Sie war frisch auf dem Zeuge vom ersten bis zum letzten Schritte."
„Ach, schicken Sie mich doch nicht zurück, gnädiger Herr!" flehte Jumela; „ich werde ja Niemandem zur Last fallen."
„Halten zu Gnaden, mein Capitain," nahm der Grenadier wieder das Wort, der schon einmal zu Gunsten des Mädchens das Wort ergriffen hatte, „man könnte sie ja statt der Margott, die uns desertirt ist, als Marketenderin annehmen. Die Kleine ist lebhaft und gutmüthig, urü> ihr Pudel ist das drolligste Thier von der Welt."
Ein beistinlmendes Gemurmel Aller, die diesen Vorschlag mit anhörten, ließ erkennen, welche Sympathien Jumela sich bereits erworben hatte.
„Morbleu! La Milraille hat recht!" rief d'Acigny. „Wie ihr das gallonirte Hütchen mit dex Feder stehen wird, und die Weste erst in den Farben von Auvergne! Meiner Treu, ich sorge für die Equipirung!"
„Daß Du für sie das Wort redest, kann ich mir denken," entgegnete der Graf ärgerlich. „Sie ist zu jung. Was soll aus einem Mädchen von ihren Jahren mitten unter Soldaten werden?"
„O, Jumela ist stark," erwiederte die Zigeunerin. „Jumela fürchtet sich nicht, dies hat sie schon mehr als einmal bewiesen."
Während dieser Debatte waren noch andere Offiziere herangekommen, unter ihnen auch Doctor Paxillon, der schon auf eine Entfernung von zehn Schritten laut sein Erstaunen über die wunverbare Schönheit Jumela's auS- drückte.
In sein etwas derbes Lob stimmten auch die Anderen ein; kurz der Enthusiasmus wurde allgemein, und als man hörte, um was es sich handle, daß nämlich Jumela bleiben, Capitain de Lourmel dies aber nicht dulden wolle,
279.
Marburg, Donnerstag, 28. November 1878
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hieiaen nimmt emgegen: LSxpeditiond.BlatteS, svie d.Annoncen-Bureaur R« Th. Dietrich & Co. in Hd und Hannover; Tb. M irich in Frankfurt a.M.; «Mienftein & Vogler in ^lisurt a. M., Berlin, Cöln ic.; Rudolf
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Jetzt, nachdem mau die Nothwendigkeit einer Abhülfe annt hat, tritt nun die Frage auf: Wie Abhülse schaffen?
Von vielen Seiten beschäftigt man sich mit dieser Frage, ie bayerische Regierung hat alle Wuchergeschäfte im Lande, eit möglich, zählen lassen; da hat sich denn ergeben, daß in in Würzburg sich 200 Personen mit Wucherdarlehn eben. —
Auch die Großherzogl. sächsische Bezirks -Reglerung zu ermbach beschäftigt sich sehr eifrig mit der Wucher- ge. Nach genauer Sammlung von statistischem Material t dieselbe bei dem betreffenden Ministerium den Antrag teilt: die Wucherer, sofern dieselben nicht auf ihre Geld- schäste eingeschätzt sind, auch noch nicht alle Summen ange- 6en haben, mit denen sie operiren, entsprechend zur Staals- teuer heran zu ziehen und außerdem gegen sie im Wege
Zur Wuchersrage. II.
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Bestellungen auf die Merhessische Zeitung mit Gratisbeiblatt
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Eine sehr beliebte Manipulation ist auch folgende:
Der Wucherer schließt durch Angebot hoher Summen .Mobiliar-Kaufverträge mit Grundbesitzern ab, fügt aber . jen Verträgen listige Clauseln bezw. Bedingungen bei, 3ten a k st nachdem sie in Erfüllung gehen oder nicht in Er- . , Lung gehen, den Käufer ermächtigen, vom Handel zurück- taten, den Verkäufer aber zur Zahlung eines Reugeldes "> npflichten, jo daß in der Regel der Vertrag wieder rück- ___rngig wird, der Verkäufer aber den Verlust des bedun- ), men Reugeldes zu beklagen hat u. s. w.
Nach dem Stande unserer heutigen Gesetze läßt sich da- it keine Hülfe bringen. Die Aushebung des Wucherver- teifl. °ts hat natürlich außerordentlich zur Vermehrung des ------ Suchers beigetragen.
Die Gerichte sind jetzt verpflichtet, dem Wucherer gerade »gut zur Beitreibung der blutigsten Wucherzinsen ihren ll|5' rfn zu leihen, wie dem ehrbarsten Gläubiger. Und der Wucher muß doch von Rechtswegen gebrandmartt werden M ein schändliches Unrecht. Es wird zwar immer Wücher rkommen, er läßt sich so wenig ausrotten wie irgend ein
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rei nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph Müldener
(Fortsetzung.)
