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Marburg, Sonnabend, 16. November 1878
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Fürst Bismarck wird auch während seiner Abwesenheit von Berlin an den Geschäften Theil nehmen, so weit es ihm nörhig oder wünschensworth scheint. Von einer weiteren Beurlaubung kann also eigentlich nicht die Rede sein und erfolgt für die laufenden Geschäfte die Vertretung auf den verschiedenen Gebieten gemäß der im März b.JJ. getroffenen Vereinbarung. Den Vorsitz imPreußischenStaats- minkfterium sührt der Vize-Präsident Gras zu Stolberg- Wernigerode. Derselbe ist vorgestern von Wernigerode zurückgekommen, um einer Sitzung des Staaisministeriums zu präsibirtn, in welcher es sich um Landtags-Angelegenheiten handelte.
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nehmen, welche sich kein anderer Staat dem anderen gegenüber erlaubt.
Jedenfalls aber beweist jene Aeußerung des Pariser Gcldfürsten, daß es für die ^Staaten eben so bedenklich ist, sich durch fortwährende Anleihen ist Abhängigkeit von der Geldaristokratie, welche dm Geldmarkt beherrscht, zu bringen/ als es dem gemeinen Manne gefährlich ist, sich durch kleine Anleihen vom kleinen Handelsmann abhängig zu machen. Bei Staaten, welche ftnanziell so schlecht stehen, wie Rußland, mag es vielleicht unmöglich fein, auf andere Weise, als durch Vermittlung des Börsenthums Anleihen zu be- kommm; aber für Staaten, wie Preußen und das deutsche Reich, sollten wir denken, wäre solche-'.Vermittlung nicht nöthig und könnte die Regierung die Anleihen durch ihre Organe direet ausbieten. Der Finanznunister in Verbindung mit der S-eehandlung könnte das ganz • gut, und alle die Vortheile, welche sonst den -großen Bankhäusern zu Theil werden, könnten für den Lstaat gewonnen werden, Ueberdies aber wird cs gerathen sein, die Anleihe-Wirth- schaft möglichst zu beschränken-. Wo soll das hin führen, wenn wir jetzt, nach der Milliardeuzeit schon wieder, wie berichtet wird, in Preußen eine Anleihe von ca. 70 Will. Mark zur Deckung des Deficits zu erwarten haben Wie soll es da erst nach weiteren 7 Jahren werden, wenn keine Milliarden mehr zu vertheilen sind? Wir müssen sparsamer werden, uns vor Anleihen hüten und darauf aus sein, die Einnahmen die Staates zu vermehren, ohne die Lasten des Volkes wesentlich zu erhöhen, was nur durch Erhöhung der Zölle, durch Stärkung von Gewerbe und Ackerbau geschehen kann. Die gesunde Finanzpolitik eines Staates besteht nicht darin, das Geld zu nehmen, wo er dasielbe am leichtesten kriegen kann, sondern darin, die produktive Thätigkeit und Leistungsfähigkeit des Volkes -zu erhöhen. Borgwirthschaft taugt für die Staaten so wenig, als -für Privatleute. Sie führt zu Unfreiheit, Unselbstständigkeit, Verlegenheit und Ruin.
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ken erheischle, wie sie ergänzte, wo etwas fehlte und selbst Hand anlegte, stvenn ihre Befehle nicht schnell genug vollzogen wurden. Bald hatte die Zigeunerin sich wenigstens so weit erholt, daß -sie, rechts und links, auf die beiden Manner gestützt, die Treppe hinauf in das für sie hergerichtete Zimmer gehen konnte, wo sie der ausschließlichm Hülfeleistung der Wirthin und Mägde des Hauses überlassen blieb. 5; “ ' " . 1 ' - *
„Und jetzt, nachdem ich mein bestes Zimmer dieser Va- gabondin gegebm habe, wo weroe ich die beioen Herr- schaslen unterbringen?" sprach Herr Hauser mit einem schadenftohen Lächeln, welches feine' Freude ausdrückte, daß sie nun mit einem schlechteren Logis vorlieb nehmen s mußten.
