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Marburg, Donnerstag, 7. November 1878
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(Fortsetzung folgt.)
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andern wegen der höheren Transportkosten oft sogar noch niedrigere Preise zahlen lassen als die englifche. Das ift nicht mehr die Anwendung des laisser faire, sondern eine systematische Bedrückung der inländischen Betriebsamkeit. Welche schwere Mißgriffe übrigen« auch von der Regierung in speziellen Fällen noch vor Kurzem gemacht worden sind, zeigt ein anderes Beispiel, das uns eben zur Hand ist. Bei der Restaurirung deS Straßburger Münster« wurden französische Werkleute zu den bedeutenderen Arbeiten zugezogen. Modelleur Geoffroy und Goldschmidt Chertier haben die Thüren ausgeführt, als wenn wir nicht einen Fr. v. Müller in München (deutschen Reichstagsabgeordneten) hätten, so vieler anderer tüchtiger Kräfte in allen Gauen Deutschlands gar nicht zu gedenken. Wann wird der Deutsche endlich mal einsehen, daß das deutsche Kunstgewerbe nicht eher emporblühen kann, nicht eher Hervorragendes leisten kann, als bis ihm auch hervorragende Arbeiten übergeben werden? too lange die deutschen Bauleitungen alle besseren Arbeiten im AuSlande fertigen und nur Nebensachen, ordinäre Waare, in Deutschland machen lassen, so lange können auch die deutschen Kunstgewerbe sich nicht in ihrem Streben gefördert, zu tüchtigem Schaffen angeregt fühlen.
Im Anfang d. I. wurde die öffentliche Aufmerksamkeit auf ein Schriftchen des Königl. Divisionspfarrers Herrn Schall gerichtet, in welchem der segensvollen Thätigkeit der Bevölkerung von Mühlhausen i. E. zur Abwendung der von der Sozialdemokratie drohenden Gefahren besprochen, auf die Vortheile der dortigen Einrichtungen hingewiesen wurde. Das Schriftchen, welches den Stempel der edelsten Humanität an der Stirn trug, verfehlte seine Wirkung nicht und vielerorts legten tüchtige Männer Hand ans Werk. Durchdrungen von dem sehr richtigen Gedanken, daß nicht allein die Maßregeln eines Gesetzes und die daraus folgende Thätigkeit der Behörden hinreichten, der drohenden Gefahr zu begegnen, sondern daß es auch die Pflicht eine« jeden einzelnen Patrioten sei, so viel an ihm liege, zur Bekämpfung des verblendeten, aber doch verführerischen WeltverbesserungsplanS mitzuwirken.
Besonders in Hamburg fand das Mühlhäuser System Anerkennung und diese Stimmung wußten eine Anzahl hervorragender Männer zu benutzen, um ihre Mitbürger für ihre Pläne zu erwerben, so daß schon in diesem Frühjahr die Anlage einer „Arbeiterstadt" auf Wedal, einer Insel iu der Elbe, in Angriff genommen wurde.
Eins der bedeutendsten und tüchtigsten Mitglieder der Hamburger Gesellschaft, Julius Schultz, hat, nun jüngst eine Broschüre unter dem Titel: „Das Mühlhäuser System der Arbeiterwohnungen", veröffentlicht, auf welche wir unsere
Piemont ertheilte voll Hochmuth eine abschlägige Antwort.
Nun würben Zehn von jedem Corps durch das Loos bestimmt, sich auf Tod und Leben zu schlagen. Von den Zehn blieben vier auf dem Platze und drei starben nach einigen Tagen in Folge ihrer Wunden.
Die Sache wurde an den Kriegsminister berichtet und dieser, in der Hoffnung, fernerem Blutvergießen Einhalt zu thun, bat Herrn von Santines, den damaligen Polizei- Limtenant, daß er seine geschicktesten Agenten nach St. Goar beordere, um aus'S Neue nach deM wirklichen Thäter
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Der Tabak-Enquetecommission, welche am Montag im (cichStaasaebäude zur Wiederaufnahme ihrer Arbeiten zu-
Schloß Wabern und das Grenadierbataillo« do« Schlotheim.
