^Mr. 282.
Marburg, Sonntag, 1. December 1878
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, . jütieigeit nimmt entgegen: ®äj Kt Expedition d.Blatte», UUi i«,ie d.Annoncen-Bureaux jjb Th. Dietrich & Co. in . .. ^zffe! und Hannover; Th. ML Hielrich in Frankfurt a M.;
neafenftein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, dipzig, Mn -c.; Rudolf Woffe in Berlin, Frank» furt M. 2L
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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Aimoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Beilin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
mtog statt, nicht 3185
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Allerlei über Finanzpolitik.
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Die Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 27. Novbr.
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LassMHien beinahe ein Gerichtstag werden zu wollen. Es stand [Sittwe erste Lesung des Etats auf der Tagesordnung und 17
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Preußen hat eine Milliarde, Frankreich dagegen zwanzig
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sittliche Feindschaft zwischen Hobrecht und Richter aus dem Saale der Berliner Stadtverordneten in das preußische
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anleihen herrühre. Er meint, daß dadurch der Privatin- hustrie die Mittel entzogen werden.
Wir haben kürzlich selbst gegen die Borgwirthschaft der e Staaten und das ewige Anleihewesen geschrieben, aber in dieser Form ist die Behauptung doch unerhört. Vergleichen wir nur einmal die Verhältnisse Frankreichs und Preußens.
AdgeodnetenhauS zu übertragen. Nur von einem solchen q Gesichtspunkte aus ist unS Richters Rede verständlich. Er macht aus gleichgültigen Dingen einen Vorwurf, lobens- iverthe Dinge überhäuft er mit seinem Tadel.
i So ist Richter darüber entrüstet, daß die Thronrede thte Ergänzung des Eisenbahnnetzes und eine Verbesserung der Wasserstraßen ankündige. Er sei kein Feind der Vermehrung der Eisenbahnen, aber Alles mit Maß und Ziel mid zu seiner Zeit. 9tun, wo liegt denn der Anhaltspunkt für Die Annahme, daß die Regierung nicht Maß und Ziel kinhalten wolle? Und wenn dieß wirklich der Fall sein soll, wofür ist denn der Landtag da, ohne dessen Willen die Regierung keinen Schuhbreit Eisenbahnen bauen kann. Und der Kanalbau? Ist das nicht eine langjährige For-
f Redner hatten sich zum Worte gemeldet. Die stärkste Stiftung prästirte wie gewöhnlich Herr Eugen Richter. Seine Rede war wie eine Salve von 1000 Gewehren, nur
btt, schade, daß hinter dem gewaltigen Lärm keine richtige Wir- , kutvz steckte. Die vielen Fehlschüsse verdunkelten die weni- [, gen wirklichen Treffer; daun hatte die Rede einen sehr ;j großen Fehler. Die unnöthig gereizte Sprechweise, die - Mißachtung von Formen und Rücksichten, ließen durch- scheinen, daß Herr Richter (um einen volksthümlichen Ausdruck zu gebrauchen) „einen Gift darauf hatte" seinen M- valen einmal gehörig auf das Korn zu nehmen, die per-
krung des Landes und der Landesvertretung und kann »mau der Regierung einen Vorwurf daraus machen, wenn p? sie endlich Anstalten macht, diese Forderung zu erfüllen?
$err Sichler meint, der Finanzminister sei um so freige-' ’ P biger, je weniger Geld er habe. Inzwischen liegen aber ! - dem Abgeordnetenhause bereits zwei Gesetzentwürfe vor, welche bestimmt sind, den Bau von Wasserstraßen zu för- , dem. Einen Thril, wenn auch einen kleinen Theil ihres
Versprechens hat die Regierung bereits eingelöst.
iptil > Herr Richter hat endlich die Behauptung wiederholl, daß die wirthschaftliche Noch zum Theil von den S-taats-
Milliardeu Staatsschulden. Preußen steckt in finanziellen Nöthen, Frankreich schwimmt im Ueberfluß. Deutschland hat Goldwährung, Freihandel und direkte Steuern, Frank- reich hat Doppelwährung, Schutzzoll und indirekte Steuern. Frankreich hat alles, was nach den Anschauungen Richters bett Ruin eines Landes begründet, und doch ist die wirth- schaftliche Lage in Frankreich gerade unter den obwaltenden Umständen eine glänzende; es ist reich, sn den Staatsfinanzen herrscht Ueberfluß.
