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xm Jahrgang

Marburg, Sonnabend, 26. Octobcr 1878

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ruhige die Pforte sehr. Eine Anfrage des türkischen Gou­verneurs von Seres, ob er die muselmännische Bevölkerung bewaffnen dürfe, sei im Minister rathe vom Großvezir aus internationalen Gründen, verneint. Der Bulgaren-Aufstand werde allgemein rufstscheu Einflüssen zugeschrieben. Die Differenzen zwischen der Türkei und Rußland wegen des definitiven FriedenLvertrages dauerten fort. Glaubwürdig werde versichert, die Pforte habe, prinzipiell das englische Resormprojekt für Kleinasien acceptirt, ohne jedoch eine direkte Jngerenz englischer Funktionäre zuzugestehen; nur deren controlirende Thätigkeit solle zugelassen werden. Dieselbe Correspondenz berichtet aus Belgrad: Petaw Ef- fendi ist zum türkischen Minister-Residenten in Belgrad und Senator Philipp Christic zum serbischen Minister-Residenten in Konstantinopel ernannt. Das serbische Drina-Cvrps ist auf den Friedenssuß gesetzt. Die bisher nach Serbien ge­flüchteten mohamedanischen Insurgenten, gegen 5000 an Zahl, sind nach Bosnien zurückgesendet. Aus Bukarest: Die internationale Commission zur Feststellung der Grenze zwischen der Dobrudscha und Bulgarien wird am 14. No­vember in Silistria zusammentreten.

Petersburg, 24. Oct. DerRegierungsbote" mel­det: Der russische Commissar von Bulgarien, Fürst Don- dukoss Korsakoff, telcgraphirt, daß er am 22. ds. in Sofia eingetroffen sei, wohin auch die Centralverwaltung des Fürsten- thums Bulgarien verlegt wurde. Mit der Verwaltung Ost- bulgarienS wurde General-Lieutenant Stvlipine betraut, welcher die Rechte eines General-Gouverneurs erhält.

Alexandrien, 23. Oct. Die diplomatischen Agenten Italiens und Griechenlands haben bei Nubar Pascha gegen die Einlösung der demnächst fälligen Coupons der unifi- zirten Schuld formell prolestirt, so lange nicht das Urtheil des internationalen Gerichtshofes gegen die Regierung aus­geführt sei. Italien hat Oesterreich aufgefordert, sich diesem Proteste anzuschließen, und glaubt man, Oesterreich werde diesem Ansuchen entspreche».

Alexandrien, 24. Oct. Die Ueberschwemmung des Nil« hat beträchtlichen Schad«» verursacht, auf 500,000 Pfd. Sterl. geschätzt wird. 250 Menschen sind ertrunken. Die Eisenbahn-Verbindung ist unterbrochen. Die Einwohner beschuldigen die Regierung, die Vorsichtsmaßregeln außer Acht gelassen zu haben.

Zum Präsidenten der RrichskommisstoN im Sinne ialistengesetzeö ist,, dem Vernehmen der N. A. Z. ie, der Minister deS Innern Graf zu Eulenburg t wvrdm.

Ei« Maskenball König Jeromes,

von E. Sch.

(Fortsetzung.)

25*

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isr die Monate Rovembee und Deeember werden Bestellungen auf die Sberhesstsche Zeitung nebst

llustrirtes Sonntagsblatt i allen Postanstalten sowie in Marburg bei der Spedition entgegengenommen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatle», sowie b. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. Ai; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld: C. Schlotte in

Bremen.

