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Marburg, Donnerstag, 14. November 1878
XIII. Jahrgang.
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brixzig, Cüln rc.; Rudolf Moffe in Berlin, Franl- furt a. M- re.
änieigen nimmt em.gegen: He Trpetirion d.Blattes, fo»ie d.Annoneen'Bureaur ton Tb. Dietrich & Co. in
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lltfilt q gzffo, und Hannover; Th.
OdcchkUcht ZitiiW
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte-, sowie d- Annoncen-Bureaur von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Bnchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zelle 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertdeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
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Tagesbericht.
Fürst Bismarck ist gestern Nachmittag um 3Vt Uhr »ach Friedrichsruhe abgereist.
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Zn Ausführung des Gesetzes vom 21. Oktober 1878 sind Verbote erlaßen worden: von der Kgl. Kreishaupt- maimschaft in Leipzig gegen den „Verband der deutschen Maler, Lakirer und Vergolder"; von dem Großherz. Lan- derkvmmifiar in Karlsruhe gegen den Gesangverein „Las» ftfia*; vom Fürstlichen Landrathsamte in Gera gegen die dortige „Metallarbeiter»Gewerkgenossenschaft". Von dem König!. Polizeipräsidium in Berlin, der König!. Negierung in Köln und der König!. Kreishauptmannschaft in Leipzig sind unterschiedliche Druckschriften verboten worden.
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Der freihändlerische „Oesterreichische Oekonomist" bringt einen Artikel über „Eisenbahnfrage," welcher beweist, daß sich hinter dem absprechenden Urtheil „wirthschaftlich reifer Männer" über die deutsche Eisenbahn-Politik oft nur Befürchtungen für das spezielle Interesse Oesterreichs verstecken. In den nachstehenden Zeilen des „Oekonomist" vermögen wir wenigstens nun ein hohes Lob für die Ver- »altung des Handelsministers Maybach zu erkennen: „Die deutschen Bahnen waren noch vor zwei Jahren ein Con- zlomerat sich gegenseitig bekämpfender und unterdrückender Knien. Heute sind sie ein zusammenhängendes Ganzes, energisch geleitet und zielbewußt betrieben. Der preußische Staat hat, trotz des ihm entgegengesetzten, geradezu unbesiegbar erachteten Wideißtandes, die Tarifmacht an sich gerissen und wenn heute die durch das Reichs-Eisenbahnge- setz angestrebten Consequenzen auch nicht durchwegs zur That geworden sind, so hat die Action in Deutschland doch S Folge gehabt, daß der preußische, der baierische, der fische Handelsminister ohne Widerspruch zu fürchten, stolz behaupten kann, er leite die Eisenbahnen in ihren wichtigsten Functionen, er führe die Zügel der Action nach einem einheitlichen Plane. Schon spüren wir die Wirkung dieser That. Rücksichtslos werden die Fäden, welche den österreichischen und den deutschen Eisenbahnverkehr seit zwan- jrg Jahren mit einander verknüpfen, zerschnitten und in neue Formen gebracht, welche freilich nur zu oft blos ein- gebilvete Vortheile auf deutsche Seite bringen sollen, oft genug aber doch auch berechtigten deutschen Interessen dienen. Nur die unbeschränkte Ausübung des Tarifrechles, welches Deutschland sich zurückerworben, befähigte es, Holztarife zu victiren, welche der eigenen Holzproduetion Vor- cheile schaffen wollen, Mehl- und Gedreidelarife zu ftipu- llren, welche Ungarn nicht mehr als Exportland aufkommen lassen sollen, ja selbst den Import von Weintrauben mög-
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Piemont und Auvergne.
[291 Frei nach dem Französischen des A. Fi6v6e, von Rudolph
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1878.
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Müldener. (Fortsetzung.)
ES war zwar mondhell, aber zerrißene Wolken zogen in flüchtiger Eile anz Himmel hin und warfen ihren Schatten ! gleich einem Creppschleier über die Erde.
„Hallo! He! Was giebt eS? Was ist geschehen?" rief k*L,' der Chevalier, sich die Stirne reibend, mit der er an die Utft i I Vorderwand des Wagens angeprallt und beinahe eine GlaS- ,u te scheibe hinausgestoßen hätte.
peditii L- „Ei, so ein verdammtes Vieh von einem Hunde hat [30'2 sich uns in den Weg geworfen," rief der Postillon zurück.
J:—- „Er hat das Sattelpferd in die Nase gebissen. Hol'S der Henker, ich glaube die Bestie ist wüthend!"
- „Haft Du denn keine Peitsche?" entgegnete der Chevalier. „Ja, aber es hilft nichts," rief der Postillon, während Man deuttich hörte, wie er aus Leibeskräften zuschlug. „Der'
. uX Hund muß toll fein," fügte er hinzu. „So etwas ist mir ja cert doch in meinem Leben noch nicht vorgekommeu. Er macht , mir die Pferde scheu, ich bringe sie nicht mehr vorwärts." ("i- d'Acigny und der Graf sahen in der That, wie sich die •v Pferde bäumten und über die Stränge schlugen, so daß der Poriv §^tüa(ier endlich Veranlassung nahm, und wie er sagte, den ---- Hund durch einen Pistolenschuß zur Raison zu bringen.
