XIII IahkMg.
JRarfiurq, Dienstag, 3. December 1878
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Siu Votum über Schulsparkaffeu.
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erwächst, deren Erfüllung den Schwankenden eine Ermunterung, den Strebenden eine Stütze und den Gegnern eine Veranlassung zu nochmaliger Erwägung werden würde. In welcher Weise dieser Pflicht genügt werden könnte, darüber erlaube ich mir die nachstehenden unmaßgeblichen Vorschläge.
1) Von einer Verordnung, durch welche die Einführung von Schulsparkassen für sämmtliche Schulen obligatorisch gemacht werden sollte, ist unter allen Umständen abzusehen, weil die freie Liebesthätigkeit des Lehrers für das Gelingen des Unternehmens den Hauptsactor bildet.
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
Piemoat «ud Auvergue.
Frei nach dem Französischen des A. Fiev6e, von Rudolph Müldener.
(Fortsetzung.)
Geschah es »us Zufall oder absichtlich, die Blicke des Capitains Pierremalin fielen, als er dies sagte, auf den Grafen de Lourmel. ,
Letzterer hatte bisher nur mit Mühe sein Gefühl lebhaften Unwillens niedergekämpft, als er unter den Offizieren von Piemont denjenigen, den er für sein eigentlichen, Todfeind hielt, so nahe neben sich Platz nehmen sah.
Seine erste Absicht war gewesen, aufzustehen und zu gehen, allein Belmont hatte ihn zurückgehalten, um den Schein zu vermeiden, als räumten sie ihren Gegnern freiwillig das Feld. De Lourmel war demnach geblieben und hörte die Worte Pierremalins mit an; auch dessen Blick war ihm nicht entgangen. Letzteren hielt er jedoch für zufällig und ohne Zusammenhang mit der gemachten Aeuße- rung, da diese doch schlechterdings nicht auf ihn, oder auf seinen Kameraden Belmont gemünzt sein konnte. So glaubte wenigstens der Graf, bald sollte er sich aber eines Andern überzeugen. .
„Sie sind ein Narr, Pierremalin, hatte Capitain St. "Hilaire diesem mit halblauter Stimme entgegnet. „Sehen Sie denn nicht, daß nur Offiziere um uns Herumsitzen ?*
„Dieser gute St. Hilaire!" rief Pierremalin, „selbst ein Ehrenmann, hält er andere als ehrenhafte Charaktere für rin Ding der Unmöglichkeit. Ich aber sage, seit es üblich wird, die nächsten besten Landstreicherinnen mit ofienen Armen bei sich auszunehmen und mit sich herumzuschleppen, muß man auf Alleö gefaßt sein. Gerade mit solchen
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«meinen nimmt entgegen: »je Expedition d.Blattes, fo®ie d-Annoncen-Bureaux Mn Tb- Dietrich & Co. in Mel and Hannover; Th. Dielrich in Frankfurt a.M.; ösafenftein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin -eipzig, Cöln re.; Rudolf Neffe in Berlin, Frank- furl a. Dl. :l
^uworuaerei, in der Expedition zu ettbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet.__
Tagesbericht.
Der Reichskanzler ist im Laufe des Jahres, beim Zu- , sammentritt des Kongresses und später, bei der außergewöhnlich frühzeitigen Eröffnung des Reichstages, genöthigt gewesen, sich der Leitung seiner Geschäfte mit Aufwand und bis zur Erschöpfung aller seiner Kräfte zu widmen; und dies gerade zu einer Zeit, als er sich noch in der RekonvaleScenz befand und großer Schonung bedurfte. Die Anstrengungen, denen er sich bei dieser Gelegenheit unter» zogen hat, haben nun, weun auch nicht einen akuten Krank» heitszustand, so doch eine allgemeine Ermattung zur Folge gehabt, welche ihm, nach Gutachten der Aerzte, möglichst ununterbrochene Ruhe, und zwar während eines längeren Zeitraums, zur dringenden Pflicht macht und ihm schwerlich gestatten wird, die Anstrengungen bei den bevorstehenden Empfangsfeierlichkeiten zu tragen.
