1 xiii Jahrgang.
Marburg, Dienstag, 26. November 1878
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Zeitungen angekündigte Verleihung nicht erfolgt zu sein scheint. Die italienischen Behörden haben den Verkauf von Photographien Passavante's verboten.
Anläßlich der in schneller Folge wiederholten Verbrechen des Königsmordes hat sich die Aufmerksamküt der öffentlichen Meinung wie der Negierungen den Schlupfwinkeln zugewendet, von welchen aus die Apostel des Umsturzes ihre mörderischen Lehren versenden. Aus Bern wird in einem Telegramm zwar gegen die Zeitungsnachrichten protestirt, daß mehere Kabinetr der Schweiz bei fortdauernder Asylfreiheit für die Anarchisten mit Abbruch der diplomatischen Beziehungen gedroht hätten, es kann jedoch die Thatsache nicht bestritten werden, daß diese Ajylfreiheit eine fortgesetzte Gefahr für Europa und für die Hüter her gesetzlichen Qrd-
Blatte La Fs aus Rom geschrieben, die Reise des Königs Humbert habe den Zweck, der republikanischen Propaganda entgegenzuwirken. Rach Genua habe chan die Reise aus Besorgniß für das Leben des Königs nicht ausdehnen wollen, aber auch in Bologna hätten Maueranschläge dem Könige den Tod angedroht und eine Proklamation des bologneser Zweigvereins der Internationalen habe wörtlich besagt: „Weder Hödel's noch Robiling's Tod werde einen Zweck erreichen, weil uns nichts von der Nacheiferung zurückhalten kann. Wir eilen mit schnellen Schritten jenem Tage des erbitterten Kampfes zu, an dem wir mit lauterer Festigkeit die Feinde des Friedens und der Menschheit vernichten werden." Zu Imola habe der internationale Arbeiter-Verein einen Aufruf an seine Brüder im Heere gerichtet, der sie zur Fahnenflucht und Revolution aufruft. In einem römischen Briefe des Diario de Barcelona heißt cs: „Gleich nach dem Mordanfall auf König Alfons sprach man von einem ähnlichen Vorgehen gegen König Humbert, da es der Plan der europäischen Internationale sei, sich durch den Mord der Souveräne von Deutschland, Spanien Und Italien zu entledigen. Es mögen in dieser Hinsicht auch wohl Enthüllungen gemacht worden sein, welche die italienische Polizei sorgfältig in ihren Archiven verwahrt, aber bis zu diesem Augenblick fehlen zum Glück die Beweise." Das Arbeitermanifest, welches Sonntag vorher bei dem Meeting zu Neapel vertheilt wurde, wurde bei
, dem Attentäter gefunden. Wir sinden dasselbe in der sTur- nier Unitä Cattolica am Tage vor dem Attentat abgedruckt. Dassetbe enthält so starke Ausdrücke, daß wir uns begnügen, den Schluß des Manifestes mitzutheilen. Derselbe lautet: „Söhne Masaniello's erhebt Euch! Wer vermag dem furchtbaren Angriff eines Volkes Wicerstand zu leisten, das sich
' erhebt, und wer vermag der noch weit furchtbarenen Ver-
m nimmt emgegen: Kcbition d.BlatteS, Unnoncen-Bureaux g Dietrich & Co. in t-nd Hannover; Th. »in Frankfurt ° M.; Mein & Vogler in a- M., Berlin, i, 66ln ic.; Rudolf "'in Berlin, Frank-
„Die Dankbarkeit," antwortete die Zigeunerin; „auch wollte ich wissen," fuhr sie zögernd fort, indem sie aus einem kleinen ledernen Täschchen eine seidene Börse hervorzog, deren Maschen mehrere Goldstücke durchbliüen ließen, „ob dieses Gold wirklich mir gehören soll?"
„Gewiß," erwiderte der Gras. „Wem sonst? Ich sehe mit Vergnügen, daß Frau Hauser meinen Auftrag bestellt hat."
