1 „Elisabeth!" ries Jerome mit leidenschaftlicher Gluth und schlang seine Arme heftig um die widerstrebende Geliebte seiner Jugend! „Elisabeth, Du bist schön und mild, wie einst; die Zeit hat Deinen Zügen ebenso wenig, als Deinem Herzen genommen, Du wirst das Unabänderliche nehmen, wie es ist, und mich nicht mehr verlassen!"
„Jerome, halte ein!" erwiderte Elisabeth und suchte sich aus seinen Anken zu befreien.** V "" ' :X*’;
„Nicht um ein Königreich," rief der Angercdete mit gesteigerter Leidenschaft, denn dieser Augenblick kehrt vielleicht niemals zurück! Jetzt erst wird eSjjtir klar, für welche Perle ich den Manz der Krone erkaufte, und sie hat keinen Werth mehr für mich, wenn ich ihr mein höchstes Kleinod nicht einverleiben kami!"v? -Vk
„Beruhige Dich und sprich nicht so laut," sprach Elisabeth, diese Stimmung wir.d vorüber gehen, und es möchte Unheil bringend für Dein mues Glück werden, wenn einer Deiner geheimen Diener durch Zufall Einblick in die- Ge- heimniß bekommen würde!"
„Diese Stimmung wird nicht vorübergehen. Keiner wird Einblick in unser Geheimnis; bekommen und dies Bündniß, dessen Erneuerung Dein eigenes Werk ist, das mich, wie ein Compaß an allen Gefahren unbemerkt vorüber führen könnte, wird nicht Unheil sondern Segen bringend für mein conventionclles Ehebündniß werden! — Nach diesen Worten zog er Elisabeth an seine Seile auf die Bank und fuhr in flüsterndem Tone fort: „Jetzt erst begreife ich die geheimnißvolle Kraft, die mich vom ersten Augmblick Deines Schauens zu Dir hinzog, jetzt erst verstehe ich die weisheitsvollen Aussprüche Deiner bezaubernden Kunst, jetzt erst weiß ich, daß wir durch den jungen Sproß am Mastbaum unseres gemeinsamen Schiffes unzertrennlich geworden sind.
Elisabeth fast, von der leidenschaftlichen Rede ihres
Mannes wie betäubt, an feiner Seite; es war ihr zu Muth wie einem Wanderer, der von dem Gipfel eine» schroffen Felsens eine wunderbar reizende Gegend betrachtet, und zu dem der Teufel plötzlich tritt und das verführerische Wort spricht: Dies Alles will ich Dir geben, wenn Du niederfällst und mich anbetest!
Ahnte die alte Marquise den Seelenkampf der jungen Frau? Denn ihr Auge erweiterte sich, sie umfaßte krampfhaft den schlanken Stamm eines Myrthenbaues und schickte einen Gedanken, tiefausholender als das brünstigste Gebet zu dem Lenker aller Herzen, daß er Elisabeth in diesem Kampfe stärken und mit dem Schilde unüberwindlichen Stolzes rüften möge!
War es die Wirkung des GebeteS, «ar es die Erin- nerung an ihr geliebtes Kind — um das sie den gewagten L-chritt gethan — Elisabeth antwortete nach einer Weile mit wohlwollendem, aber entschlossenem Ausdruck:
1 Du irrst, Jerome, wenn Du glaubst, daß ich tue Mahnung an das Heil unseres Sohnes als Brücke gebrauchen wollte, über die wir Beide aufs Neue in daS verlorene Paradies unserer Jugend treten könnten. Wollten wir es wagen, es würde ein kurzer Traum sein, Und der Engel der Herrschaft muffte uns nur zu bald mit dem bloßen Schwerte wieder daraus vertreiben! — Daß ich es auf diese Weise möglich machte, Dir noch einmal gegenüber zu treten, geschah nicht, um vaS zerisiene Band unserer Liebe wieder anzuknüpfen, es geschah einzig, um Dir das Wohl Deines und meines Sohnes ans Herz zu legen, dessen Rechte ich durch das Machtgebot des Kaisers in der gefährlichsten Weise bedroht sehe."
„Jerome, sprach sie nach einem tiefen Seufzer seine Hand erfassend, und Thränen glänzten In ihren schönen Angen, „ Jerome, ich habe Dir Alles vergeben. Was ich vor diesem Schritt empfand, was mich im Augmblick be-
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Marburg) Freitag, 1. November 1878
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- „ t bem erfolgten Verbot beschlossen haben, mit dem Blatt 1 Kass« H Zürich auszuwandern. Ohne gänzlich politische Flücht- w ■■ Sze zu werden, wollen sie damit wohl ihre Person in
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Tie Ausführung des Sozialistengesetzes.
