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Nr. 2Sl

JI?QlÖurg, Freltag, 25 October 1878

XIII ZahlMg.

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöckeiitlicken gvifn-,. . TT. ----------------

«uchdruckere.) bezogen 2', Mark durch di- Postämter des D-Mschen Reiches 2 Mark 50 . (*tf.*®efSlJebfe3-SfÄnaJe}!« U gespaNen^Ä io°We

5ür in der Expedition ja ende,lende Auskunft und Annahme von Adresse» werden 25 Pfg. berechnet. $cl e * dsg.

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war die erste Arbeit des neuen Reichstages. Er hat

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<Xür die Monate November und Deeember ö werden Bestellungen auf die

Bberhessische Zeitung

totrbtn soll, so muj in Zukunft die Arbeit sich darauf beziehen, die Schaden zu heilen, aus welchen die Social- demokratir erlauben ist und aus welchen sie ihre Kraft zieht. Es ist deshalb eine gründliche Revision unse­rer lvtrthschaftlichen Gesetzgebung, welche großentheils als den liberalen Grundsätzen des Gehenlassens beruht, bringend geboten. Insbesondere muß das Lehrlingswesen geregelt, die Erlaubniß zum Gewerbebetrieb von der wirklichen technischen Kenntniß der Gewerbe abhängig gemacht, daö Wuchergesctz, die Schankfreiheit revidirt, unsere Zoll- und Steuerpolitik reformirt, das allgemeine Wahlrecht durch Ansatz eines höheren Alters und Verlängerung der Wahl­periode geändert und die Lage der Arbeiter durch Schaf­fung von gewerblichen Organisationen und Alterversorgungs­kassen u. s. w. verbessert werden.

Die Hauptsache ist, daß diese Reformen nicht auf die lange Bank geschoben werden. Vergehen die 2'/2 Jahre des Socialistengesetzcs, ohne daß unsere notorischen Miß­stände gebessert werden, so wird die Sympathie des Volkes sich auf die Seite der Socialdemvkratie wenden, wie sie sich nach den fünfziger Jahren auf die Seite des Libera­lismus wandte.

Lnz-ig-n nimmt entgegen: Mt Expedition d.Blatte», [oi.e d.Annonccn-Bur-auk von Th. Dietrich & Eo. in jiaf). und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Bifenftein & Vogler in nkfurt a. M., Berlin, ijig, CSln sc.; Rudolf

Stoffe in Berlin, Frank­furt a. M. sc.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d. Blatte», sowie d. Annoncen-Bureaux von G. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Vuchhanbl. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin; W. Thienes in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen-

Tagesbericht.

DerReichsauzciger" veröffentlicht eine gemäß § 29 des Socialistengcsctzes erlasfene Bekanntmachung des Mi­nisters deS Innern vom 23. d., wonach im Sinne des gedachten Gesetzes unter der BezeichnungLandespolizeibe- Hörde" die Regierungen, Lauddrosteien nnd das Berliner Polizeipräsidium und unter der Bezeichnung .Polizeibe­hörde" die Ortspolizcibehörden zu verstehen sind. Laut imReichsanzeiger" mitgetheiltcn Bekanntmachungen sind die vom Polizeipräsidium in Berkin verbotenen Vereine die nach­stehend genannten: der Verein zur Wahrung der Interessen der werkthätigen Bevölkerung Berlins, der Verein für com- munalc Angelegenheiten des Nordostdistricts, der Deutsche Tabakarbeiterverein und der Verband der Deutschen Schmiede.

DerReichsanzeiger" publicirt ferner,eilte Bekannt­machung des Polizeipräsidiums vom heutigen, wonach auf Grund des § 11 des Svcialistengesctzes 34 namentlich aufgeführte uichtperiodische, seit 1872 erschienene Druck­schriften verboten werden. Davon sind 16 in Berlin, 9 in Zürich, 3 in Brüssel, 2 in Chicago, 1 in Bern, 1 in Paris, 1 in Pest und 1 ohne Angabe deS Erscheinungs­ortes herausgekommen. Die Wahl der durch den Bun- deSrath zu bestellmden Recursinstanz erfolgt morgen.