Schloß Wabern und das gleichnamige freundliche Kirchdorf , die in diesen Herbst in Aller Munde waren, liegen in der weiten, gesegneten Ebene zwischen Schwalm und Eder, welche eine halbe Stunde weiter östlich bei Altenburg zusammenfließen und bei Geiste, oberhalb GunterShausrn in die Fulda mündm. Erbaut wurde das schöne massive Lustschloß 1704 von dem kunstliebenden Landgrafen Karl (regierte 1677 bis 1730), einem Sohne der geist- und charaktervollen Hedwig Sophie, Schwester des großen Kurfürsten, für feine geliebte Gemahlin Amalie Elisabeth, Prinzeß von Kurland, welche eine Nichte des großen Kurfürsten war. Viele glänzende Hoffeste sind während der Sommerzeit in diesen Räumen begangen worden unter dem Landgrafen Karl, mehr noch unter dessen Enkel,, Landgrafen Friedrich II., und dann wieder unter dem König „Immer Lustik" von Westfalen. Im siebenjährigen Kriege diente das Schloß zu wiederhollen Malen als Hauptquartier,
Piemont «ud Auvergne.
Frei nach dem Französischen des A. Fi<Me, von Rudolph Maldener.
(Fortsetzung.)
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Die Verzweiflung des Grafen war grenzenlos, als er iitut zu deutlich erkannte, welch' entsetzlicher Argwohn durch diese fatale Verkettung von Umständen gegen ihn hervorgerufen wurde. Et konnte sich nicht verhehlen, daß der Schein gegen ihn sprach, daß namentlich seine Anwesenheit im Hause des Getödteten, die er durchaus nicht in Abrede stellte, den gräßlichsten Verdacht erregen mußte.
Er beeilte sich, hierüber die detaillirtesten Erklärungen : rbzugeben. Als auch er den Spieltisch verlassen, traf er ; Unten auf der Straße mit Foncolombe zusammen, der auf ihn gewartet zu haben schien. Herr de Foncolombe, erzählte de Lourmel, sei auf ihn zugckommen, habe auf bte artigste Weise wegen dieses Vorfalls um Entschuldigung gebeten; dann habe er ihn ersucht, mit ihm auf sein Zimmer zu gehen, indem er betheuerte, daß eS seinem Herzen ein Bedürfniß sei, ihm vertrauliche Mttheilungen zu machen, bie sein Benehmen am Spieltische, wenn auch nicht recht- ! stetigen, so doch wenigsten« in einem milderen Lichte erscheinen lassen würden. Er, der Graf, habe eingewilligt Uno sei mitgegangen; über die Unterredung selbst könne er sich aber aus Discretion nicht näher auslassen, nur so viel sei er im Stande zu beschwören, daß sie eine vollkommen friedliche gewesen und mit einer aufrichtigen Versöhnung geendet habe. Nach Mitternacht habe er Foncolombe ver- t lassen und sich nach Hause begeben, wo er bis zur Stunde des AuSrückenS geblieben fei. Schließlich bat er, ihn in Untersuchungshaft zu nehmen, bis seine Unschuld durch die [ gerichtlichen Nachforschungen völlig erwiesen fei. _
Das Offizierkorps feines Regiments wies diesen Antrag
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> Gestern am 5. Nov. sind es 25 Jahre gewesen, daß 6 jnfer Kronprinz in bett Bund der Freimaurerei trat, in [293 welchem er nunmehr an Stelle seines erlauchten Vaters die höchste Ehrenstelle begleitet. Der Tag wurde daher von der Berliner Großloge, der Großen Landesloge sowie der - Ehren dieses Eintritts gestifteten Tochterloge „Friedrich 'Wilhelm zur Morgenröthe" (welche gleichzetttg also thr fünfundzwanzigjähriges Bestehen feiert) und voraussichtlich _ _ »en vielen anderen deutschen Logen festlich begangen. Bet ' koil1 dieser Gelegenheit erinnert die „Tribüne" an eilt Vorkommniß 'welches seiner Zeit in berliner Kreisen viel besprochen wurde und Manchem wohl noch in der Erinnerung sein dürfte. Als nämlich im Jahre 1853 der Kronprinz als junger Maurer durch seinen Vater, den damaligen Prinzen ert dtvon Preußen, m bie berliner Landesloge eingeführt war.