„In Deinem eigenen^ Parbleu!" entgegnete der Chevalier. ;i
Diesmal schien der Wirth aber trotz des spanischen Rohres energischen Widerstand leisten zu wolle« und wer weiß, zu welchem Seandal es gekommen wäre, hätte der Graf de Lourmel nicht den neuen Streit kurz abgefchnitten, indem er erklärte, daß sie sich mit dem ersten besten Zimmer begnügen wollten, vorausgesetzt, daß man ihnen noch ein gutes Souper und ein halbes.Dutzmd vom Besten aus dem Keller servire.
Einigermaßen ausgesöhnt, weil er sein eigenes Zimmer nicht herzugeben brauchte, bot Herr Hauser nun sein Möglichstes auf, dem Stenommee seines Hauses Ehre zu machen und servirte eine Viertelstunde später in der Thal ein Essen, an welchem selbst der verwöhnteste Gaumen nichts auszusetzen hatte.
Die beiden Freunde setzten sich zu Tische und hieben in die Schüssel tapfer ein, als der Chevalier sich plötzlich bückte und unter seinen Stuhl sah.
„Was Teufel läuft mir denn so um die Beine herum?"
hauptung richtig sein kann. . (...
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Neueste Orient-Nachrichten:
Im Kultus-Ministerium werden am 20. d. M. kommissarische Berathungen wegen der beabsichtigten Reform der Verwaltung des Medizinal-WesenS beginnen, da das Verbleiben dieses Verwaltungszweiges bei dem Kultus-Mi- nisterinm außer Frage steht. ,t ....
Die „Nordd. Allgem. Ztg." schreibt: DaS „Frankfurt ter Journal" bringt Mittheilungen über die Art und Weise von im Gang befindlichen Verhandlungen mit Rom, wonach dieselben zwischen v, Keudell und Nina geführt werden auf Gmnd einer genau festgestcllten Jnftruktton. Diese Notiz ist nicht, wie verschiedene Blätter bei Wiedergabe derselben behaupten, officivS, beim sie ist unrichtig.
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DaS Deficit des preußischen StaatshauShaltSetats pro 1879/80, welches auf 78 Millionen geschätzt wird, soll nach den Angaben verschiedener Blätter seine Hauptursache in den MriWen Einnahmen der StaatSbahnm haben. Zur BeleuchMNg dieser Sache mögen vielleicht folgende Zahlen dienlich sein, die sich über das in den Staatsbahnen steckende Anlagekapital, den Ueberschuß der Einnahmen und dir-Be^insuug de» Anlagekapttals beziehen. . ? O’-r Jahr AnlagÄapital i Einnahme- Proc.
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.-Iß ■ 1875 1,041,091,383 51,266,316 4,92
•r.’, 1H76 1,130,527,874 58,959,922 5,22
nach d. Etat 1877/ 78 1,130,665,010 58,299,322 , 5,16
„ „ „ 1878/79 1,198,361,488 60,049,146 5,01
Hieraus dürfte sich ergeben, in wie weit die obige Be-
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Die matte, flüsternde und unendlich wohllautende Stimme ftr Zigeunerin drang den beiden jungen Männern zu Herrn und bis zu Thränen gerührt, ließen sie einen Blick des • ‘ ttnigften Milleids aus das Mädchen fallen,
i t Sich aber plötzlich erinnernd, daß damit Nichts gethan ■ fd und daß der Wirth immer noch wie ein Holzklotz im ,j siinmcr stand, sprang der Chevalier auf, um ihm Leine zu i lachen.
