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Marburg, Freitag, 8. November 1878

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Ans Wssabon wird die Nachricht von der Abtretung der Delagoabai seitens Portugals an England dementirt. Die Verhandlungen bezweckten lediglich den Abschluß einer

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Die in Folge eines außergewöhnlich heftigen Schnee­sturms unterbrochen gewesene telegraphische Verbindung mit der Hauptstadt Oesterreich-UnzarnS ist jetzt auf Umwegen

In dem Prozeße gegen den Redaktur der .Berliner Freien Presse", Pulkrabek, wegen einer großen Anzahl Preß- vergehcn und gegen Guido Weiß wegen des ArtikelsDaS Untergrabungsgesetz" in derWaage", kamen die Verhand­lungen gestern zum Schluß; der Staatsanwalt von Zastrow beantragte gegen Pulkrabek 5 Jahre und gegen Weiß 9 Monat Gesäugniß. Der Urlheitsspruch wird am Montag verkündet. . .>; .- .....

Reiches durch ihr ganzes Verhalten offen Hohn sprechen. Dieselbe Correspondenz meldet, daß die Eröffnung des Landtages nunmehr auf den 19. November festgesetzt sei und voraussichtlich durch den Minister Graf Stolberg er­folgen werde. Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin würden am 5. December Vormsttags 9 Uhr in Berlin wieder eintreffen. / 7

Ein Vertheilungsplan für die Unterstützungen, welche aus den bei den einzelnen Hilfscomite resp. Sammelstellen eingcgangenen Gaben für die Hinterbliebenen der auf dem Großen Kurfürst" Verunglückten geleistet werden sollen, ist nunmehr ausgestellt worden. Auf dem verunglückten Schiffe sind untergegangen 269 Personen, deren Hinter­bliebenen zu unterstützen sein würden. ES kommen indeß hierbei 43 Personen aus verschiedenen Gründen nicht in Betracht, mithin ist nur die Unterstützungsbedürftigkeit der Hinterbliebenen von 226 Personen zu prüfen, resp. derselben Abhülfe zu verschaffen. Von diesen Hin­terbliebenen sollen mit einmaligen Unterstützungen 70 Personen bedacht werden, so daß für fortlaufende Unter­stützungen vorhanden sind die Hinterbliebenen von 156 Personen. Um die Frage zu erledigen, in welcher Höhe resp. welcher Weise die zu gewährenden Unterstützungen zu verabfolgen sind, so ist zunächst der disponible Fonds fest- Mtellen. Derselbe ergibt 287,330 M. Die vorher er­wähnten 70 Personen haben bereits aus der Sammlung der Stiftung Frauengabe eine einmalige Unterstützung erhalten und-zwar, m dem Betrage von 300, resp. 250, resp. 200, resp. 150, resp. 100 M. je nach dem Maßstabe ihrer HülfS- bedürftigkeit. Es wird nun vorgeschlagen, diesen einen gleich hohen Betrag anzuweisen. Die Gesammtsumme hierfür beläuft sich auf 13,600 Mark, so daß noch dispo­nibel bleiben 273,000 M. Für jede Waise sollen 3000 M. rrserbirt werden, um sie nach Ablauf deS 14. Lebens­jahres den resp. Vormündern zu übergeben. Für die Wittwen, die übrigens ebenso, wie die Waisen bereits be­trächtliche einmalige Unterstützungen von der Frauengabe erhalten, wird vorgeschlagen, je eine Jahrespension von 300 M. bewilligen.

Die Folgen des Civllstands-, wie des Schulaufsichts- Gesetzes haben jetzt den conservativen Provinzialverein der Provinz Sachsen veranlaßt, zwei Petitionen in Umlauf zu setzen, um sie an den Reichstag gelangen zu lassen. In Bezug auf das Civilstandsgesctz geht die Bitte dahin:

Der Reichstag wolle bei der Reichsregierung dahin wirken, daß die bisherige obligatorische Geltung des Gesetzes in eine facnltative nmgeändert werde, und wir beantragen demnach,daß der Kirche das uralte Recht der selbststän­digen Eheschließung zurückgegeben werde für die, welche ihre Ehe in der Kirche geschlossen zu sehen wünschen. Wir beantragen ferner; daß der Bevölkerung auch die Möglich­keit gewährt werde, die Geburts- und Todesfälle rechtsgül­tig in die kirchlichen Register Einträgen zu lassen, und daß alö nothwendige Folge davon den kirchlichen Attesten ivieder die rechtliche Gültigkeit auch für die Fälle der Gegenwart beigelegt werde." -- «--- -

Was das Schulaufsichtsgesetz betrifft, so lautet daL Pe- titum:aus dem Wege der Gesetzgebung dafür Sorge tra­gen zu wollen: 4) daß daö Recht des evangelischen Volkes auf evangelischen Unterricht und Erziehung feiner Kinder in den evangelischen Schulen anerkannt und gesichert werde; 2) daß die Schulaufsicht Über die Volksschulen den Geist­lichen wilder zurückgegeben und nur Denen genommen werde, die sich zu derselben ungeschickt oder m der Ausübung der-

i .eigen nimmt entgegen: Wprdiki°nd.Blatte», (oeteb.Hnnoncen-it'ureaut L, y>. Dietrich & 6o. in fjüflel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt o JJt.; ifaaienfiein & Vogler m ifontfurt c. M.. Berlin Tinng Cöln ic.; Rudots Muffe in Berlin. Frank­furt a. 'IN- ic.

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, JE. Das Volk beklagt sich keineswegs über MangA an >

! Freiheit, sondern über Mangel an Verdienst, über zu große '7Fq7 Steuerlast, über den erdrückenden Wucher, über Fretzugrg- Lza k«. die neue Gewerbeordnuna,

die sogenannten Differenzialtarife auch noch die Ausfuhr unserer landwirthschaftlichen Produkte fast unmöglich gemacht und dadurch die Landwirthe in schwere Bedrängniß gebracht, da wir selbst redend viel cheurer produciren wie Rußland und Oesterreich. Enorme Einfuhren und geringe Aus­fuhren waren die unausbleibliche Folge. Die Differenz zwischen beiden haben wir.baax zu begleichen, daher wir unser mühsam errungenes Gold auch wieder von dannen ziehen sehen. Wo Landwirthschast und Industrie darnieder liegen, da (heilen bekanntlich auch die Städte dieses Schick­sal, mithin ist die Calamität eine allgemeine.

Wie der Freihandel, so wirkt ein zu hoher Schutzzoll auch nach vielen Richtungen hin verderblich, namentlich er­schlafft derselbe die Produktionskraft, vertheuert das Leben im eigenen Lande und bereichert übermäßig die Jndustriel- lefl. Beide Klippen sind, daher'rch weise, zwischen Volk utfe Regierung zu vereiiibardndd Gesetze zu vermeiden, da­her begangene Fehler auch diesen Heiden Factoren zur Last fallen. Daraus folgt, daß das Volk nur solche Vertreter in die.Kammern wählen sollte, welche nicht blos Verständ- niß für diese Dinge besitzen, sondern die auch das allge­meine 'Interesse höher, als das eigene schätzen. Man lasse die eitlen Schwätzer, die Schwärmer und die Theoretiker zu Hause und sende dafür mehr praktische Männer, die raschev handeln und weniger reden, in die Parlamente. Die vielen langen, die Ansichten meist verwirrenden Reden kosten dem Lande ein schmähliches Gels, daher in dem praktischen Nord-Amerika auch kein Redner über eine ge- nau bestimmte Zeit, ich glaube, es sind 15 Minuten, länger reden darf. Solchen Parlamenten muß auch die Regie- ' rung Männer gegenüber stellen, die ihrer Aufgabe gewach- , sen sind. Sieben Jahre werden bann sicherlich nicht mehr erforderlich sein, um zu der Einsicht zu gelangen, daß zur - Beschäftigung der Arbeitenden Massen een Industriellen die Möglichkeit daztfdurch dinen genügenden Schutz gewährt' werden muß, daß es weise ist, Luxusartikel hoch, dagegen die täglichen Lebensbedürfnisse wo möglich gar nicht zu besteuern, daß' es nicht richtig ist, die Landwirthe durch Lasten aller Art so weit zu drucken, daß ihnen die Mög- lichkeit, den Städten Verdienst zu geben, genommen wird,» daß unser Volk noch deS Schutzes gegen den Wucher,' das Ueberhandnehmen der Schankhäustr rc. bedarf, daß die Selbstverwaltung viel einfacher und wengier kostspielig als jetzt einzurichten ist, daß die Ungleichheiten in der Be­lastung aufhören, und das endlich bas Eapital zu den Lasten stärker als bisher herangezogen werden muß. Wir haben, wie der Amerikaner sich kurz ausdrückt, die Sachen einfach overdone, das heißt des Guten zu viel

