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Jugend, welche, wo Früchte sind, ungescheut und unbeauf­sichtigt in alle Gärten einbricht, und endlich die spärlichen Gemeinde Obstaupflanzungen zur Genüge darthun.

Das Arrangement des Saales geschah^wiederum durch Aufstellung einer breiten Mitteltasel in 2 Stufen durch die ganze Länge desselben, während an den Wänden und Fen­stern entlang schmälere Tafeln hinlicfen. Dieselben wurden überdeckt mit Tüchern oder Tapetcn-Papier von matter Färbung, von welchen sich die weißen Fruchtteller angenehm abhoben. Die Mitte der Haupttafel fchmückten Fruchtschalen, Tafelaufsätze, Vasen-BouquctS, sogar FruchtbouquetS und eine Menge schöner Blattpflanzen in reicher Abwechslung, während den Enden der Tafel gegenüber anderartige Arran­gements Platz fanden. Herr Otto Kratz hatte einen Tisch mit Einmache- und Trockenobst in reichster Fülle und großer Mannigfaltigkeit auf das verlockendste arrangirt, während am andern Ende des Saales auS einer stattlichen Pflanzen­gruppe von Herrn Kunst & Handelsgärtner Rösing sich die Büsten Sr. Majestät des Kaisers und deS Kronprinzen erhoben, was wir der freundlichen Bemühung des Gtoser- meifter Schulz zu danken hatten.

Auch die Kunst und Handelsgärtner Korn und Schmitt hatten sich durch Aufstellung schöner Pflanzengruppen, und ersterer noch durch einen kunstvoll arrangirten Blumentisch mit Obst-Guirlanden, ein Zimmer-Aquarium, und viele einzelne den Saal zierende Blattpflanzen verdient gemacht; denn die Kinder Floras sollten durch die Göttin Pomona, der das Fest in erster Linie galt, nicht verdrängt werden, sondern dasselbe schmücken, so weil Zweck und Raum er­laubte.

Auch trug zum Schmuck der Ausstellung wesentlich bei, daß mit derselben eine Verloosung verbunden war, zu wel­cher eine Anzahl Blumentische und Vasen, Fruchtschalen und Ständer rc. nach und nach angeschafft wurden, welche

mit Pflanzen, Blumen, oder ausgelesenem Obst gefüllt, die Tische zierten.

Um aber auf die Hauptsache zu kommen, so belief sich die Zahl der Aussteller Alles in Allem auf 60, darunter 10 Gemeinden, und die Zahl der, vom Kreise Marburg ausgestellten bestimmbaren Apfelsorten nach Abzug der von auswärts eingesandten Mustersortimente auf mindestens 80. Birnen waren nur schwach vertreten, weil sie über­haupt dieses Jahr nicht geriethen.

Unter den Gemeinde-Einsendungen waren die reichsten und besten Sortimente die der Gemeinde Bellnhausen mit circa 60 Sorten, gesammelt und eingesandt durch Herrn Bürgermeister Ruth, und der Gemeinde Kappel, mit circa 50 Sorten, gesammelt und eingesandt durch Herrn Lehrer Becker. Annähernd halb so viel lieferte die Stadt Marburg und Wetter, dagegen waren ansehnlich die Einsendungen der Gemeinden Bauerbach, Oberrosphe, Unterrosphe und Amö­nau, welche zwischen 40 und 50 Sorten enthielten, und die kleinen Einsendungen von Münchhausen. und Langenstan.

Während 'aber die nachfolgend aufgeführten Mustersor­timente auswärtiger AuSstelleraner tonnt fast nur gute, jedem geübten Pomologen bekannte, oder von ihm leicht zu bestim­mende Sorten enthietten, waren solche Sorten in den Ge­meinde-Ausstellungen nur spärlich vertreten. Ausgenommen die Sendungen der Gemeinden^ Kappel und Bellnhausen enthietten dieselben vorwiegend Sorten von untergeordnetem und zweifelhaftem Werth, viele Lokalformen, die nirgends beschrieben oder verzeichnet sind, von wohl meist aus dem Kern gezogenen Stämmen herrührend, die reinen Parias ohne Namen, vor denen der Pomologe achselzuckend steht, und dem Kind keinen Namen zu geben weiß. Unter die­sen Lokalformen, meist aus der Klaffe der Streiflinge, Plattäpfel und Breittinge, mag manche gute und dankbare Wirlhschaftssrucht sein, die sich in hiesigen rauhen Lagen

xiu. Jahrgang

Marburg, Sonntag, 24. November 1878

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traten eine Concession zu machen, und die Stimme der- sich zu gewinnen. Ob der Zuwachs der Partei

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m Heile gereichen wird? Wir können es abwarten.

