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Kr 259;

Marburg, Dienstag, 5. November 1878

Xin Jahrgang.

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Anzeigen nimmt entgegen: ite Expedition d.Blattes, sowie d-Annoncen-Dnreaur v,n Th. Dietrich & To. in jksiel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in zrankfnrt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln u._; Rudolf Mffe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

GerWslhr Zritmilf.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», s omie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger-sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach (gönn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllnstrirteS Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2', Mark, du«h »u Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. <excl. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psa 3*1* m der Expedition zu ertheilcnde Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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Sage wäre sich über die Uebcrzeugungcn seiner College» 8 München, Stuttgart, Dresden u. s. w. zu sprechen, »gen können, daß auch die verbündeten Regierungen nicht nreigt sind, die deutsche Zollpolitik nach den Schlagwörtern vn Freihandel und Schutzzoll zu entscheiden

Daß wir über diese Kundgebung nur erfreut sein innen wird unfern Lesern nicht zweifelhaft sein. Von

dein Augenblicke an, wo die deutsche Reichsregierung sich entschlossen hat mit dem bisherigen Systeme zu brechen datirt der Anfang besserer Zeiten für unser Vaterland. Sollte es noch gelingen in der ersten Hälfte des nächsten Jahres den neuen Zolltarif in Wirksamkeit treten zu lassen, so würde unsere Nation sich im nächsten Jahre eitles Geldzuflusses von etwa 3 biö 400 Millionen zu er­freuen haben. Daß dies wirklich die Folge weiser schutz- zöllnerischer Maßregeln sein wird, ist jeder Zeit zu be­weisen und zwar am leichtesten und besten mit den Be­weisgründen der Freihändler.

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1 gierungen zu unterbreiten. Die Vorarbeiten hierfür sind v " berät« in Angriff genommen.

Den Abschluß neuer Handelsverträge mit Conventio- laltarifen vermag ich so lange nicht zu befürworten, als lie Frage der Revision unseres Tarifes nicht ihre Erledi-

3«r Zollresorm.

Wenn es noch irgend wie fraglich sein konnte, welche Stellung der Reichskanzler Fürst Bismarck in der Frage der Zollreform einnimmt, so ist jeder Zweifel beseitigt durch einen Brief des Reichskanzlers an Herrn von Varn- chüler, welchen diePost" veröffentlichte und auf den wir bereits in letzter Nr. aufmerksam machten. Herr v. Varnbüler hat nämlich unterm 19. October an den Reichskanzler die Frage gerichtet, ob es die Absicht ist, dem Reichstage bei seiner nächsten Session den Entwurf eines revidirten Zoll­tarifs vorzulegen und ob die Reichsregierung, bevor dies geschehen einen neuen Handelsvertrag mit Conventional- tarif nicht abschließen werde. Die Antwort des Reichs­kanzlers ist so wichtig, daß wir dieselbe hier nachstehend in ihrem Wortlaute geben:

Friedrichsruhe, 25. October 1878.

Die Fragen, welche Euer Excellenz mir in dem geehrten Schreiben vom 19. d. gestellt haben, würde ich amtlich nur dann beantworten können, wenn die verbündeten Re­gierungen über unsere zukünftige Zollpolitik bereits Be-

Tagesbericht.

DerReichsanzeiger" publicirt das Verbot des Volks­vereins in Merane, derArbeiter-Harmonie" in Walden­burg, des Theaterclubs, Bruderbunds uito Gesangvereins Lassallia in Offenbach, des Gesangvereins Humoria in Bieber, das Verbot der DruckschriftDer arme Konrad" und der periodischen DruckschriftenDer Zeitgeist" in München^ndDas Panier" iu Braunschweig.

Das WienerTelegraphen-Corresp.-Bur." meldet aus R :; Ditz Verhandlungen zwischen der päpstlichen Curie __ L'eMchland dauern fort und beziehen sich gegenwärtig aus die religiösen Verhältniffe von Elsaß-Lothringen. Aus den letzten Wahlen in der Schweiz wird die Curie Anlaß nehmen, wegen Wiederherstellung der gegenseitigen Bezie­hungen Verhandlungen einzulciten. Die exilirten schweize­rischen Bischöfe erhielten Instructionen, sich zur Rückkehr in ihre Diöcese vorzubereiten.

