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Marburg, Dienstag, 10. December 1878
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Tagesbericht.
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JL Kurzen Zeit, als Auvergne in Köln lag, verborgen geh ab ■8*° dn hatte, ohne daß Zemarrd darum wußte.
Der Grenadier kehrte sich um, als er von einer Frauen-
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1878
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Es war Jumela, das Zigeunermähchen, Jumela, die tSerlorengeglaubte, die Verschollene, die sich während der
habe durch die Vermittlung des Nuntius Masella in München ein Schreiben gerichtet, worin er denselben zur Wiederübernahme der Geschäfte beglückwünscht und den Wunsch ausgedrückt habe, daß die Verhandlungen alsbald zu einem guten Resultate führen mögen.
Zwischen der Kaiserlich deutschen und der Königlich belgischen Regierung ist zum Zweck der gegenseitigen Zulassung der beiderseitigen Staatsangehörigen zum Armenrechte nachfolgende Vereinbarungen d. d. Berlin 18. October 1878 getroffen worden: Deutsche werden in Belgien uno Belgier werden in Deutschland unter denselben Bedingungen und gesetzlichen Voranssetzungen zum Armenrechte zugelassen wie die Angehörigen des belr. Landes, in welchem der Prozeß anhängig ist. Das Armuthszeugiiiß ist dem Ausländer, welcher zum Armenrechte zugelassen werden will, in allen Fällen von der Behörde seines gewöhnlichen Aufenthaltsortes auszustellen. Hält der Ausländer sich nicht in dem Lande auf, in welchem er das Armenrecht nachsucht, so muß das Armuthszeugniß von einem diplomatischen Agenten desjenigen Landes, in dessen Gebiet das Zeugniß vorgelegt werden soll, beglaubigt werden. Hält er sich dagegen in dem Lande auf, in welchem er seinen Antrag stellt, so können außerdem noch bei den Behörden seines Heimath- landeS Erkundigungen über ihn eingezvgen werden. Sind Deutsche in Belgien oder Belgier in Deutschland zum Armenrechte verstatlet, so sind sie hiermit von Rechtswegen auch von jeder Sicherheitsleistung oder Hinterlegung befreit, welche unter irgend einer Benennung von Ausländern wegen ihrer Eigenschaft als solche bei Prozessen gegen Inländer nach der Gesetzgebung des Landes, in welchem der Prozeß geführt wird, gefordert werden könnte. Die gegenwärtige Erklärung tritt hinsichtlich Preußens und Belgiens an Stelle der am 21. August im Haag unterzeichneten Deklaration und hinsichtlich des Großherzogthnms Hessen und Belgiens an Stelle der am 9. März 1826 im Haag unterzeichneten Erklärung. Sie tritt in Wirksamkeit am 1. Oktober 1879 und bleibt bis nach Ablauf von sechs Monaten nach der von einem beider Theile erfolgten Kündigung in Kraft.
kundgegebenen Gesinnungen, welche Ich durch den Empfang bestätigt gefunden habe und bitte Sie, das was Ich gesagt, in möglichst weiten Kreisen mitzutheilen.
In der letzten Plenarsitzung des Bundesraths unter dem Vorsitz des Staatsministers Hofmann wurde eine Vorlage, betreffend den Entwurf eines Gesetzes zum Schutze nützlicher Vögel, den Ausschüssen überwiesen. Der Bericht der Kommission zur Ausarbeitung des Entwurfs eines bürgerlichen Gesetzbuches über die Lage ihrer Arbeiten wurde entgegengenommen. Der vom Ausschuß über die Abänderung des Wechselstempelsteuergesetzes gestellte Antrag, sowie der weitere Ausschußantrag über die von Mecklenburg vorgeschlagenen PrüfnngStermine für Apothekergehül- fen, gelangten zur Annahme. Mündliche Ausschußberichte standen zur Verhandlung über eine Petition, betreffend die weitere Ausführung des Gesetzes wegen des Spielkartenstempels; über die Vorlage, betreffend die Anzeigepflicht bei dem Auftreten gemeingefährlicher Krankheiten; über Petitionen wegen Prüfung der Aerzte in der Psychiatrie; wegen Zulassung der Realschul-Abiturienten zum Studium der Medizin; wegen Ankauf der sämmtlichen Apotheken gegen Rentenbriefe; wegen Regelung der Slpothekerverhält- nisse und wegen Beseitigung der feuergefährlichen Strohbedachungen. Den Schluß machte die Vorlegung von Eingaben.