Warum denn?
Politische Woche« -Ueberstcht.
Das We>en jedes Leid's hat zwanzig Schatten. Die ausse.'n rote das LOd, doch es nicht sind!
Die wirthschaftliche Nothlage ist das Thema, welches sich durch die Ritzen und Fugen der Tagesordnung in die Be- rathungen des Abgeordnetetthauses hineindrängt und dort im Nu die Debatte beherrscht. Leider müssen wir sagen, daß diese kostspieligen und zeitraubenden Verhandlungen nicht einmal den 'Nutzen haben, die ösfentliche Meinung aufzuklären und wenn wir noch ein gereimtes Citat vorbringen dürften, so würden wir über den amtlichen Sitzungsbericht das Motto schreiben:
Sucht nur die Menschen zu verwirren, Sie zu befriedigen ist schwer.--
Es scheint in den hohen Regionen der Landesboten eint Nathlosigkeit zu herrschen, die sich in gegenseitigen Recri- minalionen Luft macht. „Das ist Ihr Deficit!" ruft Herr von Minnigerode den Liberalen zu, woraus Herr Richter (Hagen) diesen Borwurf mit einer Handbewegung dem Finanzminister überweist. Es ist doch eine offenbare Ungerechtigkeit, einen Mann der seit einigen Monaten erst die Geschäfte übernommen hat, für Zustände verantwortlich zu machen, die sich in logischer Consequenz der Finanzgeschichte einer ganzen Reihe von Jahren anschließen! — Herr Rickert machte für die Nothlage verschiedene Männer, Zu- und Umstände verantwortlich. Am meisten haben wir uns darüber gewundert, daß Herr Rickert die Förderung der StaatS- bahn-Bauten unter diesen Umständen anführt. Wer war es denn, der vor Jahresfrist von dieser Förderung wesentlich eine Linderung der Nothlage erhoffte, und der Regierung dringend empfahl, die für öffentliche Bauten bewilligten Mittel mit größerer Energie zu verwenden? Außerdem genirt den Herrn Redner, wie eL scheint, noch der Bries des Reichskanzlers betr. die Revision des Zolltarifs. Die daraus resultirende Unruhe sei an der Nothlage mitschuldig. Also ein Brief, der vor wenigen Wochen geschrieben worden, ist Ursache der Nothlage!! Was soll das Volk von solchen Staatskünstlern denken. An die Behauptung, daß der Cultnr-
kampf die wirthschaftliche Nothlage herbeigeführt habe, sind wir durch die Naivetät der Centrumsredner bereits seit Jahren gewöhnt und wundert es uns nicht, wenn Herr Dauzenberg dieselbe wieder aufwärmt. Dabei müssen wir aber doch gestehen, daß Zufall und Umstände der CentrumS- partei in dieser Session eine bedeutsame Stellung einräumen. Für uns ist es ein trauriger Gedanke, daß der Reichskanzler die wirthschaftliche Consolidation des Reiches begründen soll mit Hülfe der Centrumspartei, gegen den Willen derjenigen Partei, welche bei der politischen Consolidation den Ausschlag gegeben hat. Wir hoffen, daß dieses Verschließen gegen die Noth und die Bedürfnisse des Landes, nicht allein der liberalen Sache, sondern auch den Männern schaden muß, die sie gegenwärtig vertreten. Die verneinende Haltung in dieser Angelegenheit wird manche parlamentarische Größe zum Abdanken zwingen. Ist es denn Zeit, wenn das Volk Brod verlangt, wenn es sich darum handelt, schwer drückende Lasten zu erleichtern, ist es da Zeit (sagen wir) um die Höhe der Provision zu feilschen, welche das Parlament für sich verlangt? —
Während sich Berlin auf den Empfang des Kaisers vorbereitet, hat auch das Staatsministerium Veranstaltungen getroffen, welche, soweit dies in Menschenhand liegt, einigen Schutz gegen die verruchte internationale Verschwörung bieten. Berlin wird die Unbequemlichkeiten, die aus jenen Maßregeln erwachsen, geduldig über sich nehmen.