erschien am folgenden Tage in der Vosstschen Zeitung ein Artikel, welcher dieses Ereigniß in einer seiner Bedeutung : angemessenen Weise besprach und namentlich in bett höheren Kreisen mit Interesse gelesen wurde. Herr v. Hinckeldey, . der damalige Polizeikönig von Berlin, nahm indessen Anstoß an dem Artikel und citirte, sei es, daß er aus eigenem Antrieb oder im Auftrage handelte, den damaligen Chef- Redacteur der Vosstschen Zeitung nach dem Molkenmarkt. Hier wurde derselbe aufgefordert, bett Verfasser be6 Artikels zu nennen. Er lehnte bieses Ansinnen mit dem Bemerken ab, baß er dazu die Zustimmung des Verfassers nöthig habe. Herr v. Hinckeldey ließ nun verschiedene Drohungen hören, sprach von Einsteckenlasse» u. dgl. und entließ den Redakteur. Dieser war indessen schon am nächsten Tage in der Lage, dem Wunsche des Polizeichefs zu entsprechen. — dieser aber war nicht wenig verblüfft, als er erfuhr, baß ber Verfasser beS Aussatzes kein Anberer sei als ber Prinz von Preußen. Es versteht sich von selbst, baß diese heitere Episode aus der Polizeigeschichte Berlins viel belacht wurde, nur Herr v. Hinckeldey, ber von seinem Diensteifer diesmal irregeleitet war, lachte nicht mit.
Es ist eine bekannte aber traurige Thatsache, daß der gesammte deutsche Handel und unsere Verkehrsmittel auf die Begünstigung des Imports eingerichtet sind. Einen sprechenden Beleg bietet z. B. die Eisen-Industrie. Es betrug die Fracht für die metrische Tonne Eisen im Frühjahr 1877 von der englischen Küste über Stettin nach Berlin 14 Mk., von Schottland dorthin 15,50 Mk., vom Rheinland (Oberhausen) dorthin 15,50 Mk., von Königshütte in Oberschlesien 14,20 Mk. Nach Dressen über Magdeburg stellen sich die Transportkosten von England auf 16,50, von Oberhausen dagegen auf 19,50 Mk. und von Königshütte auf 17,80 Mk., nach Frankfurt a. O. über Stettin von England auf 11,80 Mk., von Oberhausen aus 17,20 Mk. und von Oberschlesien auf 12,80 Mk. Heber« Haupt sind die Küsten und Stromgebiete Deutschlands billiger von England als von den heimischen Jnvustriebezirken zu erreichen. Wenn hiernach in Deutschland englisches und deutsches Eisen die gleichen Preise erzielen, so entfällt oft ein höherer Betrag auf den englischen als auf den deutschen Industriellen, da letzterer sich mehr aus Frachtkosten abrechnen muß. Die englischen Preise sind gefallen: für die Tonne Roheisen von 139,35 Mk. int Jahre 1873 auf 55,45 Mk. im Jahre 1877, für Stab- und Fa^oneisen von 255 Mk. im ersteren, auf 128 Mk. im letzteren Jahre, für Eisenschienen von 257 auf 128, für Stahlschienen von 351 auf 138, für Kesselbleche von 408 aus 160 und für Walzdraht von 334 auf 142 Mk. Die deutsche Eisen- Industrie kann sich deshalb im eigenen Lande nicht höhere, einstimmig zurück. Für die Offiziere seines Regimentes war der Graf über jeden Verdacht erhaben; Alle schätzten und liebten ihn, Alle kannten seinen loyalen, biederen und versöhnlichen Charakter. Ihn in dieser Sache einer Untersuchung zu unterwerfen, wäre für feine Ehre, ja für bie Ehre des ganzen Corps compromittirend gewesen. Man wollte nichts davon hören und beschloß, die ganze Geschichte aus sich beruhen zu lassen.
