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XIII. Jahrgang.

Marburg, Freitag, 22. November 1878

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Konstantinopel vom 19. d. M.: In Folge der stetigen Zu­nahme des Aufstandes in Maccdonien hat der Seraskier telegraphisch den Commandanten des 3. Armeekorps in Mo- nastir, Chefket Pascha, angewiesen, unverzüglich und ener­gisch die Operationen gegen die Insurgenten zu beginnen und sich behufs kombinirten Vorgehens mit dem CorpS- kommandanten in Salonichi, Salih Pascha, zu verständigen. Aus Bukarest von heute: Der neuernannte italienische Gesandte Fava ist von seiner Regierung angewiesen, seine Creditive nicht eher zu überreichen, als bis er von der ru­mänischen Regierung die sornkelle Zusicherung erhalten habe, daß die Frage der Judenemancipation in kürzester Frist ihre volle Lösung erhalten werde. Der britische Vertre­ter gab der rumänischen Regierung zu verstehen, seine Regierung müsse den Abschluß einer neuen Conventton zwischen Rumänien und Rußland nicht nur lebhaft be­dauern, sondern auch als Grund ansehen, ihre Interessen von Rumänien abzmvenden und dasselbe seinem Schicksal zu überlassen.

London, 20. Novbr. DieTimes" meldet aus Kon­stantinopel: Die Pforte stellte dem Sultan vor, die von dem Czaren ausgedrückte Absicht, den Berliner Vertrag ge­treulich zu erfüllen, mache es um so nvlhwendiger, daß die Türkei Europa Beweise ihrer Bereitwilligkeit gebe, in glei­chem Geiste zu handeln.

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kann.

Zu dem Entwürfe einer SchiedSmannSordnung, welche ^errcnhaufe vorgelcgt ist, ist Folgendes zu bemerken: Institut der Schiedsmänner ist bisher als eine pro- zielle Einrichtung betrachtet worden, obwohl demselben sich der lokale Charakter fehlt. Es haben in Folge .on, sowie in Folge der verschiedenzeitlichen Einführung f Grund der Berathungm und Anträge der Provinzial- d Kreisvertretungen die einzelnen Verordnungen manchcr- i Abweichungen von einander erfahren, welche thcils auf ' vinziellen Eigenthümlichkeiten, theilS auf der sortschrei- den Entwickelung des Instituts beruhen. Schon hieraus |t hervor, daß sich keine der bestehenden Verordnungen s einer unveränderten Uebertragung auf das bis jetzt un- Sheiligte Staatsgebiet eignet. Zu diesen verschiedenen ordnungen sind sodann im Laufe der Zeit mancherlei «gänzende und abänccrnde Kabinetsordres, sowie Reskripte ttb Instruktionen der betheiligten Minister ergangen, welche 6 Handhabung des Gesetzes für Laien, wie die Schicds- «rmer der Regel nach sind, sehr erschweren und dahin pführt haben, daß im Auftrage des Justizministers ein

Piemont und Auvergne.

Ki nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph

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Ein Artikel derProv.-Corr." bespricht die neuesten 31 wltsamen Kundgebungen betreffs Durchführung des Ber- m Friedensvertrages, insbesondere die Banket-Rede Bea- I k röcclbf die Antwort des Kaisers von Oesterreich auf die Drache beim Empfang der österreichischen Delegation, * t Erklärungen der russischen Regierung und Frankreichs "T. mühungen, die Pforte zur ernsten Durchführung des _ trimer Vertrages und zur griechischen Grenzregulirung i> bestimmen; der Artikel schließt mit den Worten: so ist om in diesem Augenblicke die Hoffnung neu befestigt, daß 42 t Durchführung des Berliner Fricdenswerkes trotz aller chwierigkeiten sicher vorschreiten werde. Die Correspon- i so üj wiederholt, daß die Rückkehr Sr. Majestät deö Kai-

Deutsches Reich.