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feit den Unterstützungswohnsitz, die neue Gewerbeordnung, t er die Folgen des Freihandels, dem fehlenden Communal-! kr-Gesetz, ds, vergeblich erwarteten Unterrichts-Gesetz; d der außerordentlichen Begünstigung des großen Capitals. lle diese Errungenschaften verdanken wir anscheinend dem genannten Fortschritt der neueren Zeit, während dieselben hr oder weniger aus den Vereinigten Staaten von Amerika portirt worden sind, ohne Rücksicht aus die verschieden- rtiqteit der Verhältnisse zwischen hier und dort zu nehmen.

eher frage ich, soll beim bei uns der Verdienst kommen, ach dem trnr unsere eigene Industrie durch dm Freihandel ystematisch zu Grunde gerichtet haben. Wird ohne Ver- ienst die Steuerlast nicht endlich unerträglich? Muß da er Wucher nicht blühen? Was nutzt bte Freizügigkeit, tenn überall di« Arbeit fehlt? Wem anders als dm Lum- ,.n kommt das Gesetz über den Unierstützungswohnsitz zu, Gute? Wie kann ein ordentlicher Handwerkerstand sich Üben, wenn über Lehrjunge ben Meister spielen darf?

er profttirt, außer den fremden Nationen und unseren eestädten, fühlbar vom Freihandel? Warum beseitigt non durch das Communalsteuer-Gesetz und das Unterrichts- esetz nicht die vielen jetzt bestehenden Uuzuträglichkeiien?

lohnender Arbeit für unsere Gesetzgeber fehlt eS, wie hir sehen, also nicht. Man lege nur Hand ans Werk, P dem man die Gesetze, welche sich als unbrauchbar erwiesen haben, verbessert, die nsihwendigen, neuen ins

en ruft der nothleibenden Industrie durchweinen angemessenen Schutzzoll zu Hülse kommt und damit wieder erdimst in'L Land schasst,, so wie endlich die unvermeid­liche Steuerreform durchführt, bann wirb ber öffentliche Verkehr ganz von selbst wicber Leben -bekommen, der Ver­dienst sich überall mehren und den Sozialdemokraten damit bet Boden unter den Füßen entzogen. Handel und Wandel rein theoretisch regeln zu wollen, ist und bleibt ein Unsinn. Wir haben vielmehr mit den beiden sich schroff einander gegenüber stehenden Parteien der Freihändler und Schutz- Mner zu rechnen, welche beide in erster Reihe nur für ihr Privatinterefse kämpfen, daher beide für das Allgemeine auch gleich gefährlich sind. Der Freihandel muß uns rui- , i niten, weil wir durch unsere weniger günstige Lage, durch - - unsere geringeren Mittel und durch die uns angeborene Schwerfälligkeit die Coneurrenz mit Ettgland, Frankreich rc. litt. Sj Hit den meisten Fällen nicht auszuhalten vermögen, und ab.»7-5 was das Schlimmste dabei ist, den Consum unserer eigenen Erzeugnisse im Lande selbst dadurch verlieren, wie die mas­senhaften fremden Einfuhren nach Deutschland genugsam bekunden. Damit aber nicht genug, hatte man uns durch

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den Pöstanstalten und in Marburg von der Expe- miethq hstjon noch fortwährend angenommen.

ße 698 . Die Exped. d. Oberh. Zeit«««..

