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Marburg, Sonntag, 17. November 1878

Ist die deutsche Ratio« arm oder reich r

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Der edle Prinz von Hessen stand.js-rsMs-t

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♦y Am 15. Juli 1704.

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oder die Besteuerung hat diese Wirkung nicht. Im ersten Falle wird eine Menge von Papieren auf den Markt ge­worfen und dadurch zum Nachtheil der deutschen Verkäufer eine gewaltige Baisse hervorgerufen, so daß das in den Papieren steckende deutsche Eigenthum zu einem großen Theil verloren geht. Ferner bietet sich dem deutschen Ka­pitalisten, der seine Papiere versilbert, eigentlich müßte man sagenvergoldet" im Jnnlande keine ausreichende Gelegenheit zur sichern Kapital-Anlage. Man erzeugt da­durch vielleicht eine neue Schwindelperiode ä la 187273.

Im zweiten Falle, nämlich wenn die Besteuerung diese Wirkung nicht erzielt, so drücken wir nicht dir schutzzöllne- rischen Nationen, sondern nur die deutschen Gläubiger durch eine neue gänzlich ungerechte Steuer.

Diese Ausführungen dürften beweisen, daß die von Herrn Dr. Weigert vorgeschlagene Maßregel, mag sie so oder so wirken, nur zum Schaden Deutschlands ausschlagen kann.

Zum Kampf mit den Franzosen*), Wo uns zum Glück der Würfel fiel, Welch Hauen, Schießen, Stoßen! Wie ward das Feld von Blut so naß, Wie viele sanken in das Gras!

Glück nach dem Unglück lachte.

Drum jetzt der Prinz zum Marschall sprach^: Das ist: Revanche pour Speierbach!"

sisch-österreichischen Bund gründlich todtgefchwiegen und es dem Belieben seiner Zuhörer überlasten, ob sie die Nach­richten über diesen Bund demhirnverbrannten Geschwätze" subsumiren wollen, welches unser edler Lord mit einer wahren Berserkerwuth gebrandmarkt hat.

Hieraus erklärt sich denn auch, daß die Franzosen über den Inhalt der Rede so wmig erbaut sind. Hätte nicht Lord Beaconsfield so galant sein können, der Dame la France einige süße Artigkeiten zu sagen? An einem Anlaß hat es doch wahrlich nicht gefehlt. Statt dessen erkühnt sich der rauhe Sohn Albions, die ganze publicistische Pro- ductton des Monats October als hirnverbranntes Geschwätz zu bezeichnen! Alle jene schönen Träume von dem Bunde zwischen England - Frankreich - Oesterreich mit roher Hand wegzuwischm, jene Träume, die man in Paris offiziel ab­leugnete, während man doch mit Erstaunen constatirte daß, in Deutschland Niemand die Nachrichten über jene Allianz ernst aufnahm!

Wir in Deutschland haben allen Grund die Bekennt- niße des Lord Beaconsfield mit Befriedigung aufzunehmen. Es war dieß die vernünftigste Rede, welche der edle Lord seit Jahren gehalten hat. Wir sind nicht gewohnt, dem Lordmayorstag mit Spannung entgegen zu sehen; aber di.ßmal hat uns Se. Herrlichkeit ein Verständniß von dem Werthe dieser Einrichtung beigebracht. Und mit diesem Zugeständniß wollen wir den Gegenstand verlassen.

Bei der Umschau im Reiche fallen uns wenige That- sachen auf, die sich in der Geschichte- der Woche markiren. Vor Allem können wir mit Freuden constatiren, daß Se. Majestät der Kaiser die Absicht ausgesprochen hat, bald nach seiner Rückkehr in die Reichshauptstadt die Zügel der Regierung wieder zu übernehmen. Es ist diese Erklärung um so erfreulicher, als in der letzten Zeit noch vielfach über das Befinden Seiner Majestät betrübende Gerüchte in Umlauf waren, die sich theilweise der öffentlichen Be­sprechung entziehen, und die--Harum auch von uns nicht erwähnt worden sind. Möge der 'Kaiser noch lange Jahre in alter Frische die Zügel der Regierung führen!

Auch in der vergangenen Woche hat das halbamtliche Blatt der Regierung sich über die Verhandlungen zwischen Rom und Berlin ausgesprochen. Gleichzeitig haben wir aus Rom Nachrichten erhalten, die Hoffnungen auf baldige Beilegung des Kirchenstreites andeuten. Wir wollen wün­schen , daß diese Nachrichten durch Thatsachcn bestätigt werden. Die Ausführung des Sozialistengesetzes hat auch in der verflossenen Woche Fortschritte gemacht. ES mag sein, daß hierbei da und dort von den ausführenden Behörden ein Fehler gemacht worden ist; indeß ist in dem Gesetze auch für solche Fälle Vorsorge getrosten und cS ist Niemanden der Weg verschlossen, sich zu seinem Rechte zu verhelfen.