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enqrei 6ct jeden Metamorphose in der Garderobe des Königs jc I bestimmten Gewändern, in die sich derselbe stets mit

Elisabeth sah ihr staunend nach, ahnte sie doch nicht, ,H diese zufällige Aeußerung mit den geheimen Befürch- roceut »gen der koketten Französin in innigster Berührung stand I eraphine vermuthete jetzt noch mehr, die ergiebige Phan-

aenao ihres Neides sprach ihr bereits von einem verborgenen 1279? erhültniß des Königs mit der reizenden Zigeunerin, die t erkannt und diese Gelegenheit benutzt hatte, ihr hohn- den nahen Sturz voraus zu verkünden. Seraphine kkH re während dieser Voraussetzungen an das andere Ende Saales, da ihr der König verrathen hatte, daß er | nach der Beendigung der Quadrille dort durch eine ne, genau bezeichnete CabinetSthüre als eleganter Schorn- iseger wieder erscheinen würde. Nachdem sich die Flügel- ren vor einer Weile hinter dem Zug geschlossen hatten, _Jicy der König eiligst denselben um.sein Costüme . h einem anderen zu vertauschen.

Jerome fand ein außerordentliches Vergnügen in der teilen Abwechselung der Masken und sah man ihn des- i oft an einem solchen Fche in sechs verschiedenen Ge­lten. Die Kammerdiener Se. Majestät harrten vor

Deutsches Reich.

Berlin, 24. Octbr. Ucber die traurige Lage des MüllererGeschästs in Deutschland bringt das Fachorgan Die Mühle" folgendes Bild:Es werden die kleinsten Bachmühlen sowohl wie größere Stadtmühlen und die größten Dampfmühlen feil und trotzdem, daß die Eigen­entsprechen? Wird sie meine Wünsche erfüllen und wohl nicht gar zu jenen deutschen Schwärmerinnen gehören, die uns Besiegern Europas gegenüber den erkünstelten Stolz in der Verweigerung einer Bitte zeigen? Das wäre fatal, mehr als fatal i" sprach der König nach einer Weile trat vor den Spiegel und betrachtete stegesgewiß und wohl­gefällig seine jugendliche Gestalt, deren lebensgroßes Ab- bild ihm auS der glänzenden Fläche entgegen strahlte.

In dem Augenblick erinnerte sich Jerome an das Ver­sprechen, welches er bei einer gestrigen Zusammenkunft seiner koketten Geliebten, Mlle. Seraphine le Camus, ge­geben. Aber so wie er sich jetzt die künstlichen, dunklen Locken von der breiten, schönen Stirne strich, so strich er auch mit dem Hauch einer neuen Flamme alle jene stö­renden Gedanken zur Asche des Gewesenen, die ihn an dies flüchtige Verhältnis erinnern und von dem neuen Gegenstände seiner Neigung ablenken'konnten.

Der König, der sonst das Entwerfen militärischer Streifzüge seinem großen Bruder gern überließ, beschäftigte sich schon mit einem Plan zur Eroberung dieser vielleicht hartnäckigen Festung, als der Kammerherr gemeldet wurde und auf einen Wink Sr. Majestät in das Ankleidezim­mer trat.

Mein lieber Baron, Sie werden über meinen selt­samen Befehl ein maßloses Staunen empfinden!" rief der König dem Eintrctenden entgegen, und nachdem er deffen Ver­beugung sehr huldvoll erwidert hatte, fuhr er mit komischen Anklang lebhaft fort:denn eS ist das erste Mal, daß die Noth deS Augenblicks verlangt, mich von Ihnen über ein pikantes Geheimniß in solcher Umgebung aufklären zu lassen."

Der König deutete nach diesen Worten auf die bereit liegenden Faschingkleider, und der Kammerherr, der mit instinktivem Ahnuugövermögen gleich nach der Meldung