! „Willst Du jetzt die Bouillon bringen, verdammter ■ tert?" schrie er. „Und wirst Du dafür Sorge tragen, ; iajj das arme Mädchen zu Bett gebracht werden kann?" 1 „Die Bouillon? Meiucttvegen die soll sie bekommen," lDrummte der Wirth; „aber meine Betten- sind rein und ich Wberde sie von einer solchen Person nicht besudeln lassen." I Die Geduld des Chevaliers war Zinn zu Ende und Wrohend schwang er seinen gewaltigen Stock, dessen Dauer- 'Mafligkeit der Wirth ohne Zweifel erprobt hätte, wäre er Woyfyt viel schneller, als von seiner, Beleibtheit zu erwarten
u 2uO Mill. Rubel wünschte, daß die vereinigten Häuser chschild zwar .in der x'.age seien, die Anleihe gemeinschaft- h und ohne anderweitige Beihülse auszuführen; aber n unter der Bedingung, daß der Zar eine constittuionelle Fassung gebe, weil ohne eine solche die gebotenen Garan- n n keine Sicherheit gewährten. Also: Ohne Constitution
Geld! — Diese Antwort Rothschilds erklärt nicht bloß -Vorliebe des BörscnthuMs für eonstitutionelle Verfassen, sondern zeigt auch, was unö noch wichtiger erscheint, welche bedenkliche Abhängigkeit die Staaten von diesen . cldfürsten durch das Anleihewesen kommen. Es ist doch 11 ne sehr empfindliche Demüthigung für den russischen itaat, wenn ein Pariser Börsenfürst ihm ein solches Entweder-Oder stellen kann — und das russische Kaiserreich ihr wahrscheinlich sich genöthigt sehen wird, zu thun, was er Pariser Rothschild verlangt. Eine eonstitlilionelle Verjüng wäre für Rußland vielleicht eine Wohlthat, ob- »hl wir das nicht gerade unbedingt behaupten möchten, i den constitntionellen Staaten sind wenigstens bei Vielen t früheren Ansichten über den reellen Werlh solcher Con- itutionen sehr herab gestimmt. Allein wer weiß, ob diese iweii Adfürsten bei anderen Gelegenheiten und anderen Staaten uni Hinüber nicht auch sonstige, in eas Leben der Völker tief- >igen »greifende Forderungen stellen? Wer will da sagen, wie id von den neuen Einrichtungen in so vielen Staaten, aröstentheilS zu Gunsten der Börsenspceulanten, ihrer lellung und ihrer Beschäftigung (Handel, insbesonvere eldhanvel) ausgefallen find, auf derartigen Forderungen ilcher Gelosürsten beruhen? Auch zeigt diese Forderung kothschilds an den russischen Finanzminister, wie diese Geld- ' ften sich ihres Einflusses und ihrer Macht dm Staaten genüber bewußt sind, und wie sie sich Dinge Heraus
star, zur Thüre hinaus geeilt.
Einige Augenblicke später kam Frau Hauser, die Gattin Les Wirlhes, eine kugelrunde, stattliche Frau, der man aber Jte Herzensgute in der ganzen Figur ansah.
Der Chevalier und der Graf erkannten auf den ersten itt M^lick, daß mit der braven Frau eher zurecht zu kommen 1, 71/ sei, und in der Thal offenbarte sie gegen das. arme Mädchen sogleich die innigste Theiluahme.
__> Es war ein Vergnügen, der kleinen, rührigen Frau zu- jusehen, wie sie alles anordnete, waS die Pflege der Kram
ipfncp in jEunMui* u.-uv« t . l Mfenftein & Vogler tn inrei, yntfurt a- M., Berlin,
>inng, Söln ic.; Rudolf tofle in Berlin, Frani- 7 für» a. M. -c
Wien, 14. Novbr. Meldungen der „Polit. Corr.": Aus Belgrad vom heutigen; Die Wahlen für die Skupschtina -sind im ganzen Lande bei größter Ordnung vorstchgegangeii und im Sinne der bestehenden Regierung auSgrMen. — Aus Konstantinopel vom heuttgen: General Skobeleff benachrichtigte das Commando der türkischen Vorpostenvon der Aufstellung hinter LuleburgaS u. von dem ihm zugekommeuen Befehle Totlebens, seine Truppen in Höhe der Station Saidler vorzuschieben. Die türkischen Truppen wurden vom SeraSkierate angewiesen, sich ^trückzuziehen, den Ort Saidler jedoch besetzt zu halten. Gleichzeitig ward die Vorpostenstellung der Türken im genannten Orte durch zwei Brigaden verstärkt.
Athen, 14. Novbr. lieber Englands Antwort auf die Depesche Waddingtons betreffs der griechischen Angelegenheit verlautet stu hiesigen politischen Kreisen: England habe zwar erklärt, sich den in jener Depesche befürworteten Schritten nicht anschltehen zu können, hahe jndeß gleich- _—- t—~ —-—mm-' ...™
rief er. „Ah, Du bist es, alter Pudel! DaS treue Thier hat heute seiner jungen Herrin einen wesentlichen Dienst geleistet. Aber warte, mein Freund, wir wollen das Huhn mit einander theilen," beim," fügte er hinzu, „nichts stärkt so sehr dm Appetit, als das Bewußtsein einer guten Handlung."
