ist, ist du Zeichen vor dem jüngsten Tag. ES W s mahnen, zu streiten unter dem Panier des höchsten kmgs. ES kam der furchtbare Frevel in der Zeit des ^ingstfestes; niemals ist wohl mehr gebetet worden, als ] i der darauf folgenden Zeit; wir beteten: Nur, einmal, r, laß uns noch unseren Kaiser sehen, hllf unserm
Er winkte ihnen, sich dem Eingänge der kleinen Appar-
Gebete drangen aus dem Jubel hervor. Es war, als ob wir uns aufgerafft hätten; im Namen unseres Gottes werfen wir Panier auf. Unter dem Panier des Advents geloben wir Umkehr zu dem lebendigen Gott. Gesegnet sei das Kriegsheer, aber nicht Roß nicht Reisige schützen die steile Höh. Gesegnet sei die Wissenschaft. Aber keine Bildung ohne Glaube. Gesegnet sei jeder ehrliche Erwerb. Gott gebe Segen unserem armen erwerbslosen Volke — aber an Gottes Segen ist alles gelegen. Gesegnet sei die Freiheit; aber wenn sie zur Zügellosigkeit wird, müssen wir sprechen: 9tur wen der Sohn frei macht, der ist recht frei. Was uns noth thut, ist Umkehr. Schaaren wir uns um dies Panier. Wenn wir unserem LandeS- vater ein Geschenk machen wollen, so laßt uns geloben: Wir wollen dem Herrn dienen. Thut die Augen aus, habt den Muth, in den Abgrund hineinzuschauen. Bedenkt daß unser deutsches Volk trotz aller seiner Erhebungen erniedrigt ist. Die Gerechtigkeit, die ein Volk erhöht, ist allein die vom Herrn kommt. Vergiß mein nicht! ruft er unS zu: Ich tilge deine Sünden, wie eine Wolke! — Kehre dich zu mir. Wir thun es: Wir schaaren uns fest zusammen, in Königslrene in Christustreue, in Begeisterung für das Vaterland, in der Arbeit für das Reich Gottes. Treten wir heut von neuem zusammen und rufen eS als unsere Losung in das Land hinaus: Im Namen unseres Gottes werfen wir Panier auf.
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgenden Erlaß des Kaisers an den Kronprinzen vom 5. d.: Mein freundlich geliebter Sohn! ,?Als im Laufe dieses Jahres die verbrecherische That eines zu argem Entschlüsse gelangten Verirrten Mr die Nothwendigkeit auf erlegte, einstweilen auf die Ausübung Meines fürstlichen Berufes zu verzichten, übertrug Ich Ew. kaisepl. Hoheit mit Hinblick auf die Bereitwilligkeit, welche Ich bei Ihnen kenne, wenn es gilt, dem Vaterland zu dienen, an Meinerstatt die Leitung der Regierungsgeschäfte. Es ist mir ein HerzenSbedürfniß, Ihnen für die mit voller Hingebung unv sorgsamer Beachtung Meiner Grundsätze erfolgreich geführte Vertretung Meinen innigen Dank auszusprechen. Die Gewißheit, daß die schwierigen Ausgaben der Regierung in dieser tief bewegten Zeit von Ew. kais. Hoheit mit fester Hand zum Heile des Volkes wahrgenommen werden würden, hat Mich nicht getäuscht, Henn es war Mir vergönnt, mit wachsender Befriedigung den Gang der Regierungsgeschäfte während dieser Zeit zu beobachten. Der Mir dadurch gewordenen Ruhe und Zuversicht verdanke Ich wesenttich, daß Meine Genesung so rasch vorgeschritten ist. Jetzt wo Ich tementS zu nähern und .dort stehen zu bleiben. Gott sei Dank, es gelang ihnen auch, sich durch die compacte Menschenmasse durchzuarbeiten und zu gleicher Zeit mit dem Könige an der Thürschwelle anzukommen.
r Um noch unbemerkt zu bleiben, machten sich die beiden Damen kleiner und deckten sich hinter einem breitschultrigen Leibgardisten, der hier als Wache stand.
Der König kehrte sich unter der Thüre nochmal« um, verabschiedete mit einer gnädigen Handbewegung den Marschall Bellisle und' seine übrige Begleitung, grüßte dann nochmals in seiner anmuthigen Weise alle Anwesenden und überschritt die Schwelle seines KabinetS.
Dies war der Moment, der von der Marquise de Castries und Gabriele benützt werden mußte, um mit dem Könige gleichzeitig einzutreten. Der Prinz de Beauvais schob den Gardisten bei Seite, öffnete den beiden Damen einen Durchlaß und drängle sie in das Kabinet, dessen Thür er hinter ihnen schloß.
Das Rauschen ihrer Kleider verrieth dem Könige, daß er nicht allein sei. Er kehrte sich erstaunt um und sah die beiden Trauergestaltenj, die in diesem Augenblick ihm zu Füßen fielen und wie auS einem Munde das Wort „Gnade" riefen.
Tie Züge des Königs verfinsterten sich und einen Schritt zurücktretend, blickte er schweigend die beiden Frauen an. Es war ein Moment unbeschreiblicher Angst für die Marquise und ihre Tochter, ein Moment, von welchem sie fühlten, daß das Leben Henry's davon abhing.
„Gnade, Sire!" hauchte Gabriele.
