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xni. Jahrgang

Marburg- Freitag, 89. November 1878

kr. 280

«rfApint aufier an den Werkiaaen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirtes Sonntagöd lall' durch die Expedition (Koch fche

Erscheint täglich auyer an oen zernagen nao, vuim uh« «»cuus> , * ' , -lnsertionsaebübr für d e ae Bo lene Zeile 10 Bia.

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l,eigen nimmt emgegen: «Expedition ».Blattes, ««d.Annoncen-Dureaur - Th. Dietrich & Co. in «fiel und Hannover; Th. Ulrich in Frankfurt a.Dl.; ^,'ensteiu & Vogler in Ditfurt a. M., Berlin, Mg, Cöln rc.; Rudolf lifie in Berlin, Frank« furt a. M. re.

Buchdcuckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg.lexel. Bestellgebühr."-Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertbeilende Auskunft und Annahme von Abreffen werden 25 Pfg. berechnet.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen-

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Zur Wuchersrage. III.

Wir müssen hier noch einen Einwurf der Vertheidiger Wucherfreiheit widerlegen. Man behauptet, selbst wenn Wucherfreiheit aufgehoben sei, werde doch der Wucher bestehen und heimlich im Verborgenen schleichend seine fer ergreifen. Man müsse deshalb die Wucherfreiheit hen lassen und alles von der Aufklärung und Bildung

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Beftevunge« auf die Bberhessische Zeitung mit Gratisbeiblatt

ustrirtes Sonntagsblatt

den für den Monat Deeember von allen

anstalten angenommen.

Die Exped. der Oberh. Ztg.

Volkes erwarten.

Die Grundlosigkeit dieser Ansicht ist leicht dargethan. atz der Wucher nie ganz ausgerottet werden kann, das wir oben selbst ausgesprochen, ebensowenig als die iu vcr Erbrechen aufhören durch Erlassen neuer und geschärfter elslusl -trasgesetze. Will man deshalb aber etwa Vorschlägen, die besteht Strafgesetze als nutzlos abzuschaffen? Gewiß doch nicht! Inb ebensowenig kann man aus diesem Grunde die Wucher- Dst kkiheit bestehen lassen wollen. Und was die Bildung :a5ittef nb Aufklärung des Volkes anlangt, fo ist ja doch wohl übiaix «kaimt, daß gerade die sog. gebildeten und aufgeklarten kttife ebenso durch den Wucher leiden, als die ungebildeten. Een Wucher durch Aufklärung und Bildung besiegen, ist o cht mehr als eine Phrase, die auf gut Deutsch heißen soll: -; t Schlauheit, Raifinirtheit und Verschmitztheit der Wucherer chtlichi imeit beizubringen, die mit denselben zu thun haben, um . Os- h hieb- und stichfest dem Wucherer gegenüber zu machen, tion b< 8er das aber rathen will, der ist kein Freund seines Volkes, [3154 mn dann würde nur der vor dem Wucherer geschützt sein, j tr der größere Betrüger und Gauner wäre. Doch mit Auf- Lung der Wucherfreiheit allein ist noch lange nicht ge- «8 gethan. Es muß mehr geschehen,

Soll das Wuchergesctz wirklich einigen Erfolg haben, i muß auch ein Artikel eines anderen Gesetzes fallen, der rtikel der Wechselordnung: daß wechselfähig Jeder ist, der sich iurch Verträge verpflichten kann.

Es ist dies aus zwei Gründen nothweudig. Einmal »eil durch die Wechselfähigkeit aller Dertragsfähigen das littet in die Hand gegeben ist, die Wuchergesetze nach Be- szettel. itben zu umgehen, und weil dann diese Wechselfähigkeit

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101} »adier La Mitraille.Jedenfalls," fügte er befriedigt hm- 97V u,kann Auvergne sich jetzt rühmen, die schönste Marke- P Inderin zu haben. Piemont wird vor Neid darüber

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icht gewarnt habe."

Bah, man wird sie respcktiren," versicherte der^ Gre-

Piemvttt ttvd Attvergttt.