In Ansführchlg des 'Gesetzes gegen die gemcingefähr- sen Ausschreitungen' *bet Sozialdemokratie ist nicht Mr ! Berliner Polizeipräsidinm Energisch vorgegangen; auch 8 anderen deutschen Staaten werdest Verbote von Ver- dn und Druckschriften gemeldet: so aus Braunschweig,
Ei« Maskenball König Jeromes,
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jei allen Postanstalten sowie in Marburg bei der Spedition entgegengenomrneü. is . " '
iür die Monate November und Deeember F werden Bestellungen auf die ,, Bberhessischc Zeitung nebst
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Wesden, Leipzig, Zwickau, Chemnitz, Stuttgart, ebenso »Ach aus Frankfurt a.. M- Nicht überall war man ohne Nffvrgniß vor den Folgen dieser Maßnahmen; ängstliche «nüther fürchteten hie und da Zusammenrottungen und »Wvaktthaten von Seiten der Sozialdemokraten. Glücklicher- Wtse find die Befürchtungen unbegründet gewesen: überall ■jeen sich die Betroffenen den auf Grund d s Gesetzes er- WUseiien Maßregeln und wo nach Erlaß desselben überhaupt Mh von ausgesprochenen sozialdemokratischen Vereinen Fetsammlungen abgehalten worden sind, da geschah es, um Äst die Auflösung zu beschließen. Ueberall sind, so viel ten hört, die Mitglieder im Falle der Auflösung ruhig
uiseinander gegangen; nur in Dresden haben sie sich bei mer Gelegenheit das Absingen der Arbeiter-Marseillaise licht versagen können, Merkwürdig ist cs übrigens, daß lech nirgend eine von den Schriften Lassalle's verboten »erden ist. Laffalle wär so recht eigentlich der Lehrmeister er gegenwärtigen Agitatoren; er hat die Schlagworte in bnlauf gebracht, die jetzt colportirt werden, er kannte kein kaß und keine Beschränkung in der Rede, mit der er die ikute packen wollte, und ihm reichen seine Nachkommen icht das Wasser. Gerade seine Agitationsschriften aber bd meist gedruckte Reden, gedruckt so maßlos, wie sie gerochen waren, und die läßt man unverbotcn! Es ist 68 dies in der Thäd nicht ganz klar. — Unter den • «. « Plenen Zeitungen ' befindet sich auch das Leipziger i Mtral-Organ der deutschen Sozialdemokratie, der „Bor- ____j arte". Die Hauptredacteure des Blattes, Liebknecht
»b Hasenclever sollen unter Zustimmung Bebel's bereits
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(Fortsetzung.)
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„Von Dir!" wiederholte Elisabeth; „denn leider jede Pentane Regung kann Dir einen solchen Beweis ab- Snt, und Dein eigenes Herz würde längst in Stücke zer- Mn sein, wenn es für all' die Sinnbilder Deiner Nki- «sg hätte eintretcn sollen, die der gefährliche Zug zu $tm oder jenem Wesen Dich zu geben ankrieb!" ' ^Elisabeth sprach diese Worte mit feierlichem Ernst, Wme stand wie versteinert und fragte' statt aller Ant- Dtt mit tonloser Stimme:
„Du kennst mich also, räthselvolleS Wesen, sprich die »rhrheit." ' "
»Ich kenne Dich, unter jeder Maske, Jerome Bona- Ftte, jetzt König von Westphalen," sprach Elisabeth mit
ergreifendem Ausdruck, und nachdem sie daS Land ihrer Mfe losgelöst und dieselbe vom Gesicht genommen halte, fr sie mit heftigem Zittern, doch in gleicher Weise fort: M ich wage zu hoffen, daß der Lauf der Jahre auch S nicht ganz unkenntlich machte, daß Ew. Majestät Iw Herzchen wieder erkennen, für welches ich einst in endlichem Glaubensmuth das meine so freudig eintauschte!"
Elisabeth befreite nach diesen Worten das Herzchen von fr Knopfe ihres Mieders und hielt eS dem Könige dicht * die Augen.
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■v „Du irM" antwortete Elisabeth mit eiserner Ruhe und Haft, ehtte die Hand des Königs zurück; „ich erwählte dieses unl> umbild nicht, denn ich besitze schon ein solches von Dir, ib habe erfahren, daß seine Kraft von sehr vorübergehcn- b Dauer ist!" — r
j-SBon mir?" fragte Jerome und prallte einige Schritte Mck. V
Sicherheit zu bringen und beabsichtigen auch nach wie vor, an den Verhandlungen des Reichstags, softrn sie ein Mandat haben, sich zu betheiligen. Wie die gastfreie Schweiz sich dazu stellen wird, ist freilich eine andere Frage; die Zeit nach 1848 hat ihr eine Menge von Reclamationen deutscher Regierungen wegen Ausweisung politisch bloßge- stellter Flüchtlinge eingetragen. Für ihre eigene Bevölkerung freilich braucht die schweizerische Regierung keine besonderen Befürchtungen bezüglich der Gefahren sozialdemokratischer Agitation zu haben/ - Brachte doch schon Ende 1875 oder Anfang 1876 der - sozialdemokratische „Volksstaat" grade aus Zürich eine Eorrespondenz, in der die Schweiz ganz aufgegeben wurde: es fehle ihr, hieß es da, der revolutionäre Schwung, in den Vvlksmaffen herrsche gegen die große Idee Unwissenheit und Gleichgültigkeit; dazu komme, daß Industrie und Verkehr noch zu wenig entwickelt seien; in. Felge der größeren Billigkeit der Wasserkräfte würden die Fabriken mehr mit diesen, als mit Dampfkrästen betrieben, was eine größere räumliche Verstreuung der Fabriken und damit auch eine größere für die Entwickelung des Kkaffen- bewußtseins ungünstige Verstreuung des industriellen Proletariats mit sich bringe; obenein würden die Arbeiter noch durch den für sie höchst unsinnigen Besitz (!) eines Häuschens und einer Scholli Land an der freien Verfügung über ihre Arbeitskraft verhindert; endlich wird an den Schweizer Arbeitern anch noch die Begeisterung für ihr Vaterland beklagt. — Wir geben diese Auslassungen absichtlich ausführlich wieder, weil sie außerordentlich lehrreich sind. In ihnen weift die Sozialdemokratie selbst daraus hin, welcher Vorbedingungen sie für ein Gedeihen ihrer Agitation bedarf, und darin liegt'wieder für Alle, die bei uns jetzt entschlossen sind, durch positive Arbeit dafür zu sorgen, daß der Sozialdemokratie der Boden entzogen werde, ein werthvvller Fingerzeig für die Richtung, in welcher sich diese Arbeit zu bewegen haben wird!
