Einzelbild herunterladen
 

od

Mr. 288.

Marburg, Sonntag, 8. December 1878

xni Jahrgang.

»ter.

kleine,

ieipjtg, CSln rc.; Rudolf ®efle in Berlin, Frank­furt a. M- ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

grschrint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlluftrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 25 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. lexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

ters 4 äyti en nimmt entgegen: Ht Expedition d.Blatte-, d-Annoncen-Bureaux *9*8tS* i,gg Tb- Dietrich & Co. in ' Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a M-; öaasenstein L Vogler in a- M., Berlin,

Bestellungen auf die

Dstkrhkssische Zeitung

berri.

mit Gratisbeiblatt

Zllustrrrtes Sonntagsblatt

werden für den Monat December von allen

Postanstalten noch fortwährend angenommen.

Die Exped. -er Oberh. Ztg.

Politische Wochen-Ueberficht.

werz

für

6er.

die

'meist!

- f -gesetze würde dies aber der Fall sein, und er könne das >7$ S -vorgeschlagene Mittel deshalb nicht billigen. — Die „Neue *4»; 9 -Rerchszeitung" bemerkte dazu: „Mit kälterem Cynismus ji .ist das eigentliche Grund- und Lebensprinzip der modern S liberalen Auffassung coram publieo noch niemals ausge-

1878.

itt. y.

sbel ang 719

g. hast, mb

eben, [2919 «rg, darf >g zu.

«w.

I9|

?•

4 41 ■75 ■9;

3 ■f> 5 15 u 41 Gl

Das Abgeordnetenhaus hat im Verlaufe der Woche EtatSberathungen fortgesetzt. Diesmal, war cs im besonderen die Nothlage unserer Landwitthschaft, welche

Die Standarte des Kaisers weht wieder in Berlin von dem anspruchslosen Hause gegenüber dem Denkmal des großen Friedrich! Mancher, der den Kaiser seit dem 2. Juni blutend auf den Kissen seines Wagens liegen sah, hat nicht wehr zu hoffen gewagt, daß der greise Monarch noch ein- l'nial mit der alten Elasticität der Bewegung sich aus dem [Balkon seines Hauses zeigen werde, um die Huldigung ines freudig bewegten Volkes anzunehmen, wie ,vir es

m Tage deö Einzugs gesehen haben. Jene traurige Zeit ie in den ersten Maitagen begann, liegt hinter uns mit ll ihren Kämpfen und Erfahrungen. Mit dem 5. De- mber beginnt ein neuer Zeitraum, wir hoffen ein Zeit- aum ruhiger gedeihlicher Entwicklung. Der Kaiser hat it aller Kraft die schwere Bürde der Regierung wieder

uf seine Schultern genommen. Möge durch die Erlebnisse iefer Woche der Stachel aus seiner Seele genommen den, den die vergangenen Monate in ihr zurückgelassen ben.

Zur Heimkehr Sr. Majestät des Kaisers und Königs rächte die „N. Pr. Ztg." folgendes mit echt patriolifchen efühlen durchwehte Gedicht, das wir auch unseren Lesern i dieser Stelle glauben mittheilen zu müssen:

So hoch die Ehrenpforten ichimmernd tagen. So bunt die Straßen Kranz und Flaggen zieren, — Die Wunden sind zu tief, die jüngst gefchlagen, Sie heilet nicht ein jauchzend Jnb liren.

Zur Buße ruft das Bolk — nur das kann frommen Und Dank an Gott, her unsers Kaisers Hort!

Des Frevels Schmach, die über uns gekommen, W scht nicht der Slrom der lauten Freude fort.

Gesenkten Hauptes und mit bitter» Schmerze» Grüßt feinen König beut der Patriot, Mit L ehmuth und der Bitte tief im Herzen: Sein theures Leden schütze gnädig Gott! —

24 8 b"

4

15 10!