Ki nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph Müld euer.

, (Fortsetzung.)

Mehr im Tone deS Bedauerns, als mit Unwillen .andte der Graf sich n,un an die Zigeunerin.

Wenn et Dich spater reuen wird," sagte er ernst, fo kannst Du wenigstens nicht behaupten, daß ich dich

düngen vorfallen würden.

Uebrigens war ohnedies seit der Verkündigung des DrartialgesetzeS, mehr aber noch in Folge der Wiedereröff.

terben." . . c ,

Diese Bemerkung schnitt alle wetteren Einwande ab. 97} Vtit großer Acclamation und zur ganz besonderen Freude 1044 des Chevaliers wurde Jumcla vorläufig ermächtigt, Mit $ Auvergne nach Köln zu marschieren, wo sie dann formell 99* «ls Marketenderin in die Listen eingetragen und in die 247 färben des Regimentes gekleidet werden sollte.

Am 30. September erreichte der Marquis de Castries 109, «tzln, wo sich die seinem Cvmmando unterstellten Truppen 1541 iu concentriren hatten.

107 Piemont und Auvergne, als die beiden ältesten Regl- ---- Venter des Corps, wurden in der Stadt einquartirt, und 78. s zwar ersteres auf dem Altmarkte, letzteres am Neumarkt, vichin entfernt genug von einander, um sich der Hoffnung 7-,5. hingeben zu können, daß während deS kurzen Aufenthaltes v.vi. tu Köln, den die Verhältniße erheischten, keine Ruhestö-

vielen Bevölkerungsklassen schädlicher ist, als die Wucher­freiheit war; denn nun würde stets die baar dargeliehene Summe nebst Zinsen und Provision zu einer Summe ver­einigt auf den Wechsel gesetzt werden, und es fast unmög­lich sein, den Wucher zu entdecken und den Wucherer dem Strafrichter zu überliefern. Auch wissen Viele nicht und können es auch ihrer Lebensstellung und ihrem Bildungsgrad nach gar nicht wissen, was sie durch Unterschreiben eines Wechsels gethan, welche Macht über sich sie dem Gläubiger - in die Hand gegeben haben.

ES sind auch über diesen Punkt schon mancherlei Vor­schläge gemacht. So will man nur denen, die im Sinne des Han­delsgesetzbuches alö Vollkaufleute anzusehen sind, die Wechsel­fähigkeit zuerkennen. Ich wage nicht zu entscheiden, ob es rathsam erscheint, die Wechselunfähigkeit als Regel aufzu- stelleu. Viele Gesetze allerdings haben diesen Grundsatz aus­gesprochen, z. B. das preußische Landrecht (Thl. II. Tit. VIII., §§ 715747), die vormalige hannoversche Wechselordnung (§ 3), bie würtemberger Wechselordnung (Cap. II). In anderen Wechselordnungen ist die Wechselfähigkeit für eigene Wechsel beschränkter als für Tratten (so die dänische, öster­reichische Wechselordnung). Das richtigste dürfte wohl sein, die Wechselfähigkeit als Regel bestehen zu lassen, aber abge­sehen von den Vertragsunfähigen weitere zweckentsprechende Ausnahmen zu statuiren, als etwa für Bauern, Fabrikarbeiter und sog. Minderkaufleute.

Aber selbst die Aufhebung der Wucherfreiheit und Be­schränkung der Wechselfähigkeit genügt noch nicht.

Eine Hauptsache ist, daß man die Ursache der wirth- schaftlichen Nothstände und der zunehmenden Armuth verstopft. Freilich ist das nicht leicht, es kann jedoch immerhin Vieles derartiges geschehen. Man muß jetzt total mit der liberalen Politik brechen. Der Staat nehme die Regulirung des Geldumlaufs in die Hand, damit nicht Zettelhanken das Land mit Massen von Geldzeichen überschwemmen und alle Preise in die Höhe treiben können. Weis diese Preisstei­gerung in fo hohem Grade stattgesnnden hat, kamen ganze Massen von Menschen in Geldverlegenheit, sahen sich ge- nöthigt Geld zu leihen und geriethen so an die Wucherer. Der Staat revidire die Gewerbeordnung und knüpfe die Erlaubniß zum Gewerbebetrieb an die gewerbliche Befähi­gung zu demselben, so daß die capitalistische Speculalion, das Wncherthum aus dem Gewerbe ausgeschlossen und wieder mehr Solidität in dasselbe komme.

