LIU. Jahrgang
Marburg, Donnerstag, 12. December 1878
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TrgeSdericht.
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fahrungen äußern. — In einer unlängst ergangenen Verfügung des evangelischen OberlirchenrathS wird der Ansicht beigetreten, welche in dem Bericht eines Consistoriums ausgesprochen worden, daß die Aufstellung der Eigenschaft eines Grundbesitzers als eines neuen Erfordernisses für die Wählbarkeit in die kirchlichen Gemeinde-Organe eine Abänderung der Synodalordnung von 1873 enthalte. Eine solche Aen- derung kann auch nach der Auffassung des Oberkirchenraths nur durch die Gesetzgebung herbeigeführt werden. — Im Reichsjustizamt ist, wie wir hören, ein Gesetzentwurf, die Sicherung der Realgläubiger von Eisenbahnen betreffend, ausgearbeitet worden, der in nächster Zeit einer kommissarischen Berathung innerhalb der bctheiligten Stellen unterliegen soll. Es lehnt dieser Entwurf sich im Großen und Ganzen dem an derselben Stelle bearbeiteten Gesetz, daS Faustpfandrecht für Pfandbriefe betreffend, an und beabsichtigt im Wesentlichen die Einführung eines Grundbuchs für Forderungen, welche Gläubiger der Eisenbahngesellschasten in Bezug auf daS Grundeigenthum derselben haben, die bekanntlich unter der Bezeichnung „Prioritäts-Obligationen" ein Handelsobjekt der Börsengeschäfte bilden. Die kürzlich verbreitete Angabe, daß dieser Entwurf einem österreichischen Gesetz nachgebildet worden, kann nicht richtig sein, da der deutsche Entwurf alle für den Realgläubiger entstehenden Weitläufigkeiten bei Seite läßt und nur den Kernpunkt ins Auge faßt, welche Sicherheit den Realgläubigeru an dem Grundeigenthum der Gesellschaft verschafft werden soll.
Dresden, 10. Dec. Das einflußreichste Organ der Socialeemokratie Sachsens, die „Dresdener Volkszeitung", ist von der hiesigen Kreishauptmannschaft auf Grund des Socialistengesetzes verboten worden.
Darmstadt, 10. Dec., 10 Uhr 55 Min. Ein soeben erschienenes Bulletin meldet: Nach einer sehr unruhigen Nacht hat sich bei der Großherzogin das Fieber aus gleicher Höhe erhalten. Die diphteritische Erkrankung auf der linken Mandel und Rachenschleimhaut ist im Fortschreiten begriffen. Die Lymphdrüsen der linken Halsseite sind stärker angeschwollen. — Ein Bulletin von 6 Uhr Abends meldet: Bei der Großherzogin hat das Fieber keine Steigerung erlitten, wie solche Abends einzutreten pflegt. Die Ausbreitung der Membranen erstreckte sich wie zu erwarten war, auch auf das Zäpfchen. Der Kräfte- zustand ist bis jetzt nicht besorgnißerregend.
Stuttgart, 10. Dec. Die Kammer der Abgeordneten bewilligte heute das Gehalt des Ministers des Auswärtigen für den Ministerpräsident v. Mittnacht, welcher vom Justizministerium zurücktritt; desgleichen nach kurzer Debatte, wobei Mayer (Volkspartei) für die Vorlage eintrat, die Etats der Gesandschaften in Berlin, München, Petersburg und Wien.