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Der Chevalier sprang in die Höhe, rieb sich die Augen Md sah zu seinem Schrecken, daß sein Freund vollkommen echt hatte. So schnell'hatte er in seinem Leben noch nicht Toilette gemacht als diesmal. Gepackt war schon am Abend vorher; nach zehn Minuten war demnach d'Acigny zum ^Abmärsche bereit, der auch, gleichsam als hätte man nur stoch auf ihn gewartet, sofort erfolgte.
M DaS Wetter begünstigte den Marsch. ES war ein Istischer, sonniger Morgen; eine angenehme Kühle wehte Durch die Reihen der Soldaten und die Erde war thau- ' [benetzt, so daß kein lästiger Staub die Colonne genirte, die «im raumgewinnenden Feldschritte sich wie eine Riesenschlange «wischen den Pappelbäumen der Allee fortwand, T Nachdem ungefähr eine halbe Stunde Weges zurückge- Llegt war, blieb der Ehevalier, der die erste Compagnie kom- Htnandirte und in Folge dessen vorausmarschirte, stehen und Meß zwei Compagnien an sich vorüber, um sich sodann sei- Dstem Freunde de Lourmel anzuschließen.
R „Nun, mein Lieber," rief ihm de Lourmel entgegen, «„erzähle, aus welch' süßem Traume habe ich Dich denn «geweckt, als Du noch gar nicht ans Aufstehen dachtest?" Ich erinnere mich nie an Träume," erwiederte der Chevalier. „Aber alle Teufel! Was sehe ich?" unterbrach er sich plötzlich. „Sieh' doch nur!"
- - 4 t de Lourmel wandte seinen Blick nach der Richtung, in U" der sein Freund mit dem Finger deutete, und sah zu seiner
| Ueberrafchung den Pudel der Zigeunerin, der ganz gravi- —T tättjch neben einem Grenadier einherschritt und sich von Zeit
der strafrechtlichen Verfolgung wegen Steuerdefraudation vorzugehen; ferner den Justizämtern zu gestatten, zu deren Kenntniß gekommene wucherische Geschäfte zur Warnung des Publikums bekannt zu machen.
Damit allein ist jedoch nichts gethan. Auf dem Wege neuer Gesetze kann nur Hilfe geschaffen werden. In dieser Beziehung macht die „Deutsche Reichspost" in den Nummern vom 15. und 16. d. Mts. Vorschläge, welche dahin gehen: daß nicht wieder ein bestimmtes gesetzliches Zinsmaximum für Conventionalzinsen einzuführen und das was darüber hinauSgeht, als Wucher zu ahnden sei, sondern daß vielmehr der Richter befugt sein solle, nach Lage der einzelnen Fälle zu entscheiden, ob das vorliegende ZinSgeschäft ein wucherisches sei oder nicht.
So bestechend das bei oberflächlichem Anblick auch scheint, indem gewiß Niemand das Zinsnehmen ganz verbieten will, und Jedermann weiß, daß eine Person mit zweifelhaftem Credit höhere Zinsen versprechen muß, wenn sie Geld haben will, als eine Person von unbedingter Sicherheit, so ist der Vorschlag mit dem Ueberlassen an das richterliche Ermessen doch einfach undurchführbar. Ohne Zweifel sind sehr viele Geschäfte der Art, daß es handgreiflich ist, das ift, ein Wuchergeschäft, jenes nicht. Aber ebenwohl bei vielen Geschäften ist eS, wenn nicht eine gesetzliche Norm den Leitfaden darbietet, ganz unmöglich, mit objektiver Gewißheit zu sagen: das ist ein Wuchergeschäft oder das ist es nicht. Erstens kommen die dem Geschäft zu Grunde liegenden Verhältnisse vielfach gar nicht, oder nicht völlig zur richterlichen Cognition, zweitens würde dem subjectiven Ermessen ein zu großer Spielraum eröffnet. Der eine Richter könnte leicht ein Geschäft für ein wucherisches hatten, was unter denselben Verhältnissen ein anderer nicht für wucherisch hält; wirwürden dann eine große Rechtsumsicher- heit für solche Fälle erhalten. Man sage ja nicht, es wird sich bald eine feste Praxis bilden. Die Geschäfte und vor allem die denselben zu Grunde liegenden Verhältnisse sind so vielgestaltig, daß sich eine constante Praxis in verhältmßmäßig kurzer Zeit gar nicht bilden kann, wenn es überhaupt möglich sein würde, daß sie sich jemals bilde.
AuS diesen uns noch manchen anderen Bedenken läßt sich de lege ferenda dieser Vorschlag nicht empfehlen. Es läßt sich aber überhaupt wohl über ein derartiges Gesetz in beschränktem Raum weiter kein Vorschlag machen, als der, daß ein Gesetz mit Sorgfalt und unter Berücksichtigung aller einschlägigen Verhältnisse, soweit dies thunlich ist, ausgearbeitet werde, welches wieder Zinsmaxima für vertragsmäßige Zinsen einführt, und Alles, waö darüber HinauSgeht, für Wucher erklärt und dem entsprechend ahndet.
zu Zeit umsah, als wolle er sich überzeugen, ob ihm seine jperrin nachkomme.