. Am andern Tage verließen die beiden Offiziere, den Gasthof „Zu den drei Königen" um sich in das etwa eine Stunde von der Stadt belegene Lager zu verfügen.
Dott »«gelangt, war den erste Gang des Grafen zu seinem Obersten, dem Vicomte von Rochambeau, um demselben seine Sendung zu erstatten; dann eilte er zu seinem Oheim, dem Marquis de Castries. -
Der General studirte eben eine große Specialkarte Deuffchlands, d. h. er pnnktirte die verschiedenen Etappm, in welche sein Armeecorps nächster Tage vorrücken sollte. Mehrere Adjutanten und Ordonanzoffiziere schrieben elligst nieder, was er bittirte.
„Ah, Du bist es, Henry" sprach der Marquis zu dem jungen Mann, als derselbe gemäß seines Privilegiums als Verwandter unangemeldet eintrat, „guten Morgen, mein Sohn. Gedulde Dich einen Augenblick, ich werde gleich fertig sein, bann können wir ungeitört zusammen plaudern."
Herr de Castries fuhr in seiner Arbett fort, die noch etwa eine Viertelstunde in Anspruch nahm, bann entließ er seine Adjutanten, indem er ihnen nochmals das größte, unverbrüchlichste Stillschweigen über den bevorstehenden Marsch anempfahl und winkte feinen Neffen herbei, den er mit väterlicher Zärtlichkeit umarte.
„Sei mir herzlich willkommen, lieber Henry," sagte er. „Es war schön von Rochambeau, daß er gerade Dich nach Paris schickte, auch habe ich ihm bereits meinen Dank dafür ausgesprochen. Natürlich warst Du bei uns?"
; t Piemont »ud Auvergne.
I l Jtei nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph
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täälich ausier an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jllnstrirtes SanntagSblatt tzrja-eint täglich a « l^aen ää Mark, du7ch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark.-» M (ejcl- Bestellgebühr). -Jnsertionsgebahr für tue ^uqoruaerei- oezogen m ertheilende Auskunft und,Annahme von Adreflen werden 25 Psg. berechnet.
«eigen nimmt entgegen: e Expedition d.Blattes, Iah isted-Annoncen-Bureaur itget w. Tb. Dietrich & Co. tu Hff-l und Hannover; Th.
„ Geld ist Macht.
^Die'Anleihe-Wirthsch ast hat in den modernen Staaten „bettet um sich gegriffen, besonders seit die constitutio- en Verfassungen eingeführt sind. Für die früheren un- rästkten Monarchen war es viel schwerer, Gell) geliehen ____ bekommen, als für die eonstitutionellen Fürsten. Wenn tzl die Volksvertretungen Anleihe über Anleihe bewilligen, ' kräht im Volke kein Hahn danach. Wenn eine unbe-
tränfte Regierung so viel Schulden gemacht hätte, als -y Konstitutionellen jetzt machen, so wäre ein Sturm der |0 Mstung gegen sie auSgebrochen, und alle Zeitungen
1 tten Lärm geschlagen. Die großen Geldfürsten, die Roth- hild, Erlanget, Bieichtödet, leihen deshalb ungern den „ «beschränkten Regierungen, aber sehr gern den constttu- 167. Ellen. So erklärte neulich der Pariser Rothschilv, wie
' 6 jetzt unwidersprochen bet in Finanzfachen sehr gut be- • Wn „Ftks. Z." aus Paris berichtet wurde, dem russi- 1DET Finanzmmister in Paris, als derselbe eine Anleihe
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, a.; s onne d- Annoneen-Bureaux
von G- L- Daube &- Co. in H ■ Frankfurt a. M; Jäger'sche
■ ■ Buchhandlung daselbst;
■ ■ Hermann'sche Buchhandl.
I B a daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W-, Thienes in , Elberfeld: C. Schlotte in
Bremen.
durch die Expedition (K och'sche gespaltene Zeile 10 Psg.