Der Bundesrath wird morgen eine Sitzung abhalten, um zur Wahl der Beschwerdekommission zu schreiten, welche

Das kann nicht anders möglich fein," entgegnete der Kammerherr und öffnete mit einer tiefen Verbeugung die Flügelihüren, welche den Damen den Eintritt in bett größten Saal des Faschingfestes gestattete. Einen Augenblick blie­ben beide wie gebannt aus der Schwelle des Eingangs stehen, denn die Dielseüigkrit des Glanzes, die in der Aus­schmückung des SaaleS das Großartigste geleistet hatte, das Gewoge der mannigfalltigsten Masken und der rau­schende Klang der beiden Musik-Chöre machte auf die so sehr an Stille und Einsamkeit gewöhnten Frauen einen überwältigenden Eindruck. .

Zwischen der Flügelthüre und bet vier Stufen zählen­den Treppe, die in den Saal hinunterführte, befand sich ein balconartiger freier Raum, der die ankommenden Gäste den bereits erschienenen recht deutlich bemerkbar machte. Kaum waren Elisabeth und die alte Marquise auf diese Stelle getreten, als aller Augen sich nach dieser Richtung lenkten und ein Flüstern des Staunens die zahlreiche Mas- kenschaar durchflog.

In demselben Augenbllck wurdm auf der anbeten Seite des Saales dir Flügelthüren geöffnet, und eS erschien ein eleganter Zug französischer Hofherren und Hofdamen auS der Zeit Heinrichs IV., welcher von dem König und der Königin angeführt wurde und aus den hervorragendsten Mitgliedern des königlichen Hofes bestand.

Ehe sich dieser Zug zur Quadrille aufstellte, mit welcher der König und die Königin stets eine solche Festlichleit zu eröffnen pflegten, bewegte sich derselbe in einem Rundgang durch den Saal, bei dem das jugendliche Fürstenpaar von allen ©eiten die Huldigungen der Gäste empfing. Jetzt nährte sich der Zug der verbindenden Treppe, auf deren oberster Stufe die beiden Damen noch immer standen, da ihnen durch das Gedränge und Ausweichen der Masken der Ein­tritt in den Saal bis jetzt unmöglich gewesen war. König

:n, 8t» Maskenball König Zerömes. .

I< -Hiy von E. Sch.

(Fortsetzung.)

|,_'Se. Majestät hatten sicher noch nie das Glück, die F i Damen zu seinen Gästen zu zählen," sprach jetzt f Lammerherr ebenfalls in reinstem Französisch, und, FcM tt nochmals die hohe Gestalt der eleganten Zigeu- t i mik einem Blick der Bewundening überflogen hatte, st er, sich vor bet letzteren verneigenb, mit galanter Lie- d loüidigkeit fort:Ihre Erscheinungen würden meinem Wachtnitz ewig unvergeßlich geblieben sein!"

^Da4. Einhalten eines Trauerjahrs verhinderte unS cuie, anden Festlichkeiten Sr. Majestät theilzunehmen," rcprtrtc schnell die alte Marquise anstatt Elisabeths, Mt/SJetfteQung von den Eindrücken der nächsten Augen- l sie sonstige Schlagfertigkeit ihres lebhaften Geistes 1 -KHatke. 1

L©» wird Sr Majestät diese Festlichkeit die seinen ! mit einer neuen Perle bereichert, zu einer doppelten k" werden, und bebaute ich nur, baß es Sr. Majestät U schon setzt wie mir vergönnt ist, sich an ihrem - lenden Glanze zu weiden," antwortete der Kammerherr, ) enbbeui die Damen sich anschickten, ihre Masken wie- rrubtnben.

M« zückende Bewegung durchflog bei diesen Worten öthc Gestalt der jungen Frau, aber sie erinnerte sich ivHeiMt^jen leichten Ton der Koketterie, der an diesem ! herrschte, sie gedachte an die glückliche Durchführung Aufgabe und erwiederte mit gleichet unbeschreiblicher i «süÄigkeit:Es könnte mich stolz und unendlich i Äh- Michen, wenn es ein guter Genins wollte, daß l Mk-ftstät Gesinnung sich ebenso huldreich, als die I W1 juneigen würde!"