» ** Berlin, 20. Nov. Ein kurzer Artikel derProv.- Corr." über die Durchführung des Berliner Friedensver­trages faßt referirend die neuerlichen Aeußerungen der großen Regierungen über den Gegenstand zusammen und kommt' zu dem Schluß, daß in diesem Augenblick die Hoffnung neu befestigt sei, daß die Durchführung des Berliner Frie­denswerkes trotz aller Schwierigkeiten sicher vorschreiten werde. Der Artikel läßt erkennen, daß die deutsche Regie­rung nicht ohne Genugthuung auf den erwähnten letzten Abschnitt der diplomatischen Entwickelung blickt. Mit er­sichtlichem Wohlwollen wird der neuesten Aktion Frankreichs für Griechenland gedacht, welche sogleich die wärmste Uüter- stützung Deutschlands gefunden hat. Aus den Worten der Prov.-Corr.", daß die Geltendmachung des Entschlusses Frankreichs u. s. w. Worte im Sinne der ernsten Durch­führung des Berliner Vertrages und namentlich in Betreff der Berichtigung der Grenzen Griechenlands auf allen Seiten Geneigtheit gefunden hat, zur Erreichung der in dem Ber­liner Vertrage bezeichneten Ziele auch in dieser Beziehung mitzuwirken, darf man schließen, daß auch England sich nicht ausgeschlossen hat. In der That scheint diese Macht ihren Einfluß in Konstantinopel benutzt zu haben, ein Ent-

Förmlichkeit, aus denen jede herzliche Annäherung ausge­schlossen blieb.

Der Marquis glaubte zu seinem letzten Mittel greifen zu müssen, denn schon hatte sich das anfängliche halblaute Gemurmel der mühsam im Flusse erhaltenen Cvnversation in lautlose Stille verwandelt.

Er erhob sich demnach mit dem vollen Glase in der Hand und verkündete mit lauter Stimme seinen Gästen ihre neue Bestimmung nach Köln und die unzweifelhafte Wiedereröffnung des Feldzuges.

Meine Herren von Piemont und Auvergne," sprach er sichtlich bewegt,ich will Ihnen nicht länger eine Mit- thciluuz vorenthalten, die Sie Alle mit Enthusiasmus ver­nehmen werden. Eine neue Campagne steht in, Aussicht. Dieser Tage marschieren wir nach Köln ab und ich werde die Ehre haben, Sie dort zum Angriff unserer Feinde zu führen. Ich danke dem Könige für die Auszeichnung, welche für uns Alle in dieser Bestimmung liegt! Sie wer­den Gelegenheit finden, sich vereint dort neue Lorbeeren zu sammeln, uud so lassen Sie uns denn im Vorgefühl unse­rer Siege und in ächter Kameradschaft die vollen Gläser ergreifen und sie leeren auf das Wohl des Königs und auf das Wohl von Piemont und Auvergne. Es lebe der Kö­nig! Es lebe Piemont und Auvergne!" mit diesem Rufe stieß der Marquis mit den beiden Obersten Esparbes und Rochambeau an.

Es trat ein Moment der gespanntesten Erwartung ein, ein Moment so kurz, daß er kaum wahrgenommen werden konnte, und doch lang genug, daß Jeder die peinliche Un­schlüssigkeit fühlte, in der man schwebte.

Alles war mit dem vollen Glase aufgestanden, in allen Augen glänzte die Freude über die unerwartete und so sehr willkommene Nachricht, alle Gemüther waren bewegt, alle Herzen schlugen lauter und die Hände zuckten wohl schon,

, Ä>. Dietrich & Co. in !is «kl und Hannover; Tb. ll $i MchinFranifurt a M.; «feitflein & Vogler in i. Lif«rt a- M., Berlin. I toig, Cöln re.; Rudolf 2i X in Berlin, Frank» . L, furt o. M. ic.