DerReichsanzeiger" enthält die Bekanntmachung lneipräsidiums in Berlin vom 23. d. betr. daS Verbot Nr. 247 derBerliner Freien Presie" Und das Ver­des ferneren Erscheinens dieses Blattes. , Die an Stelle der verbotenenBerliner Freien Presie :n zum, ersten Male erschieneneTagespost" ist con- cirt und deren ferneres Erscheinen ebenfalls verboten

stellt, wird es für die Staatsregierung nicht immer leicht sein, sie abzuweisen, zumal sich nicht Voraussagen läßt, ob sic nicht unter gewinnenden Gesichtspunkten an höchster Stelle befürwortet werden. Es muß der Punkt kommen wo für diese Partei der Weg zur Kirche und des Patrio- . tiSmuö sich scheidet, und derjenige würde das Gewicht der kirchlichen Motive verkennen, welcher zweifelt, daß, die Partei im Großen und Ganzen sich zu einer katholischen und. unpreußischen Politik halten werde. Sie wird den geeigneten Boden für die geheime» Einflüsse der fremden katholischen Mächte und wenn eS den Zwecken dient, auch der nichtkatholischen abgeben. So wird sie der Sammel­platz alles zu gleich unpatriotischen und unprotestantischen G^riebeS sein." , ' 7 ' ---

, i.ii-.-i Neueste Orient-Nachrichtenh

Wien, 24. Okt. Das hiesigeTelegr.-Corr.-Bur." meldet aus Kotfftantinopel vom 24. d.: Der russische Bot­schafter Lobanoff dringt bei der Pforte auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes des Friedensvertrages; derselbe würde sich auch mit dem Berliner Vertrage begUügem wenn die nicht- revidirten Artikel des Vertrages von L-an Stefano in diesen ausgenommen wären. Die Pforte ist eher geneigt, einen neuen deutlicheren Vertrag zu unterzeichnen. Die Convention bezüglich Kreta's wurde vorbehaltlich der Fi­nanzpunkte genehmigt. Die Pforte hat ihre definitive Antwort auf den englischen Reformvorschlag betreffend Kleinasien festgestellt. Danach willigt sie in die Ernennung von fremden Gerichtsinspektoren, jedoch nicht von fremden Richten: mit ausschlaggebender Stimme; ferner in die Er­nennung von mehreren fremden Officieren für effektive CommandoS in der GenSdarmerie, und endlich in die Er­nennung von fremden Finanzinsprctoren, jedoch nicht von bergt. Generaleinnehmern. Auch ist dje Pforte geneigt, den Steuersatz zu ändern und alle fremdln Funktionäre auf 5 Jahre zu ernennen. , >,

Wien?»24. Oct. Der*»Ptzlit.Mrr," wird von Kon­stantinopel von heute aus angeblich authentischer Quelle mitgetheilt: Der Großvezir Savfet Pascha erklärte gegen­über dem Vertreter einer Großmacht, daß die Pforte alle Anstalten treffe, um in Bezug auf Serbien und Mon­tenegro den Berliner Vertrag auszuführen. Serbien be­finde sich bereits größtentheils im Besitze der ihm zuerkannten Gebietstheilc; nur die Auslieferung von Vranja, für wel­ches die Pforte gern andere GebictStheile abtreten würde, stehe noch aus. Der Distrikt Gusinje sei bereits von Mo- hamedanern geräumt und dürfte im Augenblick schon an Montenegro übergeben sein. Auch die Räumung von Pod- gorizza sei seitens der Pforte anbefohleu worden. Der Bulgaren-Aufstand in Macedonien und Rumelien beun- ten nachdenkend auf derselben stehen, strich sich mit der Recht«: über die Augen und wandte sich dann an den nächststehenden mit dem von eigenthümlicher Hast begleite­ten Befehl:

Der im Saalvorzimmer Dienst thuende Kammerherr soll sich sofort hierher und die Anwesenden hinaus bemühen, ich werde ihn sprechen und erst nach dieser Audienz die erforderliche Hilfe zur Anlegung meines zweiten Anzugs bedürfen!"

König Jerome machte nach diesen Worten eine hinaus- wcisende Handbewegung, die Diener legten die Kleidungs­stücke bei Seite traten ab, und der.Beauftragte eilte in das Vorzimmer des Saales, um den Befehl Sr. Majestät so schnell als möglich zu erfüllen.