Am Donnerstag Abend voriger Woche verhandelte die Budgetcommission über die Vorlage, betreffend die Ressorl- veränderungen im preußischen Ministerium. Die Ueber- tragnng der Forsten und Domänen vom Finanzministerium auf das landwirthschaftliche Ministerium wurde mit allen gegen eine Stimme, die Abtheilnng für Handel und Gewerbe von dem Handelsministerium, unter Übertragung derselben auf den Präsidenten des Reichskanzleramts mit zehn gegen sieben Stimmen angenommen. Der anwesende Handelsminister Maybach gab eine ausführliche Motivirnng der letzteren Maßregel. Zugleich erklärte er: „Dem Reiche sei durch Preußen die Offerte eines UebergangS der Staatsbahnen auf das Reich gemacht worden. Das Reichseisenbahngesetz sei ausgearbeitet, welches Aufsicht der Einzelstaaten über das Eisenbahnwesen dem Reiche überträgt. Auch über dieses vorliegende Gesetz seien positive Aenßerun- gen noch nicht erfolgt." Die Commission nahm eine Resolution an, welche dahin geht, daß der Uebergang der Aufsicht über das Eisenbahnwesen an das Reich baldigst herbeizuführen sei.
Dem Wiener „Telegraphen-Correspondenz-Bureau" wird ans Rom von heute gemeldet: Man versichert, der Papst
Piemout «ad Auvergne.
ä nach dem Französischen des A. Fi^vee, von Rudolph Müldener.
(Fortsetzung.)
»«eigen nimmt entgegen: ^Expedition d.BlatteS, d.Ännoncen-Bureaux
- ib. Dietrich & Co. in »Oei und Hannover; Th. de'nch in Frankfurt a.M.; »slenttein & Vogler in Lutfurt a- L'i., Berlin, fejig, Cöln :c.; Rudolf K«e in Berlin, Frauk- furt a. M- M.
srzuj Kleis
tel. titf, als er zu seiner größten Ueberraschung die wohlbe- ltte kannten Züge des „braunen Mädchens" sah.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in
Bremen.
Schimpf auf sich sitzen läßt!"
„Wiel Du bist" es, Jumela?" rief er. erstaunt. „Alle Teufel, was ist denn aus Dir geworden? Seit wir in - liefern verdammten Neste liegen, sah man Dich mit 'keinem Auge.
„Frage mich nicht lange," ertoieberte Jumela, „sondern antworte mir lieber. Was geht hier vor? Was bedeutet dieses Toben und Schreien der Soldaten? Jumela will
„Aber mein Gott, was jift's mit dem Grafen? Was haben sie ihm geihau? Ich weiß von gar nichts!"
„Wärest Du bei uns geblieben, so wüßtest Du's," er- wiederte der Grenadier vorwurfsvoll. „Er sitzt in Gürzenich und ist zum Tode verurihcilt."
Jumela schrie laut auf, als sie die Schreckenskunde vernahm. Sie knickte zusammen und wäre die Maurer des nächststehenden Hauses nicht gewesen, an die sie sich stützte, so würde sie ohne Zweifel nieoergesunken fein.
La Mitraille hielt sie mit kräftigen Arme aufrecht. Aus dem Entsetzen Jumela's schloß er nicht mit Unrecht auf die Sympathie für den Grafen. Wer 'aber feinen braven Capitain liebte, den liebte auch er, und so blieb er, obwohl eö ihn drängte, seinen Waffenbrüdern nachzueilen, die unterdessen lärmend fortgezogen waren, bei dem Mädchen stehen und erzählte mit mehr Ausführlichkeit den Verlaus der Begebenheiten.