10 ■ sprachen worden, unzweideutiger hat Niemand zugestanden, * worauf es der „herrschenden Partei" in Wahrheit ankommt. ® . Gesetze will sie, welche den wirlhschaftlich dominircnden ^Classen die Aufrechterhaltung ihrer bevorzugten Stellung tot jeden Preis sichern, selbst um den, daß der Mißbrauch des ökonomischen Uebergewichts von den ungünstiger gestellten Rassen auf das Schwerste empfunden und getragen wird. Wir haben das längst gewußt, aber wir danken dem Abgeord­neten Alexander Meyer dafür, daß er als einer der anerkann­testen Führer der Manchesterpartei den Muth gehabt hat, es öffentlich auszusprcchen. Der Nationalliberalismus, dem er angehört, vindicirt sich ja sonst immer mit so pomphaft feierlicher Miene die Aufgabe, die „Interessen des ganzen Volks" zu vertreten. Wie oft hat die „Nationalztg." von diesem erhabenen Standpunkte aus gegen „Agrarier", - \ Schutzzöllner", „selbstständige Handwerker" und andere »Jntereffrngruppen" gedonnert! Und nun kommt einer der

den Verhandlungen ihre Färbung gab.

Auch in der Darmstädter zweiten Kammer wurde die Wucherfrage in Anregung gebracht. Was der Abg. Meyer von Breölau bei Gelegenheit der Interpellation schorlemer im Abgeordnetenhaus-: sagte, dürfte hier noch erwähnenS- wetth sein: „Er erkenne gerne an, daß der^ Staat in ge­wissen Fällen auch die Aufgabe habe, den S-chutz und die Bevormundung gegen die Ausbeutung Armer und Schwa­cher zu üben; nur feier überzeugt, daß ein solcher Versuch von sehr geringem Erfolge sein werde. Andererseits dürfe man nicht übersehen, daß die Gesetzgebung in erster Linie die Interessen der wirthschaftlich tüchtigen und productiven st ' Bevölkerung zu berücksichtigen habe, und daß die Maßregeln ' zum Schutze der Schwachen jedenfalls die ersteren nicht io schädigen dürfen. Bei einer Wiederbelebung der Wucher-

Eingeweihten, ein Augur, wenn es je einen gab, und erklärt in einer Stunde fanatischer Unvorsichtigkeit, daß der große „Gedanke" des Liberalismus kein anderer sei, als jenes „ganze Volk" im Interesse der Rothschild und Bleichröder schceren zu dürfen, so oft ihm die Wolle wächst. Gesagt ist es, und schon heute weiß cs ganz Deutschland. Macht's nun mit einander aus, Friedrich Dernburg und Alexander Meyer."

Am Donnerstag hat in London die Eröffnung des eng­lischen Parlamentes stattgesundcn. Die Thronrede erwähnt die feindselige Haltung des Emirs Shere Ali, für welche England Gtnugihuung gefordert habeh!). Von einer „Be­schimpfung" Englands scheint in der Thronrede verständiger­weise nicht die Rede zu sein. Jedenfalls ist es eine Be­reicherung des Völkerrechts, daß man auch für eine „feind­selige Haltung" Genugthuung fordern kann. Die Session wird jedenfalls nicht ohne die schwersten Anklagen des Cabinetö Beaconsfield vorübergehen. Daß die liberale Partei ihre „feindselige Haltung" beibehalten wird, ist selbst- vrrständlich. Interessant wird es aber sein, die Haltung der Ministeriellen zu verfolgen. Gerade recht zur Eröff­nung des Parlaments kam ein Bericht über die siegreichen Kämpfe des General Roberts im Pevarpaß.

Der österreichische Reichsrath ist zum 10. Dezember einberufen, um den Berliner Vertrag in Berathung zu ziehen. Bekanntlich hat sich der Budgetausschuh der öster­reichischen Delegation verweigert die von der Regierung verlangten Crecite zu bewilligen, bevor der Reichsrath den Vertrag genehmigt habe. Schon am 10. Dez. wird die Debatte über den Vertrag beginnen.

Die italienische Depulirteukammer beschäftigt sich mit Interpellationen die mit dem Attentate im Zusammenhang stehen. In verschiedenen Theilcn Italiens werden Meetings abgehallen um daö Einverftändniß der Bevölkerung mit dem Ministerium auszudrücken.