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" enthält Bekanntmachungen betr. das Verbot der Vereine: Theaterverein Germania, Gesang- club Vorwärts und Gesangverein Liederfreund, sämmtlich i in Dortmund; ferner einer einzelnen Nummer und des ferneren Erscheinens des von der Westphälischen Genossen- fchaftsdruckerei zu Dortmund verlegten „Volksblatt, Organ für das werkthätige Volk."
Der 8. deutsche Handelstag wurde gestern Vormittag 10 Vg Uhr im Rathhause in Berlin durch Commerzienrath Delbrück eröffnet. Handelsminister Maybach begrüßte die Versammlung und sprach die Hoffnung aus, -"baß es im Hinblick
auf Gott, der das Schlimmste abgewendet, im Hinblick aus den deutschen Muth, Fleiß und Einigkeit gelingen werde, die wirthschaftlichcn und socialen Verhältniffe in bessere Bahnen zu leiten. Stadtrath Hagen begrüßte die Versammlung im Namen der städtischen Behörden und der Bürgerschaft, Commerzienrath Konrad im Namen der Berliner Handelöwelt, mit einem enthusiastisch aufgenommenen Hoch auf Se. Maj. den Kaiser schließend. In das Präsidium wurden gewählt: Delbrück (Berlin), Fromme! (Augsburg) und Roß (Hamburg). Es sind 300 Delegirie anwesend. — Es wurden dann die von Bueck, Hammacher, Witte und Baethge gestellten verschiedenen Anträge in Betreff der Bildung eines aus Vertretern des Handels, der Industrie, Gewerbe und Landwirthschast rc. bestehenden, der Regierung al« Beirath dienenden volkswirthschaftlichen Senats nach langer Berathung in einer nach Handelskammern erfolgten Abstimmung dem bleibenden Ausschüsse zur Berichterstattung an die deutsche Reichsregierung überwiesen.
Ueber den Stand der Arbeiten in der Kommission zur Ausarbeitung des deutschen Civilgesetzbuches können wir zur Ergänzung anderwciter Mittheilungen resp. zu'deren Richtigstellung noch Feiendes mittheilen. Nach Schätzung von zuverlässiger Seile werden die Theil-Entwürfe mit dem Jahre 1879 zum Abschluß kommen; die Kommission selbst aber hat ihre diesjährige Arbeit vor wenigen Tagen geschlossen. Wenn im nächsten Jahre die Theil-Entwürfe des Gesetzbuchs vorliegen, wird ein Generalreferent ernannt, welcher die Aufgabe hat, die Theil-Entwürfe zu einem Ganzen zu verbinden. Sobald dieses vorliegt, wird die Kommission in die erste Lesung eintrcten, und nimmt man an, daß die Berathung mit Ablauf des Jahres 1882 beendet fein wird, so daß der Entwurf alsdann aus Beschluß des Bundesraths ,roirb den Regierungen vorgelegt »erben können.
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Den Abendausgaben der Berliner Börsenblätter zufolge haben die gestern Vormittag zwischen den Vertretern der Hauptbetheiligten begonnenen Verhandlungen wegen Ueber- führung der mmänischen Eisenbahnen in den Besitz der rumänischen Regierung bereits zu einet Einigung über die Hauptpunkte geführt. In den heute Nachmittag und morgen fortzusetzenden Verhandlungen soll der Vertragsentwurf paragraphirt werden. Ans der Erörterung der noch rückständigen Detailfragen fei voraussichtlich kein wesentliches Hinderniß für den Vertragsabschluß mehr zu erwarten.
Unter den Papieren des letztverstorbenen Papstes will man Schriftstücke entdeckt haben, welche beweism sollen, daß bereits nach dem I. 1876 Unterhandlungen zwischen