Einzelbild herunterladen
 

««eigen nimmt entgegen: A Expedition d.Blattes,

lligen

13122

iggte d.Ännoncen-Bureaux ijn Tb- Dietrich L Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; naaienftein & Vogler in Santfurt a. M., Berlin, jeipjig, Cöln rc.; Rudolf gefle in Berlin, Frank­furt a. 'M. rc.

$r. 286

284,

Marburg, Freitag, 6. December 1878

xiii Mrgavg.

5

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnaun'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

ir

lkl

je au

nebß

)0.

fahren elhM

el

ig

9

immer schützend und segnend über der Person seines Gesalb­ten, unseres Kaisers und Königs, gewaltet hat. Seine

vom Thron und aus dem gewohnten Königlichen Arbeits­zimmer in die Krankenstube sich zurückzuziehen und das Scepter aus der von Meuchelmördern zerschossenen Hand

zu dem Kaiser hindrängt, wo er sich zeigt, in dem Be­dürfnis, ihm zu beweisen, daß die große Mehrzahl anders denkt, als eine Anzahl Verführter, und durch verstärkte Beweise von Liebe urib Treue die dunklen Flecken der Meuchelmorde wieder aus unserer Geschichte zu tilgen und auch die ernsten Falten, welche sie auf das Angesicht des geliebten Kaisers gelegt, wieder zu verscheuchen! Wer wollte sich darüber nicht freuen, wer fühlte sich nicht getrieben, einzustimmen in den Ausdruck der Freude und des Dankes, daß wir unseren Kaiser wieder gesund in unserer Mitte haben? Aber so schön das Hosiannah der großen Menge klingt, so darf man seinen Werth doch nicht überschätzen, und als Factor in dem Ansatz der realen politischen Be­rechnung der Zukunft ist ihm nur ein sehr geringer Werth beizumessen. Die Geschichte liefert dazu die Beweise in Menge. Wollen wir uns nicht verrechnen, dann müssen wir bei aller Freude mit nüchteren Angen die Dinge an­sehen, wie sie wirklich liegen und sie liegen sehr ernst. Die große Zahl der Stimmen, welche für socialdemokra­tische Abgeordnete bei der Reichstagswahl abgegeben wor­den sind, beweist, in wie große Volkskreise diese revolu­tionären Irrlehren bereits gedrungen sind, und daß die­selben durch das Socialistengesetz noch keineswegs über­wunden sind, sondern anfangen, sich in geheime Komplotte zu verdichten, beweisen die neueren ernsten Maßregeln der Regierung. Aber wir dürsen nicht vergessen, daß die So­cialdemokratie nicht aus den Wolken gefallen, sondern aus unseren Verhältnissen herauögewachsen ist, und betrachten wir den Geist, der die Socialdemokratie beseelt, so werden wir finden, daß seine Grundzüge sich auch noch in großen Volkskreisen finden, welche zwar nicht zur Socialvemokratie gehören, Abgesehen von den verschiedenartigen volkswirth- schaftlichen Interessen, finden sich die grundreligiösen, sitt­lichen und politischen Anschauungen der Socialdemokratie in großen Volkskreisen, die zwar heute dem Kaiser ent­gegenjubeln, aber morgen, wenn's zur Parlamentswahl kommt, nach wie vor ihre demokratischen Abgeordneten wählen. Durch die liberale Presse ist in unferm Volke eine naturalistische Weltanschauung ausgebreitet worden, welche wie der Hausschwamm Fundamente und Balken unserer Staats- und Gesellschaftsordnung augefressen hat. Dieselbe nimmt zwar in den verschiedenen Volksklassen unter dem Einstusse der mächtigen wirthschafttichen Interessen und unter dem Gewichte der Magenfrage eine etwas andere Gestalt an. Aber wenn die Gefahr seitens der Soeialde- mvkratie, welche Alles unter den Gesichtspunkt der Arbeiter stellt, auch viel acuter ist, als die seilens des Manchester- thums, welches Alles unter dem Gesichtspunkt des Capi- tals stellt und im wirthschafttichen Leben nur die Natur­gesetze und nicht mehr das Siltengesetz will gelten lassen,