„Man beschuldigt den armen Grafen," sagte er, vor zwei Jahren einen gewissen Capitain Foncolombe in St. Goar ermordet zu haben. Aus dieser nieserträchtigen Verleumdung rühren eine Menge Duelle her, bis ein dummes Gesetz verkündet wurde, welches den Zweikampf mit dem Tooe bestraft. Nun geschah eS dem armen Capilän, daß er in einem solchen Zweikampfe Einen vom Regiemente Piemont todtstach und dafür soll er erschossen werden."
„Vor zwei Jahren in St. Goar?" murmelte Jumela wie träumend. „Gnen gewissen Foncombe? Und deshalb will man ihn erschießen?,,
„Ja, alle Teufel!" rief La Mitraille; „ich habe es ja eben gesagt. Uno nun halte mich nicht länger auf," fügte er hinzu, indem er sich von Jumela losriß. „Ich komme sonst zu spät und dies würde ich Dir nie verzeihen."
Mit diesen Worten eilte er fort, ohne daß Jumela ihn mehr zurückzuhallen suchte.
es wissen."
„Was hier vorgeht?" rief Sa Mitraille, indem er nut 1 Liederkehrender Wuth feine Fäuste ballte. „Wir wollen f unseren braven Capitain rächen, den Grafen de Lourmel, den diese Hunde ins Verderben stürzten. Aber sie sollen jvifuns kennen lernen," fügte er nach einer Reihe von Kraft- z ausdrückcn, die wir unmöglich wiedergeben können, hinzu, „wir wollen ihnen zeigen, ob Auvergne einen solchen
Deutsches Reich.
Berit», 7. Dec. Die Steuerreform im Reich soll bekanntlich von den preußischen Liberalen nur dann angenommen werden, wenn ihnen die sogenannten constitutio- nellen Garantien gegeben werden. Wie man nun hört, werden die Abgg. Lasker und Rickert demnächst der natio- nallibcralen Fraktion eine Art Denkschrift, wenn sich so sagen läßt, unterbreiten, in der sie ganz bestimmt die cou- stitutionellen Garantien formuliren, welche für Preußen
Hätte La Mitraille sie genauer beobachtet, so würde er gesehen haben, daß sie mit herabhängenden Armen und auf die Brust gesenktem Kopfe wie erschöpft an der Mauer lehnte und nicht mehr im Stande zu sein schien, sich von der Stelle zu bewegen.
Der Grenadier lief aber, ohne sich weiter um sie zu bekümmern, seinen Kameraden nach und erreichte den Altmarkt, als die Schlacht bereits im vollen Gange war.
Auf beiden Seiten kämpften vier- bis fünfhundert Soldaten mit einer Erbitterung, die dem Feinde gegenüber neue Lorbeern eingetragen hätte, in diesem Falle aber den guten Ruf der beiden Regimenter mit einem häßlichen Flecken besudelte.
Die Offiziere der Commandantschaft, Oberst Boisclai- ron und seine Adjutanten, drangen mitten unter die dichtesten Haufen und suchten sie auseinander zu bringen.
Allein da war von einem gehorchen keine Rede mehr, Niemand hörte auf die Befehle und Ermahnungen, Niemand auf die Bitte und Drohungen der Offizier», die im Gegenthell umringt und hin und hergezerrt wurden, daß sie nicht selbst in die ernftlichste Lebensgefahr geriethen.
Das Blut floß bereits in Strömen, denn Piemont und Auvergne kämpften mit blanker Waffe und auf beiden Seiten gab es Schwerverwundete und Tobte, die zu Boden gestürzt und unter den Tritten ihrer Kameraden zermalmt wurden.
