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5?r. 28S.

Jfiorßurg, Donnerstag, 5. December 1878

xin. Jahrgang.

«•.neigen nimmt entgegen: iieSrpebitton d.Blatte», <twie ».Ännoncen-Bureaux hjn Td. Dietrich & Co. t» Mel und Haunoocr; Td. Dietrich in Srantwrt a.M-i laasenstein & Vogler in trantfurt a. M., Berlin Seimig, Cöln rc.; Rudolf 3 in Berlin, Frank­furt a. M. ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, s owie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a-M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Duchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

_ r, . . ... „„ nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche

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zur in der Expedition zu crtbeilenbe Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet. _____________________

Bestevunge« auf die Dberhesstschk Zrilnng mit Gratisbeiblatt

Jllustrivtes Eonntagsblatt werden für den Monat December von allen Postanstalten noch fortwährend angenommen.

Die Exped. der Oberh. Ztg.

Tagesbericht.

Zum Empfange Sr. Majestät des Kaisers werden auf dem Bahnhof in Berlin anwesend sein: die obersten Hofchargen, die Minister, Generalfeldmarschälle, Generale, der Commandant, der Polizeipräsident, der Oberbürger­meister, Bürgermeister, Stadtveroronetcnvorsteher und deren Stellvertreter.

Dem Bundeörath ist ein Gesetzentwurf betreffend den Schutz nützlicher Vögel zugegangen. Derselbe umfaßt 10 Paragraphen und lehnt sich an die früheren Gesetzent­würfe an.

Auf Veranlassung der Debatte über die Interpellation des Herrn von Schorlemer-Alst entwirft die Schlesische Zeitung eine Schilderung der gegenwärtigen Kulturzu- stände, in welcher es einleitend heißt: „Die Geschichts­schreiber kommender Generationen werdcw die Epoche, in der wir leben, als eine der interessantesten in der Kultur­geschichte Deutschlands bezeichnen, mag sie uns selbst auch wenig behaglich erscheinen. Nachdem die Wunder des Dampfeö die Begriffe von Raum, Zeit und Kraft allen Schranken entrückt, nachdem wir gelernt haben, mit dem Blitz zu schreiben und mit dem Lichtstrahl zu malen, nach­dem das gemeine Recht über alle Rechte und Privilegien diktatorisch hinweggeschritten ist, nachdem Zlle Bande sge- sprengt sind, die daS Individuum an die «schölle fesselten, ist es die Aufgabe unserer Zeit, neue Grundlagen zu ge­winnen, auf denen sich das Vcrhältniß des Menschen zum Menschen menschenwürdig gestaltet. Noch leben wir in­mitten deS genetischen Prozesses, der uns zu neuen bürger­lichen Ordnungen führen soll. Wir haben die Trümmer­haufen bereits glücklich beseitigt, die uns im Wege standen, was aber an die Stelle des Alten treten soll, ist kaum im Rohbau vollendet; es wohnlich cinzurichlen, es zu einer festen Heimstätte für Frieden und Gesittung zu wandeln, bleibt uns noch Vorbehalten." Es wird sodann ausgeführt, daß wir die tabula rasa, welche unsere Sozialgesetzgebung unter dem Einfluß einer Manchesterschule geschaffen, nicht nur zu acceptiren, sondern sie sogar im Großen und Ganzen als historische Nothwendigkeit anzuerkennen haben. Aber daS Werk, wie es der manchesterüche Liberalismus geschaffen, bedürfe eines umfassenden Ausbaues, wenn es einem gesitteten Volksleben Raum gewähren sollte. „Die Aera deS ■ laisser faire liegt glücklich hinter uns. Das Volksbewußtsein steht unzweifelhaft auf der Seite der­jenigen, die sich anschicken, an eine eingreifende^ Korrektur unserer Sozialgesetzgebung Hand anzulegen. Trotz dessen aber wird die gestellte Ausgabe noch auf lange Zeit hinaus eine schwierige bleiben. Das Schlagwort Reaktion ist ein gar zu bequemes Mittel, jedem den Weg zu verlegen, der nicht allem huldigt, was der landläufige Liberalismus ein­mal auf seine Fahne geschrieben hat. ES wird sehr schwer werden, diejenigen, welche dieser Fahne gedankenlos zu fol­gen pflegen, zu der Einsicht zu 'ühren, daß es sich nicht um einen Rücktritt, sondern um einen rationellen Fortschritt handelt, daß es keineswegs gilt, alles Neue niederzureißen und Altes wiederaufzurichten, sondern nur das Geschaffene auszugestalten, seine evidenten Mängel an der Hand der Erfahrung nach Möglichkeit zu beseitigen. Wenn es wahr ist _ und gewiß ist es wahr — daß Stillstand schon Rückschritt bedeutet, dann verdienen gerade diejenigen enra- girten Manchestermänner als Reaktionäre bezeichnet zu werden, die geschlossenen Auges und tauben Ohres auf dem Standpunkte verharren wollen, zu dem sie uns auf dem Gebiet der Sozialgesetzgebung bis zum Beginn der Gründerepoche glücklich geführt haben." Was die Inter­pellation des Herrn von Schorlemer betrifft, so lasse sich nicht behaupten, daß dieselbe besonders glücklich formultrt und begründet war. Aber anerkannt müsse doch werden, daß der Wucher unsagbares Unheil anrichtet, und daß es möglich ist, diesem Unheil wenigstens theilwcise zu wehren, ohne darum Handel und Wandel durch Wiedereinführung