Die dem Abgeordnetrnhause zugegangene umfangreiche rbersicht über den Stand und Fortgang der Staats- ismdahnbauten gibt in Bezug auf die meisten der Unter- ckmungen in erfreulicher Weise der Erwartung Raum, »tz an den für dieselben bewilligten Mitteln erhebliche irfparnisse werden erzielt werden. Hervorzuheben ist »bei die Minderausgabe für den Bau der Bahn Kassel- cha-Waldkappel. Die Ersparniß wird hier voraussicht- ch über 5 Millionen Mark betragen, und zwar wird leselbe dadurch herbeigeführt, daß die Strecke nur als sahn minderer Ordnung zur Ansführung kommt. Es ist »mit der praktische Fingerzeig gegeben, wie die Eisenbahn- Mast in Zukunft beträchtlich ermäßigt werden kann, jrbcrschreitungen der bewilligten Summen stellt die lieber« chl außer für die Strecke Godelheim-Northeim und den Imbau des Bahnhofes Osnabrück nur für die Bahn Äls bis zur Neichögrenze bei Sink, die Fortsetzung der ierlin-Wetzlarer Lahn in Aussicht. Dafür werden aber ei der Berlin-Wetzlarer Bahn infolge der Mitbenutzung er Main-Weser-Bahn auf einer längeren Strecke, als asprünglich beabsichtigt war, die Mittel voraussichtlich zu nem erheblichen Theile nicht zur Verwendung gelangen. )ie Eröffnung der ganzen Linie von Berlin bis Sierk immt die U-bersicht für das Frühjahr 1879 in Aussicht.
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Gegen 10 Uhr Nachts kam Herr de Beauvais zurück. Aus seiner Mime war nichts Gutes zu entnehmen. Weder dic Herzogin noch ihre beiden Schützlinge täuschten sich in der düstern Miene mit der er eintrat.
„Nun?" nes Frau de Castries mü fieberhafter Angst.
„Wir haben Unglück," antwortete der Prinz traurig. Der König geht morgen nach tot. Cloud und übermorgen nach Fontainebleau, wo er einige Tage verweilen wird und Niemanden sehen will."
Die Marquise und Gabriele sanken wie vernichtet in ihre Stühle zurück. Sie überließen sich ohne Rückhalt ihrem Schmerze und bedeckten mit chrcn Taschentüchern ihre Augen, denen ein Strom von Thränen entquoll.
Die Herzogin von Polinac benützte Liesen Moment und richtete einen unmhig fragenden Blick auf den Prinzen, Die Antwort, die dieser ihr in gleicher Weise gab, ließ keinen Zweifel über den Sinn zu, der seinen Wortm beizulegen war.
Frau de Polinac führte ihn in eine Fensternische.
„Der König will sie nicht sehen?" fragte sie mit leiser Stimme.
„Leider nicht," erwiederte der Prinz. „Gerade als ich Se. Majestät von ter Sache in Kennlniß fetzen wollte, kam ter Herzog de Belliöle dazwischen und schnitt mir das Wort ab. Er erstattete Sr. Majestät über das Duell Bericht, was er in den schwärzesten Farbm that. Der König gerieth in großen Zorn und erklärte, daß er einsehe, wie nöthig ein abschreckendes Beispiel sei und daß er es geben wolle."
„Armer junger Mann! Arme Gabriele!" seufzte die Herzogin.
„Trotz des Unmuthes Sr. Majestät," fuhr der Prinz fort, „nahm ich cö auf mich, von Frau de Castries und ihrer Tochter zu sprechen und den König um die Erlaub
Dentsches Reich.