Da rasselten plötzlich zehn Trommeln einen Wirbel, der das Geschrei, das Brüllen und Toben der (Siebenten übertönte. Wie durch einen Zauberschlag hörten mit einem Male die Fäuste auf, sich zu erheben und niederzusausen, die Säbel fuhren nicht mehr pfeifend durch die Luft, die blanken Klingen blitzten nicht mehr zischend üver den Köpfen dieses Menschengewimmels und das Fluchen und Schreien von tausend Stimmen, die sich hier zugleich er-
?l'Mmme seinen Namen rufen hörte. Ans seinen Augen stfl flammten Blitze; man sah es ihm an, daß er, von Wuth . : entbrannt, den Augenblick kaum erwarten konnte, wo er iU# seine Kraft im erbitterten Kampfe mit Piemont erproben hle» konnte.
Seine finsteren, drohenden Blicke heiterten sich aber
" ftrfdjetnt täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrtrteS Sonntagsblatt durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2*t Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
, ff Am Sonnabend empfing Seine Majestät der Kaiser __L, Magistrat und die Stadtverordneten von Berlin. Seine sagte, an die überreichte Adresse anknüpfend, etwa
1 flgmdes: Allerdings habe Ich aus dem Empfange, der ür vorgestern geworden, erkannt und wie Sie in der Adresse htig sagen, aus den leuchtenden Angen der Mich empfan- 148 liden Bevölkerung gelesen, daß die Freude über Meine _ mesung und Rückkehr eine innige, tief ans dem Herzen IL mmenbe gewesen ist. In ben äußeren Zurichtungen, welche t einigen Wochen für Meinen Empfang so emsig vorbe- itet worden, ist vielleicht das von Mir gewünschte Maß »erschritten. Sie haben Mir aber vorgestern schon gesagt, tß die allgemeine Frettde sich nicht zurückhalten ließ. Leider es Mir nicht möglich gewesen, die Illumination selbst Augenschein zu nehmen. Ich habe nur Etwas von Meinem
'ine mster ans sehen können, aber von allen Seiten gehört, P sie recht schön gewesen ist. Und so danke Ich Ihnen uzlich für den Mir bereiteten, Meinem Herzen wohllhuen- Empfang und bitte Sie, diesen Meinen Dank überall
i verbreiten. Es ist Ihnen gelungen, den tief schmerz- ; hm Eindruck der letzten Ereignisse, wenn auch nicht ganz, i doch zum Theil zu verwischen. Jndesseil muß Ich immer aran denken, aus welcher Veranlassung es nolhwendig wurde, ch Berlin Mich so empfing. Die Vorsehung hat zuge- ch'en, daß Mich so Schweres betroffen. Als Ich errettet «r, fand Ich darin eine Mahnung, Mich zu prüfe», ob sch Meinen Lebenslaus so eingerichtet, Meine Pflichten so füllt habe, daß Ich werth war, gerettet zu werden. Wenn
rp| ch die kurze Zeil, welche Mir noch zugemessen ist, unge- 11' übt verlebe, so ist es der Wille der Vorsehung und wenn ich« B anders kommen sollte, so ist es auch der Wille der Vor- elttl fang. Menschliche Vorsicht ist gegen solche Dinge, wie te. t Mir zugestoßen, ohnmächtig. Eine Aenderung der Ge- -tze ist nothwendig geworden. Wie nothwendig diese Aen- --a trung für Deutschland und die Einzelstaaten war, liegt tzt wohl Allen klar vor Augen; aber auch für die anderen [319 Staaten ist dadurch eine Anregung gegeben. Ist ja doch emiefen, daß weit verzweigte Verbindungen existiren und Dar mit dem ausgesprochenen Prinzipe, die Häupter der Hl Staaten zu beseitigen. Die Hauptsache ist aber, wie Sie i der Adresse richtig bemerken, die Erziehung der Jugend, »er gilt es die Augen offen halten. Das ist Ihre Aus- ' abe, die Herzen der Jugend so zu lenken, daß solche Ge- bmungen nicht wieder aufwachsen und dabei ist das Wich- gste die Religion. Die religiöse Erziehung muß noch viel e riet und ernster gefaßt werden. In dieser Beziehung ist vuh in unserer Stadt nicht Alles gut bestellt. Ich danke t1 Ihnen nochmals, Meine Herren, für die in bet Adresse