der alten Zinsbeschränkungen in ungebührliche Fesseln zu schlagen. . )

Mit dem jetzt in Brüssel zur richterlichen Entscheidung gelangenden Prozeß gegen T'Kint und Fortamps endet ür Belgien der größre Finanzschwindel, den das junge Königreich bis jetzt durchgemacht und der wohl auch in anderen Staaten selten seines Gleichen finden mag. Mehr als 500 Fragen find den Geschworenen zur Beantwortung gestellt. Der Anklageact war für den Angeklagten Fortamps ebenso gravirend, wie für T'Kint, namentlich in Betreff der Bilanzenfälschüng. Nach dem damaligen belgischen Gesetz wurde aber die Bilanzfälschung nicht als eine dem Strafrichter verfallende Fälschung betrachtet. Trotzdem ist sein Loos ein vielleicht noch anderes als das T'Kint's. Herabgestürzt von einer hohen Stellung, soll der Mann jetzt ein wahres Jammerbild darbietcn; — wer aber könnte ihn bemitleiden bei dem Gedanken des vielen Un­glücks, welches er, wie die Millionendiebe Langrand-Du- monceau und T'Kint über zahllose der acktbarsten Familien Belgiens und des Auslandes heranfbeschworen haben?

Dem „Siecle" wird aus Konstantinopel vom 19. November geschrieben: In den letzten Tagen hat hier die Installation deS Griechischen Patriarchen^ stattgefunden; das neue Oberhaupt der orthodoxen Kirche ist erst 45 Jahre alt; er gilt als entschlossen, thätig und intelligent. Wie die Mehrzahl der Mitglieder des griechischen CleruS ist er aus den untersten Stufen des Volkes hervorgegangen und verdankt sein Emporkommen einzig seiner Willensstärke. Ein namhafter Hellenist, beherrscht er die deutsche und französische Sprache von Grund ans. Die Ceremonien der Inthronisation des neuen Pontifex war von einer Ein­fachheit,- welche an die ersten Zeiten des Christenthums und die erste Kirche erinnerte. In Frankreich wird der Curat des unbedeutendsten Orres mit mehr Pomp installirt. Nachdem er dem Sultan vorgestellt war und dem Großvezier einen Besuch gemacht hatte, kam Se. Heiligkeit Joachim III. im Hofe des Patriarchats an, be­gleitet von einigen Bischöfen und zwei Adjutanten des Sultans, denen fünf oder sechs malpropre Zaptics folgten. Beim Eintritt in die Capelle wurde der Patriarch von seinem Clerus und den Mitgliedern der Synode empfangen. Es erfolgte ein Austausch von Reden zwischen dem Groß Loyotheten und dem Patriarchen. Der Archimandrih rich­tete eine Ansprache an die Gläubigen, die Kerzen wurden ausgeblasen und ein Jeder ging seines Weges.