Man vermindere die Schankstätten, behandele die Völlerei als ein Vergehen; denn die Wirthshausbummelei und Ver­schwendung ist in sehr zahlreichen Fällen die Ursache, welche die Menschen den Wuchern in die Hände treibt. Auch sorge man dafür, daß unser öffentliches Leben wieder von einem ernsten, sittlichen Geiste erfüllt werde. Man schaffe wieder nung des Feldzuges, der gegenseitige Haß zwischen Piemont und Auvergne in den Hintergrund getreten. Seit dem Abmärsche von Kassel hatten die beiden Regimenter keine Zeit mehr gehabt, ihre Privathändel fortzuspinnen, ja selbst die provocirenoe und für Auvergne in so hohem Grade verletzende Scene bei der von Herrn de Castries veran­stalteten Reunion war ohne Folgen geblieben, wenigstens war von Seite Anvergne's bis jetzt eine Herausforderung unterblieben, was freilich noch lange nicht zu dem Schluffe berechtigte, daß der Friede dauernd heraestellt sei.

Für den Moment schien allerdings Niemand mehr da­ran zu denken, mit Ausnahme eines Einzigen, der sich des peinlichen Bewußtseins nicht erwehren konnte, daß zunächst nur ihm allein jener Affront gegolten habe.

Graf de Lonrmel wnroe in Folge dieser zu Boden drückenden Ueberzeugung ganz liefsinnig. Er verlor alle Lust am Leben, selbst die Erinnerung an Gabriele vermochte ihn nicht aufzurichten, ja sie erhöhte im Gegentheil nur seine Melancholie. Das Gewicht seiner unverdienten Schmach lastete centnerschwer auf ihm und wer weiß, wie weit es mit ihm noch gekommen wäre wenn sich der Cheva­lier seiner nicht angenommen und ihn zur Einwilligung in einen Vorschlag beredet hätte, der am geeignetsten war, eine der Geistesrichtung des Grafen so nöthige Zerstreuung zu bieten.

Wir wollen zusammen in ein Hotel ziehen," hatte ter Chevalier gesagt.Ein guter Tisch, eine gute Flasche Rheinwein und meine beständige Gesellschaft! Das wäre doch der Tenfel, wenn dies nicht genügen würde, Dich von Deinem Trübsinne zu fuhren."

Der Graf wollte anfangs nichts davon hören. Für ihn paffe die Einsamkeit am Besten, entgegnete er; er wolle von der Welt und den Menschen nichts mehr wissen und so lange seine Unschuld an jenem scheußlichen Verbrechen

Geld-Institute, wo der Bauer, der kleine Mann, der Bürger Geld bekommen kann gegen einen billigen Zins.

Viele kennen nicht einmal die vorhandenen Geld-Jnstitnte, aus denen sie Geld borgen können, ohne allmählig ihres Besitzes beraubt zu werden, oder sind sie durch die Wucherer selbst mit Vorurtheilen gegen dieselben erfüllt. Man em­pfehle und beschaffe Vorschußvereine nach Schulze-Delitzsch; wenn diese Geld-Institute auch zunächst blos für Handel- und Gewerbtreibendc errichtet sind, so kann sie doch auch der Bauer mit Nutzen gebrauchen, wenn von dem Vor­steher oder in dem Statute Rücksicht auf die bäuerlichen Verhältnisse genommen wird.

Man schaffe und empfehle ferner bäuerliche DarlehnS« kassen-Vereine nach Reiffeisen. Diese sind durch den Noth- stand der Bauern auf dem Westerwald ins Leben gerufen, und besonders für die Bedürfnisse des Bauernstandes ein­gerichtet.