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;» _ ch nun auf einige Monate vertagt, bis Mitte Februar. Daß 'mont ^e!cm Gesetz Alles gethan sei zur Besierung unserer

»tialielen Verhältnisse, das glaubt kein Mensch. Aber

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----- un mtsteht die Frage: Was soll nun weiter geschehen?

>78. -a i-un durch dieses Gesetz äußerlich Ordnung geschafften

4 ub en wüsten Agitationen der Socialdemokraten gewehrt '-jl1 ii'i ii' 'in. .....

Jllustriktes Sonntagsbintt bei allen Postanstalten sowie in Marburg bei Fer Expedition entgegengenommen.

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cCS 26 des Gesetzes gegen die gemeingefähr- l'chen Bestrebungen der Sozialdemokratie zu bilden ist Der Bundesrath wird vier Mtiglieder aus seiner Mitte und fünf auS den Mitgliedern der höchsten Gerichte des Reichs oder der einzelnen Bundesstaaten wählen, der Präsident wird vom Kaiser ernannt.

In einem Artikel, überschriebenDie Annahme deS Sociallstengesetzeö , weist diePtov.-Cortesp." auf daS vertrauensvolle Zusammenwirken der staatSerhaltenden Mehrheit des Reichstages mit der Negierung hin, wodurch ern neues festes Band für alle staatserhaltenden Parteien auch zu wetteret sruchtbringenber Thätigkeit gewonnen worden sei. Allseitig sei klar erkannt und offen ausgesprochen worden, daß das neue Gesetz vor Allem den Boden wieder frei machen solle für eine segenbringende positive THL- tlgkett auf dem Gebiete der Volkswirlhschaft und ernster Fürsorge des Staates für alle berechtigten und besonnenen socralen Bestrebungen. Möge die Wirkung des Gesetzes sich bald so erfolgreich bewähren, daß diese ernsten Bestre­bungen wieder allseitig günftigeii Boden in unserem Volke finden. Die Correspondenz meldet ferner, daß der Landtag voraussichtlich auf einen Tag der am 18. November be­ginnenden Woche einberufen werde.

DieNordd. 210g. Ztg." erklärt die Nachricht, daß v. Benmgfm trgenb ein hohes ReichSamt zugesichert worden wäre, für eine leere Erfindung.

Die Voruntersuchung in Sachen deS Untergangs des Großen Kurfürsten" hat vor dem besonders daniit be­auftragten Marine - StationSaudidoriat begonnen; nahezu hundert an der Katastrophe mehr oder minder beteiligte Personen sind vorgeladen, die der Nordseestation Wilhelms­haven angehötenden dürften bereits sämmtlich in Kiel ein» getroffen jein. Nach der Auskunft welche der Marinemi- uifter v. Stosch am 13. September dem Reichstage erteilte, wurde damals die Allerhöchste Eiltscheidung über Einleitung einer kriegsgerichtlichen Unterfuchungin den nächsten Ta­gen" erwartet.