Merkwürdig, sowie der Chevalier ausgestiegen war, ließ itt 4’«1 • Hund von den Pferden ab, kroch mit eingezogenem $.92,61 Schwänze winselnd dem jungen Manne entgegen und legte sich ihm vor die Füße. Es war ein weißer Pudel, der den Chevalier nun mit einem Blicke ansah, als wollte er __A fachen: „Erschieße mich nicht, denn ich that nur meine Schuldigkeit."
lichst zu erschweren, damit die Weinbauer am Rhein für ihr Product lohnendere Preise erzielen können. Und diese Maßnahmen sind blvs die Anfänge einer Eisenbahnpolitik, welche die ausgesprochene Tendenz hat, die Eisenbahnen nur als Mittel zu Staatszwecken zu benützen."
Wie aus Rom mitgetheilt wird, dürfte der Papst in dem gegen Weihnachten stattfindenden Consistorium zur Creirung einiger Cardinäle schreiten. Unter den Candida- ten für den Purpur werden die gegenwärtigen Nuntien in Madrid, Paris und Wien, Cattani, Meglia und Jaco- bini genannt. Dadurch würden die genannten drei Nuntiaturen zur Erledigung gelangen. Nach Madrid dürfte Msgr. Czaki, zur Zeit Sekretär der außerordentlichen kirchlichen Angelegenheiten, gesendet werden. Für die beiden anderen Posten sollen in Aussicht genommen sein Aloist Masella gegenwärtig Nuntius in München und Msgr. Roncetti, früher JnternuntiuS in Rio de Janeiro, welcher diesen Posten noch zu Lebzeiten seines Freundes des Cardinals Franchi, aus Gesundheitsrücksichten niedergelegt hat und seitdem in Disponibilität gestanden hat.
Die neueste Rede des Lord Beaconsfield wirft ein seltsames Licht auf die Streitigkeiten zwischen England und Afghanistan. Nach dem bisher vorliegenden Material schien es sich um eine schwere Beleidigung Englands zu handeln, und es war überall nur von der Forderung die Rede, daß Shere Ali eine englische Gesandschaft empfangen soll. Wir haben den ganzen Lärm stets als eine Comödie angesehen, heute wißen wir und zwar aus dem Munde des Lord Beaconsfield selbst, daß es lediglich auf eine Grenzberichtigung abgesehen ist. Man brauchte einen Vorwand um Quettah zu „okkupiren", — der Vorwand hat sich gefunden. Es ist dies ein Schachzug, der ganz des Lord Beaconsfield würdig ist!
Der bekannte Gründer des Suezkanals, Ferdinand von Lessepp ist in Tunis angekommen, um die Studien des Ca- pitäns Rondaire, über die Möglichkeit der Herstellung eines Binnenmeeres persönlich und an Ort und Stelle einer Prüfung zu unterziehen. Das Projekt geht bekanntlich vom Meerbusen von Cabes aus.
Neueste Orient-Nachrichten:
Wien, 12. Novbr. Die „Pol. Corr." meldet aus Konstantinopel von heute: Die internationale Commission für Rumelien nahm den Antrag des österreichischen Dele- girten an, nach welchem die Botschafter der Mächte in Konstantinopel die die Repartriining der mohamedanischen Flüchtlinge betreffenden Maßregeln zu berathen und die
„Wüthend ist er nun einmal nicht, das steht fest," sagte d'Acigny; „aber sonderbar! welchen Grund mag er wohl haben, daß er uns nicht vorwärts lassen will? Fahre jetzt einmal wieder an," rief er dem Postillion zu. „Ich will den Pudel einstweilen halten."
Der Postillon wollte gehorchen, allein ehe d'Acigny sich versah, hatte der Hund sich von ihm losgerissen und stellte sich auf's Neue bellend und abwehrend den Pferden in den Weg.
„Es muß etwas auf der Straße sein," sagte der Graf, der nun ebenfalls ausgestiegen wär. „Warte, ich will nachsehen."
Er ging einige Schritte vor und nun ließ der Hund wieder von den Pferden ab und sprang freudig neben und vor dem Grafen her, als wolle er ihm seine ganze Befriedigung darüber an den Tag legen, daß man ihn endlich verstanden habe.
„Bei Gott! Ich glaube es gerne!* rief de Lourrnel, nachdem er einige Schritte vorgegangen war. „Hier liegt mitten auf der Straße eine Leiche!"
„Eine Leiche?" rief der Chevalier fast erschrocken, indem er ebenfalls herzutrat.
„Ja, und noch dazu die Leiche eines Weibes!"
Der Mond drang in diesem Momente glücklicherweise zwischen zwei Wolken durch und schien einen Augenblick auf das Antlitz eines ohne Lebenszeichen starr und unbeweglich daliegenden Weibes, das hier mitten auf der Straße, dem Anscheine nach, eines plötzlichen Todes gestorben war.
„Es ist nicht gesagt, daß sie wirklich todt ist," sagte der Chevalier und, sich zu der Unbekannten herabbückend, legte er feine Hand auf ihr Herz, um zu sehm, ob es noch schlug.