„Jumela muß mit dabei sein!" rief der Chevalier, und in der Thal erblickte er zwanzig Schritte weiter zurück die kleine Zigeunerin, die leichtfüßig und doch fest zwischen zwei Reihen der Soldaten auf der Mitte oer Straße dahin marschirte.
Der Graf ärgerte sich über den Ungehorsam des jungen Mädchens. Er hatte ihr so ausdrücklich verboten, dem Regimente zu folgen und nun war sie doch da!
@r blieb stehen und wartete, bis ihm Jumela näher kam, dann ließ er sie ziemlich scharf an, indem er sie fragte, was sie hier schon wieder zu suchen habe.
„O, zürnt mir nicht, mein gnädiger Herr," erwiederte Jumela in zaghaftem Tone eines Kindes, welches auf einem Fehler ertappt wird. „Ich weiß, daß es unrecht von mir ist, aber ich konnte nicht anders. Es zog mich unwiderstehlich her."
„Unwiderstehlich? Weil Du nicht widerstehen wolltest,„ zankte de Lourmel, „und das war unrecht, sehr unrecht von Dir."
Jumela sah den jungen Mann mit einem bittenden Ausdruck an, daß sich seine Strenge bedeutend milderte.
„Laß' sehen mein Kind," sagte er etwas sanfter, „was willst Du denn eigentlich hier? Du kannst doch dem Regimente unmöglich folgen, als wäre es von hier nach Köln nur ein einfacher Spaziergang. Der Marsch wäre für Dich zu anstrengend."
„Die Zigeunerinnen sind an große Märsche gewöhnt, sie sind gut zu Fuß," entgegnete Jumela.
„Was das anbelangt", bestätigte einer von den Grenadieren, der nebenher ging, „so sagt sie die Wahrheit. Ich sah sie gestern von Cassel nach Eorbach neben uns hergehen.
Tagesbericht.
Der Entwurf eines Gesetzes betreffend die Hessische Brandversicherungsanstalt, welcher den Landtag bereits zweimal beschäftigt hat, ist dem Hause der Abgeordneten wieder zugegangen.
Aus Pest kommen seltsame Nachrichten. Während man bisher schon die Anzahl der Stimmen anzugeben wußte, welche zu Gunsten der Andrassy'schen Politik die Majorität bilden würden, hat vorgestern der Budgetausschuß der österreichischen Delegation den Nachtragscredit für die Occupatio n abgelehnt, trotzdem sich Andrassy lebhaft an dell Verhandlungen betheiligte. Ist das Verhalten des Ausschusses nun auch gerade nicht maßgebend für das Plenum, so macht das Stimmenverhältniß, mit welchem man über die Vorlage zur Tagesordnung überging — 14 gegen 6 — ebenso wie die Mottvirnng dieses Beschlusses — der unvollständige Nachweis der veransgabten Summen und die Erwägung', daß die verfassungsmäßige Zustimmung des Reichsraths zu dem Berliner Vertrage noch nicht ertheill wurde — doch stutzig. Daß in Pest große Aufregung dieserhalb herrscht, wie von dort gemeldet, ist klar. Die Nachricht von einer Auflösung der Delegattonen wird zwar dementirt, aber Herbst und Genossen wollen, falls die von ihnen abgelehnte Vorlage dennoch im Plenum angenommen werden sollte, in aller Form ftriten:, um dadurch Schwierigkeiten in die an und für sich schon compli- cirte Maschinerie der Gesetzgebung hineinzutragen. Man darf bei dieser Sachlage auf die Entwickelung der Dinge tu Pest wohl gespannt sein.
Graf Schuwaloff soll der Träger eines eigenhändigen Schreibens des Kaisers Alexander an den Fürsten Gort- schakoff gewesen sein. Das Schreiben bezog sich auf die Ernennung des Grafen Schuwaloff zum Vicekanzler. Es ist bekannt, daß sich Fürst Gortschakoff aus Baden-Baden entfernte, ehe Graf Schuwaloff dort eingetroffen war.
Die Arbeiten der Commission für die Festsetzung der Grenze von Dobrndscha sind abgefchkoffen und es wird gemeldet, daß Mmänien Vorbereitungen treffe nun von dieser Provinz Besitz zu ergreifen. Die Russen machen jedoch nicht die geringsten Anstalten um die Positionen, die sie dort inne haben, zu räumen. Weit davon entfernt unternehmen sie vielmehr Arbeiten, welche den Entschluß andeuten, daß sie sich dauernd feftsetzen wollen. So scheint es nicht mehr zweifelhaft zu fein, daß die Russen bie Befestigungen von Kustendsche wiederherstellen. Der rumänischen Regierung sind von russischer Seite Vorschläge