Das scheinbare Mitbieten von Personen bet Waaren- Autionen, um unbeteiligte Dritte in den irrigen Glauben ZU versetzen, daß der auSgebotene Gegenstand mehr werth sei als er wirklich werih ist, und sie zu höherem Gebote zu veranlassen, ist nach einem Erkenntniß des Obertribu­nals vom 20. September 1878 als Betrug zu bestrafen. Haben dabei die Scheinbieter im Einverständuiß mit dem Auetionator gehandelt, so sind sowohl jene, als auch dieser wegen Betrugs resp. Theilnahme am Betrüge zu bestrafen. Jerome, der mit liebenswürdiger Galanterie nach allen Rich­tungen die Verbeugungen ferner Gäste erwiederte, sah jetzt durch eine zufällige Bewegung geleitet, auf die auffaUeub schöne Gestalt der Zigeunerin, die sich gleich den anderen Gästen tief vor dem herannahenden Fürstenpaar verneigte Bei ihrem Anblick schien sich das Auge des Königs zu er­weitern, feine Hand zitterte heftig in der seiner jungen Ge­mahlin, er hielt plötzlich im Gehen inne und sah mit so geisterhaftem Staunen nach der rchenben Erscheinung, daß man hätte glauben können, er sähe in ihr ein drohendes Unheil verkündendes Gespenst. Beruhte diese Anschauungs­weise auf Gegenseitigkeit, ober verbanb die beiben Herzen noch immer jene geheimnißvolle magnetische Kraft, von der die Sage berichtet, daß sie im rechten Augenblick im Stande sei, das scheintodte Glück zweier Liebenden mit dem Zau- berstabe des Wiedersehens neu zu beleben? Denn auch der jungen Marquise theilte sich diese Spannung mit, sie blickte einige Momente athmenlos auf den staunenden König und umschloß krampfhaft die Hand der Tante, die sie vor dem Umstnken stützte.

Fasse Dich, Elisabeth, sonst ist Alles verloren!" flüsterte ihr jetzt die alte Marquise zu, deren äußerliche Harmlosig­keit den tief innerlichen Triumph nicht im Entferntesten ahnen liefe, den ihre rachedurstige, beleidigte Seele über den Schrecken des verhaßten Napoleoniden feierte.

Während dem der König langsam vorwärts schritt, ge­wann auch Elisabeth daS Gleichgewicht ihres Wesens wi der, und ruhig und unbefangen ertrug sie die Blicke ihres treu­losen Gemahls, der nach kurzer Entfernung immer wieder ftaunend und bewundernd auf ihrer hohen Erscheinung hastete.

Den an diesem Saaltheil stehenden Marken war die Bewegung des Königs nicht entgangen, allem die Deutung derselben entfernte sich sehr weit von der chatsächlichen Uv«

Der BundeSrath hat bas Soxialistergesetz in ber Ge­stalt, welche es durch die BerathuNgep des Reichstages er­halten hat, geuehmigt, und es ist Kreits imStaatsan­zeiger" veröffentlicht worden. Man köimte nicht sagen, daß das Gesetz durch diese Berathunger vervollkommuet worden sei. Jedenfalls ist die Bestimmung, daß es nur für 2V? Zähre Gültigkeit haben soll, .ine Verschlechterung. Denn fein Mensch, der heute für 3a6 Gesetz ist, glaubt, daß wir nach 2* 2 Jahren nicht mehr nölhig hätten. Man tröstet sich damit, daß.s dann verlängert werden könnte. Mein diese Aussicht ,'oirb die Socialdemokratie dazu er­muntern, ihr Pulver trocken zu erhalten und für die neuen Iinchstagswahlen denn ihre Anstrengungeu zu verdoppeln. Aber ganz abgeseher davon, so wird man eS nicht begreifen könne'!, wk man S/j» Jahre lang Vereine und Zeitungen fvelch socialdemolhatischen, socialistischen und communisti- i aus den Umsturz der staatlichen und gesellschaftlichen sdr Mg grrich.ete Bestrebungen huldige«, verbieten will r ^ch 2 'ü Jchren nicht mehr. WaS jetzt unerlaubt und straf- ift, muß :s auch nach 2 */2 und 10 Jahren noch immer Sitte aif den Umsturz des Staates gerichtete Agi- sit kann der Staat nie zulassen, heute sv wenig als Zukunft. ES ist also ein solches Verbot immer nöthig; ßrd keine solche Vereine mehr da, so ist um so besser, braucht das Gesetz auch nicht mehr angewendet zu ;78" 1 toben; abir es bleibt bann immerhin als Waffe bestehen; :n der *nu wieber solche Angriffe auf ben Staat gemacht werben, «an hätte also baö Gesetz getrost, wie jebeS anbere Gesetz, fäaft unbestmmte Zeit geben sollen.

chchen. Aber bas Socialistengesetz ist nun einmal, wie es ist.

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