„So viel Gold! So viel!" rief Jumela im Tone dankbarer Freude. „Alles dies soll mein sein? Welch' schöne Dinge werde ich mir dafür kaufen! Eine silberne Kette, eine bunte seidene Schärpe!" ,
„Seht nur die kleine Kokette!" lächelte der Graf.
„Mer," sagte, die Zigeunerin, plötzlich ernst werdend, „darf Jumela sich so bereichern, wenn Sie dadurch ärmer werden?''
„Sei ganz ruhig, mein Kind," erwiderte de Lourmel, dem diese Bedenkichkeit um so mehr gefiel, als er sie nicht erwartet hatte. „Nimm' die kleine Gabe getrost und schließe mich dafür in Deine Gebete ein, dann sind wir quitt."
„Jumela hat einen anderen Gott als Sie," murmelte das junge Mädchen; „aber auch Ihr Gott wird Sie be- beschützen."
„Glaubst Du?" lachte der Graf. „Nun dann um so bester. Aber sprich', was gedenkst Du jetzt zu thun?"
„Ich gehe mit nach Köln, wo ich tanzen und wahrsagen werde." .
„Wahrsagen? Wie! Verstehst Du Dich auf diese Kunst?"
„Kann den Kindern Egyptens etwas verborgen bleiben? Als Eblis, der Gott der Rache, uns um unserer Sünden willen in alle Welt zerstreute, nahm er uns Alles; nur Eins mußte er uns lassen, dies Eine ist die Gabe, Künf- ttges voraus zu wissen."
Tagesbericht.
M vielen Zeitungen finden sich Mittheilungen über Inhalt de« im landwirthschaftlichen Ministerium aus- Mteten Entwurfs eines Jagdpolizei-Gesetzes. Die be- Mm Angaben sind im Wesentlichen unrichtig und au- Minlich ohne Kenntniß des bezüglichen Entwurfs Dßt- ___
he&er den Papst äußert sich der aus Rom zurückgekehrte Wchof von Bamberg folgendermaßen: „Aus ihm M ein erhabener, starker und vom Himmel erleuch- ff Geist, ausgerüstet mit gründlicher und umfassender tzrsamkeit, mit tiefer Religiosität, ächter Frömmigkeit ^glänzender Sittenreinheit, geziert mit allen apostolischen faben, die eine Frucht der göttlichen Gnade und per- Llheu Tbatkraft sind. Se. Heiligkeit betrachtet und befall deshalb alle Ereignisse der Gegenwart vom höchsten Eb= und Gesichtspunkte aus, um für Christus zu retten jni retten ist, ohne auch nur ein einziges Princip zu Dm, welches aus dem Wesen, aus der Bestimmung ff der Verfassung unserer heiligen Kirche sich ergiebt. | klare und scharfe Blick dieses hochbegabten Nachfolgers Di reicht weiter als der Verstand Mancher, die das fa Wort des Tages führen und sich anmaßeil, ohne kfung von oben die Hierarchie innerhalb ihres eigenen fares zu belehren." — Man bringt die augenblickliche Wesenheit de« Grafen Holnstein, eines bekannten intimen vraueusmaunes des Königs von Baiern, in Berlin mit k Rückkehr des Bamberger Erzbischofs in Verbindung, tterer soll neue und interessante Mittheilungen über die vung des Papstes nach München gebracht haben: der- k sei in der versöhnlichsten Stimmung und zu nicht ikrheblichen Zugeständnissen bereit. Gegenüber diesen Ge- chten hebt die „Germania" immer wieder hervor, daß das Birum bei all diesen Verhandlungen völlig unbetheiligt, ihnen durchaus unabhängig gegenüber stehe. „Die hlreichen Adressen und die Resolutionen großer Bersamm- »gen, sagt sie, bekunden die Einmüthigkeit zwischen iählern und Gewählten und bllden für das Centrum tt Genugthuung für die Verleumdungen der Officiösen 6 zugleich eine Ermunterung, auszuharren im Kampfe, |en Ende wir sehnlichst herbei wünschen."