dkiigreise vergönnt fein, noch recht lange in frischer Kraft Md in gutem Frieden im Innern wie nach Außen seines hohen Herrscherarnles zum ©egen seines Volkes und des

diese Freude salleu dunkle ©chatten, welche der Freude ei­sen ernsten Charakter geben. Wir alle wissen, welche ent­setzliche Frevelthaten den geliebteil Kaiser genöthigt hatten,

so muß doch auch das letztere eine zerstörende, auflösende Wirkung ausüben. Und es hat sie überall auSgeübt: die Gründerperiode in Deutschland wie in Oesterreich und Amerika, mit ihren verheerenden Wirkungen auf das wirth- schaftliche und sittliche Leben der Völker, ist vorzugsweise die Frucht dieser Richtung, die dann als anderes Extrem die Sozialdemokratie hervorgerufen hat! Die Vertreter dieser Richtung nehmen zwar das Lob der Staatsfreund­schaft in hohem Grade für sich in Anspruch, und wir sind weit entfernt ihre persönliche Wohlmeinenheii anzutaften; aber wer die Dinge objectiv sachlich betrachtet und sich be­müht, die Dinge nach ihren Früchten zu beurtheilen, wie wir das thun, der muß ihnen sagen: Mögt ihr es noch so gut meinen, euere Grundsätze sind falsch, sie wirken auf­lösend und zerstörend, das beweisen die vorliegenden That- sachen. Das Grundübel ist die falsche naturalistische Welt­anschauung. Aus diesen Punkt kann nicht genug Nach­druck gelegt werden, denn soll's besser werden, so muß hier der Hebel eingesetzt werden. Wenn die Menschheit bloß, wie der Wurm, im Staube der Erde kriecht und arbeitet oder rechnet und nur für leibliche Bedürfnisse und Triebe Sinn hat, dann muß die menschliche Gesellschaft sich auf­lösen. Was wir nöthig haben, ist, daß unser Volk sich wieder aufrichte zum Lichte, das von oben kommt, das ihm das Bewußtsein seiner Gottebenbildlichkcit, seiner Ewigkeits­bestimmung, seiner Menschenwürde, seiner Freiheit, seines Pflichtbewußtseins in die Seele giebt. Dieses Licht, welches die christliche Welt erhalten und die christliche Cultur ge­schaffen hat, ist das Christenthum, in welchem der uns ent­gegentritt, der da spricht: Ich bin das Licht der Welt. Möchte das deutsche Volk sich jetzt, wo sein Kaiser wieder in feine Hauptstadt einzieht und es ihm zujauchzt, mehr denn je daran erinnern, daß Adventszeit ist, wo der König der Könige uns zuruft:Mache dich auf und werde Licht!" damit wirklich wieder Licht und Freude werde in unserer Mitte.

mbea lvoi

Tagesbericht.

Aus Berlin wird telegraphisch gemeldet: Die in groß­artiger Weise veranstalteten Vorbereitungen zum Empfange Sr. Maj. des Kaisers sind nahezu vollendet. Trotz des schlechten Wetters ist die Gegend vom Potsdamer Thore, Königgrätzer Straße und den Linden von einer großen Menschenmenge belebt. Die Häuser sind äußerst zahlreich mit Kränzen, Tannengewinden, Inschriften und Flaggen geschmückt. Die Vorbereitungen zur Illumination erstrecken sich bis in die äußersten Vorstädte. Von auswärts sind viele Fremde in Berlin anwesend.

Bestellungen auf die

Kberhessische Zeitung

mit Gratisbeiblatt

Zllustrirtes Sonntagsblatt «erden für den Monat December von allen Pöstanstalten noch fortwährend angenommen.

Die Exped. der Obcrh. Zig.