Ohne Zweifel mußte den König dieser Ton tiefinnersten Schmerzes bewegen, denn er trat jetzt den beiden Knieenden näher und beugte sich huldvoll zu ihnen hinab.
„Erheben Sie sich doch, Frau Marquise, erheben Sie
mit demüthigem Dank gegen die göttliche Vorsehung eS preise, daß durch deren Gnade Mir vergönnt ist, wieder mit eigener Kraft und Hand die Pflichten Meines fürstlichen Berufes zu erfüllen, wiederhole Ich Meinen väterlichen Dank und verbinde damit als Kaiser und König die vollste Anerkennung für Ihre treu geübte Wirksamkeit in dem Bewußtsein, daß daS deutsche, sowie da« preussische Volk von der gleichen Gesinnung der Erkenntlichkeit für Sie durchdrungen sein wird. Ich verbleibe mit aufrichtiger Freundschaft Eurer Hoheit freundwilliger und liebender Vater Wilhelm.
Der Kaiser hat die Genehmigung zur Aufstellung eine« Obelisken auf dem „Potsdamer Platz" zum Andenken an den Einzugstag ertheilt. Dienstag Abend ist ein CornitS zur Herstellung des Obelisken in Granit und Bronce zu- fammengetreten. An dieser Sitzung nahmen u. A. Theil der Oberbürgermeister v. Forckenbeck, Renleaux, Hitzig, Geheimrath Hartwig, Geheimrath Schöne. Das Comitö beschloß, sich durch Cooptation bis auf etwa 100 Mitglieder zu verstärken und von den Baumeistern Kyllmann und Heyden, welche den Obelisken entworfen, einen Kostenanschlag für die Ausführung einzufordern. Das durch Cooptation verstärkte Comits wird über die Beschaffung der Geldmittel Beschluß fassen und wahrscheinlich alSdann einen öffentlichen Aufruf zur Betheiligung erlassen. Herr v. Forckenbeck stellte für die nächste Comitssitzung eine geeignete Lokalität im Reichstagsgebäude zur Verfügung.
In der henke, Mittwoch, stattfindenden Plenarsitzung des Bundesrathes steht der Antrag der beiden Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen, sowie für Handel und Verkehr betreffs der vorn Reichskanzler beantragten Einsetzung einer Kommission für Revision deS Zolltarifs zur Berathung. Der Antrag der Ausschüsse geht in der Hauptsache dahin: zum Zwecke der Revision des bestehenden Zolltarifs eine 15 Mitglieder zählende aus Beamten des Reiches und der Bundesstaaten bestehende Kommission einzusetzen, von denen 3 durch den Reichskanzler, 3 durch Preußen, 2 durch Baiern, je eines durch Sachsen, Württemberg, Baden, Hessen, Mecklenburg, Weimar und die Hansestädte ernannt werden; den Vorsitzenden ernennt der Reichskanzler au« der Zahl der Mitglieder.
Der Abg. Dr. Paur hat mit Unterstützung der Fortschrittspartei nachstehende Interpellation eingebracht: Ist die Kgl. Staatsregierung in dem Falle, daß dieselbe für die nächste Session die Vorlegung des Unterrichtsgesetzes in bestimmte Aussicht zu stellen nicht vermag, wenigsten» geneigt und dazu im Stande, in nächster Frist 1) die Pen-
sich, mein Fräulein! Zu unseren Füßen ist nicht der Platz für die Frau und Tochter eines unserer tapfersten Generäle."
„Aber es ist der Platz für Diejenigen, welche Gnade und Milde Eurer Majestät anflehen," versetzte Frau de Castries.
Ludwig XV. ergriff die Hand der Marquise und nöthigte sie, aufzustehen; dasselbe that er mit Gabrielen, auf deren blassen, sausten Zügen er einen Blick voll Wohlwollen und Theilnahme ruhen ließ.
„Ich kenne die Ursache ihres Schmerzes," sagte er nach einer kleinen Pause. Gern möchte ich Ihre Thränen trocknen, aber ich kann, ich darf es nicht. Herr de Lour- mel hat sich schwer vergangen; er, mehr als jeder Andere, hätte einen Constict vermeiden sollen. Statt dessen war er es, der das Duell auf eine brutale Weife provocirte."
„Ach, Ew. Majestät sind falsch berichtet!" rief Gabriele. „Henry wurde in seiner Ehre schwer verletzt. Sire, Sie selbst müßten jeden Edelmann, der eine solche Beschimpfung ruhig hinnehmen würde, statt sie mit feinem Blute abzuwaschen, für unwürdig erklären, je wieder vor dem Antlitze Ew. Majestät zu erscheinen. Ich felbft, als seine Braut, würde den Grafen verachten, wenn er den schändlichen Angriffen seines Feindes nicht in der Weise begegnet wäre, wie er es that."
„Man sieht, daß das tapfere Blut de Castries in Ihren Ädern fließt," sagte der König, indem er Gabriele mit großem Wohlgefallen betrachtete.
„Verzeihen Sie, Sire, ihre zu freimüthige Rede um der Wahrheit willen, die sie gesprochen," bat Frau de Castries; „denn es ist so. Mein Neffe zog seinen Degen nur, nachdem er auf das Abscheulichste beleidigt worden war."
„Diese Beleidigung, von der Sie sprechen, Madame, ist nicht erwiesen," erwiederte der König. „Ich bebaure