Der Verlauf des Afghanenkricges bringt nun doch, wie wir auch schon in den Tagen der vielen Siegeödepe- schen andeuteten/ Schwierigkeiten und Hindernisse allerhand Art für die Engländer zu Tage. Stellt auch ein neueres, als officiell bezeichnetes Telegramm die Unterbrechung der Verbindungen im Khyberpaß in Abrede, so ist doch kein Zweifel daran erlaubt, daß die Afghanen jetzt, nachdem die britischen Truppen über das Gebiet der mehr oder weniger vom Emir abhängigen Stämme in das eigentliche Asghanistan eingedrungen, ernstlicheren Widerstand als bisher leisten und darin von einigen Stämmen unterstützt werden. Die Engländer werden nun mit aller Energie darauf zu sehen haben, daß ihre Verbindungen nicht unter­brochen werden und den Munitions- und Proviantcolonncn der Paß offen bleibt. Daß der Krieg in jenem gewaltigen Berglande nicht so glatt verlaufen würde, wie es nach den ersten Telegrammen den Anschein hatte, war vorauszusehen ebenso wie auch jetzt eine ernste Gefahr für die britischen Truppen nicht vorhanden sein dürste.

Deutsches Reich.

** Berlin, 3. Decbr. Es muß wiederholt constatirt werden, daß in den beunruhigenden Gerüchten, über welche die hiesige Presse zum Thcil klagt, offizielle oder offiziöse Quellen in keiner Weise betheiligt sind. Unrichtig ist na­mentlich, daß die Meldung der aufgefangenen Orsinibomben von einem Berichterstatter herrühre, der Verbindungen mit dem Polizeipräsidium habe. — Nachdem, wie bereits ge­meldet, die Eisen-Enquötekommiffion am Sonnabend voriger Woche die Vernehmung der industriellen Sachverständigen geschlossen hat, ist es die nächste Aufgabe der Commission, das in den Vernehmungen gewonnene Material systematisch zu gruppiren. Diese erste Arbeit dürfte 4 Wochen in An­spruch nehmen. Es wird alsdann dem Bundesrath, der die Commission eingesetzt und dem dieselbe ihren Bericht zu er­statten hat, überlassen sein, für die Angelegenheit die wetteren