Vor einigen Monaten warf ein Römisches Stott, der Dourrier d'Jtalie", uns Deutschen die Attentate auf tut­en Kaiser vor und bemerkte dazu, daß in Italien König d Papst ruhig und mit voller persönlicher Sicherheit beneinander regierten. Das uns tief beleidigende frevel­ste Wort ist durch die schändliche Thal eines Passavante ustrirt worden. Ein Subject, das mit den Geringsten ielfach nähere Bekanntschaft gemacht hat, ein notorischer ozialist, ein Internationalist und Demagoge, streckte die it dem Dolch bewaffnete, hcchverrätherische Faust gegen ie unverletzliche Person des Königs aus. Das Volk, lcheS seine Freude über die Errettung des Königs ös­tlich zum Ausdruck bringt, wird mit Orsini-Bomben überschüttet. Wahrhaftig, da ist es nicht mehr Zeit, die Flitter im Auge des Nachbars zu zählen!

Der Krieg zwischen England und Afshaniston hat ke­nnen. Wir wissen nicht, ob und welche Antwort Emir Here Ali auf das englische Ultimatum ertheilt hat. Wir issen nur durch ein Telegramm, daß sämmtliche Kolonnen englischen Truppen Befehl erhalten haben, die Grenze überschreiten d. h. diezufällige Grenze" Indiens. Daß rd Beaconsfield auch diewissenschaftliche" Grenze über­reiten lassen wird, möchten wir beinahe bezweifeln.

Frankreich amüsirt sich, seitdem die Wellansstellung schloffen ist, mit pikanten und dramatischen Kammerver- ndlungen über die letzten Wahlen für die Deputirten- ckmmer. Die finanzielle Lage des^ Landes ermöglicht t» der Regierung, einzelne indirecte Steuern aufzuheben. Gerade in den Zeiten der Roth kann man so recht den Werth der finanzpolitischen Einrichtungen Frankreichs er­

werben. Wie es heißt, werden die Matadore der Partei, Virchow, Richter und Hänel, in dieser Versammlung Vor­träge halten. Bis zum Dienstag waren schon 90 gegen­wärtige und frühere Abgeordnete der Partei, 20 Redakteure fortschrittlicher Blätter und außerdem etwa 140 Delegirte von Parteiversammlungen auS 46 verschiedenen Reichswahl­kreisen angemeldet.ti.c : >

Neueste Orient-Nachrichten:

Wien, 22. Nvvbr. Meldungen derPol.Corr." auS Konstantinopel vom 21. d. M. Zwischen der Pforte und Griechenland sind Schwierigkeiten entstanden. Der be­kannte türkische Vorschlag betreffs der lediglich auf Thes­salien zu beschränkenden Gebietsabtretung fand in Athen ungünstige Aufnahme. Griechenland beharrt darauf, daß die Verhandlungen auf Grundlage der einschlägigen Be­stimmungen des Berliner Vertrages geführt werden. Da die Pforte hierzu nicht geneigt ist, wurde die Ernennung der türkischen Delegirten verschoben. Betreffs der Con­vention wegen Okkupation NovibazarS verlautet, daß man sich augenblicklich mit der Abfassung eines neuen Con- ventionS - Entwurfes beschäftigte, welcher größere Chancen für eine befriedigende Erledigung dieser Frage bieten würde. Dieser neuesten Phase ging voraus die Ablehnung gewisser Zumuthungen der Pforte seitens Zichys. Lo- banosf stellte in den letzten Tagen seine Pression auf die Pforte wegen Vereinbarung deS definitiven Friedensver­trages ein. Die letzte Note der Pforte wegen der bulga­rischen Insurrektion beantwortete Lobanoff mit dem Hin­weis auf die Ausschreitungen der Muselmänner gegen die Bulgaren. Die Russen concentriren sich immer enger und haben neuerdings Cavallerie und Artillerie nach Khairedol vorgeschoben. In der rumelischen Grenz­kommission ergaben sich erhebliche Differenzen zwischen dem russischen Commisiär und Commissions-Majorität; erste­rer blieb schließlich vollständig isvttrt. AuS Bukarest: Catardji wurde zum ersten Cidil - Commiffär für die Do- brudscha ernannt, Suleimann Bey, bisher erster Sekre­tär der türkischen Botschaft in Petersburg, zum türkischen Gesandten in Rumänien. Aus Skutari: Die Häupter der albanesischen Liga beschlossen auf ihrer letzten Ver­sammlung zu Prizrend, in Konstautiaopel folgende Forde­rungen zu stellen: Anerkennung der Autonomie Albaniens unter türkischer Oberhoheit, Bestellung eingeborener Be­amten, Zulassung der albanesischen Sprache im offiziellen Verkehr.