In Paris haben sich die Pforten der Ausstellung ge­schlossen, welche die französische Republick als einen vollen

Hesfische Geschichtsbilder. IV.

Revanche pour Speierbach.

Bei Speierdach im Pfälzerland, Da fielen scharfe Hiebe*), Wir Hessen standen wie die Wand Fest vor dem Heer der Diebe, Die mit dem Feuer und dem Schwert Die schöne Pfalz von Grund verheert.

Prinz Friedrich hat uns commandiert, Doch wurden wir umgangen, Wie uns der Feind auch attakiert, ES ließ sich keiner fangen;

Doch von der Uebermacht gefällt Schwamm in dem Blut manch' edler Held.

Als unser Prinz betrübt gedacht An den Verlust der Helden, Als still er den Bericht gemacht, Sein Unglück heim zu melden, Da ritt zu ihm auf schwarzem Ross Ein Reiter, dem das Blut noch floß.

Das rote Blut, so frisch, so toann, Troff nieder von der Linken, Der wunde Mann ließ Hand und Arm Schlaff auf den Sattel sinken.

Doch Feuer hat sein Ang gesprüht, Und seine Stirn hat heiß geglüht.

*) Am 15. November 1703.

Selbst in dem Pulverdampf«, Er flog, das Schwert in tapfrer Hand, Wo's not tat, rasch zum Kampfe. Und bei dem donnergleichen Hall Entfloh Tallard, der Mareschall.

Der Bemelburg rief hinterdrein: Gehst mir nicht durch die Lappen"! Er setzte nach durch Stock und Stein Auf seinem schnellen Rappen. Der Marschall kam nicht weiter durch Und gab sein Schwert dem Bemciburg.

Prinz Friedrich eS von ferne sah, Wie er den Tallard brachte.

WaS Bemelburg gehofft, geschah:

Sei mir willkommen, Bemelburg, Viel tausendmal geheißen, Du bist, wie Ritter St. Georg Ob Heldenmut zu preisen.

Gelobet sei Herr Jesus Christ, Daß du noch hoch zu Rosse bist!

Ich denke traurig drüber nach, Was sie daheim wohl sagen , Erfahren sie: Bei Speierbach Ließ Hessens Heer sich schlagen. Was sagt mein Vater Karl dazu, Was Prinz Eugen, was Marlborough?

Nur nicht so traurig, edler Herr!.

Lernt das Geschick ertragen!

Wir dämpfen das Franzosenheer Gewiö in künftigen Tagen, Dann wird die Scharte ausgewetzt, Die heute unser Schwert verletzt.

Nicht immer gehts im Siegeslauf, Nicht immer mit Lorbeeren.

Doch Gott hebt die Gebeugten auf

Vom Falle hoch zu Ehren.

Drum haltet aufrecht, Prinz, das Haupt, Es winkt der Sieg, eh' Jhr's geglaubt."" Dank, lieber jpelb, der Himmel walt's"!

Er sprachs und zog vom Rheine, Fern bleichten auf dem Feld der Pfalz Viel hessische Gebeine, Und weiter giengs, mit Prinz Eugen Und Marlborough vereint zu stehn.

Bei Hochstädt kam's zum Waffenspiel,

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Wir kommen bei dieser Gelegenheit auf eint sehr nahe­nde Frage. Herr Dr. Weigert, Freihändler par llence hat statt der Anwendung von Kampfzöllen die euerung ausländischer Werthpapiere als ein Mittel em- hlen, die benachbarten Nationen zum Freihandel zu ingen Wir müssen noch voranschickcn, daß wir eben- s nicht für Kampfzölle schwärmen, vielmehr ein Zoll- em verlangen, welches einzig und allein von dem Ge- tSpunkte einer rationellen Staatswirthschast ausgeht, s aber da«Arcanum des Herrn Dr. Weigert betrifft, müssen wir dasselbe als ein vollständig verfehltes an- hen. ES sind nur zwei Fälle denkbar: Die Besteuerung r fremden Staatspapiere führt entweder dazu, daß sich ie deutschen Kapitalisten dieselben vom Halse schaffen,

Der Prinz gebot: Ihr Reiter vor! Fort stürmten wir Husaren, Und pfeifend ins FranzosencorpS Die Kugeln sind gefahren. Da greift zum Hasenpfluchtpanier Gemeiner Mann und Officier.

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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition b. Blatte-, sowie d- Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurta.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thiene» in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

Politische Woche«-Uebet ficht.

Nym.

......ich möchte Dich solus haben!

Pistol.

Solus, du ungemeiner Hund? 3. Viper!

Das solus in dein seltsames Gesicht Das solus in die Zähn und Kehle dir In deine schnöde Lunge, ja in deinen Magen Und was noch schlimmer, in den garstigen Mund (Heinrich V. 1. Scene.)