gesetzlichen Wege anzuordnen. Es dürfte dahin auch die Frage gehören," ob das aus den Vernehmungen gewonnene Material der Oeffentlichkeit zu übergeben ist. — Die der „Weserztg." telegraphirte Nachricht, daß der Reichstag Mitte Februar einberusen werden sollte, und daß nach Schluß desselben noch eine Nachsession des Landtages bevorstehe, ist vollständig aus der Luft gegriffen. In den hierfür maß­gebenden Kreisen sind über diesen Gegenstand noch keine Erwägungen angestellt worden. — Der Minister des Innern hat die Provinzialbehörden Behufs Jnstruirung der Stan­desbeamten auf ein Urtheil des Obertribunals vom 11. Octo­ber d. I. aufmerksam gemacht, worin ausgeführt wird, daß die Eintragung der Vornamen eines Kindes im Geburts­register nach Ablauf von zwei Monaten nach der Geburt nur in Folge eines auf Grund deS § 48 des preußischen Gesetzes eingeleiteten Berichtigungsvcrfahrens zulässig ist, und daß dies Berichtigungsverfahren nicht allein im Fall einer Rektifikation von Jrrthümern Platz greift, sondern auch überall da eintreten muß, wo es sich um die nachträg­liche Ergänzung einer einmal eingetragenen Standesurkunde handelt, soweit nicht das Gesetz selbst eine Ausnahme ge­stattet. — Am 29. November Nachts lief hier die Nach­richt ein von dem Ausbruch der Rinderpest in Stallupönen, am 30'. November wurde sofort von Seiten des landwirth- schaftlichen Ministeriums ein Verbot der Viehverladung auf Eisenbahnen und des Abtriebes von Rindvieh von Vieh» märtten östlich der Weichsel und des ganzen Kreises Thorn angeordnet. Am 1. December wurde der Ausbruch der Pest in Hathenow am Oderbruch gemeldet. ES wurde hierauf die Sperrung des Abtriebes von Rindvieh vom Berliner Viehhof angeordnet; ferner ein Verbot erlassen, das die Vieh­verladung und Abhaltung von Viehmärkten im Kreise Lebus und den an den Oderbruch angrenzenden Kreisen festsetzt. Am 2. December erfolgte in der Umgegend des Oderbruchs ein weiterer Auöbruch der Pest, so daß bis diesen Augen­blick 7 Ortschaften am Oderbruch von der Seuche ergriffen sind. Es ist amtlich constatirt, daß die Einschleppung der Seuche nach dem Overbruch durch einen Viehtransport aus dem Gumbinner Bezirk erfolgt ist. Es sind in Folge dessen von dem landwirthschaftlichen Minister alle LandeSpolizei- behördcn zur größten Aufmerksamkeit auf die Viehbewegung und die Gesundheits-Verhältnisse des Viehes telegraphisch veranlaßt worden. In den an den Frankfurter Regierungs­bezirk angrenzenden Kreisen des Potsdamer und Stettiner Bezirks sind gleichfalls Viehverladungen, Abhaltung von Vieh- märkten, Abtrieb von lltindvieh untersagt worden. — Durch Allerhöchste Cabinetsordre vom 26. November ist die Dis- ciplinarstrafgewalt und Gerichtsbarkeit über daS Militär­personal des deutschen MarinelazarethS in Aokohama dem Befehlshaber der ostasiatischen Station übertragen worden.

Siel, 3. Dec. Die „Kieler Ztg." meldet zur Affaire deS „Großen Kurfürsten": Den Angeschuldigten sind die betreffenden Theile des Gutachtens des Contreadmirals Jach­mann und des Capitäns Klatt zur Gegenerklärung vorge­legt worden und wird erst demnächst die Abgabe der im Ucbrigen abgeschlossenen Akten an die Admiralität erfolgen. Die Abhaltung deS Kriegsgerichts wird bei dem CorPS- gericht deS Gardecorps stattfinden.

Hamburg, 1. Decbr. Die von Berliner Zeitungen gebrachte Miltheilung, daß hier zwei Kisten mit Orsini­bomben aufgesunden worden seien, ist, wie von zuständiger Sette versichert wird, total aus der Luft gegriffen. @6 ist hier nicht einmal ein Vorkommniß zu registriren gewesen, welches zu jenem Gerüchte hätte Veranlassung geben können. Von den aus Berlin ausgewiesenen Social-Demokraten sind bereits mehrere hier eingetroffen; doch soll, wie verlautet, die hiesige Polizeibehörde bereits auf geeignete Maßnahmen Bedacht genommen haben, um unsere Stadt nicht zu einem Asyl für Socialisten und Internationalisten werden zn lassen.

Reustadt a. d. Saale, 3. Dec. Zum Reichstags- abqeordneten für den Wahlkreis Kissingen wurde Reichert, Bürgermeister von Großeibstadt (klerikal) mit 9387 Stim­men gewählt. Der liberale Gegen-Candidat Berlenz erhielt 2992, Freiherr von Stein 2512 stimmen.

Weimar, 1. Decbr. Gestern verschied dahier nach kurzem Krankenlager in^ ihrem 77. Lebensjahre I. D. die Prinzessin Fanny zu Sayn - Wittgenstein-Berleburg, geb. Freiin Allesine von Schweitzer, Wittwe deS Prinzen August zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg und Mutter des nur we­nige Wochen ihr vorangegangenen Prinzen Emil zu Sayn- Wittgenstcin-Berleburg.

Darmstadt, 1. Dezbr. Auch in der hessischen 2. Kam­mer ist ein Antrag auf Beschränkung der Wucherfreiheit gestellt. Derselbe ist seitens des Abgeordneten Wolz einge­reicht und lautet: Die Kammer wolle die Regierung dringend