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Tagesbericht.

Innerhalb der betreffenden Verwaltungskreise ist neuer­dings die Frage erwogen, ob sich im Allgemeinen die An­stellung von Amtssekretären empfehle, welche mit ihrer Be­stätigung und Vereidigung den Charakter öffentlicher Beam­ten erhalten. Die bezüglichen Erörterungen haben zu der übereinstimmenden Auffassung geführt, daß für folche Maß­regeln, abgesehen von sehr wenig zahlreichen Ansnahmefällen, ein praktisches Bedürfniß nicht vorhanden sei. Die Anstel­lung solcher Amtssekretäre würde zu einer beträchtlichen Vermehrung der Amtskosten führen und birgt die Gefahr in sich, in den Amtsvorstehern das Gefühl der persönlichen Verantwortlichkeit und das Interesse für die Verhältnisse deS AmtSverdandes abzuschwächen. Auch möchte der Ab­sicht des Gesetzes zuwider an die Stelle der persönlichen und unmittelbaren Verwaltung durch die Amtsvorsteher in manchen Fällen die Thätigkeit untergeordneter Bureaube- amten als Folge solcher Einrichtungen treten. Andererseits dürfte an dem Grundsatz festzuhalten sein, daß die Zahl der mit der öffentlichen Beamtenqualität ausgeftatteteu Per­sonen auf das nothwendigste Maß zu beschränken sei. ES wird daher von einer allgemeinen Anstellung von AmtSse- tretären entschieden Abstand genommen. Wo besondere Verhältnisse eine solche Maßnahme unerläßlich machen, soll streng darauf gehalten werden, daß die Thätigkeit der Amtssekretäre sich auf den Bureau- und Registratur-Dienst beschränkt.

Der Abg. Freiherr v. Schorlemer-Alst hat eine Inter­pellation eingebracht, in welcher die Regierung gefragt wird, ob sie gewillt sei, im Bundesrathe gesetzgeberische Maßre­geln gegen den überhandnehmenden Wucher zu beantragen. Er wünscht insbesondere die Wiedereinführung von ZinS- beschränkungen und der civilrechtlichen Unverbindlichkeit wucherischer Rechtsgeschäfte, jctoie juc Beschränkuchg der all­gemeinen Wechselfähigkeit.

Die Fortschrittspartei, welche die Zahl chrer Abgeord­neten bedenklich hat schwinden sehen, ist zu der Heber» zeugung gelangt, daß etwas faul sein müsse, im «Staate Däne­mark. Sie will nun die Wett, die aus den Fugen gerathen, wieder einrenken, nämlich zuerst ihre eigene kleine Welt, und hat einen Parteitag der Fortschrittspartei ausgeschrieben, welcher in Berlin vom 24. bis 26. d. tagen soll. Nicht bloß aus Preußen, sondern auS ganz Deutschland sollen die Männer des Fortschritts zusammenkommen und über ein neues Programm und eine Reorganisation der Partei berathen. Am Sonntag Abend 7 Uhr soll zum Schluß eine für alle Parteigenossen öffentliche Versammlung in der 3000 Personen fassenden städtischen Turnhalle abgehalten

Deutsches Reich.