In Italien dauern die Ovationen für den König fort, rselbe hat seinem Lebensretter, dem Ministerpräsidenten, ■ so muthig und hingebungsvoll für ihn eingestanden, die bene Tapferkeitsmedaille verliehen, dem alten Soldaten italienischen Unabhängigkeit jedenfalls ein willkomme- er Schmuck als der Annunciatenorden, dessen von den
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Piemont und Auvergne.
i nach dem Französischen des A. Fi<Me, von Rudolph Müldener.
(Fortsetzung.)
Da sie ihre Augen niedergeschlagen hatte und in lieber Befangenheit Niemand von Denen ansah, vor welchen stehen blieb, bemerkte sie auch nicht, daß eS jetzt der evalier und der Graf waren, denen sie das Tambourin ihielt. Erst als von beiden jungen Männern zwei schwere ldmünzen auf das Kupfergeld geworfen wurden, sah sie f und zeigte durch einen lebhaften Ausruf freudiger Ue- aschnng, daß sie dieselben wieder erkannte.
„Ah, der gnädige Graf!" rief sie, indem ihr erster lick auf de Lourmel fiel.
„Bist Du denn schon wieder ganz hergestellt, Jumela? agte dieser daS junge Mädchen.
„Jumela ist wieder bei Kräften," erwiderte die Zigen- letin; „und daß sie es ist, verdantt sie Ihnen, mein hoher
’ Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
H „Ich glaubte Dich noch iq Kastel bei Frau Hauser. (|, Sewiß bist Du zu früh von dort weggegangen." ittfl „ES gefiel mir nicht mehr dort."
s „Und warum nicht?"
r9fl „Der Mann im Hause ist so böse. Nur die Frau ist L , ut Sie besitzt ein Herz von Gold. Möge Gott sie trö-
en für die Liebe die sie mir bewies."
„Aber um so mehr hättest Du bleiben sollen.
„ r „Eine Zigeunerin muß die Grillen zirpen hören, wenn ,8?i ie gut schlafen soll," erwiderte das Mädchen. „Und dann, ügte sie hinzu, „hat Jumela gewußt, daß die Franken wei- er ziehen, und Jumela wollte Sie Wiedersehen."
__. „Wirklich? Und was veranlaßte Dich zu diesem Wunsche?" fragte der Gras.
zweiflung Halt zu gebieten? Erhebt euch, Männer und Frauen, Jünglinge und Greise! Erhebt euch Alle! Es lebe die Internationale! Es lebe die Revolution der Arbeiter!"
Zwischen der Pforte und Griechenland sind wie dieWol. Cor. aus Konstantinopel erfährt neue Schwierigkeiten entstanden. Der türkische Vorschlag betreffs einer lediglich aus Thessalien beschränkten Gebietsabtretung hat in Athen eine ungünstige Aufnahme gefunden, die griechische Regierung beharrt vielmehr darauf, daß die Verhandlungen auf der Grundlage der einschlägigen Bestimmungen des Berliner Vertrages geführt werden. Da die Pforte hierzu nicht geneigt ist, wurde die Ernennung der türkischen Delegirten verschoben. Aus Skutari meldet die Polit. Korresp. Die Häupter der albanestschen Liga haben bei ihrer letzten in Pritzrend abgehaltenen Versammlung beschlossen, in Konstantinopel die Anerkennung der Autonomie Albaniens unter türkischer Oberhoheit, die Anstellung eingeborner Beamten und den Gebrauch der albanestschen Sprache im «Wellen Verkehr zu fordern.