Tr, . , X mt rrnnen narfj ^onn» und Keiertaam. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS LonntagSblatk" durch die Expedition (Koch'sche

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'ÖU^B 1 4 b Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 2a Pf», berechnet-__

Belmont's Worte fielen in zweifelhaften Fällen jederzeit ' hver in'S Gewicht. Waren die Meinungen getheilt, so Weih' die seinige gewöhnlich den Ausschlag. So erging es . «ich jetzt. Die Mehrzahl, namentlich der ältere und so- «it besonnenere Theil des Officiercorps schloß sich dem

5 ilurspruche deS Capitäns Belmonts an und so wurde Verabredung getroffen, den Officieren von Piemont

' üit Artigkeit entgegen zu kommen, ihnen ein freundliches

6 tzestcht zu machen und jede feindselige Reibung mit größter Sorgfalt zu vermeiden, vorausgesetzt natürlich, fügte Bel-

i Hont selbst hinzu, daß ihrerseits dieses Benehmen richtig iNvürdigt und erwidert werde.

Zur bestimmten Stunde verfügten sich die Officiere Hn Auvergne mit ihrem Obersten, dem Grafen von Ro- hnnbeau, in das große Rapportzelt, welches der Marquis ton CaftrieS für seine Reunion eigens hatte einrichten

Gleichzeitig mit ihnen, aber von der entgegengesetzten Seite trat Herr von Esparbeö, der Oberst vom Regimenle Remont mit seinen Officieren ein. _

Auch sie hatten im Laufe des Nachmittags eine ähnliche Besprechung, wie Auvergne, gchalten, allein das Resultat derselben war ein anderes. AuS dem steifen Ernste, den Üt beobachteten, war bald zu erkennen, daß sie beschlossen hatten, jede Annäherung zurückzuweisen.

Daß diese eisige Zurückhaltung mehr als genügte, um »uch in Auvergne alle guten Vorsätze zu ersticken, bevor llriv ein einziger zur Ausführung gekommen war, ist srlbst-

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. BlatteS. sowie d. Annoneen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

Handbuch für Schiedsmänner ausgearbeit worden ist, wel­ches obgleich der gesetzlichen Grundlage entbehrend, doch allgemein als Richtschnur für die amtliche Thätigkeit der Schiedsmänner dient. Dieser Zustand scheint bei einer Aus­dehnung des Instituts unhaltbar und neue anderweite Kodifizierung der geltenden Vorschriften unvermeidlich. Die­selbe wird insbesondere auch den wesentlichen Veränderun­gen Rechnung zu tragen haben, welche die Stellung und das Verfahren der Schiedsmänner durch die neue Organi­sation der Gerichtsbehörden und die neuen Prozeßordnun­gen nothwendig erleiden müssen. Die geeignetste Form einer solchen Kodifizierung ifAie eines Gesetzes, welches nicht nur für die bisher unbeteiligten Provinzen, sondern für die ganze Monarchie unter Beseitigung aller Provin­zialverordnungen Gültigkeit erlangt. Der vorliegenbe Ent­wurf stellt sich den möglichsten Anschluß an die be­stehende Einrichtung zur Aufgabe und will im Wesent­lichen nur die provinziellen Eigenthümlichkeiten und ver­alteten Bestimmungen beseitigen.

Der Ausschuß des Congresses deutscher Landwirthe hielt am 13. d. M. in Berlin eine Sitzung, in welcher be­schlossen wurde, die nächste Hauptversammlung des Con- gresseö ettva acht Tage nach Zusammentritt des Reichsta­ges, also voraussichtlich in der ersten Hälfte des Februar k. I. nach Berlin zu berufen. Auf die Tagesordnung der Versammlung wurden folgende Gegenstände gesetzt: 1) Welche Aendernng der bestehenden materiellen Gesetzgebung muß eintreten, um den' Grundbesitz von einer zu großen weiteren Verschuldung zu bewahren und eine wesentliche Verminderung der bestehenden Verschuldung desselben her- beizusühren? 2) Die Spiritussteuerfrage und 3) Die Wucher- und Wechselfrage. Tag und Stunde, sowie das Lokal der Versammlung werden, wie alljährlich, recht­zeitig durch die öffenttichen Blätter bekannt gemacht werden.