Die deutsch-amerikanischen Blätter führen gegenwärtig eine sehr starke Sprache über dieEinwohner des deutschen Reichs", welche bishernoch Teilten rochen Heller" für die Nothleidcnden int Süden der Vereinigten Staaten beige­steuert haben, während die Sammlungen in Frankreich recht günstige Resultate ergeben hätten. So schreibt dieKali- fornier Staatszeitung":Für uns Deutsch-Amerikaner ist es in hohem Grade beschämend, daß von Seiten unserer Landsleute drüben aber auch gar nichts Derartiges geschieht. Wie freudig hat der bessere Theil des Anglo - Amerikaner- thums zu den reichen Gaben bcigesteuert, welche die Deutsch- Amerikaner zur Zeit des deutsch-französischen Krieges nach Deutschland schickten und wie herzlich haben die besseren Klassen des Anglo-Amerikanerthums mit den Deutsch-Ameri­kanern die Friedensfeste gefeiert, die in allen Städten der Union nach Beendigung jenes Krieges veranstaltet wurden! Und jetzt, wo Deutschland Gelegenheit hat, sich dafür er­kenntlich zu zeigen und die Bande, welche die deutsche Nation wegen des Befehls zur Ablegung der Masken schleunigst an die Seite seiner Gemahlin zu berufen.

Mit kurzen vielversprechenden Worten ersuchte der König darauf den Kammerherrn den feltsamen Vorfall des heu­tigen Abends zu verschweigen und ihn nie durch die leiseste Andeutung wieder an denselben zu erinnern. Er hielt es für gut, ihm offen zu gestehen, daß ihm die schöne Zigeu­nerin einen tiefen Eindruck gemacht habe, daß aber ein plötzlicher Unfall in der Familie die schnelle Abreise der beiden Damen erfordere und dadurch seinen Wünschen ein unübersteiglicher Damm entgegen gesetzt sei.

_ Der Kammerherr ahnte mit diplomatischem Instinkt, daß der König ihm nicht den wahren Grund dieses schnellen Abschlusses gesagt habe, und er suchte sich am andern Tage mit Hilfe der geheimen Polizei, so gut als möglich, von dem Thun und Treiben der Damen zu unterrichten, da er aber erfuhr, daß die alte Marquise mit ihrer Nichte ein sehr zurückgezogenes Leben geführt hätte und wegen eines Sterbefalls plötzlich nach Paris abgereist fei, crrieth er ein tieferes Geheimnis), dessen wahrer Inhalt ihm aber sein Leben laug verborgen bleiben sollte.

Als dem König die erste Bitte über die Lippen gekom­men war, ersuchte er den Kammerherrn ferner, der Mlle. le Camus, die noch immer im grünen Cabinet wartete, ein Billet abzugeben, auf welches er einige flüchtige Sätze nie- derjckrieb. Dann nahm er aus seinem Juwelenkästchen einen kostbaren Ring, gab ihn dem Kammerherrn und drückte durch eine stumme, aber doch sprechende Bewegung die dop­pelsinnige Bedeutung dieser Gaben aus.

Der Kammerherr bethätigte seinen Dank auf gleiche Weise und eilte, die Befehle seines Herrn zu vollbringen. Während nun Jerome den Schmuckkrämer in den König verwandelte, und innerlich sich vergeblich gegen die Macht der Ceremonie bäumte, las die eitle Kokette

Ei« Maskenball König Jeromes, von E. Sch.

(Schluß.) III.