Der Vorstoß gegen Afghanistan seitens der Engländer scheint mit aller Energie vor sich zu gehen. Bereits sind drei Forts: das von Alimusjid, das Fort Rapion und das Fort Amadshand, den Afghanen entrissen. Da Letztere sich indeß in allen drei Fällen ohne Kampf zurückzogen, so ist bis jetzt ein Maßstab für ihre Widerstandskraft nicht gegeben. Wie ,es heißt, liegt es im Plane der Engländer, für diesen Herbst noch die Forts von Knrum und Kandahar zu nehmen, um für die im nächsten Frühjahr gegen Kabul beginnenden Operationen eine sichere Basis zu haben. Diese beiden Punkte in Verbindung mit dem bereits genommenen Alimusjid sperren nämlich die drei Hauptein- fallsstraßen nach Afghanistan, welche sich sämmtlich bei Ka- bul vereinigen. Die nördlichste Straße führt von Pescha- wur am JnduS über Alimusjid und durch die Khyberpässe an Dschellalabad vorbei nach Kabul, die mittlere Straße geht vom JuduS das Thal des Kurum-FlusteS aufwärts über die gleichnamigen Pässe ebenfalls nach Kabul; die dritte Straße endlich hat ihren Ausgangspunkt in Quettah, wo sie durch den Koluk-Paß nach Kandahar und dann nach Kabul führt.
Neueste Orient-Nachrichten:
Wien, 23. Nov. Die „Polit. Cvrresp." meldet aus Konstantinopel vom 22. d.: Im Laufe der letzten acht Tage besetzte russische Cavallerie die Ortschaften Balabankioei, Kosikioei, Sultankioei und Hadjikoei im Distritte Malgara und nahm daselbst wie in Kriegszeiteu Requisitionen vor. Die russischen GeneralstabSosfiziere machen allenthalben
I neue Aufnahmen. Die Pforte beschleunigt in Folgen besten | II I I ! !! "" « ' ‘ --1-
„Nun, schönes Kind," sagte der Chevalier, der bis jetzt geschwiegen und erstaunt mit angehört halte, wie bekannt sein Freund mit dem jungen Mädchen sthai, „weil Du so allwissend bist, meiner Treu, so sage mir mein Schicksal voraus und ich verspreche Dir, daß Du noch so ein Goldstück bekommen sollst, an denen Du eine so große Freude hast, wenn Du mir etwas Gutes prophezeiest."
d'Acigny reichte dem jungen Mädchen seine Hand.
Jumela betrachtete die Linien derselben, dann sprach sie mit großem Ernste:
„Sic werden erst im hohen Atter sterben und doch nicht lange leben."
„Wie? Ich werde also alt und doch bald sterben?" rief der Chevalier lachend, „Bei Gott! Du bist räthselhaft wie daS delphische Orakel. Schnell! Erkläre mir Deine Worte, wenn ich nicht glauben ^soll, daß sie weiter nichts sind als leerer, bedeutungsloser schall."
„An Jahren wird Ihr Leben lang sein, kurz aber an der Zeit, die Sie nutzbringend verwenden," erwiderte die Zigeunerin.
„Morbleu! Wenn nie, so hast Du diesmal wahrgesprochen," rief der Chevalier mit herzlichem Gelächter. „Aber weiter, weiter, Du kleine Dokterin der Zauberei! Deine Kunst macht mir Vergnügen."
„Weil Sie alle Dinge leicht nehmen, so ernst ste fein mögen."
„Wieder nicht schlecht errathen!"
„Das Herz ist gut, der Sinn ist leicht, damft hat noch selten Jemand Großes erreicht."
„Bravo! Bravo! Noch so ein Sprüchlein!"
„Sie sind flatterhaft in der Liebe und sorglos als Freund, das macht Ihnen manchen erbitterten Feind."
„Ha, meiner Treu! Du bist unvergleichlich. AuSDei- nem Munde sprudelt blanke Weißheit und noch dazu in
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Mchentt täglich außeran ^zügen^2^Mark,dmch" die Postämter des Deuts chen Reiches 2 Mark 5« Pfg. (ejd. füt bie sef’altene 3e,Ie 16 W«'
■öuajotuaecei» der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.