Der Budget-Ausschuß der österreichischen Delegation hat bekanntlich dem Plenum vorgeschlagen, den Nachtrags- Credit für die Oeeupalion so lange zu verweigern, bis der österreichische Reichstag den Berliner Vertrag genehmigt haben würde. Als der Ausschußbericht auf die Tagesoro» nung gestellt war, verlangte Graf Anorafsy die Absetzung desselben, da er sich angesichts der Wichtigkeit desselben mit den Rächen der Krone berathen müsse. Die Berathung hatte das Resultat dem Budget Ausschuß nachzugeben. In der Donnerstagsitzunz der österreichischen Delegation brachte der Präsident ein Schreiben des Ministers des Auswärtt- gen zur Verlesung, wonach bas gemeinsame Ministerium mit Genehmigung des Kaisers beschlossen hat, die Vorlage betr. die Bewilligung eines Nachtragseredites von 60 Millionen pro 1878 zurückzuziehen. Die Bedeutung diesesS chreibens liegt darin, daß nunmehr der Reichstag in Wien zusam- mentritt, um über den Berliner Vertrag Beschluß zu fassen. Man nennt schon den 10. December als Termin für die Wiedereröffnung der Sitzungen des Reichsraths.
Die Schwierigkeiten zwischen Rußlanv und Rumänien sind geebnet, die Besitzergreifung der Dobrudscha Seitens Rumänien hat begonnen. Noch aber spielen die Russen tu Bulgarien die Rolle als „beati possidentes.“ Es scheint Rußland gelegen zu kommen, daß jetzt die Ausmerk-
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78.
s Piemont und Auvergne.
Frei nach dem Französischen des A. FMv6e, von Rudolph
s, Müldener
(Fortsetzung.)
Vor einem Bilderladen führte ihn der Zufall mit dem &*; Capitain Belmonn zusammen. Beide begrüßten sich aufs *4'3 Freundlichste, denn es vereinte sie feit langer Zeit die innigste Sympathie, die sie auf gegenseitige Achtung und sUebereinstimmung der Charakter stützte.
Da auch Belmont gerade nichts zn thnn hatte, be-
f In ihrem Hotel angelangt, schrieb Henry auf seinem Zimmer, welches durch einen gemeinschaftlichen Salon von
• jenem des Chevalier getrennt war, einen langen Brief an Frau de Castries und Gabriele. Es war zum ersten Male, __ daß er wieder in froher Stimmung schrieb, daß aus seinem ine) Zeilen wieder eine Lebenslust und Zuversicht herausleuchtete Ag die ihm immer mehr und Mehr abhanden gekommen war. ertl tzz regte sich gewissermaßen eine Ahnung in ihm, daß seinen m Leiden ein Ziel gesetzt, daß er in Der öffentlichen Meinung 1 wieder rehabilitirt werde und daß somit die Hindernisse schwinden würden, die bis jetzt, so lange diese entsetzliche 'ßf Verleumdung auf ihm lastete, seiner Verbindung mit Ga- viele im Wege standen.
!tbc i Am andern Tage traf den Chevalier mit seiner Com- 69 pagnie der Dienst. Graf de Lourmel war also auf sich allein angewiesen und ging, um sich die Langeweile zu tlsi [vertreiben, planlos in der Stadt umher, wobei er sich sie £ Auslagen der Kunsthändler und Kaufleute betrachtete, deren "l. 'Läden freilich damals noch nicht jene Pracht aufzuweisen litt haj^n, in der sie heutzutage prangen, die aber nichts desto weniger auch schon zu jener Zeit dem müssigen Zuschauer ein vollkommenes Mittel legten, sich die Zeit zu vertreiben.
schloffen sie, ihren Spaziergang zusammen fortzufetzen. Schon zu jener Zeit war Deutz eine Lteblingspromenade der Kölner. Die große Plantanenallee, die noch heutzutage steht, versammelte an schönen Tagen eine Menge Spaziergänger und in den längst der Straße liegenden Wirthschaftsgarten und Lufthäusern herrschte gewöhnlich das munterste Leben.