„Nein, sie lebt noch!" rief er nach einigen Augenblicken; „auch sehe ich nirgends eine Verwundung. Ohne Zweifel,"
internationale Commission ihre diesbezüglichen Beschlüsse durchzuführen habe. Sämmüiche CommissionSmitglieder stimmten für den Antrag, mit Ausnahme deS russischen Delegirten, welcher seinerseits gegen die Annahme des Antrags protestirte. Die Pforte richtete an den Fürsten Lo- banoff eine neue Reklamation, bezüglich der 150 türkischen Soldaten, welche bei den jüngsten Kämpfen von den bulgarischen Insurgenten gefangen genommen und später russischen Truppen übergeben wurden. Die Pforte verlangt die Herausgabe der Soldaten und wird hierbei von dem britischen Botschafter Layard energisch unterstützt. — Die Ernennung Midhat Paschas zum Gouverneur von Syrien wird als ein Triumph des Einflusses Layards im Palais des Sultans anerkannt und hängt mit der Frage der Verwirklichung der englischen Reformpläne zusammen. — Derselben Correspondenz wird aus Athen von heute gemeldet: In Folge eines Compromiffes zwischen Communduros und der Opposition brachte Ersterer in der Kammer einen Gesetzentwurf ein, wodurch die griechische Armee um weitere 20,000 Mann vermehrt werden soll. Die Vermehrung soll theilS durch Einreihung von Freiwilligen, theils durch Reorganistrung der Nationalgarde erfolgen. Aus Belgrad wird der „Pol. Corr." gemeldet: Der Fürst hat heute die Ernennung des bisherigen serbischen Agenten in Wien, Dr. ZukitS, zum Gesandten Serbiens am Wiener Hofe vollzogen. ZukitS geht nächster Tage nach Pest, um dem Kaiser seine Creditive zu überreichen.
Konstantinopel, 11. Novbr. Mdhat Pascha ist zum Generalgouverneur von Syrien ernannt. — Der Mi» nisterrath berieth die Antwort auf Die griechische Note, in welcher die Ernennung von Delegirten für die Grenzberichtigung verlangt wird. Dem Vernehmen nach ist der Beschluß deS Ministerraths dem Ausspruche Griechenlands günstig ; derselbe ward dem Sultan vorgelegt. — In Burgas treffen fortgesetzt russische Truppen ein.
> Deutsches Reich.
•• Berti«, 12. Novbr. Die „Germania" setzt ihre Polemik gegen die „Prov.-Corr." unermüdlich fort, ohne jedoch auf die Hauptpunkte, um die es sich handelt, näher einzugehen. DaS Organ des Centrums macht eS der „Prov.- Corr." znm Vorwurf, daß dieselbe nicht der Rede Mal- linkrodt's gedenke, in welcher dieser im Jahre 1872 dem Abg. Windhorst im Gegensatz zu dem Urtheil deS Fürsten Bismarck atteftirte, daß die ganze Fraktion den Abgeordneten für Meppcn als eine Perle ansehe, die in der Fraktion ihre richtige Fassung erhalten habe. Dagegen hat die mania" noch keine Silbe zur Erklärung der Thatsache gegeben, daß in ihrer Fraktion so viele protestantische Parti
fügte er hinzu, „ist diese Unglückliche aus Erschöpfung umgesunken."
Inzwischen war auch die Postchaise mit den beiden Kammerdienern angelangt, die durch den vorderen Wagen aufgehalten, ebenfalls warten mußten. Der Chevalier rief die Bedienten herbei und eilte selbst an seine Berline, um einer der Seitentaschen eine Flasche spanischen Wein zu holen, den er auf Reisen immer bei sich führte. Er flößte davon der Ohnmächtigen ein und rieb ihr auch danut die Schläfe.
Schon im nächsten Momente schlug fle die Augen auf und suchte sich, auf den Arm gestützt, empor zu richten. Dann fuhr sie mit der Hand über die Stirne, wie um sich zu besinnen, und blickte scheu und verwirrt auf die Männer von denen sie sich umgeben sah.
„Baji! Baji!" murmelte sie mit matter Stimme, ein Wort, welches Niemand von den Anwesenden verstand.
Sie wollte sich nun ganz erheben, allein sie vermochte es nicht, denn kraftlos sank sie nach vergeblicher Anstrengung wieder zu Boden.
„Wir können sie so nicht liegen lassen," sagte de Lour- mel, „wir müssen uns ihrer annehmen, eS muß für die Arme gesorgt werden."
„Freilich," erwiderte der Chevalier, „sie braucht nur Wärme Ruhe und eine gute Kost, dann wird sie sich wieder erholen."
Und sich an die Postillone wendend, rief er diesen zu, ob eS nicht in der Nähe eine Herberge, ober sonst ein gastfreundliches Haus gäbe, wo man die arme Person unterbringen könne.
„O, wir sind ganz nahe bei Kassel, erwiderten ihm die Bursche. „Wäre eS heller, so könnte man von hier aus schon die ersten Häuser der Stadt sehen."