Neueste Orient-Nachrichten:

Wien, 20. Novbr. DasArmee-Verordnungsblatt" veröffentlicht ein kaiserl. Handschreiben vom 18. d. M. an den Feldzeugmeister Philippowic, wodurch der Kaiser die beantragte Aufhebung des zweiten Armee - Commandos ge­nehmigt und Philippowic auf seine Bitte unter dem Aus­druck deö wohlverdienten DankeS und vollster Anerkennung auf den ihm vorbehaltenen Posten des tommandirenden Generals in Prag zurückversetzt. Ferner ernannte der Kai­ser den General Herzog von Württemberg zum kommandi- renben General und Chef der Landesregierung in Bosnien und der Herzegowina und den Feldmarschall-Licutenant Jo­vanovic zu dessen Stellvertreter.

W i e n, 20. Novbr. Meldungen derPol. Corr." aus

verständlich. Die beiden CovpS blieben demnach in zwei getrennten Haufen stehen und ließen zwischen sich einen freien Raum, den man mit einem Abgrunde vergleichen konnte, über den es keine Brücke gab.

Die lange Tafel, welche so splendid servirt war,.als die Umstände eS gestatteten, sowie das geräumige Zelt boten einen festlichen, heiteren Anblick. Bäume, Laubge­winde, Fahnen in den Farben der beiden Regimenter, Trophäen und auS Bayonnetklingen künstlich zusammenge­setzte Kronleuchter schmückten diesen improvisirten Bankettsaal.

Die beiden Regimentsmusiken ^on'Auvergne und Pie­mont hatten abwechsend gewählte Stücke vorzutragen, denn de Castries wußte, rote sehr die Musik geeignet ist, bei sol­chen Gelegenheiten eine heitere Stimmung hervorzurufen und bis zur Begeisterung zu erhöhen.

Der Marquis verkannte die Schwierigkeit nicht, den so tief wurzelnden Haß, der zwischen Auvergne und Piemont bestand, zum Schweigen zu bringen; aber er widmete sich dieser Aufgabe mit frischem Mnthe und versprach sich von seinem Feste den besten Erfolg. Ec hatte die Einrichtung getroffen, daß an der Tafel die Offiziere beider Regimenter unter einander gemischt saßen und nahm für seine Person am oberen Ende derselben zwischen den beiden Obersten Platz.

Mit der Gewandtheit eines Weltmannes und der Herz­lichkeit eines Soldaten suchte er die Cvnversation in den Gang zu bringen, indem er bald diesem, bald Jenem ein freundliches Wort zurief und Alle durch sein eigenes Bei­spiel zur Fröhlichkeit zu ermuntern trachtete; allein seine Anstrengungen waren vergeblich. Kurze banale Phrasen, ein kalter Austausch nichtssagender Worte war Alles, was man der Schicklichkeit zum Opfer brachte, und nach wie vor hielt man sich streng in den abgezirkelten Grenzen steifer

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M jt genommen ist. DieProv.-Corr." schreibt bei Be- icchung des gegen König Humbert gerichteten Attentates: ^Mner mehr gelangt im allgemeinen Bewußtsein die That- zur Geltung, daß ein Netz geheimer revolutionärer inbungen über ganz Europa ausgebreitet ist, derer, uu- es Wirken die höchsten Güter und Heiligthümer aller bneten Staaten mit den dringlichsten Gefahren umgiebt. nur mehr muß unter solchen Eindrücken die Ueberzeu- g erstarken, daß nur ein klar bewußtes und festes Zu- wmenwirken aller Kräfte, die auf dem Boden der jetzigen ellschastSordnung stehen, mit starken, entschlossenen Re- immgen dem weiteren Umsichgreifen deS Uebels vorbeu-