# Berti«, 21. Nvvbr. Gestern ist hier der Präsi­dent der Verwaltung beS Reichsinvalidenfonds, Dr. Elwan-

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isor irecti

»ichlen tagtäglich um die Abonnenten derBerliner Freien Presse" und die Partei selbst hat ihr Programm um einen ion röther gefärbt, doch wohl nur, um den Sozialdemo-

-' Bericht

i6tr >ie vom 8-13. Oktober 1878 vom Marburger «ar- teubau-Verei« veranstaltete Odft-Auüstelluug.

I Gedrungen von dem Wunsche u. Bedürfniße, Etwas zur Hebung des Obstbaues in hiesiger Gegend zu thun, angeregt durch den reichen Obstsegen dieses Wahres und ermuthigt durch daS Gelingen seiner Rosen-Ausstellung «vom 2830 Juni d. Jahres hat der hiesige Verein zur Beförderung deS Gavten- und Obst-BanS, obgleich seit sei­ner Gründung kaum 5 Monate verflossen waren, den Ver­such gemacht, entsprechend den in seinen Statuten §. 1 ausgesprochenen Vereins-Zwecken, eine Obstausstellung zu veranstalten, und soll hiermit in kurzen Worten Bericht über dieselbe erstattet werden.

I Nach reiflicher Erwägung wurde wieder dem Brtnk- ^mann'schen Saale der Vorzug gegeben wegen seiner Billig­keit, seiner günstigen Lage und seines guten Lichtes. Daß Derselbe für die hiesigen Verhättniße jujletn sein mochte, konnte auch nur mit annähernder Sicherheit nicht an­genommen werden, denn eS kommt bei derartigen Ausstel­lungen weniger auf die Quantität als vielmehr auf die Qualität an, auch konnte das in diesem Saale zur An­schauung gebrachte Material kaum von Jemand vollständig übersehen und bewältigt werden.

i Der Besuch aber und baS von ber Stadt- urb land- Bevölkerung biefer ersten Obstausstellung erzeigte Jutereffe war im Verhältniß zu ben Räumlichkeiten und gebrachten [Opfern keineswegs sehr lebhaft, im Gegentheil scheint dre Bevölkerung in ihrer Gesarnrntheit von der wirthschaftttchen Lllnd ästhetischen Bedeutung beS Obstbaus wenig durch- Edrungen, wie bieS bie schlechte Auswahl ber angepflanzten Sorten, die mangelhafte Pflege der Obstbäume, bie skanda- tofe Beraubung und Beschädigung derselben durch bie böse

Messen.

.eigen nimmt entgegen: Srvedition d.LlatteS, .jedAnnoncen-Bureaux i LH. Dietrich & 6o. in jtel und Hannover; Th. ISaalfetrtd) in Frankfurt a.M.; ^Lgenstcin & Vogler in Entfurt a. M., Berlin, Wrzig, Cökn re.; Rudolf ELfle in Berlin, Frank- t furt a. M- ic.

Anzeigen nimmt entgegen: die EMdition d. Blattes, sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermaun'sche Duchhandl. daselbst; Jnvalidendanl in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

&[*eint täalich außer an den Werllageu nach Sonn- und Feiertagen- Preis ür das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJlluftttirteS «onntagSblatt" durch d>e Expedition (Koch'sche ^^Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«. (e$d. Bestellgebühr) -^nsert.onsgebühr für bie gespaltene Zeile 10 Pfg.

«ruqoruaerer- °ez g der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adresien werden 25 Pf«. berechnet. ______________

Politische Woche«-Ueberstcht.

holi Die beiden Häuser des Landtags sind am, Dienstag in Berlin zusammengetreten und haben sofort ihre Arbeiten - genommen. Die Vorstände, Abtheilungen und Com- 4 Effionen sind conftituirt, der Etat und zahrciche Gesetz- -« [Mürfe bei denen namentlich der Justizminister stark be- heiligt ist liegen den Häusern vor. Die Aufgaben der Mn sind, wie auch die Thronrede bestätigt hat, von r J, foaer Wichtigkeit. Namentlich wirb bie Lösung ber finan- Un Schwierigkeiten eine schwer zu knackenbe Nuß sein. Rna toS Sozialistengesetz, so sehr cS auch von ber FortschrittS- Sno krtei angefochten wird, scheint dieser doch Wasser auf die 3p Mühle zu sein. Die fortschrittlichen Blätter Berlins

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