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Marburg, Sonntag, 27. October 1878

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[nteigen nimmt tmgcgtn: it Expedition b.Blattei, , Lnvie dAnnoncen-Bureaux ■»» fern rd. Dietrich & Esu» I l Mel unb j>ann»oer; ».

Meirich tn Frankfurt a.M.; 11 iaajenftein 4 Vogler in „ Jranffurt a M., Berlin, ack. rip,ig, Eßln ic.; Rudolf

«offe in Berlin, Frank- _____ furt a. M. ic.

ObkchtsWc jiitimg.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d Blattes, sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'scke Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Be lin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.

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Hessische Geschichtsbilder.

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aber steht zu erwarten, daß sich gegen jede weitere Aus­dehnung der Besetzung eine so starke Opposition erheben wird, daß die Hofpartei die Ausführung dieses Wunsches sich wird versagen müssen. Die pesther Thronrede des Königs hat nicht befriedigt.

Im italienischen Ministerium sind Meinungsver­schiedenheiten ausgcbrochen, die den Rücktritt des Ministers für die auswärtigen Angelegenheiten, Corti, des Kriegs­ministers Bruzzo und als drittelt int Bunde des Marine- ministerö Brocchetli zur Folge hatten. Später soll dann auch noch der Ackerbauminister um seine Entlassung gebeten haben. Da die Neugestaltung des Cabinets bei der Hal­tung, der parlamentarischen Parteien auf Widerspruch stieß, so war mehrfach von einem Geschäfts-Ministerium die Rede. .

Das große Ercigniß der Woche ist in Frankreich da» Ansstellungsfest vom 21. October mit Reden des Präsidenten der Republik und des Arbeitsministers im Judustriepalaste, mit den Preiövcrlheilungen, mit Stadt­beleuchtung und ungeheurem Jubel. Politische wichtig wurde der 21. October dadurch, daß der Marschall Mac Mahon hier zuut ersten Male au« eigenem Antriebe in einer selbst ausgearbrileten Rede sich öffentlich rückhaltöloS für die Republik und deren Erfolge auöfprach und dadurch den Seuatvrenwahlen und seiner eigenen Wiederwahl von 1880 Vorschub leistete. In der auswärtigen Politik herrscht Ruhe, nur die Ernennung des Grafen Beust zum Bot­schafter in Paris macht einen unheimlichen Eindruck.

Die Mißhelligkeiten zwischen Spanien und Marokko sind noch immer nicht völlig beglichen, obwohl die marok­kanische Negierung neuerdings gegen ihre unbotmäßigen Beamten in Tetuan streng eiugeschritten sein soll.

Die Vorbereitungen für den afghanischen Feldzug werden in England nachdrücklich fortgesetzt, da nach den letzten Nachrichten jede Hoffnung auf eine gütliche Ausgleichung geschwunden ist. Dagegen hat man aber beschlossen, erst im nächsten Frühjahr de» Angriff zu beginnen.

Während die Pforte mit der Ausarbeitung von Re- formprojccten beschäftigt ist, während Layard ununterbrochen mit dem Sultan conferirt, ist die russisch-türkische Freund­schaft wieder einmal in die Brüche gegangen. Die Rusten weigern sich, den begonnenen, aber sogleich wieder einge­stellten Rückzug wiedcraufzuuehmcn und erklären durch ihren Botschafter, Fürsten Lobanow, daß sie überhaupt die Gegend von Adrianopel erst daun räumen wollen, wenn die zwischen der Türkei und Rußland schwebenden Verhandlungen über die durch deu berliner Frieden nicht berührten Punkte des Vertrags von San Stefano zum Abschluß gekommen seien. Die Russen bleiben also zunächst in ihren (Stellungen und

Fuhr man dich durch die Stadt, den Armen. Ein Wunder, daß dein Herz nicht brach.

Wo du noch einen Freund gesehen, Reichst du ihm warm die treue Hand, Doch ohne Gruß ließ mancher gehen Den frühem Freund, von Furcht gebannt.

Am Fuldastrand in dem Kastelle Lagst du und standest vor Gericht, Schriebst Briefe aus verborgener Zelle, ‘ '!* Die Gattin doch erhielt sie nicht. "7 /"

Erweckt um dich von bangen Sorgen, " Bereitet sie zur Reise sich, Sie will am ersten schönen Morgen Dem König nahen flehentlich. ’~,v "*rw"

Der, denkt sie, ist ja dem Geschlechte. ■>

Der Frauen gnädig und gar hold, Und wenn ich küsse seine Rechte, Gewährt er mir, was ich gewollt.

Doch sollte ihr'S nach Wunsch nicht gehen.

Zur Heimath eilt sie schnell zurück, " Es künden ihr stets stärkre Wehen In ihrem Leid das Mutterglück.