Im Bundesrath motivirte, wie die „Köln. Ztg." schreibt, der preußische Bevollmächtigte die für Berlin auf Grund des Sozialdemokratengesetzes getroffene Anordnung
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Mit vor Zorn gerötheter Stirne, funkelnden Augen und bebenden Lippen erhob er sich und hätte Belmont ihn nicht am Arme gehalten!, er wäre auf Pierremalin lo»gr- sprungen.
Was aber momentan verhindert wurde, geschah schon im nächsten Augenblicke, noch bevor der Graf zu einer Erwiderung den Mund geöffnet hatte. Denn Pierremalin richtete, als er sah, daß der Graf aufftand, seinen Blick wo möglich noch kecker herausfordernder und verächtlicher auf ihn und murmelte dabei etwas seinen Freunden zu.
Nur ein Wort, ein einziges hatte Lourmel zu bet» sichen geglaubt, sei es nun, daß es Pierremalin wirklich ausgesprochen, oder ob dem Grafen in seiner gereizten Einbildungskraft nur fo vorgekommen war. Dieses eine Wort aber traf ihn wie ein giftiger Pfeil und wirkte in ihm der zündende Funke auf eine mit Pulver gefußte Miene.
Es war das Wort: „Meuchelmörder!"
Ehe Belmont eS verhindern konnte, war de Lourmel mit einem einzigen Sprunge, blaß und zitternd vor Wuth seinem Gegner gegenüber.
„Feiger, nichtswürdiger Bube!" rief oder brüllte er vielmehr, „hier empfange Deinen Lohn für Deine schurkischen Verleumdungen!"
Mit diesen Worten versetzte er dem Ueberraschten einen heftigen Schlag ins Gesicht, machte sodann einen Sprung zurück und riß seinen Degen aus der Scheide.
Gleichzeitig hatten Die Offieiere von Piemont ihre Degen gezogen, ebenso Belmont, der mit dem Ruse: „Zurück, meine Herren!" sich vor de Lourmel stellte und ihn mit seinem Leibe gegen die Eindringenden schützte.
Der Vorfall war natürlich auch unter den übrigen Anwesenden nicht unbemerkt geblieben. Die an anderen Plätzen vertheilten Osficiere von Auvergne eilten ihren bedrohten Kameraden zu Hülse; dasselbe chaten die von
Bedürsniß dahin drängen würde. Vorläufig liegt ein derartiges Bedürfniß noch nicht vor.
Ich schließe mit dem aufrichtigen Wunsche, daß die Lebenskeime, welche für die Erziehung unseres Volles zur Sparsamkeit und damit zur Selbsthüffe und zum Kampfe gegen dir verderblichen Lehren der Sozialdemokratte in unseren Schulen, sowohl in den weiteren Grenzen unsere» preußischen und deutschen Vaterlandes, als auch insbesondere in der Provinz Hannover hervorgebrochen sind, nicht wieder verkümmern mögen, sondern unter dem Wohlwollen und der fördernden Mithülfe unserer Staatsregierung sich entwickeln und segensreiche Früchte zeitigen mögen.,
Hannover, im Juli 1878. Spieker.
Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medi- einal-Angelegenheiten hat in einem Erlasse an den Referenten vom 19. August d. I. zwar sein lebhaftes Interesse an der Sache kund gegeben, auch derselben weitere Förderung an- gewünscht, gleichzeitig aber auch erklärt, daß, bevor den gemachten Vorschlägen Folge gegeben werden könne, der Gegenstand noch weiterer Prüfung und Erörterung in öffentlicher, freier Diskussion bedürfe.
Möge denn solcher Diskussion in Lehrervereinen und Zeitschriften auch bei uns Raum geschafft werden! Möge man dabei nicht von Theorien und vorgefaßten Meinungen sich bestimmen und durch die Mühe die mit der Sache verbunden ist, sich nicht abschrecken lassen. Soll unserm Volke geholfen werden, so geschieht es auch auf diesem Gebiete durch die That, nicht durch Worte.