Znm Einzüge des Kaisers.

| Heute zieht unser Kaiser und König wieder neugekräf- tigt in seine Hauptstadt ein, und wird zugleich wieder die

I Zügel der Regierung in feine Hand nehmen. Das gaitze I Lülk, so weit es noch nicht von gottlosen Irrlehren bethört njt, jauchzt seinem geliebten Kaiser entgegen und freut sich, ! daß es dem theuern Monarchen durch Gottes Gnade noch «»mal vergönnt ist, nach so schwerer Zeit auf den erha­benen Hohenzollern-Thron zurückzukehreu, der gerade unter Kaiser Wilhelm so besonders reich gesegnet worden ist. Alle haben nur den einen Wunsch: möchte es dem milden Hel-

ejRi yvyen jperrjajeramies zum oi-gcii jeiue» aovucs uuu ves Meinsamen deutschen Vaterlandes zu warten! Aber in

. die letzten Tage mit den ernsten Maßregelt:, welche sie über irttj die Reichshauptstadt verhängt haben, zwingen uns dazu, 3044 diesem tiefernsten Dinge gerade an diesem Festtage zu ge- benfen. Jedoch der erste Blick auf diese Dinge soll ein dankender Ausblick sein zu Gott dem HErrn, dessen Gnade

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches "Z Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgedühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.

che», ...

ipauS, in die Hände des Kronprinzen zu legen! Man möchte an -sucht diesem Festtage am liebsten seine Augen verhüllen und seine 3204 Gedanken verschließen vor diesen Frevelthawn, aber gerade

Bar- Gnadenhand hat das Leben unsers Kaisers behütet und 3« Hal es vereitel, daß zwei gottlose Menschen eine so schwere 3218 Blutschuld auf die deutsche Nation wälzten und hat den Kaiser in so hohem Alter wieder genesen lassen, von den empfangenen Wunden! Ehre fei Gott in der Höhe!

ES ist ja hoch erfreulich, daß die große Mehrheit des Bolles in folcher herzlichen Liebe und Verehrung überall

SB«

fit;

Müldener. (Fortsetzung.)

Piemont und Auvergne.

Frei nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph

Kreit

trennen zu können.

Endlich warf sich der Marquis in einen Fauteuil, und mit beiden Händen fein Gesicht bedeckend, suchte er den An­wesenden die Thränen zu verbergen, die über seine Wan-

3231 sje« h Dr

zu«

Auf Befehl des Obersten Voisclairon, des Stadtcom- :icn$ Mandanten von Köln, wurde Henry in feine Wohnung rUlt abgeführt und daselbst vorläufig intemirt gehalten.

Belmont blieb bei Ihm.

Einige Augenblicke später tarnen auch der Marquis de Castries und Graf Rochambeau.

Der Oheim fiel seinem Neffen um den Hals und Beide blieben lange in dieser Umarmung, ohne sich von einander

gen rollten.

XUnglücklicher!" stammelte er;was hast Du gethan?" Mein Vater," erwiderte Henry, tief ergriffen bei dem i Anblicke dieses Schmerzes, «ich habe der Ehre mein Leben

rru«

geopfert."

Dein Leben, wer gab Dir das Recht darüber zu verfügen ? Dein Leben gehört Denen, die Dich lieben. Unbesonnener! Hast Du denn ganz vergessen, in welchen Abgrund von Jammer Du uns stürzest? Meine Tochter! Ach, meine arme Gabriele!"

78.

Dieser Name wirkte erschütternd auf den Grafen.

Von dem Augenblicke an, als er sich genöthigt gesehen, lJ "seinen Feind wegen dessen Insolenz herauszufordern, hatte 87,ol bfs jetzt mit stoischem Gleichmuthe blindlings der

Führung des Verhältnisses überlassen, welches über ihm zu schweben schien; allein als er den Namen Derjenigen

aussprechen hörte, die er über Alles liebte, wich die Kälte, mit der er den Zweikampf mit Pierremalin bestanden und sich in die unausbleiblichen Folgen desselben gefügt hatte. Thränen glänzten in feinen Augen, die er vergeblich zu­rückzuhalten suchte und mit tiefbewegter Stimme sagte er;

O sprechen Sie diesen Namen nicht aus, mein Vater, Sie würden mir all' meinen Muth benehmen!"