Vor einem strengen Kriegsgerichte

Von Marionetten nur besetzt,

Stehst du mit bleichem Angefichte, Doch im Gewissen unverletzt.

Hinrannen viele bange Stunden, M.. ” Da fiel für dich der harte Spruch, Als schuldig des Verraths befunden, Strich man dich ans dem Lebensbuch.

Die Sonne hüllte um den Schleier, Der Rabe krächzte in der Lust.

Ein Grablied tönt aus nafyent Weiher, Geöffnet steht die dunkle Gruft.

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Die Kaiserlichen Herrschaften reisen am 29. October von Baden nach. Coblenz: ersterer begibt sich dann, wie fvir bereits meldeten nach Wiesbaden. Seine Ankunft in Berlin wird, so weit jetzt bestimmt ist, am 4. December erfolgen. Der Kronprinz stierte am 18., Oftober seinen 47. Geburtstag. Das Gesetz wurde mit einer Mehrheit voy 72 Stimmen angenommen. Gleich nach der Abstim­mung des Reichstages über das Socialistengefetz am Sonn- abend voriger Woche verkündete der Reichskanzler eine kai- ferliche Botschaft, durch welche die außerordentliche Session WA dei Reichstages geschloffen wurde. Nachdem bann am : 21. October der Kronprinz daö neue Gesetz unterzeichnet hatte, wurde dasselbe am 22. October durch das Rcichs- gesetzblalt veröffentlicht. Die socialistischen Blätter fordepn ihre Parteigenossen auf, sich auf die zu erwartende Ver­folgung vorzubereiten, namentlich alle compromittirendeu Lchriftstücke und Bücher zu entfernen und die Propaganda die sie nicht mehr öffentlich machen könnten, künftig im Stillen zu betreiben. Das berliner Polizei-Präsidium hat bereits auf Grund des Socialistengesetzes vier Vereitle aufgelöst und eine Anzahl Schriftstücke verboten, auch die Berüner freie Presse und deren Nachfolgerin.

In Oesterreich-Ungarn ist eine Klärung der detworrenen Verhältnisse noch nicht eingetreten, und es wäre LMöglich vorauszusage», welchen Ausgang der parlamen­tarische Kampf nehmen wird, der zwischen dem Grafen Audrassy und feineu politischen Gegnern zu entbrennen im begriff stehl. Daß sich der erstere in ein über die Maßen uspopuläreS Beginnen eingelassen hat, darüber wird jetzt rvehl weder ihm noch auch dem Monarchen die Erkenntniß schien. Die Volksvertretung möchte am liebsten den ganzen Handel ungeschehen machen, aber die Macht der Verhält- ttiffe ist zu groß und der einmal vollzogenen Lhatsache btt Besetzung wird in gewisser Weise Rechnung getragen werden. Daß der Antrag, die österreichisch-ungarischeu Truppen einfach auS Bosnien herauSznziehen, angenommen »erbe, braucht die Regierung zwar nicht zu fürchten, wohl

Sie schürten in Verbundetleu Flammen, Indes Spion die Thür umschlich.

Wie viele waren immer vorne, '

Doch mit dem Mund, mit Reden nur!

Erklang das Zeichen mit dem Horne,

Verloren war daun ihre Spur. 7

Durch's Grüner Thor find eingedrungen Bewaffnete in's Herz der Stadt, Es wich von kleiner Schar bezwungen

Feig von der Wache der Soldat.

Doch bald von Schergen unterrichtet,

Kam er zurück mit falschem Spiel,

Die kleine Schar war bald gelichtet, Wer mnthig stand, von Kugeln fiel.

Wer hat dich, Sternberg, nur verrathen, Erwarb sich schnöden Judaslohn?

Du warst, als schnell die Schergen nahten, Ein siecher Mann seit Wochen schon.

Vom Typhus schwach sind deine Glieder,

Doch wardst vom Lager du gerafft, Die Gattin fällt erschrocken nieder, Waö Hilsts? Dein Loos ist strenge Haft.

Jetzt, als im Hause du gerastet

Des Wolfes,*) der dich hielt in Hut,

Kam deine Gattin, grambelastet, Ein treues Weib, von hohem Mut.

Das Wenige, was du begangen, Bekanntest du, der Lüge feind, — Sie hat an deinem Hals gehangen Unb bitterlich um dich geweint. —

Von ihr gerissen, vhu Erbarmen, Die mütterlich ein Pfand versprach,

der berliner Friede zeigt immer mehr einen päpiernen Charakter.