2) Dagegen würde ein Erlaß des Herrn Unterrichts- Ministers, in welchem aus die Bedeutung der Schulspar- kassen für unsere Zeit, auf die außerordentlichen Erfolge derselben in anderen Ländern und zum Theil auch in unserem Vaterlande, auf die rechte Art und Weise der, Einrichtung von Schulsparkassen und auf die Grundlosigkeit der dagegen erhobenen Bedenken hingewiesen und die Begründung dieser Kassen empfohlen würde, von der höchsten Wichtigkeit und nicht dankbar genug anzuerkennen sein.
3) Wenn es von Wichtigkeit ist, daß auch die! künftigen Lehrer schon in ihrer Vorbereitungszeit auf die Bedeutung der Schulsparkassen für unsere Zeit und für die Gesittung des Volkes hingewiesen werden, so empfiehlt es sich, daß die Angelegenheit schon auf den Schullehrcr-Semiuaren theoretisch und praktisch in Angriff genommen werde. Eine dahin zielende Anordnung würde von großem Erfolge sein; wenigstens müßten unsere Seminaristen jedenfalls mit der Sache bekannt gemacht werden. Die Uebungsschulen bieten zur prakttschen Verwerthung die willkommene Veranlaffung, wie das Beispiel von Wunstorf zeigt.
4) Eine wesentliche Förderung der Schulsparkassen würde es sein, wenn das Kömgl. Ministerium auch pekuniäre Mittel bewilligen könnte, sei es um solchen Lehrern, welche besonders große Mühewaltung mit Einrichtung und Verwaltung von Schulsparkassen übernehmen, Remunerationen zu gewähren, sei es um fleißigen und bedürftigen Schülern der Volksschule Beihülfe zur ersten Einlage in die Sparkasse darzubieten.
5) Ganz besonders empfehlenswerth ist die Verbreitung von Schriften, welche die.Bekanntschaft mit den Schulsparkassen, ihrer Entstehung, Wirksamkeit und ihren Erfolgen vermitteln; denn gerade in diesem Punkte zeigt sich noch sehr viel Unbekanntschaft bei den Lehrern, daher, kommen auch die vielen schiefen Urtheile, die man über die Schulsparkassen hören und lesen kann. Für diesen Zweck eignen sich besonders die beiden oben genannten Schriften von Dr. Wilhelm! (Die Schulsparkasse und ihre Verbreitung. Leipzig 1877. Duncker u. Humblot. 59 S. 8. Preis 1 Mk. 60 Psg.), und Pastor Senckel (Die Schulsparkassen. Eine Denkschrift. Berlin 1878. Ed. Beck. X. und 58 S. 8. Preis 1 Mk.). Möchte es dem Herrn Minister gefallen, diese beiden Schriften in recht zahlreichen Exemplaren unter den Lehrern in Stadt und Land verbreiten zu lassen.
6) Ob bann, wie dies in andern Ländern geschieht, auch die Ressorts anderer Verwaltungszweige, als etwa die Postkassen, Steuerkassen und dergl. zur Mithülfe und kräftigen Förderung herangezogen werden könnten, davon dürfte erst bann weiter die Rede sein, wenn die Schulsparkassen eine solche Verbreitung gefunden haben sollten, daß das Dirnen kann man sich nicht genug in Acht nehmen. Sie sehen und beobachten Alles im Lager und eines schönen Tages sind sie verschwunden, um dem Feinde ihre Entdeckungen mitzutheilen. Wer solches Gesindel unter seinen Schutz nimmt, setzt sich jedenfalls einer großen Verantwortung aus, und mit gutem Rechte könnte man auf die Ver- muthung kommen, daß Beschützer und Beschützte unter einer Decke stecken."