Nach einer langen schmerzlichen Pause, in der man nur mühsam unterdrücktes Weinen unö tiefes Seufzen hörte, suchte der Marquiö sich endlich mit Gewalt zu er­mannen. Wie aus einem schweren Traum erwachend, fuhr er sich über die Augen und wandte' sich an die beiden Zeugen dieser Scene.

Verzeihen Sie mir diese Schwäche, meine Herren," murmelte er;doch ich weiß, Sie begreifen meinen Schmerz, Sie wissen, daß ich ihn wie meinen eigenen Sohn liebe, Sie kennen die schönen Hoffnungen, die ich in ihn setzte. Dies Alles wissen Sie, meine Herren, und Sie sind Männer von Herz; also helfen Sie mir ihn retten. Führen Sie ihn fort, weit fort von hier! Er soll fliehen, soll ver­schwinden. Noch ist Zeit; morgen, ach morgen! ist ja sein Urkheil schon gefällt, bann wäre es zu spät.

Nein, mein Vater," rief der Graf.Weder Sie noch ich dürfen unsere Pflicht vergessen. Dieser entsetzliche Streit zwischen Piemont und Auvergne mußte ein Ende nehmen. Dies ist nur dann zu hoffen, wenn ich nicht mehr bin.":

Der Marquis sah selbst ein, daß das Rettuugsmittel, welches er in seinem Schmerze vorgeschlagen, nicht an­nehmbar war.

Du hast recht, mein Sohn," jammerte er, indem er sich entmuthigt in seinen Fauteuil fallen ließ.Es giebt keinen Ausweg! Du bist verloren!"

Nicht doch, mein General," entgegnete jetzt Belmont,

^.'^<»-^.7..! ..-i.iii. . fig B --I - B I

warum alle Hoffnung aufgeben? Herr de Lourmel konnte und durfte nicht anders^ handeln. Die Herausforderung von Seiten seines Gegners war zu eclatant. Ich und alle Alle Anderen, die am Tische saßen, können und müssen dies bezeugen."

Der Marquis erhob gegen den Capitän sein kummer­volles Antlitz und blickte ihn mit nassen Augen an.

Mein lieber Belmont," jfagte er,das Martialgesetz kennt keine mildernden Umstände. Es spricht klar und deutlich den Tod gegen alle Duellanten aus; daö Kriegs­gericht kann und wird nicht anderes entscheiden."

Es giebt aber Fälle, und der Graf de Lourmel ist in einem solchen, wo das Gesetz eben seiner Strenge wegen keine Anwendung mehr findet. Der Graf leidet seit zwei Jahren nnter einer Verleumdung; diese Verleumdung wird ihm frech ins Gesicht geschlendert; Niemand in der ganzen Armee hätte da anders gehandelt als er."

Und dann, Herr Marquis," fügte der Oberst Ro­chambeau hinzu,können Sie nicht im Nothfall Ihre vielen Verdienste zu Gunsten ihres Nefferi zur Gettung bringen. Seine Majestät hat das Begnadigungsrecht. Selbst wenn der Graf verurtheilt werden sollte, so ist noch nicht alles verloren."

Sie haben recht, Oberst," sagte Herr de Castries etwas beruhigter.Ich glaube unter allen Umständen auf die Gnade des Königs rechnen zu dürfen. Aber erzählen Sie mir nochmals den ganzen Hergang der Sache," wandte der Marqnis sich an Belmont.Wie war es also zuge­gangen?"

Belmont wiederholte umständlich und genau den Bericht, den er dem Marquis schon einmal gemacht, wovon dieser aber in seinem ersten Schrecken und Schmerze die Hälfte überhört hatte. Als er endlich erzählte, daß Pierremalin