Wenn die Russen den Türken das Leben sauer machen, steht es in ihrem eigenen Lande auch nicht er­freulich aus. Der Finanzminister ist auf Reiseu, um über demnächstige Anleihen zu verhandeln, der Kaiser befindet sich in offenbar wenig gemüthlichem Zustande in Livadia, wohin er jetzt den Grafen Schuwaloff, der sich mit Gort- schakoff nicht vertragen kann, berufen hat. Das Treiben der ^Nihilisten dauert fort, ohne daß ihm die Polizei Halt gebieten kann. ,

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Tagesbericht. .•»;•./ t

Die vom Minister deö Innern untern 22. d. an die Regierungen, Lanbdrosteien und bas Berliner Polizeipräsidium zur Ausführung des Sozialistengesetzes erlassene Instruktion betont, baß, wenn der Zweck deö Gesetzes erreicht werden soll, die darin gewählten Mittel mit Ernst und Entschie­denheit, aber auch mit Umsicht unb voller Loyalität ge­braucht werben müssen. Es sei deshalb sorgsam zu beachten, baß das Gesetz nicht gegen andere als sozialistische urtb commnnistische Bestrebungen angewendet werde, und gegen diese nur, wenn die im Gesetze angegebenen Merkmale bet Gemeingefährlichkeit vorhanden feiert. 7 , nu. ' 7

In ber vorgestrigen Sitzung beS BundeSralheS theilte der Vorsitzende mit, vaß Minister Graf Eulenburg seiner Funktionen als BundeSrathS-Bevollmächtigter entbunden unb Unterstaatssekretär Bitter zum Bundesraths-Bevollmächtigten ernannt worden sei. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht drei Bekanntmachungen der Kreishauptmannschaft in Zwickau vom 24., wonach der sozialistische Arbeiter-Wahlverein zu Chemnitz, sowie ber Volksverein unb bie Bereinigung von Mitgliedern ber sozialistischen Arbeiterpartei Dentschlanbs in Glauchau verboten sinb.

Die Württembergische Corresponbenz schreibt: „Der Kaiser erhält noch immer eine Menge Drohbriefe beS In­halts, es würben neue Attentate auf ihn erfolgen, sobald er nach Berlin komme. Umgekehrt wird dem Großherzog von Baden mit Attentaten gedroht, falls er seinem Kaiser­lichen Schwiegervater noch längeren Aufenthalt in seinem Lande gestatte! Angesichts solcher Thalsachen wollen sich unsere Freiheitsidealisten beklagen, wenn endlich die Zügel der Ordnung straffer angezogen werden!" ,,,

Das preußische Handelsministerium hat im Jntereffe der vaterländischen Industrie an die untergeordneten Be­hörden die erneute Weisung ergehen lassen, bei ber AuS-

ßrfieint täglich außer an bep Werktage« nach Sonn- unb Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JLufWirteS Sonutagsblatt" durch di- Expedition (Koch'sche W $ !Hu A bttfierefrbejogenl&wi durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr). - JnserNonsgebüdr für die gespaltene Zeile 10 Pf«.

Tji.iS-s i . i Für in der Expedition zu «tbeilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet. »

iStzür die Monate Rov-wber und Deeember

Hl werden Bestellungen auf die ,.i , r.' ? «i

Bberhesstsche Zeilung

MustrirteS Sonntagsblatt hei allen. Popaustalten soipie in Marburg bei der Expedition entgegengenommen.

AlS jenes Bonaparte Stuber Im schönen Kassel hat gehaust, Unb statt.zu sitzen an bent Ruder . i

Gejubelt hat, geliebt, geschmaust^, „ n fj

War treuer Hessen Brust umschnüret. .

Wie mit dem' stärksten Eisenbaud,

Der Patriot ward aufgespüret “5-ii.ö u :

Gleichwie ein Wild, vom Denuuciant. , , -

Doch gab es Männer, die entfachten In tiefer Brust des Zornes Glut, . . , . Die all den welschen Tand verlachten Unb sich bewahrten Hesseumuth.

Der Emmerich, so kühn im Wagen,

Trug Lorbeern schon auS Friedrichs Zeit, Ihm schlug das Herz in alten Pagen

Wie einst im grünen Jägerkleid.

Ein junger Aar, mit starken Flügeln

War Sternberg, reich an Phantasie,

Der sich nicht ließ von Lasten zügeln, Ins Angesicht Verräthern spie.

Er kam vom Harz ans hohem Horste

An Marburgs Universität, , ,

Sank blutend hin auf, Kassels Forste, Ein junger Baum, früh umgeweht.

Dein Name, Sternberg, soll neu leben In dem Geschlecht, bas kaum bich kennt. Laßt mich aus Staub unb Schutt erheben DaS wohlverdiente Monument!

Mit Emmerich plaM' er zusammen In dem Geheimen, abendlich,

Politische Woche»-Ueberficht.

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• l. Hvfrat- Loh. Heinrich Tternber«, Profeffvx der «kbi$tn zu Marburg.

t IS. Juli 1809.