Pierremalin fixirte bei diesen Worten wieder den Grasen und zwar mit einer solchen martirten Unverschämtheit, daß kein Zweifel mehr darüber bestehen konnte, auf wen er anspiette. Es trat an allen. Tischen ein Moment lautloser Stille ein und Jedermann geriet!) in Verlegenheit. Man fühlte, daß Pierremalin's Rede einen Eclat Hervorrufen müsse und fürchtete mit jedem Augenblicke den Ausbruch desselben. Daß er die im Regimente Auvergne neu angenommene Markedenterin Jnmcla meinte, die in der That, seil das Regiment in Köln lag, spurlos verschwunden war, stand fest, ebenso gewiß hatte er den Chevalier Acigny und den Grafen de Lourmel im Auge, als er von den Beschützern solcher Vagatinnen sprach.
„Was wollen Sie", fuhr Pierremalin laut fort, indem er hämisch lachte, „für gewisse Leute bedeuten dergleichen Gefahren nichts, wenn sie nur diejenige Unterhaltung dabei finden, die ihrer Geschmacksrichtung entspricht. Heber den Geschmack aber ist nicht zu streiten. Die Einen lieben dies, die Andern jenes; wenn aber zwei ein und denselben Gegenstand lieben und sich brüderlich hinein theilen, so ist dies ein Beweis von Freundschaft, die jedenfalls alle Anerkennung verdient und vor der man den Hut abziehen muß."
Herr Bechet de Pierremalin lüftete seinen Hut und sah dabei wieder dem Grafen so fest ins Gesicht, daß dieser nicht mehr länger an sich hallen konnte.
DaS von dem Königl. Provinzial-Sckulrath Spieker zu Hannover herausgegebene „pädagogische Zeitblatt für Haus linb Schule" enthält in seinen letzten 3 Nummern (3o bis ü ;37) eine im Auftrage des Herrn Kultusministers von dem 1 hc Spieker ausgearbeitete „Denkschrift, betr. die Einrichtung rm Schulsparkassen, namentlich mit Bezug auf die Provinz Hannover". Dieselbe berichtet ausführlich über mehrere dort in Stadt und Land, auch auf der Seminar-Uebungs- ! schule zu Wunstorf, wie sonst seit früher (1871, 1873, ja war seit 1866) mit der Schulsparkasse gemachten Versuche und gesammelten Erfahrungen. Bemerkenswerth ist die von oerg Merall bezeugte Thatsache, daß von all den aus vorgefaßter T^orie — bez. Antipathie! — befürchteten schlimmen Folgen der Einrichtung sich nirgends auch nur das Geringste verwirklicht hat. Wir bedauern daher, daß diese Denkschrift nicht im Separat-Abdruck veröffentlicht ist. Allerdings bezieht sie sich eigentlich ausschließlich auf die Provinz Hannover.
Es würde freilich wünschenswert!) sein, wie wir noch bemerken möchten, daß von einer Central-Instanz eine Denkschrift über die beregte Angelegenheit veranlaßt und durch vollständige Unterlagen ermöglicht würde, welche sich auf alle im deutschen Reiche in den letzten Jahren in dieser Richtung gemachten Versuche stützen könnte. Wilhelm! weiß von deutschen Schulsparkassen noch gar nichts; Senckel berichtet in feiner soeben erschienenen „Denkschrift" zwar von vielen solchen, jedoch nur im Allgemeinen. Zahlenmäßige Angaben haben ihm offenbar nur wenig zu Gebote ge- standen. Ein Hauptvorzug seiner Schrift ist die ausführ- &ort Me (in ausgedruckten und mit Rechnungsbeispielen versehenen Formularen gegebene) Darstellung der rechnungsmäßigen Verwaltung einer selbstständigen Schulsparkalse.
Der Schluß der Denkschrift des Provinzial-Schulraths Spieker lautet folgendermaßen:
Aus allem Vorhergehenden dürfte sich ergeben, daß der Unterzeichnete die Förderung der Schulsparkassen als etwas - sehr Heilsames ansieht, und wenn die hieraus resultrrende Aufgabe zunächst auch dem Lehrer zufällt, so ist nicht zu rin. leugnen, daß auch der Staatsbehörde daraus eine Pflicht hortm Cfrfüttuna den Schwankenden eine Ermun-