Anders aber dachten die Freunde des Ermordeten. Vor Allem hatten sie die Aussage, daß einer von den Ihrigen einem Offizier vom Regimente Auvergne Abbitte geleistet, mit einem ungläubigen Achselzucken ausgenommen und schließlich setzte sich unter ihnen die Meinung fest, daß ein Duell ohne Zeugen stattgefunden habe, bei dem eS ohne Zweifel nicht ganz loyal hergegangen sei uno welches dem Sieger nicht zur Ehre gereiche.
Zur Berichtigung dieser falschen und so sehr verletzenden Ansicht bot ein Offizier von Auvergne einem Offizier von Piemont einen Gang auf Pistolen an, der auch angenommen wurde und dem Offizier von Piemont eine lebensgefährliche Verwundung eintrug.
Einen Streit zwischen zwei erbitterten Parteien auf diese Weise beilegen wollen, heißt Del in das Feuer gießen.
Die Verwundung des Offiziers von Piemont erhöhte die Gehässigkeit im Corps, welches von ber Vermuthung eines mehr oder minder redlichen Zweikampfes ganz offen zu der Behauptung überging, daß es sich einfach um einen Meuchelmord handle und daß der Mörder kein anderer sei als Graf de Lourmel.
Tie Offiziete von Auvergne erklärten nun die Sache de Lourmel's für bie ihrige und verlangten von Seiten Piemont's eine öffentliche Zurücknahme dieser infamen Verleumdung.
Buqotuaerei) »-zogen «4 » n, ber Expedition zu endeilende iluelunft und Annahme von Adreffen werden 2» Pf«, berechnet. _______
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, s owie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; JSger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-
nm fiäen Uebersicht; ferner die Erhebungen von 22 Bezirks- 1001 commissionen (nur Schwedt und Magdeburg sind noch --rückständig, beziehungsweise noch nicht gedruckt) nebst einer L -H Zusammenstellung der von den Bezirkscommisstonen aus t fera 8e einzelnen Fragen gegebenenen Antworten. Ferner liegen erbiem $Or Uebersichten der in den europäischen Staaten bestehenden tb An Gesetzgebungen über bie Besteuerung des Tabaks nebst An- Aim gabtn über bett Bau von Tabak, die Tabakfabrikate, Tabak- CuMübel und über die Einnahmen der einzelnen Staaten [29; MS den Tabaken. Endlich von bett einzelnen Mitglieder --: der Commission nach ben früher getroffenen Bestimmungen Her ausgearbeitete Denkschriften über die verschiedenen Systeme ist d ber Tabakbesteuerung und ihre Anwendbarkeit auf das cmicri Deutsche Reich, nebst Vorschlägen bezüglich der Einführung --- derselben und der zu erwartenden finanziellen Ergebnisse.
Der.Reichsanzeiger" veröffentlicht das durch gestrigen 'Wb-n schlich des Bundesraths bestätigte, aus 10 Paragraphen iu« estthende Geschäftsregulativ der Reichscommission. — Der ^onprinz stattete Montag Abend der Familie des Fürsten «««i Bismarck zur Polterabendfeier einen Besuch ab.
.p„ 91L ammengetreten ist, liegen vor: das statistische Material ‘ M bie Ergebnisse der mit örtlichen Erhebungen beauftragten 24 Bezirkscommissionen, und zwar das statistische Material JO 'in einer von dem statistischen Amt ausgearbeitetetr vorlau- • ferner Vie Erbebunacn von 22 Benrks-
kiaen nimmt entgegen: Expedition d.Blattes, itdAnnoncen.Bureaux „ Tb- Dietrich & Cv. in und Hannover; Th. sieirich in Franlsiirt a.M.; Mienst-m & »ogler tn mnkfntta.M., B-rm,
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TL l Die „Post" schreibt, wie gerüchtweise, aber auS guter
Ltelle verlaute, werde Preußen in den nächsten Tagen anZ inen Antrag auf Revision des Zolltarifs im ButtdeSrathe erkchtil mbnngen.