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d BlarteS, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

M.Tagrsdericht.-. m>/.- t; -

DerReichsänzeiger" veröffentlicht die Bestätigung der 'Wahl v. ForckenbeckL zuch Oberbürgermeister von Berlin, ferner die vom Kronprinzen unterui 3. d. erlassene Ver­ordnung betr. die Einberufung beider Häuser des Land-' tages auf den 19. November.

Wie eS heißt, wird gegenwärtig die Organisation des ReichSfinanzamls sesigestellt. Als künftiger Leiter oesselben wird jetzt der Direetor im Reichskanzleramt, Wirkliche Ge­heime Ober-Regierungsrath Dr. 'Mchaelis, genannt. [

In einem Artikel derProv.-Corr/', welcher die Ueber- schrift trägt:Der kirchliche Friede und bie Centrums- Partei", wird die befremdliche Haltung dieser Partei in ber Presse und im Parlameitte gegenüber den Derständigungs- ' Versuchen zur Herbeiführmtg des kirchlichen Friedens dar­gelegt; dieselbe lernte nur durch die Eigeitlhümlichkeit der Zusammensetzung und Leitung der Centrumspartei erklär­lich gefunden werden, bie sich als Vertreterin ber kirchlichen Interessen der deutschen Katholiken geberbe, in welcher aber ganz andere, rein politische, mit ben wirklichen Interessen ber römischen Kirche absolut nichts gemein habende Ge­sichtspunkte maßgebend seien. Der Artikel schließt: Wenn das aufrichtige Streben der deutschen Regierung im Verein mit dem friedliebenden Papst für die Wiederherstellung des kirchlichen Friedens in Deutschland wirklich dauernd ge­lingen soll, so muß durch die berufenen kirchlichen Autori­täten und auö der katholischen Bevölkerung heraus dem verwirrenden und vergiftenden Treiben einer Partei ein Ziel gesetzt werden, deren einflußreichsten Führern bas kirchliche Interesse nur ein Deckmantel für politisch mtterwühlenes Zwecke ist unb welche ber Erwartung des Papstes bezüg­lich der Treue der katholischen Unterthanen deö deutschen

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T ttiolick außer an ben Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit ber wöchentlichen BeilageJklustrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchvruckerei"bezogen 2'! Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Ps«. (e$d. Vestellgebübrs. - JnserttonSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

if ®r> . Für in der Expedition zu «tdeitend« Auskunft und Annahme von Adressen werden 2» Psg. berechnet.__

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Unsere Ausgabe«»

Wird daS Sozialistengesetz zur Unschädlichmachung her _____ Sozialdemokraten genügen ? Die Beantwortung dieser Frage sind kinm erst die Zukunst bringen. Fürst Bstsmarck bezweifelt ~ eg jedoch. Trotzdem verlassen aber ,dje Ratten bereits d-aS durch dieses Gesetz leck geworbene Schiss, welches die Sozial­demokraten aus dem härtesten Material Dr 'Nation zu- sammengezimmert und mit den ^genannte« liberalen Ge- iefetn der letzten Jahre derart gepanzert zu haben glaubten, daß sie gleich allen Piraten an Unverschämtheit, Zügellosig­keit mb Frechheit nichts mehr zu wünschen übrig ließen. Diesem Treiben einen Riegel vorzuschieben, ist Wnachst bte Aufgabe des Sozialistengesetzes, und diese Ausgabe wird dasselbe zweifellos erfüllen. Was wixd aber nun aus.der Bemannung des zum Dienste untauglich geworbenen, bis­her so stolz dahin segelnden Piratenschiffes? Die große ch 8< französische mit der Civilisation stets prahlende Republik [297 diejenigen ihrer Piraten, deren sie habhaft werden . konnte, ohne viel Federlesens erschossen oder deportirt. Wtr M dagegen ersuchten nicht tiimat die Führer der . verbleiideten !/♦ Nassen, sich anderweitig nach , einer verdienstlicheren Be- ... M schästigung umzusehen. Diese werden also ohne Zweifel

M Geheimen ihr Gift weiter zu verbrelten trachten, und damit mehr schaden als früher, weil dieses Gift durch den " Durst nach Rache noch verschärft worden ist. Ein weites Feld der Thätigkeit üegt noch immer vor thnelt, denK bte ^chl der Mißvergnügten ist sehr groß im Lande.