Die Türkei hat ein neues Ministerium erhalten, das­selbe wird im Allgemeinen wohlwollend beurtheilt. Der Großvezier Kheircddin Pascha wird als ein Mann geschil­dert, der, im Besitze des höchsten Vertrauens des Sultans, sich schon früher mit einer vollständigen türkischen Zollre­form unter europäischer Aufsicht beschäftigt und daber aus­gedehnten Reformen im türkischen Reiche günstig gestimmt sein soll. Man erwartet deshalb eine friedenssreundliche Politik, die unter loyaler Ausführung des Berliner Ver­trages ein gewisses Selbslbewußlsein der Pforte pflegen und das Resvrnlwerk energisch in die Hand nehmen wird. Daß dem neuen Cabinele Männer wie Karathevdory Pascha, der sich in Berlin während des Kongresses als ein tüch­tiger Mann gezeigt, und wie Osman Pascha angehören, kann, in der vorstehenden Ansicht nur bestärken, ebenso wie dieselbe eine Stütze erhält durch die neuesten Erlasse des Sultans in Bezug auf die Ausführung der Reform. Der Sturz des Cadinets Saufet Pascha scheint nur in persönlichen Motiven gelegen zu haben.

Deutsches Reich.

•• Berlin, 6. Decbr. Die gestrige Feier hat in allen politischen Kreisen ebenso wie in der Bürgschaft einen sehr bedeutenden und anhaltenden Eindruck gemacht. Der Kaiser selbst hat sich wiederholt dahin geäußert, daß die Groß­artigkeit dieser Kundgebung ihn überrascht und tief ergriffen habe. Der Monarch halte bis zum letzten Augeiidlick den Wunsch wiederholt, die Manifestation, die er nicht ganz ab- wehrcn wollte und konnte, in den einfachsten Grenzen ver­bleibend zu sehen, und noch in den letzten Tagen waren Weisungen eingetroffen, die Vorrichtungen einzuschränken. Der Polizeipräsident vermochte jedoch in dieser Beziehung den Allerhöchsten Wünschen nicht Folge zu leisten, ohne die Gefühle der Bürgerschaft zu kränken, und darauf bezogen sich die Worte des Kaisers an den Oberbürgermeister, daß der Empfang nicht blos seine Erwartungen, sondern auch seine wiederholt ausgesprochenen Wünsche übertreffen zu wollen scheine. Was der Kundgebung vor allem den er­freulichen Charakter gegeben hat, war die Einmüthigkeit, welche in der Stunde des Einzuges sowohl wie während der Illumination nicht ein einziges Mal gestört wurde. Be­kanntlich war vielfach die Befürchtung laut geworden, der Erlaß der jüngsten strengen Maßregeln werde nicht bloö die freudige Stimmung trüben, sondern selbst zu Ausbrüchen der Rohheit führen. Um so mehr fällt der ruhige und freudige Verlauf des ganzen Festtages ins Gewicht. _ Die gestrige Erfahrung darf wohl als Beweis gelten, daß die energische Geltendmachung von Autorität und Gesetz bereits dir guten Früchte getragen, die Elemente, welche bei solchen

Festlichkeiten so oft Anstoß gegeben, zu entfernen oder in Frieden zu halten. Die Anordnungen der Polizei für den gestrigen Tag finden allgemeines Lob, aber daß sie zur durchgängig erfolgreichen Anwendung gelangten, ist doch vor allem der völligen Unterstützung der Bevölkerung zu danken. Je ängstlicher in manchen Kreisen dem gestrigen Tage ent­gegengesehen worden, desto mehr ist der Verlauf desselben geeignet, dem gesammten Volk und namentlich der Stadt Berlin einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft zu ge­währen. — Wir meldeten vorgestern, daß die Allerhöchsten Erlasse wegen Wiederübernahme der Regierung Seitens des Kaisers aus Grund allseitig erfolgter Verständigung bereit gehalten worden seien. In der That hatte der Kaiser schon vor 14 Tagen von Wiesbaden aus den Willen zu erkennen gegeben, am Tage der Rückkehr nach Berlin die Regierung gleichzeitig zu übernehmen. Demzufolge wurden die erfor­derlichen Erlasse im Einverftändniß mit dem Kronprinzen und dem Staatsministerium entworfen, dem Kaiser im Vor­aus vorgelegt und sodann auf Grund der von Seiner Majestät getroffenen Bestimmungen definitiv festgestellt. Daß der Kaiser die Regierung in ihrem ganzen Umfange über­nehmen werde, haben wir bereits gemeldet und allen De­mentis gegenüber aufrecht gehalten; eine Theilung der Ge­schäfte war schon vor längerer Zeit als undurchführbar erkannt. — Heute Mittag 2 Uhr fand eine Plenarsitzung des BundeSraths statt, auf deren Tagesordnung u. A. der Bericht der Commission zur Ausarbeitung des Entwurfes eines beweglichen Gesetzbuches und die bisher in Angriff genommenen Arbeiten standen.