** Berlin, 10. Decbr. Die in verschiedenen Corre- spondenzen immer wiederholte Angabe, daß die Verhandlungen über den Handelsvertrag mit Oesterreich im Begriff seien zu scheitern, werden dadurch entkräftet, daß dieselben ununterbrochen fortdauern, also doch wohl noch nicht ohne Aussicht auf Erfolg fein können. — Die Reichsbeschwerde- kommifsion hat die Beschwerden wegen deö Verbotes des „Pionier" in Hamburg und des in Braunschweig erscheinenden VolkSkalenders für 1879 als nicht begründet zurück- gewiesen. In der zweiten Beschwerde war zugleich der Antrag gestellt, diejenigen Artikel oder einzelnen Stellen des Kalenders zu bezeichnen, welche auf Grund des Sozialistengesetzes nicht beanstandet werden und den Grundsatz auszusprechen, daß eine auf Grund dieses Gesetzes verbotene Druckschrift dann nicht mehr als verboten anzusehen sei, wenn alle Stellen, welche das Verbot veranlaßt hätten, entfernt würden. Die Kommission hat den Antrag mit der Begründung zurückgewiesen, sie habe es mit der Prüfung des Inhalts der Druckschriften, wie dieselbe zur Zeit des Verbotes und bei der Entscheidung über die Beschwerde vorliege, zu thnn, sie habe ausschließlich die Frage zu entscheiden, ob in Bezug auf die zur Zeit vorliegende Druckschrift das Verbot gerechtfertigt fei ober nicht. Die Frage, ob eine andere Druckschrift, welche einen Theil der verbotenen repro- dnzirt, nach dem Gesetz zu verbieten sein würde, unterliege nicht ihrer Entscheidung. — Das jetzige Auftreten des Cen- trnms bestätigt durchaus die Auffasfung, daß die Partei die Verhandlungen mit Atom zu stören und womöglich zu vereiteln beabsichtigt. Alle Sophisterien, wie sie die „Germania" in ihrem gestrigen Leitartikel zum Besten giebt, werden die Thatsache nicht hinweg bringen, daß Niemand der Meinung sein kann, die Aufrührung neuer leidenschaftlicher Debatten werde für daS Gelingen der zwischen Deutschland und Rom geführten Verhandlungen eine günstige Athmoöphäre erzeugen. — Der Kultusminister hat alS Ches des Medizinalwesens die Regierungen zum Berichte darüber auf gefordert, in welchen Städten die künstliche Wasserversorgung eingeführl ist und aus welche Weise daS dazu benutzte Wasser entnommen ist, ob durch Leitung von natürlichem Quellwasser, durch Grundwasserleitung, ober durch Filteration von Grundwasser. Auch sollen die Regierungen sich gleichzeitig über die in dieser Richtung gemachten Er
der Ausführung des Berliner Vertrages. Die Türken werden gut thnn, sich zu beeilen und nnS ernste Garantien ihrer guten Absichten zu geben. Was uns betrifft, so wünschen wir sehnlichst den Frieden und werden wir unsererseits all' unsere Verpflichtungen erfüllen."
Piemont »nd Auvergne.
fiel nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph Müldener.
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| (Fortsetzung.)
IT „Der König weiß noch nichts von dieser traurigen Angelegenheit," erwiederte der Prinz, nachdem er voll Theil- zWhme die Marquise bis zu Ende gehört hatte. „Es ist WErs ein glücklicher Umstand, denn es kommt Wes darauf IW, daß sie die Ersten, sind, die ihm die Sache Erträgen. Willes hängt von dem ersten Eindruck ab, der auf ihn ge-
niß zu bitten, ihm die beiden unglücklichen Damen vor- stellen zu dürfen. Aber er lehnte eS entschieden ab. „„Gott bewahre!"" rief er, „„hüten Sie sich wohl! Ich wäre im Stande, mich rühren zu lassen, uno dies darf nicht sein, denn es muß ein Beispiel ftatuirt werden!""
„Sind dies die Worte des Königs?"
»Ja"
",Nun Wohlan, Prinz, dann sündigen Sie daraus hi« und stellen Sie die Damen dem Könige vor."
„Wo benten Sie hin, Frau Herzogin?"
„Hat der König selbst gesagt, baß er im Stande wäre, sich rühren zu lassen? Dasselbe ist dann Ihnen geschehen. Sie konnten einem solchen Jammer gegenüber nicht kalt bleiben, konnten den Thränen und Bitten dieser Unglücklichen nicht wiederstehen. Was für eine Gefahr laufen Sie übrigens dabei? Ein schmollendes Gesicht, welches Ihnen der König ein paar Tage lang machen wird, ein Vorwurf das ist Alles. Und schließlich wird Ihnen der König sogar noch danken, daß Sie ihn abhielten, einen jungen, braven Offizier so grausam beftraft, das LebenS- glück eines liebenswürdigen Mädchens zerstört zu haben."
„Meiner Treu! Sie haben Recht, Fran Herzogin," erwiederte der Prinz nach kurzem Besinnen. „Der König soll die Damen sehen."