Nachdem König Jerome den ersten Schmerz niederge- ünpft hatte, sprang er auf und eilte durch geheime AuS- * ge in sein Schlafcabinet. Die lustige Gesellschaft der teil kam ihm in diesen: Augenblicke so schal, so verab- euungswürdig vor, daß es ihm wie eine Entweihung er- en, den Kampf seines Innern mit dem betäubenden Ge- ge eines sinnlichen Rausches zu übertönen. Jerome war keine tief angelegte Natur, die momentane Empfäng- eit feines feltfam ausgestatteten Herzens ließ keinen Raum ir das Erwachsen eines großen Schmerzes, aber das Er- bniß des heutigen Abendö halte ihn bis in das Mark s Lebens erschüttert, er verwünschte die Laune des Glücks ! ihm ein Königreich gegeben, und ein-irdisches Paradies »für genommen hatte, er hätte hundert Meilen weit auf r einsamsten Jnfel sein mögen, um nur für diese Nacht Zwange der Etiquette enthoben zu sein.

Aber er war ein König geworden, und Könige haben t so frühe wie andere Sterbliche daö Recht, die gesell- ffliche Form dem Bedürfniß des Herzens zum Opfer & bringen. Auch durfte Niemand diese seltsame Begcg- hg, die Folge derselben und daS Weh seines Herzens er- Uhen; ernt die dringende Nothwendigkeit gebot die Wah- 8ttg eines Geheimnisses, dessen Bekanntwerden die neuen, iligen Beziehungen seines Lebens und seiner Stellung itte gefährden und die neugierige Scandal-Chronik seiner »ft um ein interessantes Capitel hätte bereichern können. 8 war die höchste Zeit, daß sich König Jerome ermannte, 61t der eingeweihte Kammerherr, der als Abgesandter der dnigin schon überall gesucht hatte, kam um Se. Majestät

schlüsse gefaßt hätten.

In Ermangelung solcher vermag ich Euer Excellenz nur meine persönlichen Ansichten mitzuthellen. Soweit sowie mir gelingen wird, letztere zur Geltung zu bringen, liegt .euefit «L allerdings in meiner Absicht, eine umfassende Revision »usereö Zolltarifes herbeizuführen und die dazu erforder- .rtneij lichen Anträge zunächst der Prüfung der verbündeten Re-

ezeichnetsten Hochachtung mit welcher ich verbleibe Euer Excellenz

ganz ergebener

, Bismarck.

ftd« 1 Die Antwort des Reichskanzlers stellt zunächst fest, tgantt jgfj Beschlüsse über unsere zukünftige Zollpolitik seitens nniet- >tt verbündeten Regierungen bis jetzt nicht gefaßt seien. 2428 ^deß würde wohl der Reichskanzler, wenn er in der

pHug gefunden hat.

lischt! Genehmigen Euer Excellenz den Ausdruck meiner aus-

mge-' - - - - ---

mit der Union verknüpfen, immer mehr zu befestigen, jetzt blamiren die deutschländischen Philister sich und uns Deutsch-Amerikaner durch ihre stupide Theilnahmlosigkeit und ihre Knickerei. Daß es uns peinlich ist, diese fatale Thatsache berühren zu müssen, begreift wohl Jeder; aber es nützt nichts, sie todtschweigen zu wollen. Vielleicht auch, daß sie draußen schließlich durch energischesTreten" von hier aus doch noch veranlaßt werden, das Versäumte nach­träglich wenigstens theilweise gut zu machen." Wir glauben, das amerikanische Blatt hätte wissen können, daß es den Einwohnern des Reichs" nicht an Wohlthätigkeitsstnn man­gelt. EinKlingelbeutel," der uns herüber gereicht wird, dürfte nie leer zurückkehren. Hätten dienicht deutschlän­dischen Deutschen" zur rechten Zeit eine Anregung gegeben, so würden sie heute keinen Grund zur Beschämung haben. Wir können doch unmöglich von hier aus beurtheilen, ob die Roth in den Vereinigten Staaten so groß ist, daß unsere Hülfe am Platz ist. . Warum haben die in Berlin lebenden Deutsch-Amerikaner nicht die Organisation in die Hand ge­nommen, wie es in Paris geschehen ist? Wollten wir derKalifornier Staatszeitung" in ihrer Sprache antworten, so würden wir unsere Feder mit Unflath beschmutzen müssen, was noch nicht nach dem Geschmacke derdeutschländischen Philister" ist.