Auch Belmont und de Lourmel folgte dem Menschenstrome, als sie einmal an der Brücke waren, und gingen hinüber, wo ihnen schon von ferne Militäirmusik entgegenrauschte, Die hier alle Nachmittage wenigstens in einem, oft aber auch in mehreren Garten ihre Produktionen gab.
Angelockt durch die verfüherischen Klange eines deutschen Walzers traten die beiden Offiziere in eine Wirth- schaft ein.
Ziemlich nahe am Orchester fanden sie ein hübsches Plätzchen an einem kleinen Tische, der gerade für zwei Personen ausreichte und von dem aus man die herrliche Aussicht über den Rheinftromm und die ganze Stadt Köln genießen konnte.
Der Abend war herrlich und de Lourmel unterhielt sich bei einer Flasche Johannisberger ganz vortrefflich mit feinem Freunde Belmont, als ihnen leider die Freude des ungestörten Austausches ihrer Gedanken verdorben wurde, intern eine Anzahl von Offizieren des Regiments Piemont eintrat und ganz dicht neben ihnen am nächsten Tische Platz nahm.
Ohne scheinbar ein besonderes Augenmerk auf sie zu richten, war es de Lourmel nicht entgangen, daß Bechet oe Pierremalin dabei war und daß er wegwerfend Die Achseln gezuckt, als er, von einem anderen Offizier, Namens Mon- teciar, aufmerksam gemacht, ihn und Belmont bemerkt hatte.
In einem Armeecorps, welches im Felde steht, bieten
die wahrscheinlichen Operationspläne, die Nachrichten vom Feinde und die persönlichen Abenteuer auf Bivouak, oder im StanDquartiere stets eine ergiebige Abwechslung in der Unterhaltung bei geselligen Zusammenkünften, wo man von Dem und Jenem plaudert, sich 'Neuigkeiten erzähtt und Tagesgespräche courjiren läßt, an denen oft kein wahres Wort ist. Bald taucht das Gerücht auf, daß der Feind seine Stellung veränoert habe. „Er beabsichtigt, unseren rechten Flügel zu umgehen," behaupten die Einen. „Nein, im Gegentheil, der linke ist es, den er bedroht," entgegnen die Andern. „Dieses Regiment hat bei dieser oder jener Affaire zwanzig Offiziere und dreihundert Soldaten verloren," heißt eS heute. Nein es ift abgeschnitten und gefangen genommen, ohne einen Mann zu verlieren," wird morgen behaupet, während es sich am dritten Tage herausstellt, daß es gar nicht in Gefahr war, daß es zwei Meilen vom Feinde entfernt stano.
Was zur Abwechselung gerne diesmal das allgemeine Gerücht bildete, war die angebliche Ergreifung sehr gefährlicher Spione, Die sich im Lager eingeschlichen haben sollten. Ganz Köln war voll von diesem Gerede, und auch die Offiziere von Piemont sprachen eben davon, als sie den Garten betraten und an jenem Tische neben de Lourmel und dem Capitain Belmont Platz nahmen.
Anfangs übertönte das Geräusch der Musik ihre Stimmen, nach und nach aber wurden sie immer lauter und ohne sich darum zu kümmeren, ob es die Nebensitzendcn nicht belästige, sprachen sie bald so, daß man auf zwei bis Drei Tische weit ihre Worte hören und verliehen konnte, besonders wenn die Musik mehr piano spielte.
„Müssiges Gerede!" sagte einer von den Offizieren, nachdem von Seiten eines Andern oes obigen Gerüchtes erwähnt worden war; „ich glaube nicht daran. Man sprengt