Und sich an Frau de Castries und Gabriele wendend, deren Hände er ergriff, fügte er hinzu:
„Fassen Sie Muth, Madame — stillen Sie Ihre Thränen, mein Fräulein. Der König wird erst um 11 Uhr nach der Messe abreisen. Finden Sie sich morgen in der großen Gallerte ein, wenn Se. Majestät au8 der Kapelle in sein Cabinet geht; ich hoffe^baß ich Sie, der königlichen Ungnade znm Trotz, in den Stand setzen werde, mit dem Könige zu sprechen."
Am andern Morgen waren die Marquise und Gabriele
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„Sie sehen also eine Gefahr darin, wenn uns jemand zuvor tarne? Wie! sollte mein Neffe einen Feind haben,
i Jet ihm bei Sr. Majestät schaden könnte?" , „Nein, Madame. Aber ich weiß, daß der König und btr Herr Marschall von Bcllisle zweierlei Ansichten da- iber sind, wie in diesem totreite zwischen Piemont und Auvergne ein Ende gemacht werden konnte; der König ist ür das Princip der Milde, der Marschall -für die Strenge.
4 Ich fürchte, daß Herr de Bellic-le nun durch dieses neue i Tuell dem Könige zu beweisen suchen wird, daß seine Au- i sich: die richtige sei. Wir dürfen also feine, Zctt verlieren, t* »och heute Abend werde ich Se. Majestät, zu bewegen 3 suchen, daß er Sie vor dem Conseil empfängt. Zählen o Sie auf mich, Fran Marquise," fügte der Prinz hinzu, " tnbem er aufstand und sich verabschiedete; „ich werde ehrten Uvch heute Abend, sobald der König sich in seine Aparte- . vents zurückgezogen haben wird, Nachrichten von dem Er- erel folge meines Eifers bringen, mit dem ich Ihnen dienen
fln b,n Werktaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lexcl. Bestellgebühr). - Jnsertionsgebühr für di- gespaltene Zeile 10 Pfg.
ouqvrua-r-i- oez g in der Expedition zu ertdeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet. ____________ _________
Anzeigen nimmt entgegen^ die Expedition d. Blatte», sowie d.Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
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„Gebe Gott, daß es eine günstige ist!" murmelten f$rau de Castries und Gabriele, indem sie dem Prinzen ihre Hand reichte, die dieser mit Courtoisie küßte.
' f Der russische Gesandte Fürst Lobanoff verhandelt, wie 1 tr Polit. Äorr. aus Konstantinopel, geschrieben wird, eisig mit der Psorte über die abzuschiießende definitive Kon- icntion. Er macht wohl nicht mehr den Rückzug der rus- ^Mchen Truppen von dem Kvnventiousabschlusse labhängig, »Stüber er besteht auf der Räumung von Spuz und Pobgo- Jütza und auf Garantien für die Sicherheit der Christen. Wie Pforte ist sicherlich sehr geneigt, den versöhnlichen Weg kinzuschlagen und den Konventions-Abschluß möglichst zu . . erleichtern. Die Russen sind ungeduldig und möchten die Sache endlich in der einen ober anderen Weise ausgetragen 3 chen. Fürst Lobanoff äußerte sich: „Wir erhalten nicht i i unserem Vergnügen 100,000 Mann in der europäischen e. iürfei. Dies kostet uns viel und ist nicht einträglich. * Bir bleiben zum Schutze der Christen und zur Sicherung
rtriaen nimmt emgegen: ^Expedition d.Blatte», d.Annoncen-Bureaux
- ii;. Dietrich & Co. in Sw und Hannover; Th. «nichin FranksuN a.M.; «ilenstein & Vogler in unlfurt a- M., Berlin, ,j.iig Cöln re.; Rudolf X in Berlin, Frank- furt a. M. ic.
K Der Kaiser empfing am Dienstag Nachmittag 1 Uhr 5 A General-Superintendenten Brückner und Büschel, den eldprvbft Thielen und vier Superintendenten, welche Na- H ms der evangelischen Geistlichkeit deren Glückwünsche über« N Men; um li/4 Uhr die Aeltesten der Kaufmannschaft Atz B um 172 Uhr eine Deputation Berliner Gemeinde- 1 chm, welche eine Adresse überreichten.