Nachdem die Diener verschwunden waren, durchschritt König Jerome mehrmals hastig und von erkennbarem Nach­denken überwältigt, den beschränkten Raum der Garderobe. Plötzlich aber wie von einem augenblicklichen Gedanken erleuchtet blieb er stehen und sprach mit bewegter, von einer lebhaften Handbewegung unterstützter Ueberzeugung: Ich hab's! Die überraschende Uebercinstimmung mit dem süßen, unauslöschlichen Bilde der Erinnerung zieht mich mit unwiderstehlicher Macht zu der glai^vollen, reizenden Er­scheinung hin! Die Liebe ist eine Chimäre, das SiegeS- gelüste der Weiber ist stärker als ihre Festigkeit, Elisabeth ist zu stolz, ist aus ewig für mich verloren; deshalb deshalb wiederholte der König mit leisem Beben soll mir ihr Ebenbild von heute an der würdigste Ersatz sein!"

Einen Augenblick warf er sich nach diesem Entschlusie in einen nahestehenden Sessel, doch dann sprang er auf und richtete in kurzen Zwischenräumen die Fragen in tiefster Erregung au sich selbst:Wer mag sie nur sein? Mrd ihr Gesicht auch dem Reize der galten Gestalt j

r fabelhaften Geschwindigkeit zu hüllen verstand.

Auch heule standen die dienstbaren Geister wieder mit ht verschiedenen Bestandtheilen des eleganten Schornstein- zeranzugs parat, als König Jerome hastig und aufgc- tzt in der Portiere der Garderobe erschien.

K Nicht wie sonst entlebigte er sich im Augenblicke schon M der Thürschwelle eines Theiles seines betreffenden An- Wlges, er blieb ohne seine Diener zu beachten, einige Minu-

«SrtAHnt täalick außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJtlustrlrteS Sonntagsblatt durch die Expedition (Koch fche Buckdruckerei) bezogen «ar«, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (e$d. Bestellgebühr). -JZnsertionSgebühr tür die gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertbeilenbe Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

In der gestrigen Sitzung deS BundeSrathes wurden zu ter, Miedern der nach § 26 des Socialistengesetzes einzu- i enden Beschwerde-Commission gewählt: aus dem Bun- : Srathe der UnterstaatSsecretär im preussischen Ministerium z Innern Bifter, der hiesige württcmbergische Gesandte i Spitzcmberg, der hiesige sächsische Gesandte v. Nostiz- - kN) tzaüwitz, der hiesige mecklenburgische Gesandte v. Prollius, nur hb als richterliche Mitglieder die preussischen Obertribu- 678 äSräthe v. Holleben, Hahn und Delius, das Mitglied bayerischen obersten Gerichtshofes Schneider und Ober- atrvnsrath Lehmann in Lübeck.

hi#*Äei8en nimmt entgegen: Jlrr tz«edttivnd.»latte», staut »ub-Annoncen-Bureaux l hgt j Th. Dietrich & Co. in . ,, und Hannover; Th. tr ll« .MmFrankfurta.M.; Httftri äfenftein & Vogler in - t intfurt o. SW., Berlin, r-*8 »,ig Köln «.; Rudolf [27? ifl, in Berlin, Frank- futt a. M- ic.

ut. In der letzten Zeit wär vielfach die Rede von der Drei« Achtung einer päpstlichen Nuntiatur in Berlin; inter- mnfer ist es nun, was Professor Jacobi in Halle bereits leiere 1 Jahre 1868 über dieses Project geschrieben hat:

Um den vornehmen und interessanten Herrn, sagte a ,(.nt wobi, wird sich bald ein glänzender Zirkel sammeln. ° f vholische und katholisirende Aristokratie wird nut :hm ; i natürliches Bündniß eingehen und die katholischen endenzen werden ein sicheres Fundament in einer ge- fefienen Hofpartei gewinnen. Wenn diese an der Spitze k katholischen Bevölkerung Preußens ihre Forderungen