(Siehe hierzu Dr. L. Döll, die bäuerlichen DarlehnS- kaffen-Vereine nach Reiffeisen und die gewerblichen Credit- vereine nach Schulze-Delitzsch, Würzburg bei Stüber).

Man schaffe und empfehle endlich Sparkassen nach Art der Sparkasse zu Vallingbostel, Provinz Hannover. Und wenn alles das, und vielleicht noch mehr geschehen, dann wird hoffentlich der Wucher und feine verderblichen Folgen, wenn auch nicht ganz geschwunden, so doch wenigstens wesentlich an Ausdehnung und Einfluß verlieren.

Tagesbericht.

DieProv.-Corr." meldet: der Antritt der Rückreise des Kaisers in Begleitung der Kaiserin nach Berlin ist nach den nunmehr festgestelltcn Anordnungen auf den 4. Dec. Abends 9V> Uhr bestimmt. Der Kaiser will auf der Fahrt kurzen Aufenthalt in Börsum (früh 7 Uhr), Mag­deburg (9 Uhr) und Groß-Kreuz (1034 Uhr) nehmen und von da um 11 Uhr 20 Min. in Potsdam und 12 Uhr in Berlin eintreffen. Nur in Magdeburg, Potsdam und Berlin findet officieller Empfang statt. Dasselbe Blatt bringt einen Artikelder preußische Staatshaushalts­etat und die Finanzreform int Reiche"; derselbe knüpft an die Rede des Finanzministers beim Einbringen des Etats an und an den vom Reichskanzler zugleich in seiner Eigen­schaft als preußischer Ministerpräsident bei den Bnndesge- w alten gethanen Schritt, um eine Vermehrung der Reichs­einnahmen durch stärkere Heranziehung der dem Reiche zur Beifügung stehenden Einnahmequellen herbeizufübren. Der Artikel weißt sodann auf v. Bennigsens Rede im Frühjahr 1877 hin, worin derselbe die enge Verbindung der verant­wortlichen Reichsfinanzverwaltung mit der Finanzverwaltung des größten deutschen Staates als zu erstrebendes Ziel be-

nichl klar dargethan fei, wolle er in der engsten Zurückge­zogenheit leben, wenigstens fo weit dies die dienstlichen Ver­hältnisse erlaubten.

Sein Wiederstand war umsonst. Mit höchst eigener Machtvollkommenheit befahl der Chevalier dem Kammer­diener des Grafen, die Effecten seines Herrn in den ersten Gasthof zu tragen, den Grafen selbst aber nahm er unter den Arm, um mit ihm die L>ladt zu besichtigen, während der Bediente den Umzug zu bewirken hatte.

Das erste was sie ansahen war der Dom, der beson­ders auf de Lonrmel einen mächtigen Eindruck machte. Dessen kolossale Dimensionen seine schlanken Säulen im Innern, feine Portale, Fenster und Nischen mit den gothi- schen Verzierungen imponirten auch dem Chevalier und Beide nahmen sich sehr ernstlich vor, den großartigen Bau nach seiner Vollendung wieder zu sehen, wenn sie bis da­hin noch am Leben wären.

Von da aus begaben sie sich auf die Rheinbrücke und betrachteten sich den majestätischen Strom, dessen bewimpelte Schiffe einen äußerst belebten Anblick darboten.

Verführerisch blickte vom andern Ufer daö freundliche Deutz herüber und schien die beiden Freunde zu einem Spaziergange einzuladen. Dieselben beschlossen aber in Be­rücksichtigung ihrer Ermüdung, dies auf ein anderes Mal zu verschieben und blieben noch eine Weile auf der Brücke stehen, deren außerordentliche Frequenz sie genügend unter­hielt.

Während sie die vielen Equipagen und Fußgänger an sich vorbei defiliren ließen, kam auch ein Offizier von Piemont deS WcgeS, der an ihnen vorüber mußte und dies fo nahe that, daß er beinahe an sie anstreifte, wobei er nur ganz leicht grüßte.

Es war jener Herr Bechet de Pierremalin, der beim Souper des Generals mit dem Anstößen ein so insolentes