Meiningen, 3. Dec. Der Landtag hat seine beiden letzten «Sitzungen der Vorlage über Besteuernng der Wan- derlager gewidmet. Es wurde dieselbe int Wesentlichen da­hin vereinbart: daß die Wanderlager für jeden Ort, wo sich solche austhun, zur Einkommen- und Klassensteuer ge­mäß der nach dem gesetzlichen Modus erfolgenden Nor» mirung herangezogen werden sollen, und zwar auf min­destens einen Monat; die hiervon sich ergebende Einnahme fließt zu 2/3 in die Staats- und zu V3 in die betreffende OrtSkasse.

Allslaad.

Paris, 6. Dec. Aus Pera meldet die Agence HavaS: Da alle hiesigen Gesandten die erforderliche Ermächtigung erhalten haben, so sind dieselben heute zu einer Konferenz zusammengetrelcn, um die Schwierigkeiten, welche sich int Schooße der rumelischen Grenzbestimmungs-Commission er­hoben haben, zu lösen.

London, 6. Decbr. Bei Fottsetzung der Debatte im Unterhaus vertheidigte Schatzkanzler Northcote die Politik der Regierung. Vom Cap lägen keine Berichte vor, welche Erwähnung in die Thronrede erheischten. Er könne jetzt nichts über die erfolgte Berichtigung der Grenze Rume- liens miltheilen. Er hoffe, die Reformen in Kreta würden befriedigend sein und die Einführung von Reformm in Kleinasien werde fortschreiten, und erwarte, es werde bald möglich fein, dem Parlamente die Schrifstücke betreffs Cy- perns vorzulegen. Den Aeußerungen Cranbrooks bezüg­lich der afghanischen Politik des letzten Cabinets werde zu große Wichtigkeit beigelegt. Redner wies die Behauptung zurück, daß tue Regierung streit mit Afghanistan gesucht habe, und hob hervor, die Regierung wünsche vielmehr freundschaftliche Beziehungen zu Afghanistan, trachte nicht nach Gebietsvergrößerungen und habe es nur als noth- wendig erachtet, für die Sicherheit Indiens Vorsorge zu treffen. Angesichts des Empfanges der russischen und der Zurückweisung der britischen Mission habe die Regierung unmöglich unthälig bleiben können. Die Erwartung, daß der afghanische Krieg in Kurzem beendet sein würde, werde durch die jüngsten Nachrichten bestärkt. Er beklage die Nothwendigkeii des Krieges, indeß sei es Pflicht der Regie­rung, das Fortbestehen der gefahrdrohenden Zustände, welche den Krieg herbeigeführt, nicht zu gestatten. (Beifall.) Der Adreßentwurf wurde schließlich (wie bereits gemeldet) ohne Abstimmung angenommen. — Oberhaus. Der Staats- sccrctär Cranbrook zeigte an, daß er nächsten Montag den Antrag einbringen werde, die Kosten des afghanische» Krieges aus den Einkünften Indiens zu bestreiten. — In der Adreßdebatte kritisirte Granville die Politik der Regie­rung, erklärte aber, er werde keine Opposition machen. Grey beantragte eine Abänderung des Aoreßentwurfs und äußerte Bedauern über die Verzögerung der Einberufung des Parlamentes. Cranbrook hielt die in seiner Depesche bezüglich des Verhaltens des letzten Cabinets aufgestellten Behauptungen aufrecht. Somerset bekämpfte das Amende- ment Grey. Minister Salisbury wendete sich gegen die