Auf der Balkanhalbinsel ist es zu einer weiteren Klärung der Lage in friedlicher ober kriegerischer Richtung noch nicht gekommen. Die Pforte erläßt fortwährend Rundschreiben an die Großmächte mit Beschwerden über die Russen, die Russen bestreiten alle Vorwürfe und fahren fort über Varna und Burgas Truppen nach Bulgarien und Rume- lien zu schaffen. Daneben heißt es, der Sultan habe dem Zaren angeboten, Verhandlungen über einen definitiven Frieden wieder aufzunehmen; der Zar habe sich dazu bereit erklärt. Gleichzeitig soll auch der Gedanke einer Convention mit Oesterreich seiner Verwirklichung erheblich näher ge­bracht sein. Ebenso ist mit England eine Vereinbarung über die asiatischen Reformen erzielt worden, aber der Botschafter Layard selbst hat seine Ueberzeugung ausge­sprochen, daß trotz allem die Türken doch möglichst wenig wirklich reformiren werden. Und diese Manier der türki­schen Politiker ist es eben, welche immer und immer wieder Verwirrung stiftet: sie treten in Verhandlungen ein, ver­schleppen sie nach Möglichkeit und wenn sie schließlich nicht mehr anders können, übernehmen sie irgend eine Verpflich­tung, um sie bann nicht zu erfüllen. So erklärt es sich, wenn von Zeit zu Zeit Gerüchte auftauchen, welche den Schein erwecken, als sei die Geduld Europa's zu Ende. Jetzt munkelt man wieder einmal einerseits von einem Nach- congreß zur Revision des Berliner Vertrages auf Kosten das wenig Worte enthaltende, aber niederschmetternde Ma­nifest Sr. Majestät, das ihr den vollständigen Sturz ihres Regimentes voraus verkündete und nun doch alle schwar­zen Ahnungen ihres geschärften Instinktes zur Wahrheit machte.

Der heuttge Abend gehört der Königin, meiner Ge­mahlin," schrieb Jerome,Ihr weiteres Verhalten wird sich nach den Aufforderungen meiner Huld richten."

Wie in allen uneblen Naturen, so regte sich auch zu­erst in Seraphinen's Seele nach .dieser Erkenntniß bas Gift ber Rache unb bes Neides unb sie nahm sich vor, ben Hunger bes Wurms, den ihr tiefer Fall ans Herz gesetzt hatte, burch teuflische Erfindungen zu befriedigen; denn was sie entbehrte, sollte keine Andere genießen. Se- raphinm's Leidenschaften traten ihr besseres Selbst so mit Füßen, daß sie selbst nicht einmal den moralischen Halt fano, dem König mit Stolz entgegenzutreten; sie schützte bei ihrem Bruder ein plötzlich eingetretenes Unwohlsein vor und bat ihn, dies dem Fürstenpaar zu melden. Dann verließ sie nicht lange nach Elisabeth das bunte Faschings- feft, erfüllt von den schwärzesten Plänm gegen die unbe­kannte, reizende Nebenbuhlerin, zu bereit Ausführung ihr aber ein ungelöstes Rälhsel niemals Gelegenheit geben sollte.

Königin Katharina war an diesem Abend so glücklich, wie noch nie, Jerome wich nicht von ihrer Seite, und sie fühlte, vielleicht zum ersten Male, daß sie ihm doch mehr war, als alle die gleißenden Göttinen seiner tändelnden Laune. Heute beruhte auch des Königs Benehmen auf aufrichtiger Hinneigung; denn seine Seele sehnte sich in dieser leivvollcn Stimmung nach dem Anschluß eines un­verfälschten Herzens, uns er wußte sehr wohl, daß er das ächte Gold der Treue nur in den Tiefen ihres reinen Wesens finden konnte. Die Qual der Vernachlässigung,