Wenn wir statt Nym: Shere Ali und statt Pistol: Sir Neville Chamberlain setzen, so haben wir ein zeitge­schichtliches Analogon zu jener von Shakespeare verewigten Scene, die auf unsere Heiterkeit wohl nicht vergeblich An­spruch erhebt. Auf einen solchen Vorgang reducirt sich die angebliche Beschimpfung Englands durch den Emir von Afghanistan, die im September halb Europa, ja die halbe Welt in Aufregung versetzte. Nach dem jüngsten Lordmayorötag, dieser für die Menschheit so wohlthätigen Einrichtung, welche für die hochgehenden Wogen politischer Erregung ein besänftigendes Oel ist, bleibt von dieser Beschimpfung auch nicht eine Spur mehr übrig sie fällt unter den Begriff der Vorkehrungen, welche die eng­lische Regierung zur Berichtigung der nordwestlichen Grenzen des britischen Indien getroffen hat. Die werthvolle Auf­klärung verdanken wir dem berufensten Manu der Welt, dem englischen Premierminister Lord Beaconsfield, wir verdanken sie dem Urquell aller polittschen Information, dem LordmaporStag!

Diese Rede des Lord Beaconsfield ist jedenfalls daS bedeutsamste Ereigniß der Woche, bedeutsam nach seinem positiven und negativen Inhalt. Se. Herrlichkeit hat in derselben den wahren Charatter des englisch-afghanischen Handels enthüllt, er hat einen Panegyricus auf den Ber­liner Vertrag gehalten er hat endlich den euglisch-franzö-

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täaliAfier an ben Werktagen nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für bas Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrtrteS Sonntagsblatt" durch bie etpebition (fi o <6fd)e ^^^Äbtu^reibkW«»^ «art, burd, die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (excl. Bestellgebühr). - Jns-rttonsgedühr für Die gespaltene Zecke 10 P.

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-jenstein L Vogler in rlschs »nlfutt a. M., Berlin, a c,ih irzm, Cöln 1C.; Rudolf alttl X in Berlin, Frank, furt a. M- ic.

Ute dj yeigeB nimmt «ngegen: t (m Srptbitic« d.Blatte-, ^tdAnnoncen-Bureaur 197i b LH, Dietrich & do..in j ,ffel und Hannover; Th. ld. Aich in Frankfurt a.M.;

Das ist eine Frage, die sehr verschieden beantwortet ird Die Freihändler sagen im Allgemeinen, daß Deutsch- H einkapitalarmes" Land sei, aber incousequent, tote an- £ nUn einmal sind, rechtfertigen sie den erschreckenden Mrschuß unserer Einfuhr über die Ausfuhr dadurch, in. ch derselbe durch die Kapitalzinsen, die wir vom Aus- lMH chde zu fordern haben , ausgeglichen werde. Da diese irfj ntei.lanj etwa eine Milliarde jährlich auSmacht, so , au m man leicht auSrechnen, wie groß das Kapital ist, das is d den Angaben der Freihändler im Auslande stehen " ,ben In der That ist die deutsche Nation ein Volk ttrL 6n Gläubigern, an ihr erfüllt sich die die mosaische Ver- " Mng: Du wirst allen Völkern borgen und du wirst m Niemand leihen." ES giebt keinen Staat in Europa ll nicht von den Deutschen gewaltige Summen geborgt »ttkr'nsbesondere ist mit Vorliebe deutsches Kapital in Herreich, Rußland, Schweden, Frankreich, England, ja Mt in Spanien angelegt. Von transatlantischen Ländern mmt vielleicht nur Nordamerika in Betracht, dieses aber i einem sehr erheblichen Maßstabe. Wer die Zeit des LrgerkriegeS in Nordamerika mit erlebt hat, wird h erinnern, daß damals durch eine Spekulation i Papieren der Nordstaaten große Vermögen er- Ktben worden sind. Wir können somit sagen, daß Deutsch- md als ein Volk von Gläubigern reich ist, obgleich es Ha^ «möge seiner Zvllpolittk niemals dazu kommt, den Tribut d- im es Auslandes in baarem Gelbe einzustreichen. Wir v- u» Am die schlechte Gewohnheit, von unseren größtentheils 1523 Emilen Schuldnern Waaren in Zahlung anzunehmen, ' hall md noch dazu Waaren, die wir selbst in ausreichenden [262 Ernzen prvduciren. Trotzdem wir also eine kapitalretche mark foiiou nnb, stecken wir doch in fortwährender Geldverle- Jt, und haben jedenfalls zu solchen Zwecken kein Geld, uns so nothwendig sind, wie baS liebe Brod. Eine ünstige Zollpolitik würde dagegen Deutschland der sten Nation der Welt beinahe ebenbürtig an die